„So, wie der Mensch durch seine Geburt eintritt in die Naturvorgänge, die um ihn herum vorgehen, so tritt er auch in die Welt der geistigen Wesenheiten…“ Rudolf Steiner

Aus:
GA 167
RUDOLF STEINER
Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste

Zwölf Vorträge, gehalten in Berlin vom 13. Februar bis 30. März 1916

ZWEITER VORTRAG – Berlin, 7. März 1916
Das geistig-seelische Wesen des Menschen

Inhaltszusammenfassung:
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Denken, Fühlen und Wollen gehen im astralischen Leibe vor sich. Aber damit ist nur in einer recht einseitigen, recht abstrakten Weise die Tatsache des Denkens erschöpft. So, wie wir als Menschen zunächst in der physischen Welt darinnen stehen, so ist allerdings der Impuls zu unserem Denken im astralischen Leibe, sogar im Ich, gegeben. Aber das Denken entwickelt sich als Vorstellung, als Gedanke nur dadurch, daß wir den beweglichen Ätherleib haben…
Und jeder Gedanke wiederum würde einfach vorübergehen, ohne daß eine Erinnerung bliebe, wenn wir nicht einen physischen Leib hätten. Man kann nicht sagen, daß der physische Leib der Träger des Gedächtnisses ist; das ist schon der Ätherleib…
Wir machen gewissermaßen die Außenwelt zu unserer inneren Welt. Wir tragen dann diese Außenwelt in der Form der Erinnerungen mit uns durch das Dasein. Als unser ureigenstes Eigentum tragen wir diese Erinnerungen dahin. Nun wäre es ein großer Irrtum, wenn man glaubte, daß dieses Tragen der Erinnerungen durch das Leben wirklich schon den ganzen Vorgang umfaßte…
Ist denn dieser unser Gedanken- und Erinnerungsvorgang nicht vielleicht noch etwas ganz, ganz anderes als das, was sich da in unserem Erinnern abspielt ?
Mit unseren Gedanken beschäftigt sich die ganze Welt der Hierarchien
…so daß dieses Gewebe des Weltenäthers nach unserm Tode aus dem besteht, was wir während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod hinzugefügt haben und was verarbeitet worden ist von den Wesen der drei nächsthöheren Hierarchien.
Das Innere wird ein Äußeres, das heißt, dasjenige, was wir immer gefühlt haben als ein Inneres, als unser Gedankenleben, wird ein Äußeres, wird Außenwelt…
Dasjenige, was du denkst, ist Stoff für die Arbeit der Angeloi, der Archangeloi, der Archai. Und indem wir fühlen und wollen, schaffen wir Stoff für die Geister der Form, die Geister der Bewegung, die Geister der Weisheit, die Throne…
Wir erleben hier überhaupt nicht dasjenige, was unsere Taten, unsere Handlungen, unsere Gedanken für Wirkungen in der äußeren Welt machen. Hier im physischen Leben erleben wir das nicht, das erleben wir jetzt bei der Rückwärtswanderung in der Zeit vom Tode bis zu der Geburt…
Die Gegenwart bestrebt sich, bloß von Vererbung zu sprechen, und meint die physische Vererbung…
Dasjenige aber, was sich hier auf der Erde vollzieht, wovon die Menschen in ihrer Torheit glauben, es geschähe ganz von selbst, es sei nur ein äußerlicher physischer Vorgang, das wird dirigiert, gerade so wie die Uhrmachertätigkeit eine dirigierende ist, aus der geistigen Welt…
Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, ist zunächst die Tätigkeit, die in der geistigen Welt ausgeübt wird, ein Verarbeiten desjenigen, was im letzten Leben hier vom Menschen erlebt, erarbeitet worden ist. Das geschieht so in der ersten Hälfte. Aber von der Hälfte des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt an beginnt schon die Vorbereitung für die nächste Inkarnation…
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ZWEITER VORTRAG – Berlin, 7. März 1916
Das geistig-seelische Wesen des Menschen

