Das Erleben des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Rudolf Steiner

„Man kann die Tatsachen der geistigen Welt in verschiedener Weise aussprechen, von den verschiedensten Seiten beleuchten. Das klingt dann zuweilen verschieden. Aber gerade durch diese verschiedenen Beleuchtungen werden die Tatsachen der geistigen Welt erst völlig vor die Seele hingestellt. Und so werde ich denn an diesem Abend in einer etwas andern Sprache, in anderer Beleuchtung einiges von dem wiedergeben, was ich in den letzten zwei Vorträgen in dem Goetheanumbau auseinandergesetzt habe für das Erleben des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

Wir haben gehört, wie der Mensch zunächst, wenn der physische Leib von ihm abgefallen ist, in einen Zustand des kosmischen Erlebens übertritt. Er trägt nach dem Ablösen des physischen Leibes an sich noch seinen ätherischen Organismus; aber er fühlt sich gewissermaßen nicht mehr in diesem ätherischen Organismus darinnen, sondern er fühlt sich seelisch ausgebreitet in die Weltenweiten. Nur kann er in diesen Weltenweiten, über die sich also jetzt sein Bewusstsein auszudehnen beginnt, die Wesenheiten und Vorgänge noch nicht deutlich voneinander unterscheiden. Er hat ein kosmisches Bewusstsein, aber dieses kosmische Bewusstsein hat noch keine innere Deutlichkeit. Und außerdem ist zunächst für die ersten Tage nach dem Tode dieses Bewusstsein von dem noch vorhandenen ätherischen Leibe eingenommen. Was zunächst verlorengeht, ist das im Menschen, was an die Kopforganisation gebunden ist. Ich will gar nicht irgendetwas Ironisches sagen, sondern etwas ganz Ernstes: Den Kopf verliert man, auch seelisch gemeint, zuallererst, wenn man durch die Todespforte hindurchgeht. Die Kopforganisation hört auf zu wirken.

Nun ist es gerade die Kopforganisation, welche das Denken im Erdendasein vermittelt. Es ist die Kopforganisation, durch die der Mensch während seines Erdendaseins in einer gewissen Aktivität seine Gedanken bildet. Die Kopforganisation verliert man zunächst, wenn man durch die Todespforte geschritten ist, aber die Gedanken verliert man nicht, die Gedanken bleiben. Nur werden sie von einer gewissen Lebendigkeit durchsetzt. Sie werden dumpfe, dämmerige, geistige Wesenheiten, die einen in die Weltenweiten hinausweisen. Es ist so, wie wenn sich die Gedanken von dem menschlichen Haupte losgelöst hätten, wie wenn sie noch zurückleuchteten auf den letzten menschlichen Lebenslauf, den man als seinen ätherischen Organismus erlebt, aber wie wenn sie zu gleicher Zeit auf die Weltenweiten hinweisen würden. Man weiß noch nicht, was sie einem sagen wollen, diese Menschenideen, die gewissermaßen eingespannt und eingepfercht waren in die Kopforganisation und die jetzt befreit sind und in die Weltenweiten hinausweisen.

Wenn nun aus den Gründen und in der Art, wie ich das gestern drüben im Bau charakterisiert habe, der ätherische Leib sich aufgelöst hat, wenn das kosmische Bewusstsein nicht mehr hingebannt ist in dieser Art auf den letzten Erdenlebenslauf – in der andern Weise, die ich auch charakterisiert habe, bleibt es zunächst hingebannt -, wenn dieser ätherische Leib nun auch abgelöst ist vom Menschen, dann werden die Ideen, die sich der Kopforganisation entrissen haben, gewissermaßen heller, und man bemerkt jetzt, wie diese Ideen einen in den Kosmos, in das Weltenall hinausweisen.

