Soziale Dreigliederung: „Zurückgehen zu den Urgedanken, die allen sozialen Einrichtungen zugrunde liegen“

«Man richtet sich in Gedanken nach den Tatsachen, die doch der Gedanke beherrschen soll. Notwendig ist aber heute, zu sehen, daß man nicht anders ein den Tatsachen gewachsenes Urteil gewinnen kann als durch Zurückgehen zu den Urgedanken, die allen sozialen Einrichtungen zugrunde liegen. Wenn nicht rechte Quellen vorhanden sind, aus denen die Kräfte, welche in diesen Urgedanken liegen, immer von neuem dem sozialen Organismus zufließen, dann nehmen die Einrichtungen Formen an, die nicht lebenfördernd, sondern lebenhemmend sind. In den instinktiven Impulsen des Menschen aber leben mehr oder weniger unbewußt die Urgedanken fort, auch wenn die vollbewußten Gedanken in die Irre gehen und lebenhemmende TatSachen schaffen, oder schon geschaffen haben. Und diese Urgedanken, die einer lebenhemmenden Tatsachenwelt gegenüber chaotisch sich äußern, sind es, die offenbar oder verhüllt in den revolutionären Erschütterungen des sozialen Organismus zutage treten.»

Aus «Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft» (GA 338,Kap. III)

»Diese Dreigliederung ist, ich muß das immer wieder und wiederum betonen, nicht etwas, was einem einfach einfallen kann. Sie ist etwas, was der Geist der Zeit und der Gegenwart unbedingt von den Menschen fordert, was der Geist der Zeit verwirklichen will, was der Geist der Zeit bitte, wenn Sie das Folgende hören, werden Sie auch diesen Satz, den ich jetzt vorausschicken kann, verstehen -, was der Geist der Zeit tatsächlich verwirklicht. Und gerade dadurch entsteht das Chaos, daß die Menschheit anders denkt und vor allen Dingen anders handelt, als der Geist der Zeit denkt und handelt.«

Rudolf Steiner, 21. April 1919 in: «Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen», GA 192, S. 17 f.

RUDOLF STEINER

Wie wirkt man für den Impuls
der Dreigliederung
des sozialen Organismus?
Zwei Schulungskurse für Redner und aktive Vertreter des Dreigliederungsgedankens
Zwölf Vorträge und eine Fragenbeantwortung, gehalten in Stuttgart am 1. und 2. Januar und vom 12. bis 17. Februar 1921
GA 338

NEUNTER VORTRAG

Stuttgart, 16. Februar 1921

Wie es auf der einen Seite notwendig ist, durch ein Eingehen auf die Fäden des geistigen Lebens in der Gegenwart den Leuten die Notwendigkeit der Abgliederung und freien Gestaltung des Geisteslebens zu zeigen, so ist es auf der anderen Seite notwendig, alles herbeizutragen, was zuletzt zeigt, wie das Wirtschaftsleben auf den Boden des assoziativen Prinzips gestellt werden muß. Es muß da vor allen Dingen ein sicheres Urteil der Menschen darüber herausgefordert werden, daß der einzelne Mensch nicht in der Lage ist, irgendwie im wirtschaftlichen Leben etwas zu tun, was sich in dieses wirtschaftliche Leben fruchtbringend einfügen kann. Im geistigen Leben ist es einmal so, daß das Urteil zuletzt immer doch vom einzelnen Menschen ausgehen muß; daher muß durch ein freies Geistesleben der einzelne Mensch voll zur Geltung kommen können; es muß der Zustand herbeigeführt werden, durch den ein jeder gemäß seinen Fähigkeiten ganz individuell zur Geltung kommen kann. Im Wirtschaftsleben würde das gar nichts nützen. Im Gegenteil, es würde schädlich sein, weil das wirtschaftliche Urteil eines einzelnen Menschen überhaupt keinen Wert hat. Es kann niemals in Wahrheit in der Wirklichkeit wurzeln. Gerade wenn man auf anthroposophischem Boden steht, wird man dieses einsehen. Denn was Geistesleben ist, fließt zuletzt aus dem Innern des Menschen heraus. Der Mensch muß das, was er sich mitbringt durch die Geburt, aus sich heraus gestalten. Allerdings gestaltet er es im Wechselverkehr mit der Umgebung heraus. Er erwirbt sich auch Erfahrung, sei es äußere, sei es innere, sei es physische, sei es geistige Erfahrung. Aber der Prozeß, den da der Mensch abwickelt, der muß aus seinen ganz individuellen Fähigkeiten kommen. Nun haben wir, wenn wir ins Wirtschaftsleben eingreifen wollen, nichts in unserer Menschlichkeit, das irgendwie ebenso maßgebend sein könnte für das soziale Leben wie die individuellen Fähigkeiten des einzelnen Menschen.

