Die Christengemeinschaft… Entstehung und Notwendigkeit der religiösen Erneuerung. R.Steiner

aus
Rudolf Steiner, GA 219, Vortrag vom 30. Dezember 1922

..Nebenher, so meinte ich dazumal, könne eine solche Bewegung für religiöse Erneuerung gehen, die ganz selbstverständlich für diejenigen, die in die Anthroposophie hinein den Weg finden, keine Bedeutung hat, sondern für diejenigen, die ihn zunächst nicht finden können.
…Die anthroposophische Bewegung hat weitere Kreise ergriffen als bloß die Anthroposophische Gesellschaft. Das machte notwendig, daß in der letzten Zeit die Art des Wirkens für die anthroposophische Bewegung eine etwas andere sein mußte als in derjenigen Zeit, in welcher im wesentlichen die anthroposophische Bewegung in der Anthroposophischen Gesellschaft beschlossen war. Aber die Anthroposophische Gesellschaft kann nur ihr Wesen erfüllen, wenn sie sich als Kern der anthroposophischen Bewegung fühlt…
…Ich bemerkte, daß die anthroposophische Bewegung darauf beruht, daß derjenige, der den Weg findet zur anthroposophischen Bewegung, zunächst weiß, daß es in der Hauptsache darauf ankommt, daß die heute der Menschheit zugänglichen geistigen Wahrheiten die Herzen und die Seelen ergreifen als Erkenntnisse.
…ich Ihnen einiges von dem mitteilen, was sich mit Bezug auf eine andere Bewegung als die anthroposophische es ist, in der letzten Zeit zugetragen hat, weil, wenn ich das nicht täte, leicht Mißverständnisse entstehen könnten. Ich will deshalb heute episodisch erzählen, in welcher Form eine religiös-kultische Bewegung entstanden ist, die mit der anthroposophischen Bewegung allerdings viel zu tun hat, aber nicht mit ihr verwechselt werden sollte:

ELFTER VORTRAG
Dornach, 30. Dezember 1922

Hier an diesem Orte habe ich es öfter ausgesprochen, wie in älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung eine harmonische Einheit umschlossen hat Wissenschaft, Kunst und Religion. Wer auf die eine oder andere Art von dem Wesen älterer Mysterien Kenntnis gewinnen kann, der weiß, daß innerhalb dieser Mysterien das Wissen, die Erkenntnis gesucht worden ist als eine Offenbarung des Geistigen in seiner Bildgestalt auf jene Art, wie man es in älteren Zeiten hat suchen können. Diese Art kann nicht mehr die unsrige sein, aber wir müssen in unserem Zeitalter wiederum bis zur Erkenntnis des geistigen Wesens der Welt vorschreiten.
Allen älteren Weltanschauungen liegt eine bildhafte Erkenntnis des Geistigen zugrunde.

Diese Erkenntnis des Geistigen lebte sich aber unmittelbar so aus, daß sie nicht bloß im Worte mitgeteilt wurde, sondern durch diejenigen Mittel, die allmählich zu unseren Kunstmitteln geworden sind: die körperlich-bildhafte Darstellung in den bildenden Künsten, die Darstellung durch Ton und Wort in den musikalischen und redenden Künsten. Aber von dieser zweiten Stufe kam es dann zur dritten Stufe, zu der religiös-kultischen Offenbarung des Wesens der Welt, durch die sich der ganze Mensch zu dem göttlichgeistigen Weltengrunde erhoben fühlte, nicht bloß in einer gedankenmäßigen Art, auch nicht bloß in einer gefühlsmäßigen Art, wie durch die Kunst, sondern so, daß Gedanken und Gefühle und auch der innerste Willensimpuls sich an dieses Göttlich-Geistige hingaben. Und dasjenige, durch welches die äußeren Willenshandlungen des Menschen
durchgeistigt werden sollten, waren die Opferhandlungen, die Kultushandlungen. Man fühlte die lebendige Einheit in Wissenschaft, so wie man sie sich damals vorstellte, in Kunst, in Religion.

Das Ideal des gegenwärtigen Geisteslebens muß dahin gehen, wiederum eine Erkenntnis zu gewinnen, welche das verwirklichen kann, was Goethe schon geahnt hat: daß sie sich erhebt zur Kunst – nicht etwa zur symbolischen oder allegorischen Kunst, sondern zur wirkliehen Kunst, zum Schaffen und Formen in Tönen, in Worten -, daß sie sich aber auch vertieft zum unmittelbaren religiösen Erleben. Nur wer anthroposophische Geisteswissenschaft so erfaßt, daß er in ihr diesen Impuls sieht, erfaßt sie eigentlich in ihrem wahren Wesen. Es ist selbstverständlich, daß die Menschheit verschiedene Schritte in ihrer Geistesentwickelung wird machen müssen, um zur Verwirklichung eines solchen Ideales zu kommen. Aber in dem geduldigen
Sich-Hingeben an diese Schritte liegt dasjenige, was die anthroposophische Bewegung vorzugsweise betätigen muß.

Nun möchte ich innerhalb dieser hier jetzt zu haltenden anthroposophischen Vorträge von einem besonderen Gesichtspunkte aus gerade über diesen jetzt charakterisierten Impuls der anthroposophischen Bewegung sprechen. Wenn ich meine Ausführungen getan haben werde, werden Sie vielleicht sehen, welches eigentlich die tiefere Veranlassung zu diesen Auseinandersetzungen ist. Und ich möchte im voraus bemerken, daß heute schon anthroposophische Bewegung längst nicht mehr zusammenfällt mit anthroposophischer Gesellschaft, aber daß die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie ihr Wesen verwirklichen will, tatsächlich voll tragen muß den Impuls der anthroposophischen Bewegung.

Die anthroposophische Bewegung hat weitere Kreise ergriffen als bloß die Anthroposophische Gesellschaft. Das machte notwendig, daß in der letzten Zeit die Art des Wirkens für die anthroposophische Bewegung eine etwas andere sein mußte als in derjenigen Zeit, in welcher im wesentlichen die anthroposophische Bewegung in der Anthroposophischen Gesellschaft beschlossen war. Aber die Anthroposophische Gesellschaft kann nur ihr Wesen erfüllen, wenn sie sich als Kern der anthroposophischen Bewegung fühlt.

Nun muß ich, um nicht bloß theoretisch, sondern real verständlich zu werden, in bezug auf dasjenige, was ich jetzt gesagt habe, Ihnen einiges von dem mitteilen, was sich mit Bezug auf eine andere Bewegung als die anthroposophische es ist, in der letzten Zeit zugetragen hat, weil, wenn ich das nicht täte, leicht Mißverständnisse entstehen könnten. Ich will deshalb heute episodisch erzählen, in welcher Form eine religiös-kultische Bewegung entstanden ist, die mit der anthroposophischen Bewegung allerdings viel zu tun hat, aber nicht mit ihr verwechselt werden sollte: die religiös-kultische Bewegung, welche sich nennt «Bewegung für religiöse Erneuerung», zur Erneuerung des Christentums. Die Stellung dieser Bewegung zur anthroposophischen Bewegung wird verständlich werden, wenn zunächst zum Behufe der Herstellung dieses Verständnisses von den Formen ausgegangen wird, in denen sich diese Bewegung für religiöse Erneuerung entwickelt hat.