Es ist so, dass man in das Weltenall hinauskommt auf die Art, dass zunächst die Pflanzenwelt der Erde der Vermittler ist. Missverstehen Sie mich nicht: nicht als ob ich sagen wollte, dass die Pflanzen, die an dem Orte, wo man gestorben ist, den Erdboden bedecken, es gerade seien, die einem den Weg hinaus bereiteten, sondern wenn wir die Pflanzenwelt der Erde betrachten, so stellt sie sich für den geistigen Anblick so dar, dass das, was die physischen Augen sehen, nur ein Teil dieser Pflanzenwelt ist. Ich will, was da stattfindet, in einer schematischen Weise auf die Tafel zeichnen (siehe Zeichnung). Nehmen Sie an, das wäre die Erdoberfläche; es wüchsen aus der Erdoberfläche Pflanzen heraus (grün). Es ist natürlich in gar keinem Verhältnis gezeichnet, aber Sie werden verstehen, was ich meine. Man verfolgt
diese Pflanze mit den Sinnen bis zu der Blüte (rot). Der geistige Anblick dieser Pflanzen aber zeigt, dass das nur ein Teil der Pflanzenwelt ist, dass von der Blüte nach aufwärts ein astralisches Geschehen und Weben beginnt. Gewissermaßen ist über die Erde ein Astralisches ausgegossen, und aus diesem Astralischen heraus kommen spiralförmige Gebilde (gelb). Wo die Erde die Möglichkeit gibt, dass Pflanzen entstehen, da ruft das Herüberströmen dieser Astralweltspiralen das Pflanzenleben hervor.

Diese Weltspiralen umgeben nun die Erde überall, so dass Sie nicht glauben dürfen, dass das Herunterströmen, Herunterglänzen und Herunterglitzern dieser astralischen Weltspiralen nur dort ist, wo Pflanzen wachsen. Es ist überall in verschiedener Weise vorhanden, so dass man auch in der Wüste sterben könnte und doch Gelegenheit hätte, beim Hinausströmen in das Weltenall diese Pflanzenspiralen anzutreffen.

Diese Pflanzenspiralen sind nun der Weg, auf dem man sich bewegt von der Erde nach der Planetensphäre hin. Man schlüpft also gewissermaßen durch die geistigen Fortsetzungen der Pflanzenwelt der Erde aus dem Erdengebiete heraus. Das wird immer weiter und weiter. Diese Spiralen erweitern sich mehr und mehr, bekommen immer weitere Kreise. Sie sind die Fahrstraßen nach der geistigen Welt hinaus. Man würde aber da nicht hinauskommen, man würde gewissermaßen immer stillstehen müssen, wenn man nicht die Möglichkeit gewänne, eine Art negativer Gewichte zu haben, Gewichte, die nicht nach unten lasten, sondern Gewichte, die einen hinaufschieben. Und diese Gewichte sind die geistigen Inhalte, die Ideen der in der Erde befindlichen mineralischen Gebilde, insbesondere der Metalle; so dass man sich auf den Pflanzenbahnen in die Weltenweiten hinausbewegt und unterstützt wird durch die Kraft, welche einen namentlich von den Metallen der Erde nach den Planetensternen hinträgt. Irgendwelche Mineralgebilde haben immer die Eigentümlichkeit, dass die ihnen innewohnenden Ideen gerade zu einem bestimmten Planeten tragen. Man wird also, sagen wir, von zinnartigen Mineralien, das heißt von ihren Ideen, zu einem bestimmten Planeten getragen; von dem, was in der Erde als Eisen ist, das heißt von der Idee des Eisens, wird man zu einem bestimmten Planeten getragen. Was also im Erdendasein für den physischen Menschen aus der Umgebung hereinspielt als mineralische und pflanzliche Welt, das übernimmt in seinen geistigen Gegenbildern das Hinausgeleiten des Menschen nach dem Tode in die Weltenweiten. Und man wird wirklich in die Planetenbewegungen, in den ganzen Rhythmus der Planetenbewegungen durch das Mineralreich und das Pflanzenreich der Erde hineingetragen.