Diese individuellen Fähigkeiten bereichern das allgemeine Leben der Menschheit, wenn sie der Mensch anwendet. Wenn er sie einfach anwendet, wird das Gemeinschaftsleben bereichert. Im Wirtschaftsleben als solchem, das heißt, sofern man es zu tun hat mit dem Austausch und der Bewertung von Waren, liegt aus dem Menschen heraus nichts anderes vor als seine Bedürfnisse. Der Mensch weiß gewissermaßen als Einzelner nichts über das Wirtschaftsleben und seine Notwendigkeiten durch etwas anders als durch seine Bedürfnisse; er weiß, daß er in einem gewissen Maße essen und trinken muß, er hat einzelne individuelle Bedürfnisse. Aber diese individuellen Bedürfnisse haben nur eine Bedeutung für ihn selbst, lediglich für ihn selbst. Was ein Mensch geistig produziert, hat für alle anderen eine Bedeutung; was er geistig produziert, ist in der Tat von vornherein von sozialer Bedeutung. Die Bedürfnisse, die ein Mensch hat, und um derentwillen er wünschen muß, daß es ein Wirtschaftsleben gibt, haben nur für ihn Bedeutung, Er könnte wirtschaftlich nur wissen, wie er für sich selber zu sorgen hat. Das liefert aber durchaus in keiner Weise irgendwie einen sozialen Maßstab, nirgends die Grundlage für ein soziales Urteil. Denn es wird einfach ausgeschlossen, was im sozialen Leben wirken soll, wenn man nur einen Maßstab hat für das, was man selber braucht. Daher läßt sich auf jene Erkenntnis, die aus den eigenen Bedürfnissen genommen ist, niemals ein soziales Urteil aufbauen. Der einzelne Mensch hat keinen Boden für ein soziales Urteil. Wenn er aus dem, was er als einzelner Mensch ist, heraus handelt, also einfach auf seine Bedürfnisse Rücksicht nimmt, dann seinen Verstand und seine Fähigkeiten anwendet, jetzt nicht, um irgend etwas für die Allgemeinheit zu produzieren, wie im Geistesleben, sondern um seine Bedürfnisse zu befriedigen, so wirkt er unter allen Umständen als ein antisoziales Wesen. Das ist es auch, warum alle Gescheitheit nichts hilft, wenn es sich um wirtschaftliche Urteile handelt. Ich muß immer wieder und wiederum das Beispiel anführen von der Verteidigung der Goldwährung im Laufe des 19. Jahrhunderts. Sie können, wenn Sie die Parlamentsberichte und sonstiges lesen, was zum Beispiel auch

von Praktikern ausgegangen ist zur Verteidigung der Goldwährung in einzelnen Ländern, überall tatsächlich einen großen Aufwand von individuellem Scharfsinn finden. Was da gesprochen worden ist, war eigentlich restlos gescheit – könnte man sagen. Man gewinnt Respekt vor der menschlichen Kapazität, wenn man die Reden, die da gehalten worden sind über die Goldwährung, heute noch durchliest. Aber gerade, was die gescheitesten Leute gesagt haben, gipfelte immer darin, daß die Goldwährung wesentlich dazu beitragen werde, den freien Handel in der Welt zu begünstigen. Und die Gründe, die vorgebracht worden sind zur Erhärtung dieses Urteils, daß der freie Handel hervorgehen werde aus der Goldwährung, sind eigentlich unanfechtbar. Aber das Gegenteil davon ist überall eingetreten! Es ist überall im Gefolge der Goldwährung das Bedürfnis nach Schutzzöllen und dergleichen entstanden. Es ist überall die Einschränkung des freien Handels entstanden. Und es zeigt dieses Beispiel im eminenten Maße, daß den wirtschaftlichen Fragen gegenüber die individuelle menschliche Gescheitheit nichts hilft, selbst wenn sie so stark hervortritt wie dazumal im 19. Jahrhundert. Man irrt als einzelner Mensch, wenn man aus den individuellen Urteilen heraus wirtschaftlich handeln will. Daraus ergibt sich mit apodiktischer Sicherheit die Notwendigkeit der Assoziationen. Nur dadurch, daß Menschen, die in den verschiedensten Zweigen und Elementen drinnenstehen, sich assoziieren, und das, was der eine weiß auf dem einen Gebiet dadurch, daß er nicht seine Bedürfnisse kennenlernt, sondern diejenigen der anderen, mit denen er es zu tun hat, ergänzt und erweitert wird durch dasjenige, was ein anderer weiß, nur dadurch entsteht ein gemeinsames Urteil, das dann in wirtschaftliches Handeln übergehen und zu einer sozialen Gesundung führen kann. Es gibt gar keine Möglichkeit, zu entgehen der Notwendigkeit der Assoziation, wenn man einfach auf diese Grundtatsache hinweist. Außerdem: Was wird unter dem Einflüsse der Dreigliederung aus dem Wirtschaftsleben als solchem? Was haben wir denn eigentlich im Wirtschaftsleben? Wir haben da drei Faktoren.

