Der zu schwache und der zu starke Blutdruck. „Lungen-Wissen und Nieren-Wissen“ R.Steiner

„Da waren ja einige Jahrhunderte vor und auch zur Zeit von Christi Geburt noch sehr, sehr viele niedergeschriebene Sachen da von der alten Weisheit. Diese Dinge sind von der Kirche verbrannt worden, denn man wollte ja nicht, daß diese alte Weisheit, die die Menschen aus dem Kopf geschöpft haben, noch irgendwie auf die Nachkommen komme. Sehen Sie, diese alte Weisheit
wurde eigentlich von der Kirche furchtbar gehaßt, sie wurde ausgerottet.
Die Anthroposophie, die will wiederum dem Menschen den Kopf geben, damit er nicht bloß ein leeres Gefäß ist. Aber das ist etwas, was eigentlich die Kirche furchtbar haßt. Nun, das sehen Sie ja, daß sie es nicht gerade gern hat! Meine Herren, es soll wiederum der Mensch selber in die Lage kommen, etwas zu wissen, was Sie heute überhaupt nicht in Büchern finden können, weil das alte Wissen ja verschwunden ist und verbrannt worden ist, und das neue, das die Leute in die Bücher geschrieben haben, ist ja nur über Äußerlichkeiten.“
R.Steiner

RUDOLF STEINER GA 350
Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen
Wie kommt man zum Schauender geistigen Welt? Vom Wirken des Ätherischen und Astralischen im Menschen und in der Erde

Ursprung und Bedeutung der Kulte Ernährungsfragen
Sechzehn Vorträge gehalten vor den Arbeitern am Goetheanumbau in Dornach
vom 30. Mai bis 22. September 1923

VIERZEHNTER VORTRAG Dornach, 28. Juli 1923
Inhaltsübersicht:

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Wir brauchen in unserem Körper immer einen bestimmten Blutdruck…
Der zu schwache und der zu starke Blutdruck. Bei zu starkem Blutdruck werden die Nieren untauglich…
Im richtigen Blutdruck breitet sich der astralische Leib aus. Bei zu geringem Blutdruck fühlt der Mensch immer etwas wie eine kleine Ohnmacht und infolgedessen wird er schwach und seine Organe können nicht in der richtigen Weise gebildet werden…
durch zu starken Blutdruck altern wir zu schnell und wir bekommen früh entartete Nieren…
Die Luft ist es, die den Kopf in Bewegung setzt…
Vor 6000, 8000 Jahren haben die Menschen sehr ihr Atmen geübt, um zu einem Wissen zu kommen…
Der Weltkrieg als eine Nieren-Krankheit der Menschheit. Durch keine äußeren Mittel wird heute die Welt besser, sondern nur dadurch, daß man anfängt, etwas zu wissen.
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VIERZEHNTER VORTRAG Dornach, 28. Juli 1923

Guten Morgen, meine Herren! Nun, ist Ihnen noch eine Frage eingefallen? – Wenn nicht, dann möchte ich Ihnen noch etwas, was sich an das Vorige anschließt, vorbringen, damit Sie sehen, wie man von allen Seiten sozusagen die Beweise finden kann dafür, daß der menschliche
physische Organismus, der menschliche physische Körper also, durchsetzt wird vom Seelischen.

Wir wollen heute einmal den Blutlauf im Menschen von einem gewissen Gesichtspunkte aus betrachten. Sie wissen ja, der menschliche Körper wird durchflossen von dem Blut, das in
den Adern ist. Das Blut geht von der Lunge, in der Blutadern sind und wo es bei der Atmung den Sauerstoff aufnimmt, ins Herz, vom Herzen bis zu dem ganzen übrigen Körper, ist während der ganzen Zeit rot, wird, indem es durch den Körper geht, bläulich gefärbt, geht dann wiederum zum Herzen und zur Lunge zurück als blaues Blut, wird wiederum durch den Sauerstoff rot gemacht, und so geht das Blut in einem Kreislauf, wie man sagen könnte, durch den ganzen Körper.
Wir wollen uns einmal daran halten, daß das Blut den Körper durchkreist, durchfließt. Machen wir uns jetzt einen sehr einfachen Kreislauf einer Flüssigkeit anschaulich. Denken Sie sich einmal, wir hätten eine runde Röhre (Zeichnung S. 252). In diese runde Röhre geben wir, damit
das möglichst deutlich ist, eine rote Flüssigkeit.
Natürlich, wenn wir eine solche äußerliche Röhre haben, dann müssen Sie ja irgendwo, wenn
wir diese Flüssigkeit in Bewegung bringen wollen, eine Art Pumpe haben. Denken wir uns also, wir hätten hier (Pfeil) irgendeine Pumpe, wodurch wir diese rote Flüssigkeit in Bewegung bringen. Wenn ich da oben offen lasse, so wird natürlich die Flüssigkeit herausspritzen. Ich
will das aber nicht, sondern ich werde da oben eine Röhre ansetzen.
Und jetzt werde ich diese Flüssigkeit in Bewegung setzen, so daß sie so herumstrudelt, daß sie fortwährend herumgeht. Das kann man sich doch vorstellen? –
Die Flüssigkeit wird herumgetrieben. Nun denken Sie sich: Wenn die Flüssigkeit hier durch eine Pumpe herumgetrieben wird, dann wir an der Stelle hier (oben) etwas Flüssigkeit in die Höhe
gehen. Aber wenn wir es herumtreiben, ist es nur eben ein bißchen. Wenn ich eine starke Kraft in die Pumpe gebe, so wird die Flüssigkeit hieretwas weiter in die Höhe gehen, wenn ich nur schwach drücke, wird sie weniger stark in die Höhe gehen. Ich kann also an dieser Höhe der
Flüssigkeit den Druck messen, der in dieser strudelnden Flüssigkeit ist.