Indem das Bewusstsein allmählich über die ganze Planetensphäre ausgedehnt wird, so dass man in der eigenen Innenwelt der Seele von dem Planetenleben weiß, durchschwebt man in dieser Weise die ganze Planetensphäre. Man würde in ihr, wenn nichts anderes da wäre als die Ergießungen des pflanzlichen und mineralischen Daseins in den Weiten, alles das erleben, was man in den Geheimnissen des mineralischen und pflanzlichen Reiches erleben kann. Und diese Geheimnisse sind außerordentlich mannigfaltig, großartig, gewaltig, sie sind inhaltreich, und niemand braucht zu glauben, dass das Leben, das da beginnt für den seelisch-geistigen Menschen, wenn er seinen physischen Organismus verlassen hat, etwa ärmer sei als das Erdenleben, das wir von Tag zu Tag verbringen. Es ist in sich mannigfaltig, aber es ist auch in sich majestätisch. Man kann an den Geheimnissen eines einzigen Minerals mehr erleben, als man im Erdenleben an allen Reichen des Naturdaseins zusammen erlebt.

Aber es ist in dieser Sphäre, die man als die Planetensphäre durchwandelt, noch etwas anderes da. Es sind die in den letzten Tagen charakterisierten Mondenkräfte, die geistigen Mondenkräfte. Es ist die Mondensphäre da. Sie wird allerdings, je weiter man sich hineinlebt in ein außerirdisches Dasein, in ihrer Wirksamkeit immer schwächer und schwächer. Sie kündet sich in ihrer Wirksamkeit stark an in den ersten Zeiten, die wohl nach Jahren zählen, nach dem Tode; sie wird aber immer schwächer und schwächer, je mehr sich das kosmische Bewusstsein weitet. Wenn diese Mondensphäre nicht da wäre, würde man nach dem Tode zweierlei nicht erleben können. Das erste ist jene Wesenheit, die ich in den letzten Tagen erwähnt habe und die man selber während des letzten Erdenlebens ausgebildet hat aus den Kräften, welche die moralisch-geistige Bewertung des eigenen Erdenlebens darstellen. Man hat eine geistige Wesenheit ausgebildet, eine Art geistiger Elementarwesenheit, die zu ihren Gliedern, zu ihren Fangarmengestaltungen das hat, was eigentlich ein Abbild ist des
menschlichen moralisch-geistigen Wertes. Wenn ich mich so ausdrücken darf: eine lebendige Photographie, herausgebildet aus der Substanz des astralischen Kosmos, lebt mit der Seele mit, eine Photographie, die aber eine reale, eine lebendige Photographie ist, auf der man sieht, was für ein Mensch man eigentlich im letzten Erdenleben war. Diese Photographie hat man vor sich, solange man in der Mondensphäre ist.

Aber außerdem erlebt man in dieser Mondensphäre allerlei von mannigfaltigen Elementarwesen, von denen man sehr bald bemerkt, dass sie eine Art traumhaftes, aber sehr hell traumhaftes Bewusstsein haben, das mit einem helleren Bewusstseinszustand abwechselt, der sogar heller ist als das menschliche Bewusstsein auf Erden. Diese Wesenheiten pendeln gewissermaßen zwischen einem dumpfen, traumhaften Bewusstseinszustande und einem helleren Bewusstseinszustande, als ihn der Mensch auf Erden hat. Diese Wesenheiten lernt man kennen. Sie sind zahlreich, und sie sind in ihrer Gestaltung außerordentlich voneinander verschieden. Man erlebt in dem Lebenszustande, den ich jetzt schildere, diese Wesenheiten so, dass man sieht, wie sie dann, wenn sie ein dumpferes, traumhaftes Bewusstsein bekommen, hinunterschweben zur Erde, wie sie gewissermaßen durch die Mondengeistigkeit hinuntergestoßen werden auf die Erde und wie sie wiederum zurückschweben.