Der erste ist derjenige, der entspringt aus der Sachkenntnis gegenüber der Produktion von dem oder jenem. Man muß Sachkenner sein, ganz gleichgültig, ob man Steinkohlen zutage fördern will, oder ob man Getreide anbauen oder Vieh züchten oder irgendeine Industrie versorgen will, man muß Sachkenner sein. Das zweite ist: Es muß innerhalb unseres heutigen Wirtschaftslebens der Verkehr mit den Gütern, mit den Lebensgütern, in der richtigen Weise geleitet werden. Es muß der Handel in der richtigen Weise geleitet werden. Die Güter müssen an die Orte gebracht werden, wo sie gebraucht werden. Denn nur dort haben sie ihren eigentlichen Wert. Sonst sind sie keine Waren, sondern nur Gegenstände. Man muß das unterscheiden. Irgend etwas, selbst ein Nahrungsmittel, kann, wenn es an irgendeinem Orte ist, durchaus bloß ein Gegenstand sein und keine Ware. Denn wenn an irgendeinem Orte ungeheuer viele Nahrungsmittel einer bestimmten Qualität sind, ohne daß die Leute sie brauchen, so sind davon nur soviel Waren, als die Leute aufbrauchen können. Die anderen sind bloß Gegenstände, und sie werden erst zur Ware, wenn sie an die Orte kommen, wo sie gebraucht werden können. Ohne den Handel ist kein Objekt eine Ware. Das ist durchaus das zweite, um was es sich handelt. Aber dieses zweite hängt innig zusammen mit der menschlichen Arbeit. Denn die Verwandlung der Natur- und anderen Objekte aus Gegenständen in Waren geschieht eben durch menschliche Arbeit. Wenn Sie nachdenken, so werden Sie finden, daß diese Umwandlung von Gegenständen in Waren eigentlich ganz äquivalent ist der Aufwendung von menschlicher Arbeit. Die Arbeit fängt an bei dem, was wir der Natur entnehmen. Da ist durchaus immer möglich, bis zu dem Gegenstandscharakter des Objekts zurückzugehen, und kommt man bis zu diesem zurück, dann kann man noch nicht von irgendeinem volkswirtschaftlichen Charakter des Objektes sprechen. Volkswirtschaftlich wird die Sache erst dann, wenn sie in den Verkehr kommt. Nur dadurch wird sie zu etwas, was in der ganzen Volkswirtschaft eine Bedeutung hat. Das aber hängt zusammen mit der ganzen Gliederung, Entfaltung der menschlichen Arbeit, mit Art und Zeit und so weiter der menschlichen Arbeit.

Das dritte in der Wirtschaft ist, daß man die Bedürfnisse kennt. Denn nur dadurch, daß die Bedürfnisse bekannt sind über ein gewisses Territorium hin, kann in vernünftiger Weise produziert werden. Ein Gegenstand, der zu viel produziert wird, wird ganz unweigerlich zu billig; und ein Gegenstand, der zu wenig produziert wird, wird ganz unweigerlich zu teuer. Es hängt der Preis davon ab, wieviel Leute an der Produktion eines Gegenstandes beteiligt sind. Das ist die Grund- und Lebensfrage der Volkswirtschaft, daß von der Bedürfnis-Befriedigung, und zwar von der freien BedürfnisBefriedigung, ausgegangen wird. Was da vorliegt, kann, weil es in einem lebendigen Prozeß ist, nicht durch die Statistik festgesetzt werden, sondern nur dadurch, daß assoziierte Leute über ein bestimmtes Territorium hin einfach, indem sie menschlich bekannt werden mit denjenigen, die das oder jenes Bedürfnis haben, die Summe der Bedürfnisse menschlich kennen und vom rein menschlichen, lebendigen Standpunkt, nicht vom Standpunkt einer Statistik, wiederum darüber verhandeln können, wieviel Leute zur Produktion eines Artikels notwendig sind. So daß man im Assoziationsleben drinnen zunächst diejenigen Menschen hat, die darauf ausgehen, sich über ein Territorium hin, das sich ja aus wirtschaftlichen Unterlagen ergibt, zu unterrichten über die vorhandenen Bedürfnisse, und den Willen entwickeln, Verhandlungen einzuleiten darüber, wieviel Leute in irgendeinem Wirtschaftszweige produzieren müssen, damit die Bedürfnisse befriedigt werden können. Das alles muß verknüpft sein damit, daß man einen Sinn hat für die Freiheit der Bedürfnisse. Es darf in keiner Weise irgendeine Ansicht herrschen bei denjenigen, die zunächst die eben charakterisierte Aufgabe haben, ob irgendein Bedürfnis berechtigt ist oder nicht, sondern es muß sich lediglich handeln um das objektive Konstatieren eines Bedürfnisses.

Die Bekämpfung sinnloser Bedürfnisse, luxuriöser, schädlicher Bedürfnisse, obliegt nicht dem wirtschaftlichen Assoziationsleben, sondern lediglich dem Einfluß des geistigen Lebens. Sinnlose, schädliche Bedürfnisse müssen dadurch aus der Welt geschafft werden, daß vom geistigen Leben die Belehrung darüber ausgeht, daß die Begehrungen, die Empfindungen veredelt werden. Ein freies Geistes