Ich möchte heute, teils zurückkommend auf manches in der letzten Zeit und öfter schon Besprochene, teils manches erweiternd, zunächst einzelne Ausführungen machen über des Menschen Inneres, über des Menschen seelisch-geistiges Wesen.
Sie wissen, wir sprechen zunächst von demjenigen Gliede des inneren Menschen, das wir mit einem abstrakten Ausdrucke als den Ätherleib bezeichnen. Und während der physische Leib des Menschen für die äußeren Sinne wahrnehmbar ist, für die äußere Wissenschaft, die an den Verstand und ihre Beobachtungen gebunden ist, zugänglich ist, wissen wir, daß der Ätherleib ein Übersinnliches ist. Ferner sprechen wir von dem nächsten Gliede der menschlichen Wesenheit als dem sogenannten astralischen Leibe.
Wir erinnern uns, wie oft wir betont haben, daß man ja nicht sagen kann als Mensch, das Innere des Menschen sei dem Menschen vollständig unbekannt: der Mensch nimmt ja wahr in der physischen Welt innerhalb seines leiblichen Daseins sein Denken, sein Fühlen, sein Wollen. Er erlebt es innerlich, und er erlebt dieses Denken, Fühlen und Wollen durchstrahlt, durchleuchtet von dem Ich. Man kann sagen, dieses Denken, Fühlen und Wollen nimmt der Mensch innerlich wahr. Aber man kann doch nicht sagen — wie Sie sich allmählich zu denken angeeignet haben werden —, daß der Mensch seinen astralischen Leib wirklich wahrnimmt.
Und man kann auch nicht einmal sagen, daß er sein Ich wirklich wahrnimmt. Denn dieses Ich — wir haben darauf gerade im Verlaufe der letzten Vorträge aufmerksam gemacht —, von dem der Mensch spricht, das mit jedem Einschlafen in die Unbewußtheit zurückfällt, ist nur ein Bild des wahren und wirklichen Ichs. So daß also in einem gewissen Sinne schon geschlossen werden kann, daß auch mit diesem Ich, mit dem Denken, Fühlen und Wollen, in einer ähnlichen Weise nur ein Ausdruck, eine Offenbarung des eigent-
liehen Inneren des Menschen gegeben ist, wie mit dem physischen Leibe eine Offenbarung, ein Ausdruck des Geistigen gegeben ist, desssen, was wir als den Ätherleib bezeichnen. Nun, der Mensch ist selbstverständlich froh, wenn er über irgendein Wissensgebiet so eine hübsche Einteilung hat, die er so recht, man möchte sagen, in geistige Schachteln packen und aufbewahren kann. Daher sind manche so zufrieden, wenn sie nun das ganz außerordentlich phänomenale Wissen haben, daß der Mensch besteht aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem astralischen Leib, dem Ich. Aber im Grunde genommen hat man — das ist ja auch schon oftmals hier betont worden — mit diesen vier Worten eben nicht viel mehr als Worte, nicht viel mehr als Ausdrücke hat man. Und wenn man zur wirklichen Betrachtung schreitet, dann muß man in einer gewissen Weise immer überschreiten die Grenzen, die durch diese Ausdrücke so leicht festgesetzt werden.

Gewiß, wenn man so im allgemeinen spricht, kann man sagen: Denken, Fühlen und Wollen gehen im astralischen Leibe vor sich. Aber damit ist nur in einer recht einseitigen, recht abstrakten Weise die Tatsache des Denkens erschöpft. So, wie wir als Menschen zunächst in der physischen Welt darinnen stehen, so ist allerdings der Impuls zu unserem Denken im astralischen Leibe, sogar im Ich, gegeben. Aber das Denken entwickelt sich als Vorstellung, als Gedanke nur dadurch, daß wir den beweglichen Ätherleib haben.
Hier, als physische Menschen, würde unser ganzes Denken unbewußt bleiben, wenn nicht der astralische Leib seine Impulse, seine Denkimpulse in den Ätherleib hinein senden würde und der Ätherleib in seiner Beweglichkeit eben aufnehmen würde die Denkimpulse des astralischen Leibes. Und jeder Gedanke wiederum würde einfach vorübergehen, ohne daß eine Erinnerung bliebe, wenn wir nicht einen physischen Leib hätten. Man kann nicht sagen, daß der physische Leib der Träger des Gedächtnisses ist; das ist schon der Ätherleib. Aber für uns Menschen im physischen Leibe würde dasjenige, was im Ätherleib vorhanden bleibt von unserem Denken, verfließen, wie die Träume verfließen, wenn es sich nicht eingraben könnte in die physische Materie des physischen Leibes. So daß unsere Gedanken hier im physischen Leibe sich behaupten können dadurch, daß wir eben diesen physischen Leib haben.

Sie sehen also, was für ein komplizierter Prozeß dieses Denken eigentlich schon ist. Es hat seine Impulse im astralischen Leibe, eigentlich schon im Ich. Diese Impulse setzen sich als Kräfte in den Ätherleib hinein fort, rufen da die Gedanken hervor, und die Gedanken graben wiederum ihre Spuren in den physischen Leib ein. Und dadurch, daß sie eingegraben sind, können sie immer wiederum aus der Erinnerung während des physischen Lebens herausgeholt werden.

Nun betrachten Sie noch einmal dasjenige — wir haben ja schon von der Sache öfter hier gesprochen —, was eigentlich die Erinnerung für den Menschen hier im physischen Leibe ist. Nicht wahr, der Mensch hat Erlebnisse. Diese Erlebnisse verarbeitet er. Er geht dann von diesen Erlebnissen hinweg. Es kommt eine Zeit, wo solche Erlebnisse sich so verhalten können zu uns Menschen, als ob wir gar nichts von ihnen wüßten, als ob sie in gar keinem Verhältnisse mehr zu uns stünden. Dann aber kommt wieder die Zeit, wo wir aus unserm Innern die Vorstellungen an solche Erlebnisse heraufholen. Wir vergegenständlichen uns dann in Erinnerungsform dasjenige, was wir erlebt haben.