Ein reiches Leben stellt sich dar von solchen auf die Erde hinunterschwebenden und wiederum zurückschwebenden, auf und nieder strömenden Gestalten solcher Art, wie ich sie eben geschildert habe. Man lernt erkennen, dass das auf der Erde befindliche Tierreich mit diesen Gestaltungen in Beziehung steht. Man lernt erkennen, dass diese Gestalten die sogenannten Gruppenseelen der Tiere sind. Diese Gruppenseelen der Tiere senken sich hinunter. Das bedeutet: irgendeine Tierform wacht unten auf der Erde. Wenn diese Tierform mehr in einem solchen Zustande ist, wo sie unten schläft, dann kommt die Gruppenseele in die Höhe hinauf. Kurz, man merkt, dass das Tierreich mit dem Kosmos in einer solchen Beziehung steht, dass innerhalb der Mondensphäre das Lebensfeld für die Gruppenseelen der Tiere ist. Die Tiere haben keine individuellen Seelen, sondern ganze Gruppen von Tieren, die der Löwen, der Tiger, der Katzen und so weiter haben gemeinsame Gruppenseelen. Diese Gruppenseelen führen eben ihr Dasein in der Mondensphäre, auf und nieder schwebend. Und in diesem Aufundniederschweben wird das Leben der Tiere aus der Mondensphäre herein bewirkt.

Es ist eben in der Welt gesetzmäßig bedingt, dass in dieser Sphäre, in der man die Gruppenseelen der Tiere antrifft, also in der Mondensphäre, auch unser moralisch-astralisches Gegenbild sein Leben hat. Denn wenn man dann mit dem kosmischen Bewusstsein sich weiter in die kosmischen Weiten hinauslebt, lässt man zurück in der Mondensphäre, wie ich es dargestellt habe, diese lebendige Photographie dessen, wozu man es als moralisch-geistiges Wesen während des letzten Erdenlebens und auch der früheren gebracht hat. Auf diese Weise kommt man, also die pflanzliche, die mineralische und die tierische Welt erlebend, in die Planetensphäre hinein. Man ist von der Mondensphäre noch eingenommen, aber man lebt sich in dieser Weise in die Planetensphäre hinein. Man lebt die Bewegungen der Planeten mit. Man ist auf den Bahnen des Pflanzenwesens in den Kosmos hinausgeschritten. Man ist getragen worden von den Ideen der mineralischen, namentlich der metallischen Wesen. Man fühlt, eine bestimmte Art des Pflanzlichen auf der Erde ist ein irdisches Abbild dessen, was einen da als ein Spiralweg, der sich immer mehr und mehr weitet, hinführt, sagen wir zum Jupiter. Aber dass man zum Jupiter geführt wird, das ist davon abhängig, dass man die Idee eines bestimmten Metalles und bestimmter Mineralien der Erde in Lebendigkeit erlebt. […]

Wenn der Mensch dieses durchgemacht hat, wenn das eintritt, was ich in den letzten Tagen als notwendig bezeichnet habe, dann beginnt für ihn die Möglichkeit, sich über die Planetensphäre hinauszuheben und in die Fixsternsphäre einzutreten. Er kann das nur dadurch, dass er sich der Mondensphäre entwindet. Die muss gewissermaßen hinter ihm bleiben. Aber was er da in der geschilderten Art in der Planetensphäre erlebt, was er als den Sinn des mineralisch-metallischen Reiches der physischen Erde, was er als die bahnführenden Richtungen der Pflanzenwelt der Erde erlebt, alles das Großartige, das er da durchmacht, das wird ihm in einer gewissen Art gestört durch die Einschläge der Mondensphäre, das wird ihm in einer gewissen Weise dadurch verdunkelt, dass er die elementarischen Wesen erlebt, die zum Tierreiche gehören und die neben jenen eigentlich ganz harmonischen Bewegungen, in denen sie auf- und niedersteigen, also neben diesen Vertikalbewegungen auch Horizontalbewegungen haben. In diesen horizontalen Bewegungen, welche durch die Gruppenseelen der Tiere innerhalb der Mondensphäre ausgeführt werden, spielen sich allerdings furchtbare Urbilder für disharmonische, diskrepante Kräfte im Tierreiche ab. Da gibt es furchtbare, wüste Kämpfe zwischen den Gruppenseelen des Tierreiches. Durch diesen Einschlag der Mondensphäre in die Planetensphäre wird das, was sonst in innerer Ruhe und würdevoller, majestätischer Art durch die Urbildlichkeit des pflanzlichen und mineralischen Reiches erlebt werden kann, in einer gewissen Weise gestört.