leben wird durchaus in der Lage sein, das zu tun. Grob ausgedrückt : Kinos dürfen nicht polizeilich verboten werden, sondern die Leute müssen so gebildet werden, daß sie keinen Geschmack daran finden. Das ist die einzige gesunde Bekämpfung schädlicher Einflüsse im sozialen Leben. In dem Augenblicke, wo von Wirtschafts oder Staats wegen die Bedürfnisse als solche taxiert werden, haben wir es nicht mehr mit einer Dreigliederung des sozialen Organismus zu tun, sondern mit einer chaotischen Durcheinandermischung von geistigen, wirtschaftlichen und sonstigen Interessen. Die Dreigliederung muß durchaus bis in die innersten Fasern hinein ernst genommen werden. Es muß das Geistesleben tatsächlich auf seine Freiheit gestellt werden. Es ist nicht frei, wenn irgendeine so oder so geartete Zensurbehörde da ist, wenn dieses oder jenes verboten werden kann, was im Bereich der menschlichen Bedürfnisse liegt. Man kann noch so wettern, wenn man gerade fanatischen Sinn hat, gegen Kinos; das beeinträchtigt das freie Geistesleben nicht. In dem Augenblick, wo man nach der Polizei schreit, wo man schreit: Das sollte verboten sein, beeinträchtigt man das freie Geistesleben. Das muß festgehalten werden, und man darf da nicht zurückschrecken vor einem gewissen Radikalismus. So hat man es also zunächst zu tun in den Assoziationen mit Leuten, die sich informieren über die Bedürfnisse innerhalb eines gewissen Territoriums, und die dann Verhandlungen einleiten, nicht Gesetze machen, über die notwendige Produktion. Sie sehen also, man kann die Sache etwas anders charakterisieren, dann wird sie sich vielleicht sogar, ich möchte sagen, etwas profaner ausnehmen. Aber schließlich zur Illustration kann auch das gesagt werden: man wird zunächst in den Assoziationen objektivierte Agenturen, Agenten nötig haben, die sich eben nicht bloß dafür interessieren müssen, daß derjenige, für den sie Agent sind, möglichst viel verkauft, sondern welche sich fragen: Was für Bedürfnisse sind da? – und die dann sachverständig darin sind, wie man produzieren muß, damit diese Bedürfnisse befriedigt werden. Dadurch hat man, ich möchte sagen, das eine Glied der Assoziationen. Das zweite Glied ist dann genommen aus der Reihe derjeni

gen, welche den Verkehr zu versorgen haben, welche also, wenn irgendwo ein Produkt fabriziert wird, es zu verfrachten haben, repektive die Verhandlungen einzuleiten haben, daß es verfrachtet werde, um an den Ort zu kommen, wo man es braucht. So daß wir finden gewissermaßen Sachverständige des Konsums, Sachverständige des Handels und als drittes Sachverständige der Produktion. Die sind aber aus dem freien Geistesleben genommen, denn dieses umfaßt alles, was aus dem Geistigen heraus durch Fähigkeiten in das produktive Leben einfließt. Das erste, was ich genannt habe, die Sachkenntnis, die fließt durch Belehrung aus dem freien Geistesleben heraus. Sehen Sie, in den Assoziationen des Wirtschaftslebens werden Vertreter aller drei Glieder des sozialen Organismus sein; nur werden die Assoziationen selber eben nur dem wirtschaftlichen Gliede angehören und nur mit wirtschaftlichen Angelegenheiten zu tun haben: mit Warenkonsum, Warenzirkulation und Warenproduktion und der daraus hervorgehenden Preisbestimmung. Darum handelt es sich beim dreigliedrigen sozialen Organismus, daß Korporationen da sind, die bloße Kompetenz haben innerhalb des einen betreffenden Gliedes. In den wirtschaftlichen Assoziationen wird über nichts als über Wirtschaftsfragen verhandelt; aber in den Assoziationen sitzen natürlich die Leute, die ihre Fähigkeiten und Kompetenzen zu den Verhandlungen aus dem freien Geistesleben und dem RechtlichStaatlichen heraus haben. Es handelt sich also gar nicht darum, daß man äußerlich schematisch nebeneinanderstellt die drei Glieder des sozialen Organismus, sondern daß Verwaltungen, Korporationen mit der Kompetenz in den einzelnen Dingen da sind. Das ist es, um was es sich handelt. Im einzelnen geht Ihnen das klar aus den «Kernpunkten» hervor. Zunächst handelt es sich darum, daß immer appelliert wird in bezug auf das Kapital an das Geistesleben, indem man sagt: Derjenige, der Produktionsmittel zusammengebracht hat durch seine Fähigkeiten, bleibt solange dabei, wie diese Fähigkeiten vorhanden sind. Das zu bestimmen ist Angelegenheit des Geisteslebens. Dann schreibt es ihm noch so viel Urteil zu, daß er seinen Nachfolger bestimmen kann. Das gehört auch dem freien Geistesleben an. Und wenn er das