Es ist jetzt eine Zeitlang her, da kamen eine geringe Anzahl begeisterter jüngerer Theologen zu mir, christlicher Theologen, die darinnenstanden, ihr theologisches Studium zu beenden, um ins praktische Seelsorgerwirken überzutreten. Sie kamen zu mir und sagten mir etwa dieses: Derjenige, der heute mit einem wirklich hingebungsvollen christlichen Herzen als Studierender aufnimmt die ihm universitätsmäßig gebotene Theologie, fühlt sich zuletzt, wie wenn er für sein zu erwartendes praktisches Seelsorgerwirken keinen festen Boden unter den Füßen hätte. – Die theologisch-religiöse Bewegung hat allmählich Formen angenommen, die ihr nicht gestatten, dasjenige wirklich hineinzugießen in das Seelsorgerwirken, was lebendig ausgehen
muß von dem Mysterium von Golgatha, was lebendig ausgehen muß von dem Bewußtsein, daß durch das Mysterium von
Golgatha die Christus-Wesenheit, die vorher in geistigen Welten weilte, sich verbunden hat mit dem menschlichen Erdenleben und im menschlichen Erdenleben weiterwirkt. Man machte mir ungefähr bemerklich, daß in den Seelen derer, die da kamen, die Empfindung lebt, daß eine Erneuerung des ganzen theologischen Impulses und des ganzen religiösen Impulses notwendig sei, wenn das Christentum lebendig erhalten werden soll, wenn das Christentum so erhalten werden soll, daß es auch die wirklich lebendige Kraft für unser ganzes geistiges Leben sein kann. Und es ist klar, daß der religiöse Impuls nur dadurch seine wahre Bedeutung hat, daß er den Menschen in seinem Wesen so tief ergreift, daß er allerdings alles andere, was der Mensch aus seinem Denken, Fühlen und Wollen hervorbringt, durchdringt.

Ich bemerkte zunächst denjenigen, die zu mir kamen, damit ich ihnen helfe in dem, was sie anstrebten und woanders nicht finden konnten als da, wo anthroposophische Geisteswissenschaft heute in die Welt tritt, ich bemerkte zunächst diesen nach einer religiösen Erneuerung suchenden Menschen, daß es notwendig sei, nicht aus irgendeinem Einzelenthusiasmus heraus zu wirken, sondern daß es darauf ankommt, dasjenige, was in weiteren Kreisen ein wenn auch mehr oder weniger unbewußt vorhandenes gleiches Streben ist, gewissermaßen zu sammeln. Ich bemerkte diesen Persönlichkeiten, daß ihr Streben selbstverständlich kein vereinzeltes ist, sondern daß sie vielleicht intensiver als manche andere, aber dennoch nur dasjenige in ihrem Herzen fühlten, was zahlreiche Menschen der Gegenwart fühlen, daß aber, wenn es sich handelt um religiöse Erneuerung, zunächst von der breiten Basis ausgegangen werden muß, innerhalb welcher zu finden sind eine größere Anzahl von Menschen, aus deren Herzen heraus das Streben nach religiöser Erneuerung quillt.

Nach einiger Zeit kamen dann die betreffenden Persönlichkeiten wieder zu mir. Sie hatten das als berechtigt durchaus hingenommen, was ich ihnen gesagt habe, und sie bemerkten mir dann, daß sich zu ihnen gesellt hätte bereits eine größere Anzahl jüngerer Theologen, die in der gleichen Lage wären, aus der Unbefriedigtheit des gegenwärtigen theologisch-religiösen Universitätsstrebens heraus in das Pfarramt, das heißt m die praktische Seelsorge überzutreten, und daß Aussicht vorhanden sei, daß der Kreis sich erweitere. Ich sagte: Es ist ganz selbstverständlich, daß es zunächst nicht allein darauf ankommt, daß gewissermaßen eine Anzahl von Predigern und Seelsorgern da sei, und daß nicht nur diejenigen in die religiöse Erneuerung
hineingezogen werden sollten, welche zu lehren und die Seelsorge auszuüben haben, sondern vor allen Dingen diejenigen, die mit dem Charakter des reinen hingebungsvollen Bekenners heute zahlreich vorhanden seien; daß man sich bewußt sein müsse, daß zahlreiche Menschen heute in der Welt leben, die – mehr oder weniger dumpf – in ihrem Gemüte einen starken religiösen Trieb haben, und zwareinen spezifisch christlich-religiösen Trieb, daß aber dieser christlichreligiöse Trieb durch dasjenige, was heute nach der Entwicklung, die eben das Theologisch-Religiöse genommen hat, nicht befriedigt werden kann.

Ich deutete darauf hin, wie es also Bevölkerungskreise gibt, die nicht innerhalb der anthroposophischen Bewegung stehen, die auch zunächst keinen Weg finden aus der Verfassung ihrer Seele, aus der Verfassung ihres Herzens heraus zur anthroposophischen Bewegung hin. Ich bemerkte weiter auch, daß für die anthroposophische Bewegung es zunächst darauf ankomme, klar und deutlich das zu durchschauen, daß wir in einem Zeitalter leben, in dem einfach durch die Entwicklung der Welt eine Summe von geistigen Wahrheiten, Wahrheiten über einen wirklichen geistigen Weltinhalt, von den Menschen, wenn sie Geistesforscher werden, gefunden werden könne – wenn sie Geistesforscher werden wollen; daß jedoch, wenn sie nicht Geistesforscher werden wollen, aber nach der Wahrheit streben, wie sie heute dem Menschen sich erschließen muß, wenn er sich seiner menschlichen Würde bewußt ist, von solchen Menschen diese von Geistesforschern gefundenen Wahrheiten verstanden werden können mit dem gewöhnlichen gesunden, aber eben wirklich gesunden Menschenverstand.

Ich bemerkte, daß die anthroposophische Bewegung darauf beruht, daß derjenige, der den Weg findet zur anthroposophischen Bewegung, zunächst weiß, daß es in der Hauptsache darauf ankommt, daß die heute der Menschheit zugänglichen geistigen Wahrheiten die Herzen und die Seelen ergreifen als Erkenntnisse. Alles dasjenige, worauf es im wesentlichen ankommt, ist, daß diese Erkenntnisse zunächst in das menschliche Geistesleben eintreten. Es kommt selbstverständlich nicht darauf an, wie derjenige, der innerhalb der anthroposophischen Bewegung steht, etwa in diesem oder jenem Wissenschaftlichen
bewandert ist. In der anthroposophischen Bewegung kann man stehen, ohne daß man irgendwie einen wissenschaftlichen Drang oder eine wissenschaftliche Anlage hat, denn, wie gesagt, für den Menschenverstand, der gesund ist, sind die anthroposophischen Wahrheiten, wenn er sich nur durch kein Vorurteil trüben läßt, durchaus verständlich. Und ich bemerkte: wenn eine genügend große Anzahl von Menschen heute schon aus ihrer Herzens- und Seelenanlage heraus den Weg zur anthroposophischen Bewegung fände, dann würde sich alles dasjenige, was für die religiösen Ziele und religiösen Ideale notwendig ist, mit der anthroposophischen Erkenntnis allmählich auch aus der anthroposophischen Bewegung heraus ergeben.