Entwindet sich der Mensch der Mondensphäre und gelangt er in die Fixsternsphäre, dann bleibt ihm eine kosmische Erinnerung – so können wir es nennen – an diese gewaltigen, majestätischen Erlebnisse der Planetensphäre mit der Urbildlichkeit des irdischen Mineral- und Pflanzenreiches. Das bleibt ihm als eine Erinnerung. Und er tritt in eine Welt von geistigen Wesenheiten ein, deren, wie ich schon gesagt habe, physisch-sinnliches Abbild die Konstellationen der Sterne sind, jene Sternkonstellationen, die, wenn man sie in der richtigen Weise versteht, der Ausdruck dafür sind, gewissermaßen die Schriftzeichen darstellen, aus denen man die Eigentümlichkeit, die Taten und die Willensintentionen der geistigen Wesenheiten in der Sternensphäre erleben kann. Man erlebt jetzt gewissermaßen schauend die geistigen Wesenheiten, die nicht in physischen Leibern auf Erden wandeln, die eben nur in dieser Sphäre der Sterne erlebt werden können. Und man tritt ein in diese Sphäre, um innerhalb derselben das eigene Wesen mit dem kosmischen Bewusstsein – das sich jetzt erweitert hat, für das die räumliche Anschauung übergegangen ist in eine qualitative Anschauung, für das die zeitliche Anschauung übergegangen ist in die Gleichzeitigkeit -, um dieses eigene Wesen zu durchdringen mit den Taten dieser göttlich-geistigen Wesenheiten.“

Rudolf Steiner in der GA 216, S. 9 ff.

dazu passend:

Der Weg des Menschen in der Geistwelt…
Hier: GA 216 Seite 16-23

„Während man hier auf der Erde in seiner Haut eingeschlossen ist und die andern Menschenwesen draußen in ihrer Haut das unter-nehmen, was sie zu tun haben, während wir hier auf der Erde alle nebeneinander sind, sind wir in dieser Sternensphäre nicht nur als Menschenseelen ineinander, sondern wir sind auch so, daß sich unser kosmisches Bewußtsein ausweitet und wir die Wesenheiten der göttlich-geistigen Welt in uns fühlen. Hier auf der Erde sagen wir zu uns «wir», beziehungsweise jeder sagt zu sich «ich». Da draußen sagt er «ich», indem er damit meint: Ich erlebe innerhalb dieses meines Ichs die Welt der göttlich-geistigen Hierarchien;
die erlebe ich als meinen eigenen kosmischen Bewußtseinsinhalt. –

Das ist selbstverständlich eine noch gewaltigere, ausgedehntere, mannigfaltigere, inhaltsreichere und majestätischere Erlebens welt, in die man nun hineinkommt. Und wenn man sich bewußt wird, welche Kräfte da in das Seelische des Menschen hineinspielen von den mannigfaltigsten Wesenheiten der göttlich-geistigen Hierarchien, dann sieht man: es sind Kräfte, welche alle zusammenspielen, indem sie Absichten, kosmische Absichten haben, die gewissermaßen alle nach einem Punkt hinzielen. Man wird mit seiner eigenen geistig-seelischen Tätigkeit eingesponnen in diese Absichten der göttlich-geistigen Hierarchien und ihrer Einzelwesenheiten. Und alles das, worin man da eingesponnen wird, in das die eigene, im Inneren gefühlte, von kosmischem Bewußtsein umfaßte, selbst kosmische Tätigkeit übergeht, alles das zielt zuletzt darauf hin, den Geistkeim, wie ich ihn geschildert habe, des menschlichen physischen Organismus zu konstruieren.