Sehen Sie, etwas Ähnliches kann ich mit dem menschlichen Blut machen. Wenn ich irgendwo in eine Ader solch ein Röhrchen einsetze, so fließt das Blut ein Stückchen hoch. Ich kann also in irgendeine Ader ein Röhrchen einsetzen – nicht in alle. Denken Sie sich, ich hätte irgendeine Schlagader, zum Beispiel im Arm, in die ich hier ein ampullenartiges Röhrchen einsetze, so fließt mir von der Ader ein Stückchen weit das Blut in das Röhrchen herein, geht da durch, fließt da herein. Dieses Röhrchen ist nun auch so, daß es, je nachdem der Mensch ist, entweder
höheren oder tieferen Blutstand hat. Es gibt Menschen, bei denen dieses Blut in dem Röhrchen sehr hoch geht, bei anderen geht es weniger hoch. Daraus folgt also, daß die Menschen einen verschiedenen Blutdruck haben, denn das ist der Druck, der ausgeübt wird, der sich in
dem Röhrchen zeigt. Also nicht wahr, wenn das Blut auf die Adern etwas stärker drückt, so steigt das Blut in dem Röhrchen höher, wenn es schwächer drückt, steigt es weniger hoch.

Die Materialisten stellen sich nun vor, daß der Mensch auch solch eine Pumpe brauche, damit das Blut kreist. Aber das, was ich Ihnen aufgezeichnet habe, ist ja nur ein äußeres Instrument.

In Wahrheit hat der Mensch nirgends in seinem Leibe eine solche Pumpe, und das Herz ist auch keine Pumpe. Der Mensch hat keine Pumpe, sondern das Blut bewegt sich durch etwas ganz anderes. Das wollen wir uns heute klarmachen. Aber wir wollen uns zunächst klarmachen, daß diese Blut-
säule, durch die wir den Blutdruck messen, verschieden hoch ist. Bei einem gesunden Menschen hat sie stets eine bestimmte Höhe, sagen wir meinetwillen, zwischen dreißig und fünfzig Jahren ist bei einem gesunden Menschen diese Flüssigkeit ungefähr 120 bis 140 mm hoch.
Wenn diese Flüssigkeitssäule bei einem solchen angesetzten Instrument – man kann das ein Manometer nennen – zum Beispiel nur 110 mm hoch ist, dann ist der Mensch krank. Wenn es 160 mm wären, so wäre der Mensch auch krank. Wenn es 160 mm sind, hat er einen zu starken
Blutdruck; dann drückt das Blut in seinem Körper zu stark. Sind es nur 110 mm, so hat er einen zu schwachen Blutdruck, dann drückt das Blut zu schwach. Sie sehen also daraus, daß wir in unserem Körper immer einen bestimmten Blutdruck brauchen.

Das Blut muß in einer bestimmten Stärke drücken. Wir sind also ganz ausgefüllt mit unserem Blut-
druck. Besteigen wir einen recht hohen Berg, dann wird ja die Luft, die außen ist, dünner, und weil die äußere Luft dünner wird, wird der Druck von innen sehr stark. Dann spritzt uns das Blut durch die Poren heraus. Das ist die Bergkrankheit. Sie sehen also, wir müssen in der
Welt mit einem ganz bestimmten Blutdruck herumgehen.

Schauen wir uns zunächst einmal Menschen an, welche einen zu schwachen Blutdruck haben. Menschen, die einen zu schwachen Blutdruck haben, die werden außerordentlich schwach, müde, blaß, und es leidet sehr stark ihre Verdauung. Solche Menschen werden innerlich matt und bringen nicht recht die körperlichen Funktionen zustande, und dadurch verfallen sie allmählich. Also ein zu schwacher Blutdruck, der macht den Menschen müde und schwach und krank.
Jetzt schauen wir uns Menschen an, die einen zu starken Blutdruck haben. Da treten manchmal ganz eigentümliche Erscheinungen auf.
Sehen Sie, wenn man eine solche Sache, die man also in die Haut hineinschiebt — es muß spitz sein hier vorne -, wenn man das ansetzt und man bekommt einen zu starken Blutdruck, dann kann man sicher sein, daß nach und nach bei einem solchen Menschen, der einen zu starken Blutdruck hat, die Nieren untauglich werden.
Die Nieren fangen an, ihre Gefäße, das heißt also ihre Adern, alles das, was in den Nieren ist, so zu bilden, wie es nicht sein soll. Sie setzen Kalk an, sie werden wulstig, sie entarten, wie man sagt. Sie haben nicht mehr diejenige Form, die sie eigentlich haben sollen. So daß, wenn man Nieren von solchen Menschen, die einen zu starken Blutdruck hatten, nach dem Tod ausschnei-
det, diese Niere wie eine ganz verkommene Niere ausschaut.
Nun fragt sich: Woher kommt denn das alles? – Gerade dieser Zusammenhang zwischen dem Blutdruck und der Nierenerkrankung, der ist dem materialistisch denkenden Menschen ganz unklar. Man muß
sich darüber klar sein: In dem Druck, den wir in uns haben, in diesem Blutdruck lebt gerade unser astralischer Leib, von dem ich Ihnen erzählt habe als dem übersinnlichen Leib des Menschen. Es ist gar nicht wahr, daß der astralische Leib in irgendeiner Substanz, in irgendeinem Stoff lebt, sondern er lebt in einer Kraft, in dem Blutdruck, und der astralische Leib ist gesund, wenn wir den richtigen Blutdruck haben, also im mittleren Lebensalter 120 bis 140 mm. Wenn wir den richtigen Blutdruck haben, dann kommt beim Aufwachen unser astralischer Leib in unseren physischen Leib hinein und befindet sich wohl.
Er kann nach allen Seiten hin sich ausbreiten. Ist also der richtige Blutdruck im Körper da, zirka 120 mm, dann breitet sich der Astralleib in dem Blutdruck richtig aus, dann kann der Astralleib beim Aufwachen in alle Teile des physischen Körpers hinein. Und während wir wach sind, ist bei diesem sogenannten normalen Blutdruck der ganze astralische Leib überall ausgebreitet.