Aber es gibt sehr zahlreiche Menschen, welche den angedeuteten Drang und Trieb nach einer religiösen Erneuerung haben, namentlich nach einer christlich-religiösen Erneuerung, und die einfach dadurch, daß sie in gewissen Kulturzusammenhängen drinnenstehen, den Weg in die anthroposophische Bewegung nicht finden können.
Für diese Menschen ist das heute Notwendige dies, daß auf eine für sie geeignete Weise der Weg in das der heutigen Menschheit gemäße Geistesleben hinein gefunden werde.
Ich bemerkte, daß es dabei ankommt auf Gemeindebilden, daß dasjenige, was erreicht werden soll von dem Anthroposophischen, zunächst allerdings innerhalb der einzelnen Individualität erreicht werden kann, daß aber aus dieser Erkenntnis heraus, die sich auf individuelle Weise ergibt, ganz durch innere Notwendigkeit jenes soziale Wirken, ethisch-religiös soziale Wirken, folgen müsse, welches die Zukunft der Menschheit braucht.
Es kommt also darauf an, denjenigen Menschen etwas zu geben, die zunächst – man muß da die historisch gegebene Notwendigkeit ins
Auge fassen – nicht in der Lage sind, unmittelbar den Gang zur anthroposophischen Bewegung anzutreten. Für sie muß durch Gemeindebilden in herzlichem, seelischem und geistigem Zusammenwirken der Geistesweg gesucht werden, welcher heute der der menschlichen Entwickelung angemessene ist. So daß dasjenige, was ich damals aus den Notwendigkeiten unserer Menschheitsentwickelung heraus diesen suchenden Persönlichkeiten zu sagen hatte, sich etwa zusammenfassen läßt mit den Worten: Es ist notwendig für die heutige Menschheitsentwickelung, daß die anthroposophische Bewegung immer mehr und mehr wachse, wachse aus ihren Bedingungen heraus, nicht gestört werde in diesem Wachsen aus ihren Bedingungen heraus, die namentlich darinnen bestehen, daß jene geistigen Wahrheiten, die einfach aus der geistigen Welt zu uns wollen, zunächst unmittelbar in die Herzen eindringen, so daß die Menschen durch diese geistigen Wahrheiten erstarken. Dann werden sie den Weg finden, der auf der einen Seite ein künstlerischer, auf der andern Seite ein religiös-ethischsozialer sein wird. Diesen Weg geht die anthroposophisehe Bewegung, seit sie besteht. Für diese anthroposophische Bewegung ist, wenn nur dieser Weg richtig verstanden wird, kein anderer notwendig.

Die Notwendigkeit eines andern Weges ergibt sich für diejenigen Menschen, welche diesen Weg unmittelbar nicht gehen können, welche durch Gemeindebilden, im Zusammenarbeiten innerhalb der Gemeinde, einen andern Weg gehen müssen, der, ich möchte sagen, mit dem anthroposophischen erst später zusammenführt. So daß dadurch die Perspektive eröffnet war für zwei nebeneinanderhergehende Bewegungen: Die anthroposophische Bewegung, die dann ihre wirklichen Ziele erreicht, wenn sie dasjenige, was ursprünglich in ihr lag, wirklich auch sinn- und kraftgemäß verfolgt und sich in dieser Verfolgung nicht beirren läßt durch irgendwelche spezielle Arbeitsgebiete, die sich in ihrem Lauf eröffnen müssen. Auch das wissenschaftliche Arbeitsgebiet darf zum Beispiel nicht beeinträchtigen den Impuls der allgemeinen anthroposophischen Bewegung. Wir müssen uns klar sein darüber, daß der anthroposophische Impuls es ist, der die anthroposophische Bewegung ausmacht, und daß, wenn in der neuesten Zeit diese und jene wissenschaftlichen Arbeitsgebiete innerhalb der anthroposophischen Bewegung geschaffen worden sind, durchaus die Notwendigkeit besteht, daß dadurch die Kraft und Energie des allgemeinanthroposophischen Impulses nicht abgeschwächt werde, daß namentlich nicht in einzelne Wissenschaftsgebiete hinein, in die Denk- und Vorstellungsform einzelner Wissenschaftsgebiete hinein der anthroposophische Impuls so gezogen werde, daß von dem heutigen Wissenschaftsbetrieb, der gerade belebt werden sollte durch den anthroposophischen Impuls, wiederum so viel abfärbt, daß die Anthroposophie etwa chemisch wird, wie die Chemie heute ist, physikalisch wird, wie die Physik heute ist, biologisch wird, wie die Biologie heute ist. Das darf durchaus nicht sein. Das würde an den Lebensnerv der anthroposophischen
Bewegung gehen. Es handelt sich darum, daß die anthroposophische Bewegung ihre spirituelle Reinheit, aber auch ihre spirituelle Energie bewahre. Dazu muß sie das Wesen der anthroposophischen Spiritualität verkörpern, muß in ihm leben und weben, muß alles dasjenige tun, was aus den geistigen Offenbarungen der Gegenwart heraus auch zum Beispiel in das wissenschaftliche Leben eindringen soll.

Nebenher, so meinte ich dazumal, könne eine solche Bewegung für religiöse Erneuerung gehen, die ganz selbstverständlich für diejenigen, die in die Anthroposophie hinein den Weg finden, keine Bedeutung hat, sondern für diejenigen, die ihn zunächst nicht finden können.
Und da diese zahlreich vorhanden sind, ist natürlich eine solche Bewegung nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig.
Darauf rechnend also, daß die anthroposophische Bewegung das bleibe, was sie war und was sie sein soll, gab ich, unabhängig von aller anthroposophischen Bewegung, einer Anzahl von Persönlichkeiten, die von sich heraus, nicht von mir aus, für die Bewegung für religiöse Erneuerung wirken wollten, dasjenige, was ich in der Lage war zu geben in bezug auf den Inhalt desjenigen, was eine künftige Theologie braucht: den Inhalt auch des Kultusmäßigen, das eine solche neue Gemeinschaftsbildung braucht.
Was da gegeben worden ist, ist von mir durchaus so gegeben worden, daß ich als Mensch andern Menschen dasjenige gegeben habe, was ich ihnen aus den Bedingungen der geistigen Erkenntnis der Gegenwart geben konnte. Das, was ich diesen Persönlichketten gegeben habe, hat nichts zu tun mit der anthroposophischen Bewegung. Ich habe es ihnen als Privatmann gegeben, und habe es so gegeben, daß ich mit notwendiger Dezidiertheit betont habe, daß die anthroposophische Bewegung mit dieser Bewegung für religiöse Erneuerung nichts zu tun haben darf; daß aber vor allen Dingen nicht ich der Gründer bin dieser Bewegung für religiöse Erneuerung; daß ich darauf rechne, daß der Welt das durchaus klargemacht werde, und daß ich einzelnen Persönlichkeiten, die von sich aus begründen wollten diese Bewegung für religiöse Erneuerung, die notwendigen Ratschlüsse gegeben habe, Ratschlüsse, die allerdings geeignet waren, einen gültigen und spirituell kräftigen, spirituell von Wesenheit erfüllten Kultus auszuüben, in rechtmäßiger Weise mit den Kräften aus der geistigen Welt heraus zu zelebrieren. Ich selber habe bei der Erteilung dieser Ratschläge niemals irgendeine Kultushandlung ausgeführt, sondern nur denjenigen, die in diese Kultushandlung hineinwachsen wollten, gezeigt, Schritt für Schritt, wie eine solche Kultushandlung zu geschehen hat. Das war notwendig. Und heute ist es auch notwendig, daß innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft dies richtig verstanden wird.
Die Bewegung ist also begründet worden, unabhängig von mir, unabhängig von der Anthroposophischen Gesellschaft, lediglich auf meine Ratschläge hin. Und derjenige, der den Ausgangspunkt gebildet hat, der sozusagen die erste Urkultushandlung begangen hat innerhalb dieser Bewegung, hat sie zwar nach meiner Anleitung begangen, nicht aber bin ich irgendwie an der Gründung dieser Bewegung beteiligt.