Nun sehen Sie, zunächst muß der Mensch mit Recht glauben: Dieser Vorgang der Erinnerung gehört ihm, der gehört seiner Seele. Wenn wir als Mensch durch die Straßen gehen, in Gesellschaften gehen, kann uns ja keiner zunächst mit äußeren, physischen Sinnesorganen ansehen, was wir in uns für Erinnerungen bergen, das heißt was wir für Erlebnisse gehabt haben. Das tragen wir in unserer Seele. Ich möchte sagen, die Hülle des physischen Leibes, sie ist so da, daß wir in unserer Seele verhüllt, wie in dem Mantel des physischen Leibes, aufbewahren unsere Erinnerungen. Sie gehören uns, und durch das ganze Leben hindurch arbeiten wir so an uns. Wir machen gewissermaßen die Außenwelt zu unserer inneren Welt.
Wir tragen dann diese Außenwelt in der Form der Erinnerungen mit uns durch das Dasein. Als unser ureigenstes Eigentum tragen wir diese Erinnerungen dahin. Nun wäre es ein großer Irrtum, wenn man glaubte, daß dieses Tragen der Erinnerungen durch das Leben wirklich schon den ganzen Vorgang umfaßte. Das ist nicht der Fall.
Es hat Darwin zum Beispiel mit Recht gefallen, einmal zu untersuchen, ob denn solche Tiere wie die Regenwürmer nicht eine besondere Aufgabe haben, und er hat gefunden, daß die Regenwürmer nicht bloß da sind, um sich des Daseins zu erfreuen, sondern daß sie eine sehr bedeutende Aufgabe haben, indem sie zur Fruchtbarkeit des Bodens, den sie durchwühlen, Wesentliches beitragen. Das sind so Dinge, die die Naturwissenschaft gewiß heute zugibt, und das ist ein Boden, auf dem sich die Naturwissenschaft sicher glaubt. Die Naturwissenschaft soll dabei gar nicht getadelt werden, denn von der Naturwissenschaft ist es schön, wenn sie sich auf die einzelnen Dinge einläßt. Nur baut man auch Weltanschauungen auf solche Dinge. Da muß dann selbstverständlich der Spruch in Betracht gezogen werden von dem Mann, der gierig nach Schätzen gräbt und froh ist, wenn er Regenwürmer findet.

Nun aber, ins Geistige gewandt, kann man fragen: Hat denn wirklich diese Tätigkeit des Menschen, durch die er sein ganzes Leben hindurch Erlebnisse zu Gedanken formt und in Erinnerungen bewahrt, für das gesamte Weltall gar keine Bedeutung ? Ist dieser Erinnerungsvorgang wirklich nur ein Vorgang, der in uns sich abspielt?

Der Materialist ist ja darauf angewiesen, zu sagen: Selbstverständlich ist das ein Vorgang, der sich nur in uns abspielt. Mit dem Tode legen wir unsern physischen Leib ins Grab, und dann ist es mit dem, was wir als Erinnerung bewahrt haben, selbstverständlich aus wie mit einer erloschenen Sache. Wir gehen jetzt nicht auf eine solche materialistische Erwiderung ein, wir haben das öfter getan, aber wir wollen auf etwas anderes eingehen. Wir wollen die Frage aufwerfen: Ist denn dieser unser Gedanken- und Erinnerungsvorgang nicht vielleicht noch etwas ganz, ganz anderes als das, was sich da in unserem Erinnern abspielt ?
Und so ist es. Während wir denken, wahrend wir uns aus den Erlebnissen Gedanken bilden und diese als Erinnerungen bewahren, während dieser Zeit beschäftigen wir uns nicht bloß mit unseren Gedanken, sondern mit unseren Gedanken beschäftigt sich die ganze Welt der Hierarchien, die wir als die dritte Hierarchie bezeichnen, als die Hierarchie der Angeloi, Archan-geloi, Archai. Wir denken nicht bloß für uns, wir denken und bewahren unsere Gedanken in unserm Innern auf, damit ein Betätigungsfeld schaffend für Angeloi, Archangeloi, Archai. Während wir glauben, unsere Gedanken lebten nur in uns, beschäftigen sich drei geistige Hierarchien mit unseren Gedanken. Das Wenigste von dem, was wir mit unseren Gedanken vornehmen, ist dasjenige, worauf es ankommt bei unseren Gedanken.
Auch während wir die Gedanken vergessen haben, die wir später wiederum aus der Erinnerung hervorrufen, sind sie in uns. Und ebenso, wie wir uns als Menschen mit unseren Maschinen auf der Erde befassen oder mit Essen und Trinken, so beschäftigen sich Angeloi, Archangeloi und Archai mit einem Gewebe, das aus unseren Gedanken geflochten, gesponnen, gebildet wird; die arbeiten fortwährend an diesen unseren Gedanken. Es ist also nur die uns zugewendete Seite der Gedankentätigkeit, von der wir wissen. Es gibt dazu eine uns abgewendete Seite, und diese uns abgewendete Seite sieht sich für das geistige Anschauen so an, daß wir sehen: Während wir da unsere Gedanken in unserem Innern haben, beschäftigen sich von außen her die genannten geistigen Wesenheiten mit unseren Gedanken und weben sie, so daß wir, wenn wir diese Erkenntnis erlangen, uns sagen können:
Unser Denkvorgang ist wahrhaftig nicht etwas Unnötiges in der Welt, unser Denkvorgang ist nicht etwas bloß für uns, unser Denkvorgang steht drinnen in der ganzen Weltenentwickelung und trägt bei, daß Neues immerfort einverwoben wird der Weitenentwickelung. Wenn wir nicht als einzelner geboren wären, gedacht hätten, Erinnerungen bewahrt hätten, so würde bei unserem Tode das Stück, das gewoben werden kann aus unseren Gedanken, das wir nicht selber weben, für die Weitenentwickelung verloren sein. Und wenn wir dann durch die Pforte des Todes gehen — den elementarischen Vorgang haben wir ja öfter beschrieben —, wir wissen: Unsern physischen Leib legen wir ab, der wird den Elementen der Erde auf irgendeine Weise übergeben. Unser Ätherleib bleibt uns noch eine kurze Zeit. Für unser Inneres stellt er sich zunächst so dar, daß er ein großes Lebenstableau vor uns aufrollt.