Sehen Sie, der astralische Leib, der macht es nun, daß unsere Organe immer die richtige Form haben, die richtige Gestalt haben. Meine Herren, wenn wir immer schlafen würden, also der astralische Leib immer draußen wäre, wie er im Schlafe ist, dann würden unsere Organe sehr
bald verfetten. Wir würden nicht richtige Organe haben. Wir brauchen den Astralleib, daß er den Ätherleib anregt, damit wir die Organe gesund, immer in der richtigen Gestalt haben. Es muß also immer der astralische Leib den richtigen Blutdruck finden, damit er sich ausbreiten kann.

Nehmen wir einmal an, in einem Zimmer, in das der Mensch hineingeht, wäre nicht die Luft, sondern da wäre Kohlensäure. Da würde der Mensch, wenn er hereinkommt, umfallen; er würde nicht atmen können. In einem solchen Körper, wo nicht der richtige Blutdruck ist, kann der astralische Leib und das Ich nicht leben. Die müssen beim Einschlafen immer wieder heraus.

Nehmen wir an, es ist zu wenig Blutdruck. Wenn zu wenig Blutdruck ist, dann geht der astralische
Leib beim Aufwachen nicht ordentlich in den physischen Leib hinein.
Dann ist wenig astralische Tätigkeit darinnen; dann fühlt der Mensch in seinem Körper so etwas wie eine fortwährende kleine Ohnmacht. Also bei zu geringem Blutdruck fühlt der Mensch immer etwas wie eine kleine Ohnmacht, und infolgedessen wird er schwach und seine Organe
können nicht in der richtigen Weise gebildet werden, denn die müssen ja immer neu gebildet werden. Ich habe Ihnen gesagt:
Alle sieben Jahre müssen die Organe neu gebildet werden. – Da muß der astralische Leib immer tätig sein können. Nehmen wir an, der Blutdruck ist zu stark. Ja, wenn der Blutdruck
zu stark ist, was geschieht denn dann? Sehen Sie, ich habe Ihnen einmal gesagt, wenn die Luft eine andere Mischung hätte von Sauerstoff und Stickstoff, dann würde es mit unserem Leben schlecht gehen.
In der Luft sind 79 Prozent Stickstoff, und der Rest ist im wesentlichen Sauerstoff. Es ist also wenig Sauerstoff in der Luft. Wenn mehr Sauerstoff in der Luft wäre, so würden wir schon mit zwanzig Jahren Greise sein, alte Leute sein. Wir würden schnell altern. So hängt es auch vom astralischen Leib ab, ob der physische Leib früh oder spät alt wird. Wenn der Blutdruck zu stark ist, so gefällt es dem Astralleib in dem physischen Leib drinnen. Das ist gerade sein Element, der Blutdruck.
Da setzt er sich ganz tief hinein. Und was ist die Folge? Die Folge ist, daß wir mit dreißig Jahren schon solche Nieren haben, wie wir sie eigentlich erst mit siebzig Jahren haben sollten. Wir leben dann durch den starken Blutdruck zu schnell. Wir bekommen, weil die Nieren solche
empfindlichen Organe sind, früh solche entarteten Nieren. Die Sache mit dem Altwerden besteht ja darinnen, daß man immer mehr undmehr die Organe verkalkt. Nun, wenn der Blutdruck zu stark ist, dann verkalken die empfindlichen Organe zu früh, und eine solche Nierenerkrankung, wie sie bei zu starkem Blutdruck auftritt, die ist eigentlich ein Zeichen dafür, daß der Mensch zu früh alt geworden ist, daß er also diese empfindlichen Nieren schon in seiner Jugend so gemacht hat,
wie sie eigentlich im Alter erst sein sollen.

Nun, sehen Sie, meine Herren, diese ganze Erklärung, die ich Ihnen gegeben habe, die zeigt Ihnen, daß der Mensch in seinem physischen Leibe eben so etwas hat wie ein Seelisches, das ich den astralischen Leib nenne, das in der Nacht herausgeht. Und so kann man auch sagen: Der
Mensch lebt in den Kräften, die sich in seinem Körper entwickeln. In den Kräften drinnen lebt er, nicht in der Substanz, nicht im Stoff.
Man kann daher überall sehen, wie solch einer Erscheinung gegenüber, wie ich sie Ihnen jetzt erklärt habe, die materialistische Wissenschaft ganz ohnmächtig ist. Die kommt nicht auf das, um was es sich handelt. Überall finden Sie in den Büchern:
Es ist bei einem starken Blutdruck immer zu fürchten, daß bei dem betreffenden Menschen eine
Nierenkrankheit da ist. Aber wie das eigentlich zusammenhängt – so steht es in den Büchern -, das können wir uns nicht erklären. –
In Wirklichkeit heißt das aber gar nichts anderes als: Wir wollen nicht, daß da etwas Übersinnliches, etwas Geistiges, etwas Seelisches im Menschen drinnen ist. Das wollen wir nicht.
Aber ohne das kann man eben die Dinge nicht erklären. Und das ist es, was eigentlich macht, daß die Menschen heute im Grunde genommen vor der ganzen Welt so dastehen, daß sie nicht aus und ein wissen.
Denn tatsächlich, meine Herren, die äußeren Dinge, die heute auftreten, das überhandnehmende Elend in der Welt, das in der nächsten Zeit viel, viel stärker werden wird, weil die Menschen durchaus nicht mit ihren Gedanken irgend etwas Geistiges aufnehmen wollen – denn zuerst
muß man die Sache wissen -, dieses Elend rührt eben davon her, daß man sich eben nicht einlassen will darauf, irgend etwas über die Wirklichkeit zu wissen. Und man kann über die Wirklichkeit nichts wissen, wenn man nicht eingeht auf das Geistige. Es ist ja so geworden im
Laufe des 19. Jahrhunderts, daß eigentlich die Menschen nur noch in äußeren Dingen unterrichtet worden sind. Daß sie etwas begriffen hätten von einem Seelischen, von einem Geistigen, darauf ist überhaupt nicht mehr gesehen worden. Und so gehen die Menschen heute herum und haben eigentlich gar keine Ahnung davon, wie das Geistige und Seelische doch eben in der Welt da ist.