Sie ist eine Bewegung, die aus sich selbst heraus entstanden ist, und die die Ratschläge von mir bekommen hat aus dem Grunde, weil, wenn jemand berechtigten Rat auf irgendeinem Gebiete fordert, es Menschenpflicht ist, wenn man den Rat erteilen kann, ihn auch wirklich zu erteilen.
So muß im strengsten Sinne des Wortes das verstanden werden, daß sich neben der anthroposophischen Bewegung eine andere Bewegung aus sich selbst heraus, nicht aus der anthroposophischen Bewegung heraus begründet hat, begründet hat aus dem Grunde, weil außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft zahlreiche Menschen sind, die den Weg in die anthroposophische Bewegung hinein selber nicht finden, die später mit ihr zusammenkommen können.
Daher muß streng unterschieden werden zwischen dem, was anthroposophische Bewegung ist, dem, was Anthroposophische Gesellschaft auch ist, und demjenigen, was die Bewegung für religiöse Erneuerung ist. Und es ist wichtig, daß man nicht die Anthroposophie für die Begründerin dieser Bewegung für religiöse Erneuerunghält.
Das hat nichts zu tun damit, daß in aller Liebe und auch mit aller Hingabe an diejenigen geistigen Mächte, welche eine solche religiöse Bewegung heute in die Welt hereinsetzen können, die Ratschläge erteilt worden sind, welche diese religiöse Bewegung zu einer wirklichen geistigen Gemeinschaftsbildung in heute der Menschenentwickelung gemäßem Sinne machen. So daß diese Bewegung dann in richtiger Weise entstanden ist, wenn sie betrachtet das, was innerhalb der anthroposophischen Bewegung ist, als dasjenige, was ihr vorlaufend ist, was ihr den sicheren Boden gibt, wenn sie sich anlehnt ihrerseits an die anthroposophische Bewegung, wenn sie Hilfe und Rat sucht bei denjenigen, welche innerhalb der anthroposophischen Bewegung stehen und so weiter. Gerade mit Rücksicht darauf, daß die Gegnerschaft der anthroposophischen Bewegung heute so geartet ist, daß ihr jeder Angriffspunkt recht ist, müssen solche Dinge völlig klar sein.
Und ich muß schon sagen, daß eigentlich jeder, der es ehrlich meint mit der anthroposophischen Bewegung, überall so etwas zurückweisen müßte, wenn etwa gesagt würde: In Dornach ist im Goetheanum und durch das Goetheanum die Bewegung für religiöse Erneuerung begründet worden – , wenn geradezu die anthroposophische Bewegung als die Begründerin hingestellt würde. Denn das ist nicht der Fall. Es ist so, wie ich es eben jetzt dargestellt habe.

Und so habe ich mir vorstellen müssen gerade aus der Art und Weise, wie ich selber dieser Bewegung für religiöse Erneuerung auf die Beine geholfen habe, daß diese Bewegung bei der anthroposophischen Bewegung ihre Anlehnung sucht, daß sie die anthroposophische Bewegung als ihre Vorläuferin ansieht, daß sie Bekenner sucht außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, und daß sie es als einen schweren Fehler ansehen würde, wenn sie etwa mit derjenigen Bestrebung, die gerade notwendig ist außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, in die Anthroposophische Gesellschaft hineingreifen würde. Denn die Anthroposophische Gesellschaft wird von demjenigen nicht verstanden, der sich nicht so auffaßt, daß er ein Rater und Helfer sein kann dieser religiösen Bewegung, daß er aber nicht unmittelbar in ihr untertauchen kann. Wenn er dieses tut, so arbeitet er an zweierlei: erstens arbeitet er an der Zertrümmerung und Zerschmetterung der Anthroposophischen Gesellschaft, zweitens arbeitet er an der Fruchtlosigkeit der Bewegung für religiöse Erneuerung.
Denn innerhalb der Menschheit müssen doch alle diejenigen Bewegungen, welche in berechtigter Weise entstehen, wie in einem organischen Ganzen zusammenwirken. Das muß aber in der richtigen Weise geschehen.

Es ist für den menschlichen Organismus schlechterdings unmöglich, daß das Blutsystem Nervensystem werde und das Nervensystem Blutsystem werde. Die einzelnen Systeme müssen in reinlicher Trennung voneinander im menschlichen Organismus wirken. Dann werden sie gerade in der richtigen Weise zusammenwirken. Daher ist es notwendig, daß ohne Rückhalt die Anthroposophische Gesellschaft mit ihrem Inhalte Anthroposophie bleibe, ungeschwächt durch die neuere Bewegung; daß derjenige, der versteht, was anthroposophische Bewegung ist, alles das – nun nicht in irgendeinem überheberischen, hochmütigen, sondern in einem mit den Aufgaben unserer Zeit wirklich rechnenden Sinne – , worauf es ankommt, in die Worte zusammenfaßt:
Diejenigen, die den Weg einmal in die Anthroposophische Gesellschaft gefunden haben, brauchen keine religiöse Erneuerung. Denn was wäre die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie erst religiöse Erneuerung brauchte!
Aber religiöse Erneuerung wird in der Welt gebraucht, und weil siegebraucht wird, weil sie eine tiefe Notwendigkeit ist, wurde die Hand zu ihrer Begründung geboten. Richtig werden also die Dinge verlaufen, wenn die Anthroposophische Gesellschaft bleibt, wie sie ist, wenn diejenigen, die sie verstehen wollen, wirklich auch ihr Wesen ergreifen und nicht glauben, daß sie es nötig haben, einer andern Bewegung anzugehören, die ja ihren Inhalt hat, trotzdem es in realem Sinne richtig ist, daß nicht die Anthroposophie begründet hat diese religiöse Erneuerungsbewegung; aber die religiöse Erneuerungsbewegung,
die sich selbst begründet hat, hat ihren Inhalt von der Anthroposophie her genommen.
Wer also diese Dinge nicht sinngemäß auseinanderhält, arbeitet, indem er für den eigentlichen Impuls der anthroposophischen Bewegung lässiger wird, daran, Boden und Rückgrat auch für die religiöse Erneuerungsbewegung wegzuschaffen und die anthroposophische Bewegung zu zertrümmern. Derjenige, der, auf dem Boden der religiösen Erneuerungsbewegung stehend, etwa meint, daß er diese auf die anthroposophische Bewegung ausdehnen müsse, entzieht sich selber den Boden. Denn dasjenige, was Kultusmäßiges ist, muß zuletzt sich auflösen, wenn das Rückgrat der Erkenntnis aufgehoben wird.

