„Es ist, als ob der Mensch sein eigenes Wesen in den Kosmos nun hineintrüge. Das, was er während des Tagwachens, während des nächtlichen unbewußten Erdenlebens durchgemacht hat, trägt er in den Kosmos hinein, das braucht der Kosmos.“ R.Steiner

Rudolf Steiner in der GA 226
„Menschenwesen, Menschenschicksal und Welt-Entwickelung“

Auszug, S. 19 ff.

Man tritt jetzt ein in ein geistiges Dasein unter geistigen Wesenheiten, während man dasjenige, was man als Erdenmensch war, zerspalten und zerteilt sieht in den ganzen Kosmos. Was wir auf Erden hier durchmachen, wird in den Kosmos hinaus zerteilt, dass es dem Kosmos Nahrung werden kann, dass der Kosmos weiterbestehen kann, dass der Kosmos neue Antriebe zu seinen Sternenbewegungen und Sternenbeständen erhalten kann. Wie wir unserem Leben die Erdennahrung zuführen müssen, damit wir als physische Menschen zwischen der Geburt und dem Tode leben können, so muss der Kosmos von Menschenerfahrungen leben, diese in sich aufnehmen. Und wir gelangen auf diese Weise dazu, uns immer mehr und mehr als kosmischer Mensch zu fühlen, gewissermaßen unser ganzes Menschenwesen in den Kosmos übergehend zu finden, aber in den geistigen Kosmos übergehend zu finden…
„Im gewöhnlichen Leben kann man sich nur vorstellen, dass man Wege macht, die im Raume liegen. Aber der Raum hat keine Bedeutung für das Geistig-Seelische, der Raum hat nur eine Bedeutung für das Physisch-Sinnliche. Und wir müssen uns vorstellen, dass wir, wenn wir im geistig-seelischen Zustande sind, auch in der Zeit Wege machen, dass wir also dasjenige, was wir, ich möchte sagen, als Davonläufer aus den Himmeln mit dem physischen Leibe abgegangen sind, nach dem Tode wiederum zurückgehen müssen. Allerdings, wir gehen es dreimal so schnell zurück, weil es sich durch die Erlebnisse ausgleicht, die wir während der nächtlichen Schlafzustände gehabt haben. So sind wir – Jahrzehnte vielleicht nach unserem Tode – wiederum zum Ausgangspunkte zurückgekommen, aber bereichert jetzt in unserer Seele mit alledem, was wir als Erdenmenschen durchgemacht haben, nicht nur bereichert mit dem, was uns da als eine Erinnerung bleibt. Trotzdem es mit dem Ätherleib fortgegangen ist, bleibt es uns als eine Erinnerung, nicht nur mit dem bereichert, was wir im Erdenbewusstsein durchgemacht haben, sondern auch mit dem bereichert, was wir aus der vollmenschlichen Wesenheit heraus unbewusst während der Schlafzustände über unseren Menschenwert selber urteilen. So ziehen wir, je nachdem wir gelebt haben, nach längerer oder kürzerer Zeit, nach Jahrzehnten etwa in die Geistwelt ein, aus der wir herausgeschritten sind, aber nur mit dem Bewusstsein herausgeschritten sind. Eigentlich sind wir am Ausgangspunkte stehengeblieben und haben gewartet, bis sich uns die Erdenlaufbahn des physischen Leibes als erfüllt erweist und wir wiederum zurückkehren können zu demjenigen, was wir vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis waren.

Man muss, wenn man diese Dinge schildert, zuerst, namentlich vor der Öffentlichkeit, sie so schildern, dass man nicht gleich die Leute mit diesen ganz anders gearteten Begriffen schockiert. Man kann, ich möchte sagen, bildlich die Sache so schildern, als wenn es eigentlich fortginge nach dem Tode. Aber in Wahrheit ist es ein Zurückgehen, ein Zurückleben nach dem Tode. Es dreht sich in der Tat die Zeit, kommt wiederum zu ihrem Ausgangspunkte zurück. Man könnte sagen: Die göttliche Welt bleibt eigentlich an dem Orte stehen, an dem sie vom Anfange an stand. – Der Mensch macht nur seine Ausläufe, seine Ausgänge aus der Götterwelt. Dann kehrt er wiederum in sie zurück und bringt sich dasjenige, was er sich außerhalb dieser Götterwelt erobert hat, in diese Götterwelt wiederum zurück.