Sehen Sie, meine Herren, dadurch ist etwas ganz außerordentlich Wichtiges geschehen. Wenn einmal viel Zeit verflossen sein wird und die Menschen sich dann durch die Gewalt der Umstände durchgerungen haben werden, die Sachen wiederum geistig anzusehen, dann werden diese Menschen in der Zukunft sagen:

Ja, im Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich etwas ungeheuer Wichtiges in der Menschheitsgeschichte abgespielt. – Alles dasjenige, was man heute erzählen kann von
alten Kriegen, das ist ja nichts gegen dasjenige, was sich eigentlich unter uns abgespielt hat.

Es ist manchmal ganz unglaublich, wie die Menschen gar nicht darauf kommen, daß alle diese Kriege, die in den Geschichtsbüchern stehen, gegen dasjenige, was sich vom Jahre 1914 bis heute abgespielt hat, eigentlich Kleinigkeiten sind. Es ist das gar nichts Großes, was sich in der Geschichte abgespielt hat, gegenüber dem, was sich in der Zeit, in der wir leben, unter den Menschen abgespielt hat. Und sehen Sie, da muß man, um einsehen zu können, um was es sich da handelt, tief hineinschauen in das, was wirklich ist. Das tun aber heute die Menschen nicht.

Ich habe Sie zum Beispiel aufmerksam darauf gemacht, daß ja erst zu einer bestimmten Zeit die Kartoffel nach Europa gekommen ist. Ja, wenn Sie heute fragen, was essen die Leute am meisten? Kartoffeln!
Und wenn Sie irgendwo sehen, daß der Hunger anfängt, da denkt man zuerst nach, wie man zu Kartoffeln kommt. Heute ist es so, daß tatsächlich die Menschen die Kartoffeln hinnehmen, als wenn sie immer dagewesen wären. Ja, meine Herren, wenn Sie vor fünf Jahrhunderten gelebt hätten, da hätten Sie in Europa überhaupt keine Kartoffeln gegessen, denn da gab es noch keine! Da hätten Sie etwas ganz anderes gegessen. Wenn man aber weiß, daß alles vom Geistigen abhängt, dann weiß man auch, daß das Kartoffelessen oder Nicht-Kartoffelessen vom Geistigen abhängt. Und so wie es mit der Kartoffel ist, ist es mit vielen anderen Sachen. Es hat sich eben so furchtbar viel geändert in den letzten Jahrhunderten in der Menschheitsgeschichte, und all das Herumreden in Theorien, das hat alles gar keinen Wert. Denn man kann noch so schöne Theorien aufstellen: Rousseausche Theorien, Marxistisehe Theorien, Leninsche Theorien, was man will, das sind ja alles ausgedachte Gedanken, mit denen man nichts machen kann, wenn man nichts weiß.

Gedanken haben ja nur einen Wert, wenn man etwas mit diesen Gedanken anzufangen weiß. Alle diese Herrschaften, die diese schönen Gedanken aufgestellt haben, waren ja in Wirklichkeit durch
und durch unwissend. Und das ist das Merkmal der gegenwärtigen Zeit, daß die Menschen eigentlich durch und durch unwissend sind. Sie wollen den Leuten Theorien aufstellen, wie die Erde als ein Paradies eingerichtet wird, und wissen nicht einmal, wie der menschliche Körper
wird, wenn der Mensch Kartoffeln ißt. Das ist dasjenige, was einem heute so furchtbar am Herzen liegt, daß die Menschen gar nicht Verlangen danach tragen, etwas zu wissen. Natürlich, die große Masse kann das nicht, weil der großen Masse eingeredet wird: Dasjenige, was
die Herren wissen an den Universitäten, das ist schon das Rechte. –

Und da gründen sie dann Volkshochschulen und wollen heute auch das wissen, was die anderen wissen. Aber gerade diejenigen, die etwas wissen sollten, die sich dem Wissen von Berufs wegen widmen, die wissen eben in Wirklichkeit gar nichts. Und daher kommt es, daß heute von
allem möglichen geredet wird, aber daß eigentlich im Grunde genommen gar nichts gewußt wird.

Nun, die Kartoffel ist es natürlich nicht allein, es sind viele andere Umstände, aber ich führe nur die Kartoffel an, weil es ein ganz krasses Beispiel ist. Es ist eben furchtbar viel vorgegangen in den letzten Jahrhunderten, was alles nun, ich möchte sagen, wie eine Art Entladung gekommen ist im Anfang des 20. Jahrhunderts, so daß ungeheuer viel vorgegangen ist.

Und wir wollen heute auf etwas hinweisen, was da vorgegangen ist, und was außerordentlich bedeutsam ist.
Sehen Sie, meine Herren, ich werde Sie da auf etwas hinweisen, worüber Sie vielleicht zunächst lachen werden, aber die Geschichte ist doch ganz ernst. Nicht wahr, wenn heute ein junger Dachs an die Universität oder an eine sonstige Hochschule geht, dann wird er ins Laboratorium
geführt. Dann muß er da lernen – er faulenzt auch viel dazwischen -, aber nicht wahr, er muß lernen, weil er dann geprüft wird. Sie können sich ja ungefähr denken, wie das vor sich geht. Wenn wir aber zurückgehen zu denjenigen Menschen, die ich Ihnen auch das letzte Mal geschildert habe, sagen wir, zu den uralten Indern – Sie erinnern sich, was ich Ihnen da aufgezeichnet habe.
Asien -, da sind diese jungen Dachse, die gelehrt werden sollten, nicht ins Laboratorium geführt worden oder in die Klinik, sondern denen ist aufgetragen worden, sie müssen vor al-
len Dingen geduldig ihr Inneres prüfen. Da mußten sie sich niedersetzen, die Beine übereinander kreuzen, mit dem Blick immer auf ihre Nasenspitze sehen, nicht hinaussehen in die Welt, immer auf die Nasenspitze sehen. Nun, meine Herren, was war dadurch eingetreten?
Das war natürlich schon in der Zeit, in der die Sache im Verfall war.
Aber solche Menschen gibt es sogar heute noch in Europa; die wollen innerlich besonders gescheit werden und machen das nach. Dadurch kommt man heute zu gar nichts. Aber diese alten Menschen, die haben eben einmal dieses gemacht. Sie haben sich dadurch abgeschlossen von
der ganzen Außenwelt, denn, nicht wahr, an der Nasenspitze des Menschen sieht man nicht besonders viel. Da übt man nur das Schielen der Augen, wenn man immer auf die Nasenspitze sieht. Und wenn man nicht geht, sondern die Beine ganz entlastet, dann hat man auch nicht
die Schwere in sich. Also diese Menschen haben die Schwere ausgeschaltet, alle Sinneseindrücke ausgeschaltet, haben die Ohren sich fest zugestopft und haben sich ganz ihrem eigenen Körper hingegeben.