Es ist in der Tat ein tiefes Wort gewesen, das in alten Mysterien-stätten ausgesprochen worden ist: daß der Mensch ein Tempel der Götter ist. Was da zunächst erbaut wird in gewaltiger, majestätischer Größe aus dem Geistkosmos heraus und sich dann zusammenzieht in den menschlichen physischen Leib, um da so verwandelt zu sein, daß man das Urbild, das gewaltige, majestätische Urbild nicht mehr erkennt, das ist eigentlich das, was sich der Zusammenhang der göttlich-geistigen Hierarchien erbaut, um in diesem Erbauen sein Ziel zu haben. Diese Erlebnis Sphäre ist ja so, daß wir gewissermaßen den Kosmos, den wir, wenn wir auf dem Erdenstandpunkt stehen, von innen anschauen, von einem Punkt, von dem wir nach allen Seiten hinausschauen, daß wir den, wenn wir in dieser Sphäre sind, von außen anschauen. Denn indem wir in die Sternensphäre eintreten, fühlen wir auch schon im Augenblick, wo wir uns der Mondensphäre entrissen haben, daß wir im Weltenall draußen sind und eigentlich den Kosmos von außen anschauen.

Was da stattfindet, darf ich Ihnen in einer Skizze darstellen (siehe Zeichnung). Nehmen Sie an, hier sei die Erde. Das alles stimmt natürlich nicht in den Verhältnissen, aber wir werden uns verstehen. Wir schauen hinaus in die Weiten des Kosmos. Wir sehen draußen Sterne durchwandern, die Planeten, haben draußen die Fixsterne. Hier auf der Erde ist unser Bewußtsein wie in einem kleinen Punkt zusammengezogen (rot). Wir schauen zentral nach dem Weltenall hinaus. In dem Augenblicke, wo wir der Mondensphäre entronnen sind, kommen wir mit unserem Bewußtsein in der Sternensphäre an. Aber wir gehen gewissermaßen durch die Sternensphäre nur hindurch, indem uns die Erinnerung leitet, die uns aus den Erlebnissen der Planetensphäre geblieben ist, und treten in die Sphäre jenseits der Sterne ein. In dieser Sphäre jenseits der Sterne, da ist eben der Raum eigentlich nicht mehr vorhanden. Natürlich, wenn ich hier zeichne, muß ich das, was eigentlich qualitativ ist, räumlich zeichnen. Ich kann es dann so zeichnen: Während unser Bewußtsein auf der Erde gewissermaßen in diesem Punkte als unser Ich (rot) zusammengedrängt ist, ist es peripher, wenn es jenseits der Sternensphäre angekommen ist (blau). Wir schauen von jedem Punkte nach innen (blaue Pfeile). Dieses Schauen ist eben durch das Raumesbild nur im Abbild dargestellt. Wir schauen nach innen. Haben wir hier das Sternbild des Widders (oben links rot) und sehen wir von der Erde aus die Sonne (gelb) im Sternbild des Widders stehen, so daß die Sonne uns gewissermaßen das Sternbild des Widders bedeckt, und gelangen wir dann in den Weltenraum hinaus, so sehen wir den Widder vor der Sonne stehen. Es heißt aber etwas anderes, aus dem kosmischen Bewußtsein verstehen: den Widder vor der Sonne stehen sehen – als mit dem irdischen Bewußtsein hinschauen und die Sonne vor dem Widder stehen sehen. Wir schauen eben auf diese Weise alles geistig. Wir schauen das Weltenall von draußen an. Und in dem Erarbeiten des Geistkeimes des physischen Organismus haben wir eigentlich die Kräfte der geistig-göttlichen Wesenheiten in uns, aber so, daß wir uns im Grunde genommen außerhalb des ganzen Kosmos fühlen, den wir von der Erde aus erleben. Und jetzt erleben wir in unserem kosmischen Bewußtsein das Zusammensein mit den göttlich-geistigen Wesenheiten.