Nun kommt das Leben, das sich dann anschließt. Wenn wir sozusagen wiederum, aber bereichert jetzt um das Erdenleben – nicht nur um das bewusste, sondern auch um das unbewusste Erdenleben – zurückgekommen sind, Kindlein geworden sind, um nun als Kindlein wiederum drinnenzustehen in den Reichen der Himmel, schließt sich dann dasjenige Leben an, das man etwa so schildern könnte, dass man sagt: Der Mensch nimmt jetzt wahr, wie er ist. Geradeso wie er hier zwischen Pflanzen, Steinen, Tieren auf der Erde mit seinem gewöhnlichen Erdenbewusstsein ist, so nimmt der Mensch dann in der Zeit, bei der wir jetzt angekommen sind, wahr. – Ich schildere das nachtodliche Leben. Dann nimmt der Mensch wahr, wie er erstens unter den Menschenseelen ist, die nun nicht auf Erden erleben, sondern in den Himmeln erleben, die also gestorben oder noch nicht geboren sind, aber er nimmt auch wahr zwischen den höheren Hierarchien Angeloi, Archangeloi, Archai, Exusiai und so weiter. Sie kennen die Namen und die Bedeutung der Namen aus meiner «Geheimwissenschaft im Umriss». Der Mensch bekommt Erfahrungen in dieser rein geistigen Welt. Wenn ich diese Erfahrungen charakterisieren soll, so muss ich das so tun: Es ist, als ob der Mensch sein eigenes Wesen in den Kosmos nun hineintrüge. Das, was er während des Tagwachens, während des nächtlichen unbewußten Erdenlebens durchgemacht hat, trägt er in den Kosmos hinein, das braucht der Kosmos.

Wir stehen hier als Menschen im Erdenleben, beurteilend dasjenige, was uns als Kosmos umgibt, Sonne und Mond und Sterne, nur vom irdischen Gesichtspunkte aus. Wir rechnen da als Astronomen aus, wie sich die Sterne bewegen, wie sich die Planeten bewegen, wie sie an den Fixsternen vorübergehen und dergleichen. Aber, sehen Sie, mit diesem ganzen astronomisch-wissenschaftlichen Verhalten ist es eigentlich so, wie wenn hier ein Mensch stünde und ein ganz kleines, winziges Wesen diesen Menschen beobachten würde, diesen physischen Menschen meine ich. Ein kleines, winziges Wesen, sagen wir, ein Marienkäferchen würde eine Wissenschaft gründen und würde einen gegenüber dem Marienkäferchen riesigen Menschen beobachten, würde beobachten, wie der zum Leben kommt. Ich nehme an, dass das Marienkäferchen auch eine gewisse Lebenszeit hat. Es würde
also beobachten, was da mit diesem Menschen geschieht, würde dann seine Untersuchungen machen nach vorne und nach hinten, aber es würde nicht beachten, dass der Mensch isst und trinkt, also immer wieder und wieder sein Wesen, sein physisches Wesen erneuern muss, würde glauben, dass dieser Mensch geboren werden kann, von selbst wächst und wiederum von selbst stirbt. Es würde gar nicht beachten, wie da von Tag zu Tag immer die Erneuerung des Stoffwechsels vor sich gehen muss.

So ungefähr benimmt sich der Mensch als Astronom gegenüber der Welt. Er achtet gar nicht darauf, dass diese Welt ein gewaltiger Geistorganismus ist, der Nahrung braucht, sonst wären die Sterne längst im Weltenraum nach allen Richtungen zerstreut worden. Die Planeten wären ihre Bahn gegangen. Dieser Riesenorganismus braucht Nahrung, dasjenige, was er immer wiederum und wiederum aufnehmen muss, damit er richtig fortbestehen kann. Und woher kommt diese Nahrung? […]

Er bringt dasjenige in diese geistige Welt hinein, was er hier auf Erden im Wach- und im Schlafzustande durchgemacht hat.