Das war der Sinn: nicht, auf ihre Nasenspitze hinzuschauen, denn die ist ja nicht so furchtbar interessant, sondern sich abzuschließen von der Außenwelt. Dadurch aber sind sie in ein ganz anderes Atmen gekommen.
Was anders gewesen ist bei diesen Menschen, das ist das Atmen gewesen, die Lunge. Dadurch aber, daß diese Menschen ihre Lunge durch eine solche Prozedur in besondere Tätigkeit gebracht haben, dadurch sind ihnen innerlich Bilder aufgestiegen. Dadurch haben sie tatsächlich ein bestimmtes Wissen bekommen und haben dann den Leuten erzählen können, wie die Sachen eigentlich sind. Die Leute haben schon gewußt, was zum Beispiel mit der Pflanze geschieht, wie ich es Ihnen erzählt habe, dadurch, daß sie diese Prozedur gemacht haben.
Heute würden sich die jungen Dachse auf der Universität bedanken, wenn sie da so an der Wand entlang gesetzt würden und immer so ihre Nasenspitze ansehen sollten. Heute würde man das für einen Unsinn ansehen. Aber nicht wahr, ob ich außerhalb Experimente mache oder am Menschen Experimente mache, das gibt ja nur den Unterschied, daß ich, wenn ich im Laboratorium Experimente mache, die Materie kennenlerne; wenn ich am Menschen Experimente mache, lerne ich den Menschen kennen.

Den Menschen haben schon diese alten Leute besser gekannt, als ihn die heutigen kennen. Aber worauf haben sie ganz besonders gedrungen, diese Leute? Darauf, daß ihre Lunge in eine
andere Tätigkeit kommt, als sie sonst im Leben ist. Dieses war ihnen nur ein Mittel, um die Lunge in eine besondere Tätigkeit zu bringen.
Und die Lunge, die hat dann wiederum das Gehirn angeregt. So daß eigentlich die Lunge in diesen alten Zeiten dasjenige war, wovon all das schöne Wissen der Urweisheit gekommen ist.
Man kann schon sagen: Wenn da im Menschen die Lunge drinnen ist (siehe Zeichnung), zwischen der Lunge ist dann das Herz, dann ist in diesen alten Zeiten das Wissen von der Lunge in den Kopf hinaufgegangen. Das ist ja das Geheimnis des Wissens, daß der Kopf des Menschen eigentlich gar nichts machen kann. Der Kopf weiß eigentlich nicht viel von der Welt, er weiß nur das Innere. Meine Herren, wenn wir bloß den Kopf hätten und nicht Augen und nicht Ohren, sondern
bloß einen allseitig geschlossenen Kopf hätten, dann wüßten wir von uns sehr viel, aber nichts von der Außenwelt. Und das Wichtigste, was von der Außenwelt in uns hineinkommt, das ist die Luft.
Die Luft regt nun auch den Kopf an, schon durch unsere Nase, aber ganz dünn geht sie auch durch unsere Augen, durch unsere Ohren, überall herein.
Die Luft ist es, die den Kopf in Bewegung setzt. So daß man sagen kann: Geht man ganz, ganz weit zurück in diese Jahrtausende, von denen ich Ihnen das letzte Mal erzählt habe, sechstausend, achttausend Jahre, dann haben die Menschen sehr ihr Atmen geübt, um zu einem
Wissen zu kommen. Sie haben gewußt, sie müssen die Luft in einer anderen Weise in den Kopf hineinpressen, dann bekommen sie ein Wissen.

Heute weiß der Mensch bloß soviel: Wenn er die Luft aufschnappt, so belebt sie. – Aber diese alten Leute haben gewußt: Wenn sie die Luft in einer besonderen Weise einsaugten, wenn sie die Nasenspitze anschauten, dann wurden die Nasenmuskeln gepreßt, die Luft wurde in einer ganz besonderen Weise eingesogen, und dann ging im Kopf das Wissen auf.

Aber sehen Sie, so ist es geblieben bis ins Mittelalter hinein, ja bis in die neueste Zeit. Die Menschen haben dann vierhundert Jahre nach Christi Geburt aufgehört, irgend etwas zu wissen. Das Wissen ist verschwunden. Aber sie haben noch in den Büchern Erinnerungen gehabt.

Das ist eben der Unterschied zwischen den alten Zeiten und den Zeiten, die etwa im 8., 9. Jahrhundert vor Christi Geburt anfangen: In alten Zeiten, da haben die Menschen Köpfe gehabt zum Wissen, und in späteren Zeiten haben sie Bücher gehabt zum Wissen. –
Das ist schon der Unterschied. Wissen Sie, die alten Lehranstalten, die man Mysterien genannt hat, die haben nichts darauf gegeben, daß alles Wissen niedergeschrieben wird, sondern die haben die Menschen so ausgebildet, daß die Menschen in ihrem Kopf haben lesen können. Was draußen im weiten Luftraum ist, das hat der Mensch in seinem Kopf gelesen, wenn er
ein richtiger Gelehrter gewesen ist. Sein Kopf war ein richtiges Buch, könnte man sagen, aber natürlich nicht in demselben Sinne, wie man es heute beim Blaustrumpf sagt, sondern der Kopf war durch das Atmen zu dem geworden, woraus man Weisheit nehmen konnte.

