Der Sinn des Krankwerdens / Klaus Binding

Acryl auf Holzpanele, 85 x 58 cm

Der Sinn des Krankwerdens

Krankheit ist Unglück, Krankheit ist lästig, Krankheit stört…
Der Kranke fragt: Verdammt, warum habe ich diese Erkrankung? Die Schulmediziner antworten: weil du dich angesteckt hast, weil du dich falsch bewegt hast, weil deine Gene dafür verantwortlich sind.
Aber warum passiert das gerade mir? Hat das etwas mit meinem Lebensweg zu tun, mit meiner Art zu leben, mit meinem Denken, Fühlen und Handeln?
Fragen über Fragen!
Die Hochschulmedizin kann sie nicht beantworten. Ihr Gebiet ist der physische Körper und seine biochemischen Funktionen. Der Mensch wird auf seinen Körper reduziert – eine therapeutisch-tödliche Sackgasse!
Der Mensch ist weit mehr als sein Körper. Er ist ein denkendes, fühlendes Wesen mit einem einzigartigen Lebensweg. Nie können zwei Menschen die gleiche Biografie haben. Wenn Strafe und Zufall ausgeschlossen werden, muss Krankheit mit unserem Lebensweg zusammen hängen, und muss mehr bedeuten als eine unerklärliche, körperliche Abweichung vom Normalzustand. Wäre Krankheit nur körperlich wäre sie sinnlos, wäre sie gar nicht existent, weil der Körper die Krankheit nicht erlebt. Krankheit wird in der Seele erlebt.
Es gibt nichts Sinnloses auf dieser Welt, am allerwenigsten im Leben eines Menschen. Der Sinn des Krankseins ist das Gesundwerden, das Gesundwerden des Menschen als geistig-seelisches Wesen- der Körper hat dabei Signalfunktion. Die Symptome zeigen als Helfer die Richtung, sind nicht selbst die Krankheit. Krankheit entsteht ausschließlich im Seelisch-Geistigen, im Fühlen und Denken, Psychosomatik ohne Ausnahme! Krankheit ist der Korrektur-Versuch und die Chance wieder in Harmonie mit den individuellen Lebensaspekten zu kommen.
Falsches Denken, Fühlen und Handeln führt zu Krankheit, wobei falsch nicht als moralische Wertung zu verstehen ist, im Sinne von böse oder unsozial. Falsch meint ganz konkret, falsch für meinen Lebensweg, für meinen persönlichen Lebenssinn.
Wann immer der Mensch gegen sein Wesen ( früher sagte man auch Bestimmung oder Berufung, die jeder nur für sich allein finden kann), gegen seine individuelle Lebens-Idee ( so nenne ich es) agiert, setzt Krankheit ein.
Es zeigt sich wie grundfalsch es ist, die Krankheitssymptome, als ausgesandte Signale, für die Krankheit zu halten und sie vernichten zu wollen… durch das Ausschalten des Feuermelders verschwindet nicht das Feuer!
Symptome dürfen nicht bekämpft werden, sondern müssen durch Behebung der seelisch-geistigen Ursachen überflüssig gemacht werden. Ein harmonisches Seelenleben braucht keine Symptome als Hilferufe auszusenden.
Nur Therapie, die den Menschen als Körper-Seele-Geist-Wesen betrachtet und behandelt, führt zu wirklicher Gesundheit, zu seelisch-geistiger Ausgeglichenheit und Symptomenfreiheit.
Homöopathische Therapie zielt nicht auf Beseitigung von Symptomen ab, obwohl die bei erfolgreicher Behandlung verschwinden, sondern auf Heilung des „höheren Menschen“.
Hahnemann sagt im ersten Paragraphen seines Organons der Heil-Kunst: „ Des Arztes höchste und einzige Aufgabe ist es kranke MENSCHEN gesund zu machen, was man Heilen nennt.“ Es geht um den Menschen, nicht um eine Krankheit. Hahnemanns Menschenbild ist eindeutig und ganzheitlich: der gesunde Körper als Werkzeug des vernünftigen uns innewohnenden Geistes ( unser ICH ), zur freien Entfaltung unserer höheren Lebensaufgabe. (Organon § 9)
Und der Berliner homöopathische Arzt und Gründer der ersten europäischen buddhistischen Gemeinde in Berlin, Paul Dahlke (1865-1928) sagte: Symptome sind Hunger… nach dem Simile, der passenden homöopathischen Arznei.

Die 5 Säulen der Homöopathie

Analogiegesetz, wie oben, so unten…
Tiefste Grundlage der Homöopathie ist das Hermetische Gesetz, das Gesetz der Entsprechungen. Der Mensch entspricht als Mikrokosmos der Welt draußen als Makrokosmos. Weil der Mensch das exakte Abbild der Welt im Kleinen ist, können alle Stoffe der äußeren Welt als Heilmittel dienen. Im Menschen existiert Calcium, Pulsatilla und Sepia ebenso wie in der äußeren Welt. Die Menschen korrespondieren mit allen Schöpfungsprinzipien, die sie im Innern tragen. Erkrankt eines der Prinzipien im Menschen, kann das Gegenstück aus der äußeren Welt es heilen. -Arsenik heilt Arsenik, Mensch heilt Mensch- (Paracelsus)

Ähnlichkeitsprinzp, similia similibus curentur
Ohne eine Ähnlichkeitsbeziehung kann keine heilende Resonanz entstehen. Das Ähnliche schwingt mit dem Ähnlichen. -Man muss dem Kranken von demselben Wasser zu trinken geben, durch das er die Krankheit bekam.- (Hippokrates)