Alles dasjenige, dessen wir sonst in der Zeit uns erinnern, das wird gleichzeitig wie in einem gewaltigen Panorama um uns herum aufgestellt in einem mächtigen Lebenstableau. Dann aber wird unser ätherisches Wesen von uns losgelöst, es wird gleichsam aus uns herausgezogen. Wer tut denn das? Ja, das tun schon die Wesenheiten der drei genannten Hierarchien, und die weben es allmählich dem Weltenäther ein, so daß dieses Gewebe des Weltenäthers nach unserm Tode aus dem besteht, was wir während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod hinzugefügt haben und was verarbeitet worden ist von den Wesen der drei nächsthöheren Hierarchien. Hinweggenommen von uns wird also dasjenige, was wir so hinzuverwoben haben zu dem, was vor unserer Geburt noch nicht da war, und einverwoben wird es dem ganzen Weltall. Die Erkenntnis davon hat jeder Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist.

Denn für den Menschen, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, tritt ja jetzt etwas ein, was wir nicht anders bezeichnen können als mit den folgenden Worten. — Sehen Sie, der Ätherleib des Menschen ist losgelöst worden von ihm, sein ätherisches Gewebe ist dem allgemeinen Weltenäther einverwoben worden, dasjenige, was er Zeit seines Lebens in sich getragen hat, das ist jetzt draußen; das ist wichtig. Und derjenige, der solche Dinge kennt, bezeichnet das mit einem kurzen Worte, das man sich immer wieder und wieder meditativ vor die Seele rufen soll, denn es bezeichnet kurz einen wichtigen und wesentlichen Vorgang. — Man kann sagen: Das Innere wird ein Äußeres, das heißt, dasjenige, was wir immer gefühlt haben als ein Inneres, als unser Gedankenleben, wird ein Äußeres, wird Außenwelt. So wahr uns hier umgeben Flüsse und Berge und Bäume und Wolken und Sterne, so wahr tritt etwas ein nach unserem Tode, was man so charakterisieren kann:
Das, was Zeit unseres physischen Lebens in uns gelebt hat, ist nun ein Stück Außenwelt geworden, so daß es von uns angeschaut werden, von uns betrachtet werden kann. Aber nun haben wir außer diesem Ätherleibe die Welt unseres astralischen Leibes. Die Welt unseres astralischen Leibes kommt uns zunächst so zum Bewußtsein, daß wir sie fühlen als Denken. Aber das Denken habe ich ja gerade charakterisiert, das sendet seine Impulse in den Ätherleib hinab, so daß im astralischen Leib das Denken selber nicht bewußt werden kann.
Erst das Fühlen und Wollen kann im Astralleibe bewußt werden. Unser ganzes Leben fühlen und wollen wir wiederum. Wir hegen über gewisse Erlebnisse gewisse Empfindungen. Das sind Vorgänge in unserem astralischen Leibe. Das ist wiederum sein eigenartiges Weben, aber jetzt nicht ein Weben in Gedanken, wie ich es vorher beschrieben habe, sondern ein Weben in Empfindungs- und Willensimpulsen, Antrieben zum Willen.

Auch an dem, was wir das ganze Leben hindurch fühlen und als Willensantriebe haben, auch daran arbeiten höhere Wesenheiten, auch das ist das Arbeitsfeld für höhere Wesenheiten. Wie an unserem Denken die Wesenheiten der dritten Hierarchie arbeiten, so arbeiten an unserem Fühlen und an unseren Willensimpulsen die Wesenheiten der zweiten Hierarchie, einschließlich sogar der Throne.

Denken Sie, wie wir in der Welt stehen, wenn wir diese Dinge wissen, wie wir uns hineinversetzt fühlen in die geistige Welt. Wir sagen uns auf der einen Seite: Du Mensch, du gehst denkend durch die Welt, aber dein Denken, indem es dir seine innere Seite zuwendet, das ist nur die eine Seite des Denkens. Dasjenige, was du denkst, ist Stoff für die Arbeit der Angeloi, der Archangeloi, der Archai. Und indem wir fühlen und wollen, schaffen wir Stoff für die Geister der Form, die Geister der Bewegung, die Geister der Weisheit, die Throne oder Geister des Willens.
Wie der Mensch die Erde umgräbt und bearbeitet und auch nicht weiß, während er die Erde bearbeitet, daß er nur die eine Seite bearbeitet, daß dann an der anderen Seite wesentliche Vorgänge sind, wie er mit dem normalen Bewußtsein das nicht weiß, so glaubt der Mensch, seine Gefühle, seine Willensimpulse seien bloß seine eigenen. Aber ein Feld sind sie für die Arbeit der genannten Wesen der höheren Hierarchie. Wir sind wahrhaftig nicht bloß als physischer Leib so da, daß dieser unser physischer Leib mit der Umgebung in Verbindung steht, sondern wir sind auch als seelisch-geistiges Wesen so da, daß dieses seelisch-geistige Wesen mit der Umgebung in Verbindung steht. Man denkt ja gewöhnlich nicht daran, wie auch unser physischer Leib zu der ganzen Umgebung gehört. Aber das ist leicht vorzustellen.