Dann kamen die Zeiten, wo eben die Köpfe der Menschen nichts mehr wert waren. Die Menschen trugen sie zwar noch, aber sie waren leer, und alles wurde aufgeschrieben. Da waren ja einige Jahrhunderte vor und auch zur Zeit von Christi Geburt noch sehr, sehr viele niedergeschriebene Sachen da von der alten Weisheit. Diese Dinge sind von der Kirche verbrannt worden, denn man wollte ja nicht, daß diese alte Weisheit, die die Menschen aus dem Kopf geschöpft haben, noch irgendwie auf die Nachkommen komme. Sehen Sie, diese alte Weisheit wurde eigentlich von der Kirche furchtbar gehaßt, sie wurde ausgerottet.
Die Anthroposophie, die will wiederum dem Menschen den Kopf geben, damit er nicht bloß ein leeres Gefäß ist. Aber das ist etwas, was eigentlich die Kirche furchtbar haßt. Nun, das sehen Sie ja, daß sie es nicht gerade gern hat! Meine Herren, es soll wiederum der Mensch sel-
ber in die Lage kommen, etwas zu wissen, was Sie heute überhaupt nicht in Büchern finden können, weil das alte Wissen ja verschwunden ist und verbrannt worden ist, und das neue, das die Leute in die Bücher geschrieben haben, ist ja nur über Äußerlichkeiten.

Nun, das Ganze, was die Menschen gedacht haben bis ins 19. Jahrhundert herein, ist eigentlich nur die Erbschaft der alten Zeit. Es ist, wenn ich mich so ausdrücken darf, angeregt von der Lunge. Lungenwissen könnte man sagen. Der Kopf ist angeregt von der Lunge, von der Atmung: Lungenwissen.
Sehen Sie, im 19. Jahrhundert hat man ja große naturwissenschaftliche Entdeckungen gemacht, aber keine Gedanken gefunden. Die Gedanken sind alle von alten Zeiten genommen worden. Gedanken hat es tatsächlich nur in alten Zeiten der Menschheit gegeben. Das 19. Jahrhundert hat große äußere Entdeckungen gemacht, aber gedacht hat es nur mit den alten Gedanken. Das war also noch das alte Lungenwissen.
Und es nimmt sich ja sehr spaßig aus, daß man sagen könnte: Ja, du moderner Gelehrter, du verachtest den alten Inder, der sich hinsetzt, die Beine übereinanderspreizt und auf seine Nasenspitze schaut, um Gedanken über das Innere zu kriegen. Das tust du nicht mehr. Aber
seine Gedanken, die aufgeschrieben worden sind, die benützest du, um die Röntgenstrahlen zu finden und so weiter! – Das ist auch so, daß man mit den alten Gedanken das alles gefunden hat.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts ist aber nun die Lunge des Menschen gänzlich unfähig geworden, dem Kopf noch etwas zu geben. Die Lunge des Menschen hat überhaupt im 19. Jahrhundert eine große Veränderung durchgemacht, und viel wichtiger als die Lunge ist im Laufe des 19. Jahrhunderts wirklich das geworden, was man die Nieren nennt, diejenigen Organe, die zunächst mit der Herztätigkeit stark zusammenhängen. Es ist von der Lunge auf die Organe, die mehr nach
unten liegen, die Anregung übergegangen beim Menschen, und dadurch ist die Menschheit in eine so riesige Verwirrung gekommen.
Sehen Sie, auf die Lunge achtet gewissermaßen noch die geistige Welt. Als die Menschen Lungenwissen gehabt haben, da atmeten sie die Luft ein und bekamen durch die Luftatmung selber Anregung für das Wissen. Heute sind die Menschen angewiesen darauf, ihr Wissen durch
die Anregung der Nieren zu haben. Aber die Nieren geben selbständig dem Kopf nichts. Da muß man sich erst anstrengen, so wie ich es Ihnen beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Da muß man erst sagen:
Ja, als die Menschen noch von den Lungen die Anregung hatten für ihren Kopf, da konnten sie zu einem Wissen gelangen, weil in die Lungen noch Geistiges einströmte. In die Nieren strömt Geistiges nur unbewußt ein, so daß die Menschen nichts davon wissen können, wenn sie nicht mit vollem Bewußtsein solche geistigen Dinge durchmachen, wie ich sie beschrieben habe in «Wie er-
langt man Erkenntnisse der höheren Welten?».
Was geschieht, wenn die Menschen sich nicht bequemen wollen, solche Dinge durchzumachen? Ja, meine Herren, dann bleibt die Lunge so, daß sie keine Anregung gibt, und die Menschen sind ganz abhängig für das, was sie wissen können, nur von ihrem Bauch, von den Nieren.

Und so ist gerade im Laufe des 20. Jahrhunderts, in der Zeit, in der wir leben, der Übergang, vom Lungenwissen zum Nierenwissen eingetreten. Das Lungenwissen hatte noch eine Geistigkeit.
Das Nierenwissen hat keine Geistigkeit für den Menschen, wenn man ihm keine Geistig-
keit gibt.
Es ist also mit dem Menschen eine riesige Veränderung vor sich gegangen. Diese Veränderung ist in den zwei Jahrzehnten vor sich gegangen, die wir durchlebt haben. So etwas Wichtiges hat sich ja in der Menschennatur noch gar nicht ereignet, daß der ganze Erkenntnisapparat hinuntergerutscht ist von der Lunge in die Niere. Und weil er in den Nieren nichts gefunden hat, der astralische Leib, ist heute eine Verwirrung, eine materialistische Verwirrung in allen Köpfen eingetreten.