Das ist die Nahrung des Kosmos, das ist dasjenige, was der Kosmos fortwährend braucht, damit er fortbestehen kann. Was wir Menschen auf Erden in leichten und in harten Schicksalen erleben, das tragen wir einige Zeit nach dem Tode in den Kosmos hinein, und wir fühlen daher als die Ernährung unser menschliches Wesen in den Kosmos aufgehen. Das sind Erfahrungen, die der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt von gewaltiger Größe, von ungeheurer Erhabenheit macht…

Dann tritt derjenige Zeitpunkt ein, wo der Mensch sich nicht mehr als eine Einheit erscheint, sondern wo gewissermaßen der Mensch sich als eine Vielheit erscheint, wo der Mensch sich so erscheint, dass die eine Tugend, die eine Eigenschaft gewissermaßen nach dem einen Stern hin sich bewegt, die andere nach dem andern Stern, wo der Mensch sein Wesen in die ganze Welt verteilt wahrnimmt, und wo er zugleich wahrnimmt, wie die Teile seines Wesens miteinander streiten, miteinander harmonisieren oder disharmonisieren. Der Mensch fühlt, wie dasjenige, was er auf der Erde erlebt hat täglich oder nächtlich, sich in den ganzen Kosmos verteilt. Und geradeso wie während der drei Tage nach dem Tode, wo die Gedanken fortgeflogen sind, also alles dasjenige, was unser Tagesleben war, fortgeflogen ist, und wir uns auf dasjenige konzentrieren, was die nächtlichen Erlebnisse waren, und da bis zum Ausgangspunkte unseres Erdenlebens zurückleben, wie wir uns da festhalten mit den nächtlichen Erlebnissen, so halten wir uns, wenn nun die gesamte Menschheitserfahrung in den Kosmos hinausfliegt, fest in demselben, was wir überhaupt als Menschen einer übersinnlichen Weltenordnung sind.

Jetzt taucht unser wahres Ich aus unserem zerspaltenen, ich möchte sagen aus unserem dionysisch-zerspaltenen Menschen auf. Da taucht nach und nach das Bewusstsein auf: Du bist ja Geist. Du hast nur in einem physischen Leib gewohnt, hast nur dasjenige durchgemacht, was der physische Leib über dich gebracht hat, auch in den nächtlichen Erlebnissen. Du bist ja Geist unter Geistern.

Man tritt jetzt ein in ein geistiges Dasein unter geistigen Wesenheiten, während man dasjenige, was man als Erdenmensch war, zerspalten und zerteilt sieht in den ganzen Kosmos. Was wir auf Erden hier durchmachen, wird in den Kosmos hinaus zerteilt, dass es dem Kosmos Nahrung werden kann, dass der Kosmos weiterbestehen kann, dass der Kosmos neue Antriebe zu seinen Sternenbewegungen und Sternenbeständen erhalten kann. Wie wir unserem Leben die Erdennahrung zuführen müssen, damit wir als physische Menschen zwischen der Geburt und dem Tode leben können, so muss der Kosmos von Menschenerfahrungen leben, diese in sich aufnehmen. Und wir gelangen auf diese Weise dazu, uns immer mehr und mehr als kosmischer Mensch zu fühlen, gewissermaßen unser ganzes Menschenwesen in den Kosmos übergehend zu finden, aber in den geistigen Kosmos übergehend zu finden. Und der Zeitpunkt ist angelangt, wo wir den Übergang zwischen dem Tod und einer neuen Geburt suchen müssen, von dem Kosmoswerden des Menschen zum Menschwerden des Kosmos. Wir sind aufgestiegen, indem wir uns immer kosmischer und kosmischer fühlen. Ein Zeitpunkt kommt – ich habe ihn in meinen Mysterien genannt die große Mitternachtsstunde des Daseins -, wo wir fühlen: Wir müssen wieder Mensch werden. Dasjenige, was wir in den Kosmos hinaustragen, muss uns in anderer Gestalt der Kosmos wieder zurückgeben, damit wir wiederum zur Erde zurückkehren können.“

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„Sie suchten sich die ganze Generation zusammen, damit zuletzt dasjenige herauskomme, was Ihre Mutter und Ihr Vater sein konnten.“ R.Steiner
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Seelenerlebnisse nach dem Tode. Die Wirkungen unserer Taten im anderen Wesen erleben wir jetzt selber… Rudolf Steiner
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