Arzneimittelprüfung
In der Auseinandersetzung mit den Substanzen der Außenwelt können ihre heilenden Kräfte erfahren werden. Es gehört Mut dazu die dunkle Seite des Pharmakon auf sich wirken zu lassen. –Sapere (aude sapere) heißt auch schmecken, Geschmack haben von Dingen, die gegessen werden. Wage also das zu schmecken, was dir die Schlange anbietet! Wage den Geschmack dessen, was krank macht und infolgedessen auch heil !- (Herbert Fritsche)

Die potenzierte, geistartige Arznei
Materie selbst ist schon krank, ist gefallene Schöpfung, wie der Mensch. Deshalb kann erst das vom Stoff befreite Schöpfungsprinzip heilsam sein. Unsere innere Heilkraft ist geistig. Die Heilmittel müssen auf dieser Ebene wirken.- Die homöopathische Heil-Kunst entwickelt zu ihrem besonderen Behufe die inneren, geistartigen Arzneikräfte der rohen Substanzen.- (Samuel Hahnemann)
Das individuelle Beschwerdebild
Jeder Mensch ist einmalig und kann nur in seiner Einmaligkeit geheilt werden. Das individuelle Bild des Menschen ist der Maßstab der Therapie.- Ebenso wie wir in einem Arzneimittel eine Krankheit unsere Nächsten erkennen können, so sollen wir die (individuelle) Natur eines Wesens, das Heilung bei uns sucht, erkennen.- (Kent)

Die Lebenskraft – die innere Heilerin
Sie ist in jedem Menschen anwesend. Die Chinesen nennen sie Chi, Paracelsus sprach vom Archäus, Hahnemann von der Dynamis, und die Anthroposophen rechnen sie dem Ätherleib zu.
Die Schulmedizin hat die innere Heilerin seit Jahrhunderten vergessen. Die Naturheilkunde formuliert vage Selbstheilungskräfte.
Hahnemann sprach von der Lebenskraft als einem geistigen Wesen, einer geistigen Realität, zwar ohne Verstand, aber immer um Ausgleich, Regulation und Gesundheit bemüht. Unsere innere Heilerin ist sensibel und will ihrem Wesen nach entsprechend behandelt werden. Sie mag keine Gewaltkuren und reagiert allergisch auf Druck durch chemische Substanzen, z.B. Antibiotika, Impfungen, Schmerzmittel, Blutdruckmittel….
Nichts ist effektiver für das menschliche Wohlergehen, besonders im Krankheitsfall, als mit der Lebenskraft zusammen zu arbeiten, sie zu pflegen und sie nach ihrem Gesetz zu unterstützen. Ihr Gesetz ist das Ausgleichen von inneren und äußeren Reizen, ihnen entgegen zu wirken, um wieder Balance herzustellen.
Wenn ein echter Krankheitsreiz auftaucht, wird dagegen angekämpft. Heißt der Krankheitsreiz beispielsweise „Fließschnupfen mit brennenden Augen“ setzt sofort eine aktive Regulationsbemühung ein, das Krankheitsgeschehen zu heilen, aber nach dem eigenen Tempo der Lebenskraft. Wird die Lebenskraft jetzt zusätzlich mit einem chemischen Arzneimittel konfrontiert, muss sie schon gegen zwei Reize von außen ankämpfen. Das ist ihr oft zu viel, und sie zieht sich beleidigt zurück. Der Fließschnupfen wird dann chemisch manipuliert, aber nicht geheilt.
Die innere Heilerin ist, wie Hahnemann sagte, verstandeslos, doch voller Weisheit. Sie begleitet den individuellen Lebensweg und kennt uns besser als wir selbst. Wann immer wir seelisch auf „Abwege“ geraten, erzeugt sie Symptome, um uns zu warnen. Verhängnisvoll wird es, wenn die Warnsignale ignoriert oder einfach direkt abgeschaltet werden. Bei Unterdrückung der Signale/Symptome stellt die Lebenskraft ihre Heiltätigkeit erst mal ein, wird aber später stärkere Symptome hervorbringen, um erneut auf die Ursachen des Krankseins hinzuweisen. Wird die innere Heilerin zu oft mit unterdrückenden Mitteln angegriffen, wird sie schwächer und resigniert irgendwann.
Der kluge Therapeut hilft der Lebenskraft und bereitet ihr keine zusätzlichen Probleme. Die beste Art zu helfen ist es, wenn die Lebenskraft etwas provoziert wird. Kämpft sie wie im Schnupfen-Beispiel gegen diesen an, sollte sie nicht durch einen entgegengesetzten, fremden Reiz gestört werden. Sie braucht eine Unterstützung ähnlicher Art, ein Heilmittel, das (noch) einen Schnupfen im Organismus erzeugt, einen künstlichen Arzneimittel-Schnupfen ( bei Fließschnupfen mit brennenden Augen wahrscheinlich die Küchenzwiebel, Allium cepa). Der künstliche Arznei-Schnupfen-Reiz, der dem echten Schnupfen sehr ähnlich ist, bedeutet kein weiteres Problem, und wird vorrangig „bekämpft“, weil er ein bisschen stärker als der ursprüngliche Schnupfen ist. Die innere Heilerin konzentriert sich nur auf ein Krankheitsgeschehen, Schnupfen, und wird so nicht durch unähnliche Arzneimittelreize verschreckt. Sie heilt einfach Schnupfen, den künstlichen zusammen mit dem natürlichen. Und so bleibt die innere Heilerin aktiv und verliert nichts von ihrer wunderbaren Regulationsfähigkeit.

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