Gerade zum Gedeihen der beiden Bewegungen ist es notwendig, daß sie reinlich auseinandergehalten werden. Daher ist es für den Anfang durchaus notwendig – weil diese Dinge in unserer Zeit, wo alles darauf ankommt, daß wir Kraft entwickeln für dasjenige, was wir wollen -, es ist in der ersten Zeit durchaus notwendig, daß strenge darauf gesehen wird, daß die Bewegung für religiöse Erneuerung nach allen Richtungen in Kreisen wirkt, die außerhalb der anthroposophischen Bewegung liegen. Daß sie also weder in bezug auf die Beschaffung ihrer materiellen Mittel – ich muß schon, damit die Dinge verstanden werden, auch über diese Dinge reden – hineingreift in dasjenige, was die heute ohnedies sehr schwierig laufenden Quellen für die anthroposophische Bewegung sind, ihr also gewissermaßen nicht den materiellen Boden abgräbt, noch daß sie aber auf der andern Seite, weil es ihr nicht gleich gelingt, unter Nichtanthroposophen Bekenner zu finden, nun ihre Proselyten innerhalb der Reihe der Anthroposophen macht. Dadurch wird ein Unmögliches getan, dasjenige getan, was zum Untergang der beiden Bewegungen führen müßte.

Es kommt heute wirklich nicht darauf an, daß wir mit einem gewissen Fanatismus vorgehen, sondern daß wir uns bewußt sind, daß wir das Menschennotwendige nur tun, wenn wir aus der Notwendigkeit der Sache heraus wirken. Dasjenige, was ich jetzt als Konsequenzen sage, war zu gleicher Zeit die Voraussetzung für das Handbieten zur Gründung der Bewegung für religiöse Erneuerung, denn nur unter diesen Bedingungen konnte man die Hand dazu bieten. Wenn diese Voraussetzung nicht gewesen wäre, so wäre durch meine Ratschläge die Bewegung für religiöse Erneuerung niemals entstanden.
Daher bitte ich Sie, eben zu verstehen, daß es notwendig ist, daß die Bewegung für religiöse Erneuerung wisse: daß sie bei ihrem Ausgangspunkte stehenbleiben müsse, daß sie versprochen hat, ihre Anhängerschaft außerhalb der Kreise der anthroposophischen Bewegung zu suchen, weil sie dort auf naturgemäße Weise zu finden ist und weil sie dort gesucht werden muß.
Dasjenige, was ich zu Ihnen gesprochen habe, habe ich nicht aus dem Grunde gesprochen, weil ich etwa besorgt bin, daß der anthroposophischen Bewegung irgend etwas abgegraben werden könnte, ich habe es gewiß nicht gesprochen aus irgendwelchen persönlichen Intentionen heraus, sondern aus der Notwendigkeit der Sache heraus.

Mit dieser Notwendigkeit ist auch verbunden, daß verstanden werde, wie allein es möglich ist, in richtiger Weise auf dem einen und auf dem andern Gebiete zu wirken. Es ist schon notwendig, daß für wichtige Dinge klar ausgesprochen wird, um was es sich handelt, denn es besteht gar zu viel Tendenz heute, die Dinge zu verwischen, sie nicht klar zu nehmen. Aber Klarheit ist heute auf allen Gebieten notwendig.
Wenn daher etwa jemand sagen würde: Nun hat der selbst diese Bewegung für religiöse Erneuerung in die Welt gesetzt und spricht jetzt so – ja, meine sehr verehrten Anwesenden und Heben Freunde, es handelt sich darum, daß, wenn ich jemals anders hätte gesprochen über diese Dinge, so hätte ich nicht die Hand geboten zur Begründung dieser Bewegung für religiöse Erneuerung. Sie muß bei ihrem Ausgangspunkt stehenbleiben. Was ich ausspreche, ist selbstverständlich nur ausgesprochen, damit innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft die Dinge richtig verstanden werden, damit nicht etwa, wie es vorgekommen sein soll, gesagt werde: Nun ging es mit der anthroposophischen Bewegung nicht, jetzt wurde die Bewegung für religiöse Erneuerung als das Richtige begründet. – Ich bin zwar überzeugt, daß die ausgezeichneten, hervorragenden Persönlichkeiten, welche die Bewegung für religiöse Erneuerung begründet haben, jeder solchen Legende mit aller Kraft entgegentreten werden, und daß diese hervorragenden, ausgezeichneten Persönlichkeiten es mit aller Kraft ablehnen werden, innerhalb der anthroposophischen Bewegung ihre Proselyten zu machen. Aber es muß das Richtige innerhalb der anthroposophischen Bewegung verstanden werden.

Ich weiß, wie es immer wiederum einzelne gibt, die solche Auseinandersetzungen, die von Zeit zu Zeit notwendig werden – nicht zur Klage nach der einen oder andern Richtung hin, auch nicht zur Kritik, sondern lediglich zur Darstellung desjenigen, was nun einmal in aller Klarheit erfaßt werden sollte -, ich weiß, daß es immer einzelne gibt, denen das unangenehm ist, wenn man an Stelle der nebulosen Unklarheit die Klarheit setzen will. Aber zum Gedeihen, zur Gesundheit sowohl der anthroposophischen Bewegung wie der Bewegungfür religiöse Erneuerung ist das durchaus notwendig. Es kann nicht die Bewegung für religiöse Erneuerung gedeihen, wenn sie irgendwie die anthroposophische Bewegung beeinträchtigen wird.
Das aber müssen insbesondere Anthroposophen ganz gründlich verstehen, damit sie überall da, wo es sich darum handelt, für die Richtigkeit der Sache einzutreten, auch wirklich für diese Richtigkeit der Sache eintreten können. Wenn es sich daher um die Stellung eines Anthroposophen zur religiösen Erneuerung handelt, so kann es nur diese sein, daß er Rater ist, daß er dasjenige gibt, was er geben kann an geistigem Gut, daß er, wenn es sich darum handelt, an den Kultushandlungen sich zu beteiligen, sich immer bewußt bleibt, daß er das tut, um diesen Kultushandlungen auf den Weg zu helfen. Ein geistiger Helfer allein für diese religiöse Erneuerungsbewegung kann derjenige sein, der sich als Anthroposoph versteht. Aber nach jeder Richtung
hin muß diese Bewegung für religiöse Erneuerung von Menschen getragen werden, die noch nicht den Weg in die Anthroposophische Gesellschaft hinein selber finden können durch die besondere Konfiguration und durch die Anlage ihres Geisteslebens.
Also ich hoffe, daß jetzt nicht irgend jemand geht zu irgend jemandem, der aktiv tätig ist in der religiösen Erneuerungsbewegung, und sagt: In Dornach ist gegen sie dies oder jenes gesagt worden. – Es ist nichts gegen sie gesagt worden; sie ist in Liebe und in Hingebung an die geistige Welt und in berechtigter Weise aus der geistigen Welt heraus mit Ratschlägen so versorgt worden, daß sie sich selbst begründen konnte. Aber von Anthroposophen muß gewußt werden, daß sie sich selbst aus sich heraus begründet hat, daß sie zwar nicht den Inhalt ihres Kultus, aber die Tatsache ihres Kultus aus eigener Kraft heraus, aus eigener Initiative heraus formiert hat; daß das Wesen der anthroposophischen Bewegung nichts zu tun hat mit der Bewegung für religiöse Erneuerung. Es gibt ganz gewiß keinen Wunsch, der so groß sein kann, wie der von mir, daß die Bewegung für religiöse Erneuerung unermeßlich gedeihe, aber unter Einhaltung der ursprünglichen Bedingungen. Es dürfen nicht etwa die anthroposophischen Zweige in Gemeinden für religiöse Erneuerung umgestaltet werden, weder in materieller noch in geistiger Beziehung.