Was würde man also sagen, wenn man wirklich der Wirklichkeit gemäß schildern wollte, warum es im 20. Jahrhundert so viele Leute gegeben hat, die sich nicht auskannten in der Welt, die gar nicht wußten was anfangen, so daß man zuletzt, wo es die Leute zugegeben haben, in diesen Riesenkrieg hineingeschlittert ist? Was hat es da eigentlich gegeben? Derjenige, der ausfindig machen will, was es da gegeben hat, der muß die Zeit vorher ein wenig schildern. Sehen Sie, meine Herren, im Mittelalter und später, da sind furchtbar viele Menschen nach einem be-
stimmten Wallfahrtsort gezogen, nach Lourdes, oder nach Wallfahrtsorten, die man diesem nachgemacht hat, weil ihnen die Geistlichen eingeredet haben, daß sie gesund werden, wenn sie dorthin gehen, wenn sie das Wasser von Lourdes haben. Nun, es hat sich ja nur der
Name geändert; im 19. Jahrhundert haben die Geistlichen den Leuten eingeredet, sie müssen nach Lourdes gehen, um gesund zu werden, in der neueren Zeit haben die Ärzte den Leuten eingeredet, sie müssen nach Karlsbad oder Marienbad oder nach Wiesbaden oder sonstwohin gehen. Worauf ist das alles eigentlich hinausgelaufen? Es ist eigentlich alles darauf hinausgelaufen, daß die Ärzte den Leuten gesagt haben:
Ja meine lieben Patienten, euer Nierensystem ist nicht in Ordnung; ihr müßt da möglichst viel Wiesbadener oder Karlsbader oder Marienbader Wasser trinken – das geht ja alles durch die Nieren! -, ihr müßt das da durchdrücken. – So daß eigentlich der Gesundheitszustand vieler Men-
schen darin bestanden hat, daß sie sich im Winter überlassen haben ihrer Nierentätigkeit, und die Nierentätigkeit hat eigentlich in ihnen gedacht; im Sommer haben sie wiederum nötig gehabt, weil das eigentlich nicht geht ohne geistige Anregung – die wollten sie aber nicht -, nach
Karlsbad oder Marienbad oder nach Wiesbaden zu gehen, und da besserten sie ihr Nierensystem wieder auf. Nach und nach ist aus dieser Geschichte, wo man eigentlich immer nur den Unterleib kuriert hat, ein Aberglaube geworden. Nicht wahr, das, um was es sich gehandelt hätte, wäre gewesen, daß man innerlich Interesse bekommen hätte für geistige Tätigkeit, für geistige Anregung.

Das wäre es gewesen, was man hätte suchen müssen, denn bei gar keiner geistigen Anregung können
die Sachen, die da in der Nierengegend in Unordnung kommen, nicht in Ordnung gebracht werden. Und die Sache war im 20. Jahrhundert so, daß all die Leute, die wirklich hätten denken sollen durch die Seele, nur mehr durch die Niere gedacht haben.
Meine Herren, es wird eine Zeit kommen, wo die Leute klarer sehen werden, wo die wenigen, die sich dann die Klarheit behalten werden in der allgemeinen Verwirrung, sagen werden: Was ist das eigentlich gewesen, dieser große Krieg im Beginn des 20. Jahrhunderts? Das ist eine
Nierenkrankheit der Menschheit gewesen!

Sehen Sie, darauf kommt es an, daß man wirklich findet, wie die Dinge eben in der Wirklichkeit zusammenhängen. Dann wird man wissen, wie man die Jugend zu erziehen hat, dann wird man wissen, wie es ganz unmöglich ist, daß man nur dasjenige der Jugend beibringt, was man ihr heute beibringt. Dann wird man wissen, daß man die schönen Jahre der Jugend, der Kindheit dazu verwenden muß, ganz anderes der Jugend beizubringen. Aber das 19. Jahrhundert ist stolz darauf geworden, nichts von Seele und Geist zu wissen, und die Folge davon war, daß diese Riesen-Nierenkrankheit, die heute noch in der Welt schleicht, aufgetreten ist. Also die Zukunft wird einmal sagen: Wodurch ist denn die Menschheit im Anfang des 20. Jahrhunderts benebelt worden?
Durch eine unbemerkte Nierenkrankheit! –

Das ist es, was einem heute zu Herzen geht. Und man kann zweierlei wollen: Man kann die Sachen
so fortlaufen lassen, wie sie jetzt fortlaufen; dann werden ja die Ärzte einmal recht viel zu tun haben. Die Menschen werden immer unfähiger und unfähiger werden, etwas Vernünftiges zu denken. Sie werden immer müder und müder werden. Sie werden immer weniger daran denken, durch eine solide, vernünftige Einrichtung weiterzukommen. Es wird dasjenige, was heute eigentlich zu einer sehr großen Höhe gediehen ist, dieses ganze unsinnige Treiben, es wird aufs höchste kommen.
Die Menschen werden schwach werden, und die Ärzte werden den Urin untersuchen; da werden sie allerlei schöne Dinge darin finden, nicht wahr: Eiweißkörper, Zucker und so weiter. Man wird nur finden, daß die Nierentätigkeit in Unordnung ist.

Denn wenn man im Urin alle diese schönen Sachen findet, ist die Nierentätigkeit in Unordnung. Und man wird finden: Ja, merkwürdig, niemals hat die Welt auf diese Weise soviel Zucker und so viel Eiweiß produziert als jetzt! – Aber man wird nicht wissen, wie der Zusammenhang ist.

Höchstens wird es irgendeinem gescheiten Industriellen einmal einfallen, einem Schlauen, den vielen Zucker, der da fabriziert wird, im Industriellen zu verwenden. Das
ist der eine Weg.

Der andere Weg ist der: Man höre auf, von all den äußeren Einrichtungen zunächst zu reden und reformiere das geistige Leben der Menschheit, reformiere vor allen Dingen das Schulleben, das geistige Leben der Menschheit, bringe ordentliche geistige Gedanken in den Menschen hinein. Dann werden die Menschen finden, wie sie im Äußeren richtig leben sollen. Denn wenn die Menschen vernünftige Gedanken haben, dann erst kann man hoffen, daß sie im Äußeren in der rich-
tigen Weise leben können.

