Die größten Manöver der Allianz seit dem Kalten Krieg werden organisiert, unter dem Namen ‹Anakonda 2016›

Lesenswerter Kommentar von BERNHARD STEINER:

Droht Deutschland zu entgleiten?
Mit dem nächsten NATO-Gipfel in Warschau (Polen) Anfang Juli soll ein Beschluss, der 2014 als Reaktion auf die Ukrainekrise von dem Bündnis in Newport (Wales) gefasst wurde, umgesetzt werden. Die größten Manöver der Allianz seit dem Kalten Krieg werden organisiert, unter dem Namen ‹Anakonda 2016›.
Vom 8. bis zum 9. Juli 2016 findet in Warschau der nächste nato-Gipfel statt. Es geht dabei hauptsächlich um zwei Dinge: die Schaffung
einer schnellen Eingreiftruppe, die in der Lage sein soll, Kampfeinsätze an der sogenannten Ostflanke der Allianz auszuführen, und eine verstärkte Präsenz der nato im Schwarzen Meer. Schon seit den ersten Juniwochen üben 30 000 Soldaten aus über 20 nato-Ländern
den Verteidigungsfall vor den Grenzen Russlands.
Offiziell gilt dieses größte Manöver an der russischen Grenze seit Ende des Kalten Krieges als ein nationales polnisches Manöver – was
es natürlich nicht ist. Es wurde ‹Anakonda 2016› genannt. Das klingt zynisch und man muss sich fragen: Rechnen die Oberbefehlshaber
der nato mit der totalen Ignoranz der Bevölkerung? Die Anakonda gehört zu den größten Schlangen der Gattung der Boas.
Sie tötet ihre Beute, indem sie sie umzingelt und erwürgt. Ist das das Ziel der nato gegenüber Russland: ‹umzingeln und erwürgen›?
Man muss den Eindruck bekommen, dass das Umzingeln› schon mal ein Ziel ist. Jüngst stellte der Befehlshaber der us-Landstreitkräfte in Europa, General Ben Hodges, fest, dass die nato nicht in der Lage wäre, die baltischen Staaten vor einem Angriff der russischen Streitkräfte zu schützen. «Russland könnte die baltischen Staaten schneller erobern, als wir dort wären, um sie zu verteidigen.» Daher haben die usa angekündigt, ab Februar 2017 eine komplette Panzerbrigade an die Ostflanke der nato zu verlegen,
und Polen gab bekannt, eine zivile Einheit mit 35 000 Menschen zur Verteidigung des Landes aufzubauen. In Frage kommen als Einsatzorte
außer Polen die baltischen Staaten sowie Rumänien und Bulgarien. Die jüngste Entwicklung bricht mit den 1990 mit Russland
getroffenen Absprachen, die nato dürfe nicht nach Osten erweitert werden, und stellt noch dazu eine Verletzung der nato-Russland-Akte
aus dem Jahre 1997 dar, die es eigentlich untersagt, dass das westliche Militärbündnis in Osteuropa «zusätzliche substanzielle Kampftruppen dauerhaft stationiert». Der ehemalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher kritisierte zu Lebzeiten, dass die nato ihr Versprechen, keine Osterweiterung gegen Russland betreiben zu wollen, nicht gehalten habe. Wenn jetzt der Vizekanzler und Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor «Säbelrasseln und Kriegsgeheul» gegen Russland warnt, ist das nur vernünftig. Dass er darum wiederum von anderen Politikern so angegriffen wird, ist ein schlechtes Zeichen. Warum drängt die nato so nach Osten? Man muss doch den Eindruck bekommen, dass es sich um eine gezielte Geostrategie der us-Amerikaner handelt, um insbesondere Deutschland stärker in das Westbündnis einzubinden. Im Februar 2015 sprach George Friedman, der Chef des Thinktanks Stratfor (Strategic Forecasting), in einer Rede im Chicago Council of Foreign Affairs von der großen Furcht der usa, dass Deutschland und Russland sich verbünden könnten: «Die Urangst der usa ist, dass deutsches Kapital und deutsche Technologien sich mit russischen Rohstoffen und russischer Arbeitskraft
verbinden – eine einzigartige Kombination, vor der die usa seit Jahrhunderten eine Höllenangst haben», so Friedman wörtlich. Es gälte
sicherzustellen, dass dieser Fall nicht eintritt.

Durch die Wiedervereinigung wurde in Deutschland die Spaltung in West und Ost ‹aufgehoben› in dem schönen doppelten Sinn dieses Wortes. ‹Aufgehoben› im Sinne, dass die Spaltung des Landes in West- und Ostdeutschland jetzt nicht mehr wirksam ist, und ‹aufgehoben›
aber auch im Sinne, dass etwas von den Impulsen, die wir mit ‹West› und ‹Ost› verbinden, bewahrt worden ist. Ist das vermeintlich
aggressive Verhalten Russlands nicht nur vorgeschoben, weil die Westmächte spüren, dass Deutschland ihnen zu entgleiten droht, trotz der Bündnistreue der Kanzlerin?

…und hier auf den Punkt gebracht:
Alarmstufe Rot: Russland mitten in NATO-Gebiet
Königsberger-Kloppe: Viel wurde in den letzten Monaten öffentlich über die Hochrüstung sowie über die Ausweitung der Militärbudgets der NATO-Mitgliedsstaaten referiert. Für weiteres Stirnrunzeln sorgten die Truppenverlegungen ins Baltikum und gemeinsam dort abgehaltene Militärmanöver. Inzwischen scheint die Ursache für den neuen militärischen Aktionismus an der Ostfront ausfindig gemacht worden zu sein, ein penetranter Fremdkörper. Mit großem Entsetzen haben die USA eine weitere Annexion Russlands diagnostizieren müssen, die ihnen offenbar in den letzten 70 Jahren vollständig entgangen ist, sich aber inzwischen zu einer ernsthaften Bedrohung von US-Interessen entwickelt.
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…der Wahnsinn „Russlandbashing“ und die irre NATO
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Pathokratie – Wir leben in einem von Psychopathen geschaffenen System
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