nicht selber kann oder will, so entscheidet die freie Korporation des freien Geisteslebens. Sie sehen, alles, was Funktion des abstrakten Kapitalismus ist, geht über in das Wirken des freien Geisteslebens innerhalb des Wirtschaftslebens. Das ist geradeso wie im menschlichen Organismus. Das Blut hängt zusammen mit dem Zirkulationssystem, aber es geht in den Kopf über und durchpulst den Kopf. Genau ebenso ist es beim wirklichen sozialen Organismus. Daher ist es schon in gewissem Sinn fatal, daß, namentlich im Ausland, besonders in nordischen Ländern, so stark die Tendenz Platz gegriffen hat, zu sagen «Dreiteilung» des sozialen Organismus, statt «Dreigliederung». Dieser «dreigeteilte» soziale Organismus ruft natürlich furchtbare Mißverständnisse hervor. Es handelt sich um eine Gliederung, die nicht eine Teilung ist. Die einzelnen Glieder müssen durchaus ineinanderwirken. Dafür müssen wir ein deutliches Verständnis hervorrufen. Und man kann die Hoffnung haben, daß die vernünftigen Bourgeois ebenso wie die Proletarier nach und nach dennoch zu einem Verständnis der Sache kommen werden. Wir haben davon in Stuttgart durchaus schon den Anfang gehabt im Jahre 1919; anderswo ist vielleicht auch schon da oder dort ein Anfang gemacht worden. Aber es ist eben zunächst die Gegnerschaft aus allen Ecken so tätig geworden, daß wir mit unseren paar Menschlein vorläufig nicht standhalten konnten. Daher haben wir Ihre starken Kräfte jetzt herbeigerufen, damit wieder eine Art Stärkung unseres Eintretens für die Dreigliederung des sozialen Organismus eintreten könne. Es ist jetzt schon durchaus notwendig, daß, ich möchte sagen, ein starker Vorstoß unternommen werde für alles, was hervorgeht aus anthroposophischer Geisteswissenschaft und was Dreigliederung des sozialen Organismus ist. Denn in einer gewissen Beziehung handelt es sich doch um vorläufiges Sein oder Nichtsein. Darüber sollten wir uns gar keiner Täuschung hingeben. Aber wir müssen überall auf große Klarheit hinarbeiten. Deshalb versuchte ich auch jetzt wiederum, eine möglichst klare Vorstellung zu geben von dem assoziativen Leben. Wenn über Assoziationen noch weiter etwas gewußt werden will, dann können wir das ja heu

te abend noch durch die Beantwortung von allerlei Fragen erledigen. Das muß überhaupt durch unsere Vorträge hindurchgehen, daß wir nach Klarheit streben und daß wir geradezu ein Verständnis dafür hervorzurufen versuchen, wie die Unklarheit in unseren öffentlichen Zuständen, in unseren sozialen Zuständen, unsere jetzige Lage herbeigeführt hat. Ich will Ihnen dafür ein Beispiel geben. Wenn man heute gefragt wird nach diesem oder jenem, dann kommen die Leute mit den schematisierten Fragen. Sie fragen einen: Wie verhält es sich mit dem Kapital, wie mit dem Kleingewerbe, wie mit Grund und Boden und so weiter? – Nun, mit Bezug auf gesunde soziale Verhältnisse ist die Grund- und Bodenfrage erledigt in meinen «Kernpunkten», obwohl sie scheinbar nur in einem Nebensatz berührt worden ist. Aber alles, was sonst darüber heute in Diskussionen figuriert, das rührt davon her, daß gerade Grund und Boden in einer unglaublich verworrenen Weise in unserem sozialen Leben drinnensteckt. Als das neuere Wirtschaftsleben heraufkam und den Warencharakter allem aufdrückte, zum Beispiel auch der Arbeit, daß man also alles kaufen kann, da wurde auch der Boden zur Ware. Man konnte ihn kaufen und verkaufen. Aber was steckt eigentlich in diesem Kaufen und Verkaufen des Bodens drinnen? Wenn man das einsehen will, so muß man in sehr primitive Verhältnisse zurückgehen, in denen der Feudalherr entweder durch Eroberung oder sonstwie sich einen gewissen Boden erworben hatte und ihn abgab an diejenigen, die ihn bearbeiten sollten, die dann in natura oder in Abgaben anderer Art ihm eine gewisse Quote zurückgaben, was zunächst den Ursprung der Grundrente bedeutet. Aber wofür gaben ihm die Leute diese Grundrente, ihm, dem Feudalherren oder der Kirche, dem Kloster, wofür gaben sie das? Was machte es ihnen plausibel, daß sie solche Abgaben leisteten? Nichts anderes machte es ihnen plausibel, als das, wenn sie als kleine Besitzer auf ihrem Grund und Boden arbeiteten, um zu ackern und zu ernten, da jeder Nächstbeste kommen und sie fortjagen konnte. Grund und Boden bearbeiten können, erfordert Schutz des Grund und Bodens. Nun hatten meist die Feudalherren selber ein Heer, das sie aus den Abgaben unterhielten,