Das mußte ich heute aus dem Grunde sagen, weil ja da Ratschläge für einen Kultus gegeben werden sollten, dessen Gedeihen in der Gegenwart sehr, sehr von mir gewünscht wird. Damit nicht Mißverständnisse entstehen, indem man hinblickt auf diesen so gegebenen Kultus, wenn ich nun überhaupt über die Bedingungen des Kultuslebens in der spirituellen Welt morgen sprechen werde, mußte ich dieses heute als Episode einfügen. Es ist eine episodische Betrachtung zum besseren Verständnis desjenigen, was ich morgen in Fortsetzung der gestern gegebenen Auseinandersetzungen zu sagen haben werde.

„…Aus dem Dargestellten kann sich für jeden Anthroposophen als Gemeindemitglied der Christengemeinschaft eine tiefbegründete Orientierung ergeben. Er ist nicht selbst auf dem Abel-Weg, das ist der Priester. Auf den Anthroposophen jedoch kommt es entscheidend an, denn er ist auf dem Kains-Weg, der nach und nach den Abel-Weg im angedeuteten Sinne wird ablösen müssen.“
Zur Beziehung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zur Bewegung für Religiöse Erneuerung, der Christengemeinschaft
Gunther Hullmann, Osnabrück, 3. Mai 2016:

Ein Übergang
In der Beziehung der beiden Bewegungen wird an dieser, auch an anderen Stellen ein Übergang in die AG von Rudolf Steiner angesprochen. Es ist bisher jedoch m. W. kein Weg gebahnt, der einen Übergang von der Christengemeinschaft in die Anthroposophische Gesellschaft gangbar macht.

Rudolf Steiner führt weiter aus:„Daher muss streng unterschieden werden zwischen dem, was Anthroposophische Bewegung ist, dem, was Anthroposophische Gesellschaft auch ist, und demjenigen, was die Bewegung für religiöse Erneuerung ist. Und es ist wichtig, dass man nicht die Anthroposophie für die Begründerin dieser Bewegung für religiöse Erneuerung hält. ….Und so habe ich mir vorstellen müssen gerade aus der Art und Weise, wie ich selber dieser Bewegung für religiöse Erneuerung auf die Beine geholfen habe, dass diese Bewegung bei der Anthroposophischen Bewegung ihre Anlehnung sucht, dass sie die Anthroposophische Bewegung als ihre Vorläuferin ansieht, dass sie Bekenner sucht außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, und dass sie es als einen schweren Fehler ansehen würde, wenn sie etwa mit derjenigen Bestrebung, die gerade notwendig ist außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, in die Anthroposophische Gesellschaft hineingreifen würde. Denn die Anthroposophische Gesellschaft wird von demjenigen nicht verstanden, der sich nicht so auffasst, dass er ein Rater und Helfer sein kann dieser religiösen Bewegung, dass er aber nicht unmittelbar in ihr untertauchen kann. Wenn er dies tut, so arbeitet er an zweierlei: erstens arbeitet er an der Zertrümmerung und Zerschmetterung der Anthroposophischen Gesellschaft, zweitens arbeitet er an der Fruchtlosigkeit der Bewegung für religiöse Erneuerung. Denn innerhalb der Menschheit müssen doch alle diejenigen Bewegungen, welche in berechtigter Weise entstehen, wie in einem organischen Ganzen zusammenwirken. Das muss aber in der richtigen Weise geschehen.

Es ist für den menschlichen Organismus schlechterdings unmöglich, dass das Blutsystem Nervensystem werde und das Nervensystem Blutsystem werde. Die einzelnen Systeme müssen in reinlicher Trennung voneinander im menschlichen Organismus wirken. Dann werden sie gerade in der richtigen Weise zusammenwirken. Daher ist es notwendig, dass ohne Rückhalt die Anthroposophische Gesellschaft mit ihrem Inhalte Anthroposophie bleibe, ungeschwächt durch die neuere Bewegung; dass derjenige, der versteht, was Anthroposophische Bewegung ist, alles das – nun nicht in irgendeinem überheberischen, hochmütigen, sondern in einem mit den Aufgaben unserer Zeit wirklich rechnenden Sinne -, worauf es ankommt, in die Worte zusammenfasst: diejenigen, die den Weg einmal in die Anthroposophische Gesellschaft gefunden haben, brauchen keine religiöse Erneuerung. Denn was wäre die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie erst religiöse Erneuerung brauchte! …Wer also diese Dinge nicht sinngemäß auseinander hält, arbeitet, indem er für den eigentlichen Impuls der Anthroposophischen Bewegung lässiger wird, daran, Boden und Rückgrat auch für die religiöse Erneuerungsbewegung wegzuschaffen und die Anthroposophische Bewegung zu zertrümmern. Derjenige, der, auf dem Boden der religiösen Erneuerungsbewegung stehend, etwa meint, dass er diese auf die Anthroposophische Bewegung ausdehnen müsse, entzieht sich selber den Boden. Denn dasjenige, was Kultusmäßiges ist, muss zuletzt sich auflösen, wenn das Rückgrat der Erkenntnis aufgehoben wird.“ [16]

Unverständlicher Weise wurde in den vielen vergangenen Jahrzehnten sich nicht an die Angaben Rudolf Steiners gehalten – und hier sind es einmal Anweisungen – und das Gewicht der Erkenntnisarbeit für die Trennung zwischen Anthroposophischer Bewegung und Bewegung für religiöse Erneuerung/CG nicht verstanden oder nicht gesehen, ignoriert. Diese Erkenntnisarbeit betrifft die Beziehung zwischen Priestern der CG innerhalb ihrer originären Aufgabe, Menschen an sich zu binden, die wirklich religiöse Erneuerung benötigen. Sie kann nicht gelten für die Beziehungen der Priester zu Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft.