Wenn wir dann zurückschauen und gewissermaßen die Sternbilder -aber alles eben nicht räumlich, sondern qualitativ – über der Sonne stehen sehen, das eine Mal dieses, das andere Mal jenes, dann erkennen wir in dem, was wir da erleben, indem wir es verbinden mit der Erinnerung, die wir daran haben, wie die Metalle und Mineralien, nachdem die Pflanzenwege absolviert waren, in den Planeten ertönt hatten, dann erleben wir, daß dieses Tönen, das zunächst eine Weltenmusik war, sich in die kosmische Sprache, in den Logos umsetzt. Wir lesen die Absichten der göttlich-geistigen Wesenheiten, unter denen wir sind, ab, indem wir die einzelnen Zeichen dieser kosmischen Schrift erleben: Das Stehen des Widders vor der Sonne, das Stehen des Stieres vor der Sonne und so weiter – indem wir erleben, wie sich das vollzieht und wie hineinklingen in diese Schrift diejenigen Töne, welche die Metalle in den Planeten ertönen lassen. Das gibt uns Anweisung, wie wir an dem Geistkeim des physischen Organismus auf Erden zu arbeiten haben.

Solange wir in der Mondensphäre sind, haben wir ein lebendiges Erfühlen dieser Photographie unseres moralisch-geistigen Erdenlebens. Wir haben ein lebendiges Erfühlen dessen, was da unter den Gruppenseelen der Tiere vorgeht. Aber das ist eine Art von dämonischen, elementarischen Wesenheiten. Jetzt, wo wir gewissermaßen den Tierkreis auf die andere Seite der Sonne gestellt finden, jetzt lernen wir erkennen, was wir da eigentlich gesehen haben. Denn auch die Erinnerung an diese Tiergestaltungen, an diese Gruppenseelengestaltungen der Tiere, bleibt uns bis in das Jenseits der Sternensphäre hinein, und wir machen die Entdeckung, daß diese Gruppenseelen der Tiere gewissermaßen niedrigere – wenn man in der Menschensprache sprechen will -, ins Karikierte umgesetzte Nachbilder der herrlichen Gestaltungen sind, die jetzt jenseits der Sternensphäre unser kosmisches Bewußtsein durchdringen als die Wesenheiten der göttlich-geistigen Hierarchien.

So haben wir außerhalb der Sternensphäre die Wesenheiten der göttlich-geistigen Hierarchien, und innerhalb der Sternensphäre, soweit sie durchsetzt ist von dem, was geistig zur Mondensphäre gehört, haben wir die Karikaturen der göttlich-geistigen Wesenheiten in den das Abbild deines vorigen Erdenleben mit einer
moralisch-geistigen Bewertung finden. Das wird in diesem Nebel da unten schwimmen. Du mußt es wieder aufnehmen. Aber da werden alle die wild aufeinanderstürzenden Gruppenseelen der Tiere sein; da wird all das wüste Getriebe sein. Du mußt so starke Kräfte mitnehmen aus deinem Jenseits der Sternensphäre, daß du diese Kräfte der Gruppenseelenhaftigkeit der Tiere so viel als möglich von deinem Schicksal hinwegbringen kannst. Sonst wird sich, so wie an einen Kristall sich Materie anschließt, das an dich anschließen, was diese Gruppenseelen der Tiere nach deinem
moralisch-geistigen Wesenskern hin kosmisch ausschwitzen.
Und du wirst davon mitnehmen müssen alles, was du dann nicht zurückhalten kannst durch die Kräfte, die du angesammelt hast, und du wirst es als allerlei Triebe und Instinkte für dein nächstes Erdendasein eingliedern müssen.