und das war zum Schutz des Grund und Bodens. Und die Grundrente wurde bezahlt nicht etwa für das Recht, den Boden zu bearbeiten, sondern für den Schutz des Bodens. Das Recht, den Boden zu bearbeiten, war durchaus entsprungen aus der Notwendigkeit, da ja der Grundherr nicht selber den ganzen Boden bearbeiten konnte. Das hatte nichts zu tun mit irgendwelchen anderen Verhältnissen. Aber geschützt mußte der Grund und Boden werden. Und dafür lieferte man die Abgaben. Ebenso lieferte man die Abgaben an die Klöster. Die Klöster unterhielten selbst wiederum Heere, mit denen sie den Grund und Boden schützten, oder sie waren durch irgendwelche Verträge da oder dort so gebunden, daß durch irgendwelche anderen Machtbeziehungen der Boden gesichert war. Wenn Sie den Ursprung der Grundrente aufsuchen, so müssen Sie sie als Abgabe ansehen für den Schutz des Grund und Bodens. Wenn wir diese ursprüngliche Bedeutung der Grundrente ins Auge fassen, so sehen wir daran, daß sie sich bezieht auf Zeiten, wo sehr primitive Verhältnisse herrschten, wo in wirtschaftlicher Beziehung souveräne Feudalherren oder Klöster herrschten, die niemandem gehorchten. Diese Verhältnisse hörten, zuerst im Westen und erst später in Mitteleuropa, dadurch auf, daß allmählich gewisse Rechte, die die einzelnen hatten – in gewissen Gegenden Deutschlands hörten sie am allerspätesten auf, Einzelrechte zu sein -, übertragen wurden auf einzelne Fürsten, was durchaus nicht ein wirtschaftlicher, sondern ein politischer Vorgang war. Es wurden die Rechte übertragen. Mit der Übertragung der Rechte wurde auch dasjenige übertragen, was zum Schutze da war von Grund und Boden. Es wurde dann dem Fürsten notwendig, die Heere zu halten. Dafür mußte er natürlich eine Abgabe fordern. Es kam allmählich dasjenige, was uns heute so schwer aufliegt, die Systematisierung des Steuerwesens. Die kam hinzu zu dem anderen, aber das andere blieb kurioserweise! Es verlor seinen Sinn, denn derjenige, der jetzt der Großgrundbesitzer war, der brauchte nichts mehr auszugeben zum Schutz von Grund und Boden, dafür war jetzt der Territorialfürst oder der Staat da. Die Grundrente blieb aber doch. Und sie ging allmählich mit dem neuen Wirtschaftsleben über in die gewöhnliche Warenzirkulation. Da

durch, daß der Zusammenhang zwischen Grundrente und Grund und Boden den Sinn verlor, konnte die Grundrente zu einem Gewinnobjekt gemacht werden. Es ist der reine Unsinn, der da Realität geworden ist. Es ist etwas im Zirkulationsprozeß der Werte drinnen, das im Grunde genommen seinen Sinn vollständig verloren hat, mit dem aber doch heute gehandelt wird wie mit einer Ware. Solche Dinge sind überall in unserem Volkswirtschaftsleben nachzuweisen. Sie sind aus irgendwelchen berechtigten Dingen entstanden. An die Stelle dieser berechtigten Dinge hat sich etwas anderes gesetzt. Aber das Alte ist geblieben. Und da hat irgendein neuer Prozeß die Sache aufgegriffen und das Sinnlose in das soziale Leben hineingestellt. Wenn man nun einfach das Wirtschaftsleben so nimmt, wie es ist – wenn man also Professor der Nationalökonomie ist und damit die Aufgabe hat, möglichst wenig zu denken in dem Sinne, wie ich es vorhin charakterisiert habe -, dann definiert man die Grundrente so, wie es heute drinnensteht in den Büchern. Und als etwas so Sinnloses figuriert sie auch heute im Leben. Sie sehen also, wieviel man zu tun hat, um dahin zu kommen, den Menschen verständlich zu machen, daß wir nicht nur Unsinn haben in unserem Denksystem, sondern auch überall im Wirtschaftsleben. Und wenn der einzelne seufzt unter dem Wirtschaftsleben, so ist es tatsächlich mit aus solchen Untergründen heraus. Es handelt sich heute schon darum, daß man zu einem gründlicheren, vorurteilsloseren, umfassenderen Denken kommt, als das ist, was entwickelt werden kann, wenn man in den heutigen Bildungsanstalten sitzt. Denn schließlich: was für ein Denken entwickelt man da heute? Man entwickelt das Denken, das vielleicht durch die Mathematik bezeichnet werden kann. Aber das wird so entwickelt, daß es abseits steht von aller Wirklichkeit. Man entwickelt dann das Denken, das am Experiment gelernt werden kann, das an der Systematik gelernt werden kann, entwickelt dasjenige Denken, das endlich bei solchen Leuten wie Poincare, Mach und so weiter zu einer bloßen Formalität, zu etwas geworden ist, was sie bloß «Zusammenfassen der äußeren Wirklichkeit» nennen. Kurz, man entwickelt überhaupt kein Den