Rudolf Steiner betont: „…dass strenge darauf gesehen wird, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung nach allen Richtungen in Kreisen wirkt, die außerhalb der Anthroposophischen Bewegung liegen. Dass sie also weder in Bezug auf die Beschaffung ihrer materiellen Mittel – ich muss schon, damit die Dinge verstanden werden, auch über diese Dinge reden – hineingreift in dasjenige, was die heute ohnedies sehr schwierig laufenden Quellen für die Anthroposophische Bewegung sind, ihr also gewissermaßen nicht den materiellen Boden abgräbt, noch dass sie aber auf der anderen Seite, weil es ihr nicht gleich gelingt, unter Nichtanthroposophen Bekenner zu finden, nun ihre Proselyten innerhalb der Reihe der Anthroposophen macht. Dadurch wird ein Unmögliches getan, dasjenige getan, was zum Untergang der beiden Bewegungen führen müsste. … Dasjenige, was ich jetzt als Konsequenzen sage, war zu gleicher Zeit die Voraussetzung für das Handbieten zur Gründung der Bewegung für religiöse Erneuerung, denn nur unter diesen Bedingungen konnte man die Hand dazu bieten. Wenn diese Voraussetzung nicht gewesen wäre, so wäre durch meine Ratschläge die Bewegung für religiöse Erneuerung niemals entstanden. Daher bitte ich Sie, eben zu verstehen, dass es notwendig ist, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung wisse, dass sie bei ihrem Ausgangspunkte stehen bleiben müsse, dass sie versprochen hat, ihre Anhängerschaft außerhalb der Kreise der Anthroposophischen Bewegung zu suchen,“…[17]„ …Es kann nicht die Bewegung für religiöse Erneuerung gedeihen, wenn sie irgendwie die Anthroposophische Bewegung beeinträchtigen wird. Das aber müssen insbesondere Anthroposophen ganz gründlich verstehen, damit sie überall da, wo es sich darum handelt, für die Richtigkeit der Sache einzutreten, auch wirklich für diese Richtigkeit der Sache eintreten können. Wenn es sich daher um die Stellung eines Anthroposophen zur religiösen Erneuerung handelt, so kann es nur diese sein, dass er Rater ist, dass er dasjenige gibt, was er geben kann an geistigem Gut, dass er, wenn es sich darum handelt, an den Kultushandlungen sich zu beteiligen, sich immer bewusst bleibt, dass er das tut, um diesen Kultushandlungen auf den Weg zu helfen. Ein geistiger Helfer allein für diese religiöse Erneuerungsbewegung kann derjenige sein, der sich als Anthroposoph versteht. Aber nach jeder Richtung hin muss diese Bewegung für religiöse Erneuerung von Menschen getragen werden, die noch nicht den Weg in die Anthroposophische Gesellschaft hinein selber finden können, …“ [18]

Wer sich, als Mitglied der AG persönlich berührt oder sogar bedrängt fühlt durch diese Aussagen, ja Anweisungen Rudolf Steiners, trägt er nicht so viele anthroposophische Erkenntnisergebnisse in seiner Seele, dass er den konkreten Schritt aus der Christengemeinschaft in die Anthroposophische Gesellschaft nun gehen müsste und sich vom Kultus der Christengemeinschaft, in dem er untergetaucht war, entschieden neu bestimmen sollte? In dem angedeuteten Sinne: ein Rater zu sein und der Sache auf den Weg zu helfen – was natürlich in der Lebenspraxis in aller taktvollen Haltung gesucht werden sollte?

Die Unbequemlichkeit sich darüber zu befinden, ist vielleicht groß, es wird jedoch darauf ankommen, ob diese Frage in einen Erkenntnisschritt einmünden wird. Er kann sicher durch meditative eigene Arbeit ergriffen werden.

Die Türe zu einem Esoterischen öffnet sich hier. Wir können erahnen, wie in Gemeinsamkeit mit anderen Menschen dies möglich werden kann. Wir können am Seelenleben des anderen Menschen erwachen: In seinen Worten, durch seine Worte und durch seine Bewegungen hindurch erahnen wir das Bild seines ewigen, geistigen Wesens. Dieses ewige Wesen kann uns auferwecken: Sein Urbild.

Wenn der Kultus der CG seine Kraft aus dem Gemeinsamen des Vorgeburtlichen schöpft, so kann hier erahnt werden wie ein umgekehrter Kultus aus der Zukunft wirkt.

Widerstand

Es kann sich beim Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft in der Christengemeinschaft Widerstand regen, wenn er sich als Rater und Helfer in der Bewegung der religiösen Erneuerung auffassen soll. Mit Recht, kann sich ein CG-Mitglied dagegen empören, das zugleich AG Mitglied ist. Und diese Empörung wird wohl noch größer, wenn Rudolf Steiner in der Priesterweihe durch die geistige Welt spricht: „Sie (die Priester) werden so wirken können, dass Sie nun wirklich Ihre Gemeindekinder innerlich, gemüthaft an sich ketten können. Wenn ich sage „ketten“, so bedeutet das nicht, Sklavenketten anzulegen. Dazu gehört allerdings, dass die Gemeindemitglieder durch Sie das Bewusstsein bekommen, in einer gewissen Brüderlichkeit zu leben. Die Gemeinden müssen konkrete brüderliche Gefühle in sich haben und sie müssen ihren Prediger-Leiter als eine selbstverständliche Autorität anerkennen, an die sie sich wenden in konkreten Fragen, …es muss möglich werden, dass man das Gefühl hat, man bekommt eine Art Direktive aus der geistigen Welt heraus, wenn man den Prediger fragt.“ [19]

Das Verständnis für eine Laiengemeinschaft

Hat man diese Zitate zureichend verinnerlicht, kann man als Anthroposoph unmittelbar erleben, welch wichtige, auch heute noch wichtige Aufgabe die Bewegung für religiöse Erneuerung für eine Gemeinde von Laien hat. Wir dürfen anerkennen, welch großartige Seelsorge aus diesen Worten für die Menschen spricht, die sich in der Bewegung für religiöse Erneuerung beheimatet fühlen. Faktisch wird ein Anthroposoph in der CG ein “geistiges Geführtwerden” wohl nicht erleben, im spirituellen Sinne ist es von Rudolf Steiner zwar gemeint, jedoch eben nicht für Anthroposophen. Aus den oben dargelegten Zitaten und dem Wachwerden des inneren Widerstandes gegen jegliches “geistige Geführtwerden”, kann die Unverträglichkeit einer Vermischung der beiden Bewegungen erlebt werden. Es ist auf Seiten der CG gewiss eine tief verantwortliche Führungsaufgabe, die damit verbunden ist und die CG Mitglieder fühlen gewiss ein freies Anerkennen der Autorität, die ja nicht herrschen, sondern fördern will.

Kain und Abel

Es ergibt sich nun die welthistorische Frage: Gibt es Untergründe, die die Notwendigkeit der Trennung der CG und AG sichtbar machen? Muss eine welthistorische Frage zum Verständnis bemüht werden, reicht es nicht aus, wenn der Vortrag vom 30.12.1922 gehört wird?

Der tiefe Urgrund dazu und auch der Urgrund für die Menschheit sind bei Kain und Abel zu finden. [20] „Im Beginn der Erdenentwickelung stieg einer der Lichtgeister oder Elohim aus dem Sonnenbereich in den Erdenbereich und verband sich mit Eva, der Urmutter des Lebendigen (der Mutter Erde). Aus dieser Verbindung entstand Kain, der erste der Erdenmenschen. Darauf bildete ein anderer aus der Reihe der Elohim, Jahve oder Jehova, den Adam; und aus der Verbindung des Adam mit Eva, entstand Abel, des Kain Stiefbruder. Die Ungleichheit der Abstammung von Kain und Abel (geschlechtliche und ungeschlechtliche Abstammung) bewirkte Streit zwischen Kain und Abel. Und Kain erschlug den Abel. Abel war durch die geschlechtliche Abstammung; Kain durch den moralischen Fall des Lebens in der geistigen Welt verlustig gegangen. Für Abel gab Jehova dem Elternpaar den Ersatzsohn Seth. Von Kain und Seth stammen zwei Menschentypen ab. Die Nachkommen Seths konnten in besonderen (traumhaften) Bewusstseinszuständen in die geistige Welt schauen. Die Nachkommen Kains waren diesem Schauen ganz verlustig gegangen. Sie mussten sich im Laufe der Generationen hindurch, durch allmähliche Ausbildung der menschlichen Erdenkräfte zur Wiedererringung der spirituellen Fähigkeiten hinaufarbeiten.“ [21]

Der Kain-Weg und der Abel-Weg
Zwei Menschheitsströmungen werden hier benannt, die jede für sich, aus den ihr eigenen Kräften, den Weg in die geistige Welt anstreben.