Nicht wahr, in irgendeinem Augenblicke, wenn Sie sich selber sich körperlich vorstellen, so haben Sie nicht bloß Knochen, Blut und Muskeln und so weiter, sondern Sie haben auch einen gewissen Luftstrom in sich, den Sie eben eingeatmet haben und den Sie gleich wieder ausatmen werden. Der gehört, während Sie eingeatmet haben, zu Ihnen. Der war im vorigen Augenblicke außer Ihnen, im nächsten Augenblicke ist er wieder außer Ihnen. Denken Sie sich ohne diesen Luftstrom! Es ist unmöglich, sich ohne ihn zu denken, er gehört zu uns dazu. Es ist schon unsinnig, auch nur den physischen Leib so zu denken, als ob er nur in der Haut eingeschlossen wäre, während er ja darauf angewiesen ist, mit der ganzen Luftumgebung zu leben. Aber ebenso, wie wir durch unseren physischen Leib mit der Luftumgebung und mit der Wärmeumgebung leben, ebenso leben wir durch unsere Gedanken mit der Umgebung der Hierarchie der dritten Ordnung, und wir leben durch unsere Gefühle und unsere Willensimpulse mit den Wesenheiten der Hierarchie der zweiten Ordnung und mit den Geistern des Willens.

So stehen wir im Weltenall drinnen.
Wenden wir das wiederum an auf den Durchgang durch die Todespforte, dann können wir sagen: Wenn der Mensch durch die Todespforte durchgeht, so wissen wir, daß, wenn sein ätherischer Leib dann weggenommen ist von ihm, wenn die Einverwebung beginnt in den allgemeinen Weltenäther, er ja dann sein physisches Leben in einer Zeit, die dreimal so schnell verlebt wird wie das physische Leben zwischen Geburt und Tod, zurückzuleben hat, indem er die Wirkungen davon wahrnimmt. Also dasjenige, was wir in uns erlebt haben während unseres physischen Lebens, das nehmen wir dann nicht wahr; das haben wir hier im physischen Leben wahrgenommen. Wenn wir jemandem eine Beleidigung zugefügt haben: Das Gefühl, aus dem wir die Beleidigung getan haben, das haben wir hier im physischen Leben durchlebt, das steht als Ursache da und trägt sich in das Karma ein. Was wir nicht erlebt haben hier im physischen Leben, das ist der Eindruck, den die Beleidigung auf die andere Seele gemacht hat.
Wir erleben hier überhaupt nicht dasjenige, was unsere Taten, unsere Handlungen, unsere Gedanken für Wirkungen in der äußeren Welt machen. Hier im physischen Leben erleben wir das nicht, das erleben wir jetzt bei der Rückwärtswanderung in der Zeit vom Tode bis zu der Geburt. Da leben wir alles, was draußen ist, durch, nicht so, wie es von uns erlebt worden ist, sondern so, wie es von der Außenwelt erlebt worden ist, mit der wir zusammen waren. Wirklich alles dasjenige, was die Menschen empfunden haben durch unsere Gedanken, durch unsere Worte, wir erleben es durch. Und das ist deshalb, weil jetzt das Äußere ein Inneres werden muß. Mit unseren Gedanken, haben wir sagen können, ist es so, daß das Innere ein Äußeres wird. Bei diesem Leben jetzt ist es so, daß das Äußere, die Wirkungen unserer Gedanken, unserer Taten im Leben, ein Inneres wird, das heißt ein innerlich Erlebtes, ein vom Geistmenschen nach dem Tode Erlebtes. Denn er muß sich ja jetzt in die Welt einleben, in der er unbewußt während der Zeit seines Lebens lebt, indem er einen astralischen Leib hat und die Geister der zweiten Hierarchie an seinem astralischen Leibe arbeiten, er muß sich jetzt in die Welt einleben, in der es eben so zugeht, daß sein astralischer Leib allmählich sich auflöst in dem Äußeren, aber er das Äußere jetzt innerlich durchlebt, richtig innerlich durchlebt.
Er muß lernen, zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in der Sphäre zu arbeiten, in der die Geister der zweiten Hierarchie arbeiten, in der sie dasjenige vorbereiten, was ihn dann wiederum zu einer neuen Inkarnation führen kann. Und dann, wissen wir ja, wird der astralische Leib nach einiger Zeit eben so, daß er sich verflüchtigt in die äußere Welt und der Mensch mit seinem eigentlichen Inneren in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt weiterlebt.

Nun, wenn wir verstehen wollen einiges von diesem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, so müssen wir immer viele Gesichtspunkte geltend machen. Das ist ja überhaupt unser Ziel, nicht einseitig zu sein, sondern viele Gesichtspunkte geltend zu machen, so daß allmählich sich ein umfassendes Verständnis dieser Vorgänge eröffnen kann. Fassen Sie also ins Auge:

So, wie der Mensch durch seine Geburt eintritt in die Naturvorgänge, die um ihn herum vorgehen im Mineralreich, Pflanzen-, Tierreich, so tritt er in die Welt ein, die um ihn vorgeht durch die Wesenheiten der genannten Hierarchien. Er ist gewissermaßen eingefaltet in deren Tätigkeit, und dasjenige, was er ihnen mitgebracht hat, das weben sie zusammen, so daß es die Grundlage werden kann zu seiner nächsten Inkarnation.