ken! Und darum, weil man kein Denken entwickelt, kann man in der Nationalökonomie im Grunde genommen gar nichts anfangen. Ja, es hat sich nach und nach sogar eine nationalökonomische Methode herausgebildet – besonders schlau hat sie Lujo Brentano gehandhabt -, die aus begreiflichen Bedürfnissen heraus die Theorie entwickelt, man solle überhaupt nicht nachdenken darüber, wie das wirtschaftliche Leben sein soll, sondern es nur richtig beobachten. Nun, man soll sich vorstellen, wie man irgendwie zu einer Wissenschaft vom Wirtschaftsleben kommen soll durch das bloße Beobachten! Es wäre so, wie wenn man dem Pädagogen anempfehlen wollte, er solle bloß die Kinder beobachten. Es würde ja niemals eine Aktivität daraus entstehen können. Daher sind unsere nationalökonomischen Theoretiker so furchtbar steril, weil sie die sich passiv zur äußeren Wirklichkeit stellende Methode haben. Und die Kehrseite davon zeigt sich, wenn die Menschen nun wirklich anfangen, ins Wirtschaftsleben einzugreifen. Sie entwickelten auf der einen Seite eine Wissenschaft, die nur beobachtet. Als aber nun für Mitteleuropa der Krieg kam, sollte man plötzlich ins Wirtschaftsleben eingreifen, sogar bis zur Beeinflussung der Preisbildung. Was ist da herausgekommen? Der Nationalökonom Terhalle hat ja das zusammengefaßt, was dabei herausgekommen ist: Erstens, sagte er, und dafür führt er unzählige wissenschaftliche Belege an in seinem Buche über «Freie oder gebundene Preisbildung?», erstens: es sind die Dinge so gemacht worden, daß man sieht, die Leute, die es gemacht haben, haben überhaupt nicht gewußt, worauf es ankommt. Zweitens: es sind zugrunde gelegt worden theoretische Schematismen, die mit der Wirklichkeit so wenig zu tun haben, daß, indem sie angewendet wurden, sie die Wirklichkeit ruinierten. Drittens: es ist bei der Beeinflussung der Preisbildung dazu gekommen, daß den einzelnen Gewerben nicht genützt, sondern geschadet worden ist; und viertens: es ist das ehrliche Handwerk und Gewerbe zugunsten des Schiebertums geschädigt worden! Denken Sie nur einmal, was es bedeutet, daß ein offizieller Nationalökonom aus nationalökonomischen Untersuchungen heraus über die politisch-staatliche nationalökonomische Tätigkeit der letzten Jahre das Urteil fällen muß:

sie habe das Schiebertum begünstigt auf Kosten des ehrlichen Gewerbes und Handwerkes! Man muß nur fühlen, was das eigentlich bedeutet. Diese Dinge müssen den Leuten gesagt werden, möglichst deutlich, damit man sieht, wie ohnmächtig unsere Zivilisation gegenüber der Wirklichkeit geworden ist. Wenn wir nicht darauf eingehen, solche Dinge, wie ich sie Ihnen eben mit Bezug auf die Grundrente gesagt habe, klarzustellen, so werden wir nicht dazu kommen, die Notwendigkeit der Assoziationen den Leuten zu zeigen; denn denken Sie sich nur einmal in der notdürftigsten Weise die Assoziationen installiert: sofort tritt die Erfahrung zutage, wie schädlich auf die Preisbildung all die unnatürlichen Dinge wirken, die im Wirtschaftsleben drinnenstehen. Das kann natürlich nicht zutage treten, wenn man das Wirtschaftsleben so versorgt, daß die Agenten auf das Land gehen und für die einzelnen Unternehmungen Geschäfte machen. Da kann ihnen nicht entgegentreten der Zusammenhang zwischen Produktion und Konsum. Sie haben nicht das Interesse, das Augenmerk darauf zu richten, wieviel produziert werden soll. Für sie gilt nur die eine, selbstverständliche «Wahrheit», daß ihr Brotherr möglichst viel produzieren kann. Dieses Interesse an dem möglichst starken Produzieren des Brotherrn muß ersetzt werden durch die positive Kenntnis: Wieviele Produzenten müssen da sein, weil wir gesehen haben, so und so viel ist Bedarf für einen Artikel, also dafür gesorgt werden muß, daß nicht zu viele und nicht zu wenige auf dem betreffenden Territorium für diese Sache arbeiten? Das sachliche Interesse muß an die Stelle des Interesses für den einzelnen Unternehmer treten. Darauf kommt es bei der Assoziation an. Nun muß man den Leuten zeigen, wie das Wirtschaftsleben, weil es so viele absurde Elemente in sich hat – denn außer der Grundrente sind noch viele andere darinnen -, heute schon nach Zusammengliederung drängt. Das Kartellwesen mit den Kontingentierungen des Gewinns, der Nachfrage, des Absatzes und so weiter, das Zusammenschließen, das Sich-Fusionieren – woraus entsteht es denn? In Europa nimmt es mehr die Form des Kartells, in Amerika mehr die des Trusts an. Es entsteht daraus, daß durch die vielen absurden Ele