Aber, meine Herren, das kann man natürlich nicht dadurch erreichen, daß man die Tätigkeit, die man bis jetzt gehabt hat, nur fortsetzt, sondern da handelt es sich darum, daß man radikal umdenkt. Und durch keine äußeren Mittel wird die Welt heute besser, sondern nur
dadurch, daß man anfängt etwas zu wissen. Sehen Sie, die Materialisten bilden sich ein, daß sie so viel von der Materie wissen. Gerade von der Materie wissen sie ja nichts. Das ist eben das Merkwürdige, daß die Materialisten nichts wissen von der Materie. Die Materialisten, die sa-
gen: Wovon ist das Elend gekommen? Ja, das Elend, das ist gekommen von den wirtschaftlichen Verhältnissen zum Beispiel.

Ja, sehen Sie, das ist ebenso, wie wenn einer sagt: Wovon kommt die Armut? Die Armut, die kommt von der Pauvrete! – Nicht wahr ein anderes Wort. Wirtschaftliches Elend ist ja nur ein anderes Wort für dasjenige, was wir haben. Das ist ja nur ein Herumreden, denn natürlich haben das wirtschaftliche Elend Menschen gemacht, und der Mensch macht das wirtschaftliche Elend durch das, was er ist. Heute haben ungeheuer viele Leute einfach den Drang, sagen wir, Schieber zu werden.
Das rührt aber eben einfach alles davon her, daß gerade der untergeordnete menschliche Organismus, welcher heute maßgebend wird, geistige Anregung haben müßte. Der Materialist sagt den Menschen bloß:
Ja, dieser untergeordnete Organismus ist wichtig! – Aber dasjenige, was man im Geistigen kennenlernt, das sagt einem erst, warum das wichtig ist. Und so kann der Materialismus ganz schön den Blutdruck messen, aber er weiß nicht, was ein zu niedriger oder zu hoher Blut-
druck bedeutet, daß ein zu niederer Blutdruck bedeutet: der Astralleib und das Ich gehen zu wenig in den physischen Leib hinein, und ein zu hoher Blutdruck: der Astralleib und das Ich gehen zu tief in den physischen Leib hinein.

Und tatsächlich ist es heute so, daß der Blutdruck im Laufe der Geschichte der Menschheit ganz langsam immerfort zu stark geworden ist, und die Menschen leiden heute unter einem zu starken Blutdruck. Es ist schon so: Wenn der Mensch heute aufwacht, dann lebt er unter
einem zu starken Blutdruck; dann schnappt gewissermaßen dieser zu starke Blutdruck nach dem Astralleib und dem Ich. Die Folge davon ist, weil er darnach schnappt, daß der Astralleib und das Ich ganz in den physischen Leib hineingehen. Das muß aber wieder gutgemacht
werden dadurch, daß der Mensch geistige Anregungen bekommt, daß er sich wirklich mit einigem Interesse an das Geistige hingibt.

Das ist nicht damit abgetan, daß man anthroposophische Theorien lernt. Wenn man bloß anthroposophische Theorien lernt, dann ist das eben bloß die Art und Weise, wie man lesen gelernt hat im 19. Jahrhundert, die Art und Weise nur sich auf äußerliche Art Gedanken einzuprägen. Das darf es nicht sein. Es muß für den Menschen dasjenige, was er aufnimmt, so werden, daß es ihn innerlich durchdringt.

Sehen Sie, meine Herren, wenn Sie aus einer verbrauchten Luft in die frische Luft hinausgehen, dann haben Sie eine innerliche Freude. So müßten Sie eine innerliche Freude haben, ein innerliches Interesse haben, wenn Sie aus all dem Zeug, das heute Wissen genannt wird, in die
frische Seelenluft kommen, die Ihnen vom Geistigen wiederum erzählt.

Dieses innerliche Frohsein, dieses tiefe Interesse, das ist es, was man braucht für das geistige Leben. Und dadurch, daß der Mensch sich durchdringt mit Interesse, wird das zu schwer gewordene Blut – in allen Menschen ist ja heute das Blut zu schwer geworden – wiederum
leichter gemacht. Die Nieren werden vergeistigt, und die Folge davon wird sein, daß es besser werden wird in der Welt, wenn die Menschen wiederum etwas werden wissen wollen von demjenigen, was ihnen seit Jahrhunderten genommen worden ist. Das ist es schon, was man immer
wiederum sagen muß, was ich Ihnen in allen Formen sagen muß, weil es darauf ankommt, daß wir der Wahrheit ins Gesicht schauen und uns nicht blenden lassen von dem, was Scheinwissenschaft ist. Deshalb wollte ich zu demjenigen, was ich Ihnen in den vorhergehenden Vorträgen gesagt habe, heute noch einiges ergänzen.

Nun ist ja vieles über die Dinge noch zu sagen, aber sie werden ja immer klarer und klarer
werden.
Nun müssen wir eine kleine Pause machen in der Vortragsreihe. Ich habe eine Reise nach England zu machen und werde es Ihnen dann wiederum ankündigen lassen, wenn wir fortsetzen können.
Aber das ist dasjenige, was ich Ihnen gerade heute zum Schluß noch klarmachen wollte, wie die großen Ereignisse in der Menschheitsgeschichte eigentlich zusammenhängen mit dem, was der Mensch innerlich ist, und daß man da ansetzen muß, daß also die Menschheit zuerst doch
aufgeklärt werden muß, aufgeklärt aber über Wirklichkeiten, nicht über Redensarten. Das ist es also.

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Krankheit und Gesundheit – Sichtweise der anthroposophischen Menschenkunde.
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Die Kunst des Erziehens aus dem Erfassen der Menschenwesenheit / RUDOLF STEINER
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„…auf dem ökumenischen Konzil in Konstantinopel ist eben der Geist durch die Kirche abgeschafft worden.“ Und was bedeutet Gewissen? R.Steiner
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