Allerdings wird man nur die Kräfte aus dem Jenseits der
Sternensphäre entnehmen können, zu deren Entnahme man sich fähig gemacht hat, indem man sich in der Hinneigung zum Christus entwickelt hat, in der Hinneigung zu dem Mysterium von Golgatha, in dem wahrhaft-religiösen, nicht in dem egoistisch-religiösen, Durchdrungensein der Seele im Sinne des Paulus-Wortes:
«Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Das macht einen stark, um sich jenseits der Sternensphäre im Zusammensein mit den göttlich-geistigen Wesenheiten mit jenen Kräften zu durchdringen, die dann beim Wiederhinuntergehen durch die Mondensphäre von dem, was man als seinen Schicksalskern mit sich zu nehmen hat, jene Kräfte abhalten, welche sich da in disharmonischem, diskrepantem Spiel der geistig-tierischen Umwelt herumgruppieren und diesen geistig-seelischen Wesenskern durchdringen.

Wenn man schildern will, was die Menschenseele zwischen Geburt und Tod erlebt, was sie mit sich selbst vereinigt, was sie in ihre Vorstellungen, Gefühle und Willensimpulse aufnimmt, dann muß man die irdische Welt rundherum um den Menschen beschreiben. Wenn man aber schildern will, was der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt erlebt, dann muß man schildern, was die Urbilder dieses auf der Erde Befindlichen sind. Will man wissen, was die Mineralien wirklich sind, so muß man ihre Wesenheit in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt aus den Planeten erklingen hören. Will man wissen, was die Pflanzen wirklich sind, so muß man auf den Bahnen, die vom Pflanzenreiche hinaus in den Weltenraum gehen und die in den Formen der Pflanzenbildungen nachgezeichnet sind, das Wesen dessen studieren, was in einem schwachen Nachbilde in der Pflanze aus dem Erdboden herauswächst. Will man das Tierreich der Erde studieren, dann muß man kennenlernen, was im Gewoge und Gewelle der Gruppenseelen der Tiere in der Mondensphäre vor sich geht. Und hat man sich alldem entwunden, ist man eingetreten in die Sphäre jenseits der Sternenwelt, dann lernt man erst die eigentlichen Geheimnisse des Menschen erkennen.

Und man lernt zurückschauen auf all das, was man in den Urbilderwelten des Mineralischen, des Pflanzlichen, des Tierischen erlebt hat. Man trägt das hinaus in jene Gebiete des Kosmos, in denen man die eigentlichen Geheimnisse des Menschen nicht nur erkennt, sondern lebendig erschauend durcherlebt und an ihnen gestaltend tätig ist. Man trägt in diese Gebiete hinaus wie eine kosmische Erinnerung alles, was man mit Bezug auf Mineralien, Pflanzen und Tiere beim Hinaufstieg erlebt hat. Im Zusammenfließen dieser Erinnerungen und dessen, was man als die Geheimnisse des Menschendaseins schaut, was man tätig miterlebt, woran man tätig mitarbeitet, in dem Zusammenströmen dieser Erinnerung und dieser Tätigkeit spielt sich ein reiches, mannigfaltiges Leben ab. Und dieses mannigfaltige Leben ist es, das der Mensch durchmacht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
☆☆☆

RUDOLF STEINER aus:
Die Grundimpulse des weltgeschichtlichen Werdens der Menschheit Acht Vorträge, gehalten in Dornach vom 16. September und 1. Oktober 1922
HIER: Erster Vortrag, vom 16.9.1922 Seite 8-23

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s. dazu auch:

Seelenerlebnisse nach dem Tode. Die Wirkungen unserer Taten im anderen Wesen erleben wir jetzt selber… Rudolf Steiner
hier weiter

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