mente, die im Wirtschaftsleben sind, der einzelne nicht mehr produzieren kann. Denken Sie nur einmal, wie anders das heute ist, wo alles der Großunternehmung zudrängt, als es war, als der Einzelunternehmer als Kleinunternehmer im Wirtschaftsleben drinnenstand. Was kann der Mensch heute einzig und allein fragen, wenn er als Unternehmer auftreten will? Er kann nichts anderes fragen als: wie die Marktlage irgendeines Artikels beschaffen ist, ob irgendein Artikel begehrt wird. Ein Artikel, der begehrt wird, erscheint aussichtsvoll, ein Artikel, der nicht begehrt wird, eben nicht aussichtsvoll. In früheren Zeiten, wo die Zahl der Unternehmer klein war, machte das nicht viel aus; erst als es zu viele wurden, gingen die einzelnen zugrunde. Nehmen Sie aber an, es drängt alles nach der Großunternehmung hin, wenn man für irgendeinen Artikel bemerkt, daß er gebraucht wird, daß sich da etwas verdienen läßt. Dadurch, daß man die Großunternehmung errichtet, hebt man dasjenige auf, woraus man die Notwendigkeit geschlossen hat, die Großunternehmung zu errichten! Indem alles nach der Großunternehmung tendiert, ist das nicht mehr maßgebend, was für den einzelnen kleinen früheren Unternehmer maßgebend war. Daher tritt diese Notwendigkeit der Fusionierung auf. Und so haben wir die Kartelle, Trusts und so weiter, weil eben die führenden Kreise ganz sorglos waren mit Bezug auf den Konsum. Weil sie sich nicht um ihn bekümmert haben, entstehen diese Zusammenschließungen nur aus den Interessen der Produzenten heraus. Der Konsum wird dabei nicht berücksichtigt. Das ist das Wesentliche, daß gezeigt wird: Man kommt im Wirtschaftsleben nicht mehr aus ohne Assoziierung. Deshalb müssen die einseitigen Assoziierungen der Kartelle und Trusts, die aber aus bloßem Produktionsinteresse hervorgehen, ergänzt werden dadurch, daß sie gestellt werden auf das Konsumverständnis, auf die Einsicht in die Bedürfnisse irgendeines Territoriums. So zeigen die Trusts, die Kartelle dadurch, daß sie Karikaturen sind dessen, was entstehen soll, wie notwendig es ist, sich in einer gewissen Richtung, nach der Richtung des Assoziierens hin, zu bewegen. Man muß nur aufsuchen, wie nun die Assoziationen beschaffen sein sollen.

Überall muß man aus dem realen Leben heraus charakterisieren. Dann wird man vielleicht den Leuten begreiflich machen können, wie notwendig die Assoziationen für das Wirtschaftsleben sind. Und so wird es sich tatsächlich darum handeln, nach möglichst klaren Begriffen hin die Vorträge zu halten, die Sie nun geben wollen. Die Voraussetzung muß durchaus da sein, daß dasjenige, was in den «Kernpunkten» gegeben ist, im Grunde genommen eine Art Axiom des modernen sozialen Lebens ist. Man wird niemals nötig haben, den Pythagoreischen Lehrsatz an allen einzelnen Objekten zu beweisen. Aber er muß sich an allen einzelnen Objekten bewähren. Ebensowenig hat man nötig, die Einsicht über die sozialen Verhältnisse, wie sie gewonnen ist, im einzelnen zu beweisen; sie ist als solche durch ihren Inhalt bewiesen, wie der Pythagoreische Lehrsatz auch. Und man hat nur zu zeigen, wie sich die Dinge ins Leben hineingliedern müssen. Das muß berücksichtigt werden. Und das möchte ich noch sagen: Betrachten wir doch wirklich unsere Tätigkeit so, daß sie sich anschließt an dasjenige, was schon geschehen ist. Deshalb habe ich gestern gesagt: Es ist notwendig, daß man unsere Bewegung als ein Ganzes betrachtet und sich nicht geniert, dasjenige, was getan ist, vor die Leute hinzustellen und ihnen zu sagen, daß es da ist. Es ist ja in der Tat eine Erfahrung, die wir immer wieder und wiederum, in einer erschreckenden Weise eigentlich, machen: Wenn ich irgendwo hinkomme und einen Vortrag halte, so ist ein Büchertisch am Eingang jedes Saales. Dieser wird immer nur platonisch betrachtet, wenn ich gar keine Erwähnung der Bücher bringe. Erwähne ich eines, so wird es gekauft. Meist ist es dann gar nicht in der genügenden Anzahl da. An den anderen geht man platonisch vorbei. Nun, ich bedaure ja immer, daß es so viele Bücher gibt. Man kann ja gar nicht alle in einem einzelnen Vortrag erwähnen. Deshalb müssen wir uns auch mit einem Wirklichkeitssinn in die Gegenwart stellen. Da empfehle ich Ihnen, daß Sie keine Gelegenheit verschmähen, die Dreigliederungszeitung, wo Sie können, zu empfehlen, denn die Etappe muß erreicht werden, wo die Dreigliederungszeitung eine Tageszeitung wird. Aber wir erreichen das nicht, wenn wir sie nicht populärer machen als sie ist.

Also, so weit müssen wir uns schon mit Wirklichkeitssinn begaben. Aber vergessen Sie dabei nicht, auch etwas anderes zu empfehlen! Sonst wird das andere in ganzen Stößen ungekauft zurückgeschickt werden. Nicht wahr, es sieht sonderbar aus, wenn man in ernsten Vorträgen solche Dinge sagt; wenn man sie aber nicht sagt, werden sie heute sehr häufig auch nicht getan. Und wir sind doch zusammengekommen, um uns zu verständigen über diejenigen Dinge, die getan werden sollen. Denn wir wollen etwas tun in der nächsten Zeit.

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Die „Soziale Dreigliederung“. Eine Alternative aus der Krise
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