Sehen Sie, auf diesem Gebiete ist es, ich möchte sagen, besonders schwierig, der Gegenwart richtige Begriffe zu geben, aus Gründen, die ja auch schon öfter dargelegt worden sind. Die Gegenwart arbeitet gerade mit den verkehrtesten Begriffen auf diesem Gebiete. Wenn ein Mensch durch die Geburt ins physische Dasein tritt, so tritt er ja mit gewissen Eigenschaften in dieses physische Dasein, Die Gegenwart bestrebt sich, bloß von Vererbung zu sprechen, und meint die physische Vererbung, und man spricht so von dieser physischen Vererbung, daß man sagt: Ein Mensch zeigt diese oder jene Eigenschaften, man muß also diese oder jene Eigenschaften bei den Vorfahren suchen. Es gibt zum Beispiel heute ein sehr fleißig gearbeitetes Buch über Goethe, worinnen Goethes Eigenschaften so dargestellt werden, daß, soweit man nur hinaufgehen kann, man das eine, was er hatte, sucht bei diesen Vorfahren, das andere bei jenen Vorfahren, bei einer Ur-Urgroßmutter das, bei einem Ur-Urgroß-vater jenes, und so habe sich alles vererbt. — Ich habe schon öfter gesagt:
Eine Weisheit ist das, die man bildlich veranschaulichen kann dadurch, daß man zeigt, wie billig sie eben zu haben ist. Denn es ist nicht gescheiter, zu sagen, daß das Kind die Eigenschaften der Eltern hat, als zu sagen, daß ein Mensch naß ist, wenn er ins Wasser gefallen ist und herausgezogen wird. Er hat das Wasser selbstverständlich an sich, wenn er herausgezogen wird. So hat er die Eigenschaften seiner Vorfahren an sich, weil er durch sie seine Seele durchgeleitet hat. Es ist keine größere Weisheit darinnen.

Und so auf Ursachen zurückzuschließen, das für logisch zu erklären, ist nun schließlich das Allerunlogischste, das man nur irgendwie machen kann: Man will beweisen, daß sich die seelisch-geistigen Eigenschaften vererben, indem man zeigt, ein Genie wie Goethe habe die gleichen Eigenschaften, wie seine Vorfahren sie gehabt haben. Aber, wie gesagt, das ist nicht gescheiter als die Behauptung, daß ein
Mensch naß ist, wenn er ins Wasser gefallen ist. Beweisen, daß das Genie und die genialischen Eigenschaften mit der Vererbung etwas zu tun haben, würde man, wenn man die Nachkommen des Genies aufweisen und an ihnen zeigen würde, wie sich die Eigenschaften des Genies auf die Nachkommen vererbt haben. Das würde ein Beweis sein.

Das wird man aber wohl bleiben lassen. Man wird zum Beispiel nicht gerade darauf ausgehen, zu zeigen, wie sich in Goethes Sohn die genialischen Eigenschaften seines Vaters vererbt haben, nicht wahr? Gewiß, manchmal kann es ja vorkommen, daß man wie mit Fingern auf solche Dinge hindeutet. Es gibt da in der europäischen Welt gegenwärtig einen Staatsmann, der der Sohn eines Vaters ist, der auch ein Staatsmann war. Da kann man sagen, da haben sich die genialischen Eigenschaften des Staatsmannes vom Vater auf den Sohn vererbt. Aber es könnte die Lösung auch darinnen bestehen, daß sie alle beide keine Genies waren!

Der Sache selbst liegt ein viel, viel tieferer Vorgang zugrunde. Sehen Sie, das wollen die Menschen ja durchaus nicht anerkennen in unserer Zeit, daß dasjenige, was äußerlich geschieht, eben nur die Außenseite zeigt von Vorgängen, die zugleich innerlich sind, von Vorgängen, die aus dem Geistigen herausfließen. Und was gesagt werden soll, machen wir uns einmal durch folgenden hypothetischen Vergleich anschaulich. Nehmen wir an, es gäbe Wesen, welche zwar einen gewissen Verstand hätten, aber keine Anlagen, die Menschen zu sehen. Das ist selbstverständlich durchaus eine Hypothese, aber Sie können ja einmal annehmen, daß es Wesen gäbe, die alles sehen, nur nicht Menschen. Solche Wesen sähen zum Beispiel Uhren.
Also denken Sie sich einmal ein Wesen, das keinen Menschen sieht und die Tätigkeit der Menschen nicht sieht, das würde durch Berlin gehen und sehen, wie überall Uhren entstehen würden. Das Wesen müßte sich selbstverständlich sagen: Die Uhren entstehen ganz von selber. — Nicht gescheiter, als ein solches Wesen, das schließen würde, die Uhren entstehen von selber, ist der Mensch, der sagt: Man braucht ja nicht weiter zu erklären, warum Menschen physisch in die Welt hereinkommen, das geschieht ganz von selber im Laufe der Fortpflanzung, im Laufe der Generationen. — So kann nur gedacht werden, weil die Menschen nicht sehen, daß das, was hier in der physischen Weit geschieht, nur der äußere Ausdruck ist für eine Tätigkeit, die fortwährend aus der geistigen Welt herunterfließt, so wie die Tätigkeit der Uhrmacher in die Uhren hineinfließt. Wenn es zum Beispiel eigens eine Wissenschaft gäbe vielleicht der Maulwürfe, so könnten diese schon zu der Anschauung kommen, daß die Uhren von selber entstünden, wenn die Maulwürfe so intelligent wären, die Uhren als so etwas anzusehen, was durch Intelligenz geschaffen ist.

