Hartz und immer mehr Kontrolle – oder: Das Ende der Ellenbogengesellschaft? Richard David Precht und die vierte Revolution

Wie läuft’s in Finnland? 560 Euro monatlich fürs Nichtstun
Finnland überweist 2000 Arbeitslosen seit einem Jahr ohne Auflagen Geld aufs Konto. Spornt das die Menschen an, zu arbeiten? Oder macht es sie fauler?
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Das Grundeinkommen ist kein „No-Brainer“
Ich schätze ja sowohl Tilo Jung als auch Fefe ungemein. Umso mehr war ich dann doch verwundert, dass beide in einem ansonsten auch sehr interessanten Interview am Rande des letzten CCC in Leipzig das bedingungslose Grundeinkommen derart unkritisch betrachteten. Fefe rang sich sogar zu der Aussage durch, das Grundeinkommen sei doch eigentlich ein „No-Brainer“. Nun beschäftigen wir von den NachDenkSeiten uns ja schon länger kritisch mit dem Thema und wissen, dass dies keineswegs der Fall ist und auch prominente Ökonomen wie Heiner Flassbeck oder der Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge lehnen ein Grundeinkommen kategorisch ab. Thilo und Fefe sind ja auch keine Einzelfälle. Immer wieder trifft man auf jüngere, meist technikaffine Menschen, die ähnlich denken und das Grundeinkommen als alternativlos betrachten. Vielleicht ist es Zeit, die Debatte kritisch neu zu beleben? Denn ein „No-Brainer“ ist das Grundeinkommen ganz sicher nicht.
Von Jens Berger
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Dazu: Fefe über Aha-Momente, Erdogan und Grundeinkommen – Jung & Naiv: Folge 346 #34c3

Hartz IV muss weg
SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung fordert Abkehr vom Sanktionsregime. Agenda 2010 habe Aufstieg der Rechten befördert
Den Parteien ist wohl bewusst, dass rassistische Stimmungsmache ankommt. Laut Befragungen wählten bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr 21 Prozent der Arbeiter und sogar 22 Prozent der Erwerbslosen die AfD. Dazu zog jüngst die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in einer Publikation unter dem Titel »Angst im Sozialstaat« Bilanz. Das Ende 2017 vorgestellte und medial weitgehend unbeachtet gebliebene Papier hat es in sich: Die Agenda 2010 gleiche einer »institutionellen Angstmobilisierung«. Sie habe massiv minderheitenfeindliche Tendenzen und den Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte befördert, konstatieren die Autoren Sigrid Betzelt und Ingo Bode.
Mit Hartz IV habe die Politik systemische Risiken individualisiert, heißt es. Das System bedrohe Lohnabhängige bis weit in die Mitte der Gesellschaft. Der Verlust des Arbeitsplatzes oder Krankheit gefährdeten den gesamten bis dahin erarbeiteten Lebensstandard. Betroffene passten sich einerseits vermehrt an. Andererseits entstehe Kontrollverlust und Wut. Wörtlich schreiben die Autoren: »Im Prekariat dominiert das Treten im Hamsterrad, um den Absturz nach ganz unten zu vermeiden; hier erscheinen Abgrenzungstendenzen nach unten besonders markant.« Betzelt und Bode schlagen eine Abkehr von Hartz IV und ein Zurück zur »kollektiven Absicherung« vor. Prekäre Beschäftigung müsse eingedämmt und Einkommen »egalitärer« verteilt werden.
Quelle: junge Welt

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Richard David Precht – Die vierte Revolution
auf WDR 5 Philosophie Spezial | Ausschnitt von der Philcologne 2017


Was passiert eigentlich, wenn wir nicht mehr arbeiten müssen, da Roboter mit Leichtigkeit Millionen von Jobs übernehmen? Wenn alle wirtschaftlichen Absatzmärkte erschlossen und zudem materielle Statussymbole unmodern sind? Richard David Precht über die Folgen von Digitalisierung und Automatisierung.

Nach den ersten drei wirtschaftlichen Revolutionen – Industrialisierung, Entwicklung von Massenproduktionen und Robotisierung komplexer Arbeitsabläufe – stehen wir heute vor dieser neuen Herausforderung: Der vierten Revolution. Wie meistern wir die Folgen der Digitalisierung und Automatisierung?
Für den Philosophen und Bestsellerautoren Richard David Precht sind die Auswirkungen dieser Revolution von gigantischem Ausmaß. Um die neue Gesellschaft der Zukunft zu beschreiben, entwirft Precht ein kluges Zukunftsszenario, welches zwar streckenweise deprimiert, aber nicht gänzlich hoffnungslos ist. In einem temporeichen Vortrag auf der Philcologne 2017 erläutert er die Zusammenhänge von Digitalisierung, Globalisierung und der Zukunft der Dritten Welt. Und klärt nebenbei humorvoll, welche Kompetenzen ein Philosoph besitzt, um über ein solches Thema überhaupt referieren zu dürfen.

Ausschnitte einer Veranstaltung der Philcologne 2017:

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s. dazu auch:

Hartz IV – ein Kreislauf des Irrsinns
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Das bedingungslose Grundeinkommen / Special
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+++WESENTLICHES+++

„Wenn ein entsprechend entwickeltes Wesen, sagen wir, vom Mars oder Merkur aus die Erde studieren würde, ihren Verlauf studieren würde, also verstehen wollte, wie da der Naturverlauf vor sich geht, so würde dieses Wesen die Natur nicht so beschreiben, wie sie der Mensch beschreibt, wenn er gelehrt sein will, sondern solch ein Wesen würde die Erde überschauen und würde sagen: Da ist die Erde unten, da sind viele Punkte, in diesen Punkten sind die Kräfte zentriert, die den Naturverlauf bewirken.
Aber diese Punkte würden für ihn nicht draußen in der Natur liegen, sondern immer in den Menschen drinnen. Derjenige, der von außen schauen würde, würde spüren, daß er auf das Innere der Menschheit schauen muß, wenn er die Ursachen suchen wollte für das, was im Naturverlauf geschieht.
Diese Einsicht des Zusammenhangs des menschlichen Willens mit dem Naturverlauf im Großen natürlich, die Täuschung kann entstehen, wenn wir den Naturverlauf nur soweit betrachten, wie unsere Nase reicht, da allerdings zeigt sich nicht der Zusammenhang , diese Einsicht von dem Zusammenhang der Willenswirkungen, der Willensrichtung der Menschheit mit dem Naturverlauf, die wird ein Bestandteil werden müssen künftiger Naturwissenschaft für die Menschheit. Mit einer solchen Naturwissenschaft wird sich der Mensch in einer ganz anderen Weise verantwortlich fühlen für das, was er ist, als er sich heute gemeiniglich verantwortlich fühlt. Der Mensch wird aus einem Erdenbürger ein kosmischer Bürger. Der Mensch wird das Weltenall als zu sich gehörig betrachten lernen.“

Rudolf Steiner 28.Dez. 1919 „Weltsilvester und Neujahrsgedanken“

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