„Der Unterschied zwischen diesen beiden Wegen findet sich…so charakterisiert: Das Priesterliche aller Religionen (Abel-Weg) beruht auf der Weihe. Durch sie werden auf den Träger, den Priester, höhere, außerpersönliche Kräfte übertragen, welche als Ausfluss der göttlichen Gnade betrachtet werden. Die Weihe bewirkt, dass göttliche Gnadenwirkungen durch den Priester in die physische Welt getragen werden können. Bildhaft gesprochen wird der geweihte Priester zu einem Kanal, durch welchen göttliche Wirkungen in die Erdenwelt einfließen.

….Jene Strömung, die u. a. auch der Freimaurerei zugrunde liegt, geht andere Wege (Kain-Weg). Hier findet keine Weihe im Sinne der Übertragung höherer Kräfte statt, sondern eine Initiation, eine Einweihung oder Erweckung. Das Wesen derselben ist dadurch gekennzeichnet, dass sie Kräfte aufruft, die bereits im Menschen veranlagt sind. Die symbolisch-kultischen Handlungen, welche mit der Initiation meist verbunden sind, haben den einzigen Sinn, die latenten Kräfte zu wecken und in Tätigkeit zu setzen.

Wie in allen großen Religionen und Kulturen der Antike, gehen auch im Christentum zwei Strömungen nebeneinander her, die priesterliche und die initiatorische. [22]

Den Weg der CG kann man als Sommerweg in Erinnerung an eine vorgeburtliche Gemeinschaft verstehen. Es ist der Abelweg. Der Winterweg ist der Weg der Anthroposophischen Gesellschaft durch kalte Einsamkeit zur Erkenntnis. Dieser Kainsweg wird in der Tempellegende besonders hervorgehoben. „Hiram, der Tempelbaumeister Salomons, erhält von Tubal Kain folgende Erklärung…, dass die energische Entfaltung der menschlichen Erdenkräfte zuletzt zu der Höhe der Initiation führe, und dass die auf diesem Wege erlangte Initiation im Erdenlaufe an die Stelle des alten Schauens treten müsse, dass dieses verschwinden werde.“ [23]

Aus dem Dargestellten kann sich für jeden Anthroposophen als Gemeindemitglied der Christengemeinschaft eine tiefbegründete Orientierung ergeben. Er ist nicht selbst auf dem Abel-Weg, das ist der Priester. Auf den Anthroposophen jedoch kommt es entscheidend an, denn er ist auf dem Kains-Weg, der nach und nach den Abel-Weg im angedeuteten Sinne wird ablösen müssen. Er ist insbesondere dann auf dem Kains-Weg, wenn er als Zweigmitglied die Klassenmitgliedschaft anstrebt. Und dies beinhaltet zugleich seine Orientierung am Spezifischen der anthroposophischen Gemeinschaftsbildung. Denn diese tätige Gemeinschaftsbildung ist die Folge jedes anthroposophischen, dynamischen Studiums.

[16] a.a.O. S. 170-172
[17] a.a.O. S. 173
[18] a.a.O. S. 175
[19] GA 342, Vorträge und Kurse über christlich religiöses Wirken I, S. 51
[20] GA 93, Die Tempellegende und die goldene Legende
[21] Zitiert nach Thomas Meyer, Der neue Kain, Basel 2013
[22] GA 265 „Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914“, S.504, Anmerkung zu Seite 454
[23] a.a.O. S. 458

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Diesmal hatte ich eine andere Aufgabe. Und obwohl ich nicht über das berichten werde, was seiner Wesenheit nach eben nur für den
Priesterkreis bestimmt sein kann, fühle ich mich doch verpflichtet, hier das zu sagen, was Anthroposophen über einen Vorgang wissen sollen,
der sich innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft abspielt.
Was als geistige Substanz durch die Priesterschaft der Christengemeinschaft strömt, ist ihr vor zwei Jahren innerhalb des seither abgebrannten Goetheanums aus der geistigen Welt durch meine Vermittlung gereicht worden. Dieses Darreichen war ein solches, daß die Christengemeinschaft gegenüber der Anthroposophischen Gesellschaft völlig selbständig dasteht. Es konnte bei der Begründung gar nichts anderes als eine solche Selbständigkeit angestrebt werden. Denn diese Bewegung für christliche Erneuerung ist nicht aus der Anthroposophie herausgewachsen. Sie hat ihren Ursprung bei Persönlichkeiten genommen, die vom Erleben im Christentum heraus, nicht vom Erleben in der Anthroposophie heraus einen neuen religiösen Weg suchten. Sie empfanden den Drang, in einem lebendigen Ergreifen des übersinnlichen Gehaltes des Christentums die Verbindung der Menschen-seele mit ihrer ewigen Wesenswelt zu finden. Sie glaubten fest daran, daß es ein solches lebendiges Ergreifen geben müsse. Aber sie empfanden, daß die Wege, die sich ihnen gegenwärtig für die Erlangung des Priesteramtes öffnen, sie zu diesem Ergreifen nicht führen können. So kamen denn diese Zöglinge eines ehrlich und geistgemäß gemeinten Priestertums vertrauensvoll zu mir. Sie hatten Anthroposophie kennen gelernt.
Sie waren überzeugt, daß ihnen Anthroposophie vermitteln könne, was sie suchten. Aber sie suchten nicht den anthroposophischen Weg, sie suchten einen spezifisch religiösen.
Ich verwies sie darauf, daß der Kultus und die ihm zugrunde liegende Lehre allerdings durch die Anthroposophie dargereicht werden können, trotzdem die anthroposophische Bewegung die Pflege des geistigen Lebens von anderen Seiten aus als ihre Aufgabe betrachten müsse.
Es gelang dann, an Dr. Rittelmeyer mit den Bestrebungen dieser Zöglinge eines geistig orientierten christlichen Priestertums heranzutreten…

aus GA 346 /R.Steiner

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Christus und das hohe Sonnenwesen – Ein Kolloquium zur Auferstehung
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DAS WESEN DES GEBETES – Rudolf Steiner
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Einführung in die Anthroposophie. Rudolf Steiner
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Unter »Geisterkenntnis« versteht Rudolf Steiner die systematische Erforschung einer höheren Wirklichkeit, welche die Realität des Alltagsbewusstseins durchdringt, diesem aber nicht gegenständlich wird. »Geist« ist nicht im »Jenseits«, in einer »Hinterwelt«, sondern Geist durchdringt alles, – alles ist Geist, auch wenn dieser nicht auf den ersten Blick als solcher erkennbar ist…
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