Dasjenige aber, was sich hier auf der Erde vollzieht, wovon die Menschen in ihrer Torheit glauben, es geschähe ganz von selbst, es sei nur ein äußerlicher physischer Vorgang, das wird dirigiert, gerade so wie die Uhrmachertätigkeit eine dirigierende ist, aus der geistigen Welt. Und wirklich, von dem Moment an, den ich im vierten Mysteriendrama genannt habe die Mitternachtsstunde des Daseins, von dem Moment an, der mitten drinnen eigentlich schon liegt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, von da ab beginnt bereits die Tätigkeit, von der geistigen Welt gewissermaßen sich herabzuneigen in die physische Welt, um nach Jahrhunderten den Menschen ins physische Dasein wieder zu geleiten. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, ist zunächst die Tätigkeit, die in der geistigen Welt ausgeübt wird, ein Verarbeiten desjenigen, was im letzten Leben hier vom Menschen erlebt, erarbeitet worden ist.
Das geschieht so in der ersten Hälfte. Aber von der Hälfte des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt an beginnt schon die Vorbereitung für die nächste Inkarnation. Und nun ist es wirklich so, daß man sich vorstellen kann: Derjenige, der geboren wird, hat Eltern, die Eltern haben wieder Eltern, diese Eltern haben wieder Eltern. Denken Sie sich, wie das durch die Breite hinaufgeht, wenn Sie durch dreißig Generationen gehen. Aber wenn Sie so durch dreißig Generationen hindurchgehen würden, so würden Sie finden, daß gewissermaßen in vielen Leuten schon die Tendenzen liegen, die zuletzt dazu führen, daß der Mann A und die Frau B zusammengebracht werden, die dann einem Menschen das Dasein geben. Und wenn nicht das Ganze so stattgefunden hätte durch dreißig Generationen hindurch, wenn nicht da die Leute immer so geheiratet hätten, daß zuletzt der A und die B zusammengekommen wären, so würde eben nicht jene Zweiheit sich ausgebildet haben, die dann der Mensch aufsuchen kann, der hinuntersteigt zu einer physischen Inkarnation.

An diesem ganzen Zusammenwirken vieler Menschen, die zuletzt in den zweien ausgipfeln, da arbeitet schon die geistige Welt mit nach dem, was die einzelne Individualität des Menschen ist. Wenn wir also sehen, daß der Sohn die Eigenschaft seines Vaters, seiner Mutter hat, dann wiederum die Mutter und der Vater auf Eigenschaften zurückführen von Großvater und Großmutter, Urgroßvater, Urgroßmutter und so weiter, so ist das deshalb, weil sich zu dem Ur-Ur-Urgroßvater und der Ur-Ur-Urgroßmutter, die dreißig Generationen nach aufwärts, etwa schon niedergeneigt hat diejenige Individualität, die dann später, nach Jahrhunderten, geboren werden will und bestimmt hat den Plan, nach dem durch Generationen hindurch die Menschen sich finden.
Das wirkt alles schon mit. Und daß da vererbte Ähnlichkeiten sind, das rührt davon her, daß durch dreißig Generationen schon die Kraft herunterwirkt durch die geistige Welt, die zuletzt in einem bestimmten Menschen zum Vorschein kommen will; die wirkt schon in Vater, Mutter, Großvater, Großmutter, Urgroßvater, Urgroßmutter. Da wirkt sie schon immer und gibt einem zuletzt die Eigenschaften, die zum Vorschein kommen sollen. Nicht die physische Strömung macht die Vererbung, sondern der physischen Strömung wird die Vererbung auf diese Weise eingefügt. Gerade das Umgekehrte ist wahr von dem, was in bezug auf die physische Vererbung von der äußeren, sogenannten naturwissenschaftlichen Weltanschauung behauptet wird.

Damit zuletzt Goethe zum Vorschein gekommen ist durch den Johann Kaspar Goethe und die Frau Rat Aja, wurden die Menschen immer schon von den Wesenheiten der zweiten Hierarchie durch dreißig Generationen so zusammengeführt, daß das zuletzt zu Goethe führen konnte. Das gilt natürlich nicht nur für das Genie, das gilt für jeden einzelnen. Sie können sagen: Das ist schwer vorzustellen, und Sie können auch fragen, wie verträgt sich das mit der menschlichen Freiheit, wenn da schon dreißig Generationen, bevor wir herunterkommen,
durchaus bestimmt werden, wie wir dann sein sollen?
Ja, aber für unsern Vater war es ebenso und für die Großväter ebenso! Und wenn das jemandem zu kompliziert ist zu denken, dann soll er nur sich noch dazudenken, daß ihm dieses Denken eben für das normale Bewußtsein des Erdendaseins erspart geblieben ist, denn es ist nicht ihm übertragen, sondern in Gemeinsamkeit mit den Geistern der Form, mit den Geistern der Bewegung und so weiter wird dieses bewirkt, so daß die Freiheit gar nicht beeinträchtigt wird. Da gehört natürlich schon jene höhere Weisheit dazu, die diesen Hierarchien entspricht. Aber die Sache ist so.

Und so wird zusammengearbeitet dasjenige, was wir als Gedanken dem Weltenäther übergeben können, mit dem, was wir in unserem Gefühls-, in unserem Willensleben ausleben während unseres physischen Daseins. Wirklich, Geisteswissenschaft soll nicht bloß eine Summe von Wissen in uns anregen, sondern sie soll vor allen Dingen eine gewisse Gemütsstimmung hervorzubringen vermögen.
Ich habe versucht, diese Gemütsstimmung in den ersten Partien des zweiten Mysteriums anzudeuten, in der Begegnung zwischen Capesius und Benediktus, wie wirklich zu dem Ziele, daß der Mensch hier als ganzes Menschenwesen auf der Erde leben kann, Götter und Götter, Geister und Geister zusammenwirken, daß der Mensch für Götter und Götter, Geister und Geister ein Ziel ist.

Dieses Gefühl, ich möchte sagen der Dankbarkeit dem geistigen Universum gegenüber, dieses Gefühl, sich drinnen zu wissen im geistigen Universum, das muß uns auch durch Geisteswissenschaft in unsere Seele hineinfließen. Es muß uns so natürlich werden, wie dem Menschen natürlich ist, sich in Zusammenhang mit der physischen Welt zu wissen. Darauf achtet er ja gewöhnlich nicht. Aber heute ist die Wissenschaft so weit, daß jeder das Bewußtsein davon hat, daß er die Luft braucht, also daß er nicht bloß für sich leben kann, sondern daß er ein Glied in der ganzen Umgebung ist. Aber wenn er Hunger hat oder Durst hat, dann achtet er schon darauf, daß die Außenwelt seinem Dasein in physischer Weise nötig ist, daß er im Grunde genommen in einem universellen Vorgange drinnen steht in der Außenwelt.

So aber steht auch der Mensch in einem universellen Vorgange in der geistigen Welt drinnen, und indem er zu denken vermag, steht er mit Angeloi, Archangeloi, Archai, indem er zu fühlen und zu wollen versteht, mit der nächsthöheren Hierarchie in einem geistigen Zusammenhange. Wahrhaftig, so wie die Luft, wie die Natur in seinen physischen Leib hereinstreicht, so wirken in sein Geistiges und in seine Seele hinein die Tätigkeiten der genannten Hierarchien.

Die theoretischen Einwände, die von Seiten unserer materialisti-stischen Gegenwart kommen, wir haben sie ja oftmals besprochen. Diese theoretischen Einwände, die sind eben durch Erkenntnisbetrachtungen und dergleichen aus dem Felde zu schlagen. Aber dann kommen ja die Materialisten sehr häufig noch mit der Praxis und sagen:
Ja, mag es selbst richtig sein, daß es solch eine geistige Welt gibt, was hilft es uns aber, von dieser geistigen Welt etwas zu wissen, auch wenn du schon sagst, daß das Denken, Fühlen und Wollen mit den höheren Hierarchien in Verbindung steht? Um zu denken, brauchen wir ja nichts zu wissen von diesen Hierarchien. Wir denken ja schon in der Welt, ohne daß wir etwas davon wissen. Der Mensch atmet ja auch, Gott sei Dank, denn wenn er hätte warten müssen, bis er den Vorgang des Atmens theoretisch ganz genau kennen gelernt hätte, könnte er heute noch immer nicht atmen, denn das, was er heute physikalisch, physiologisch weiß vom Atmungsprozeß, würde gar nicht ausreichen, um den Atmungsvorgang zu bewirken. Aber auch ohne daß man die «verschrobene Seite» hat — werden die Leute sagen —, denken kann man schon, ohne von irgendwelchen Hierarchien, die da mitarbeiten, etwas zu wissen.

Wir aber stellen die Gegenfrage: Kann man wirklich denken, ohne daß man das hat ? — Gegenwärtig, sehen Sie, arbeiten die Menschen eben noch mit den Erbgütern der alten Zeit, sie arbeiten wirklich mit dem, was sie geerbt haben, und damit haben sie mancherlei noch erfinden können, sogar so komplizierte Maschinen, wie man sie gegenwärtig zum Menschentöten verwendet ( 1. Weltkrieg) und so weiter. Aber das alles ist Erbgut noch aus einer früheren Zeit. Schon daß es Erbgut ist, wollen die Leute natürlich nicht leicht zugeben, denn mancher Mensch — es ist ja ganz merkwürdig in dieser Beziehung —, der behauptet, daß man es so herrlich weit gebracht habe, meint das im Grunde genommen doch nur deshalb, weil man eingesehen habe, daß alles Denken in der früheren Zeit kindisch war und die Menschen jetzt sich bewußt geworden seien, wie man nüchtern, nicht mehr kindisch denkt.

Man könnte heute wirklich schon rein äußerlich, ich möchte sagen, sich überzeugen davon, daß dies ein Unsinn ist, und daß die Menschen dieses Denken, das sie jetzt haben, erst seit ein paar Jahrhunderten haben…

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