„…und daß wir Nahrung aufnehmen, das bedeutet nur die Anregung. Aber in den wirklichen Menschen geht nämlich gar nichts von dem Erdenstoff herein. Das ist bloß eine Täuschung“ R.Steiner

…Die Erde lebt mit dem Weltenall, wie wir leben mit der Luft. Würde jemand die Luft außer uns wegnehmen auf der Erde, wir könnten nicht im Tag unsere 25 920 Atemzüge machen. Würde jemand die Sonne wegnehmen, also das Licht, die Erde könnte nicht leben.
So lebt die Erde durch das ganze Weltenall, wie wir leben durch die Luft um uns herum. – So daß man also richtig sagen kann: Wir gehen auf der Erde spazieren; die Erde geht im Weltenall spazieren. Wir atmen auf der Erde; die Erde atmet im Weltenall.
Sehen Sie, man könnte ja eine merkwürdige Wissenschaft bilden. Sie wissen, der menschliche Kopf ist ja rund (es wird gezeichnet) und hat, wenn man noch nicht ganz alt ist, hier die Haare. Jetzt leben da – nun, das ist ja nicht wünschenswert, aber es kommt vor – Wesen in diesem Wald. Nehmen wir an, die bilden aus den Schuppen hier eine Stelle, wo die Gescheitesten immer zusammenkommen und die Dummen belehren; das wäre eine Läuse-Universität auf dem menschlichen Kopfe selber. Nun, man kann das ja annehmen. Was würden denn diese gescheiten Läuse den dummen lehren? Sie würden lehren:
Der Kopf, der ist etwas Lebloses, denn wir spazieren darauf herum. Es bilden sich die leblosen Schuppen. Wenn man ein bißchen hineingräbt, kommt man an die leblosen Gebeine. – Das alles würden die gescheiten Läuse den dummen Läusen an der Läuse-Universität da oben erklären. Sie würden ungefähr den menschlichen Kopf so erklären, wie wir an unseren Universitäten die Erde erklären. Diese Läuse-Professoren – verzeihen Sie, ich meine natürlich die, die am Kopfe sind -, die würden also nichts wissen davon, daß der menschliche Kopf lebt…“
Rudolf Steiner

RUDOLF STEINER Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen GA 350
Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?
Vom Wirken des Ätherischen und Astralischen im Menschen und in der Erde
Ursprung und Bedeutung der Kulte
Ernährungsfragen

Sechzehn Vorträge – gehalten vor den Arbeitern am Goetheanumbau in Dornach
vom 30. Mai bis 22. September 1923

Daraus 11. und 12.Vortrag

Vorschau 11.Vortrag:
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Sich-Einleben in die äußere Welt – Ernahrungsfragen: Wirkung von Kartoffeln, Roter Rübe und Rettich…
Warum die Eidechse ihren Schwanz verliert, wenn man sie fangt…
Die Angst hält unseren Organismus zusammen. Seelische Heilung rachitischer Kinder…
Man muß Mut haben und die Angst ertragen, wenn man höhere Erkenntnisse erwerben will. Man muß sich m die ganze Natur hineinstellen, wenn man geistige Erkenntnis gewinnen will….
Alle festen Stoffe geben fortwahrend Töne von sich, die man noch beim Aufwachen hören kann…
Das Ankündigen Sterbender. Der Mensch verlaßt tönend das irdische Dasein…
Schädliche Wirkungen der Kartoffelnahrung…
Bei der Pflanze ist die Wurzel salzreich und die Blüte ölreich, die Salze regen unser Gehirn an, die öle haben ihre Wirkung auf den Unterleib…
Wenn man Rote Rüben ißt, bekommt man eine große Sehnsucht, viel zu denken. Wenn jemand nicht sehr regsam im Kopfe ist, so tut ihm das gut, wenn er Rettich zu den Speisen hinzunimmt…
Wir bauen uns auf aus dem, was außer der Erde ist, was im Lichte die Erde umgibt.

ELFTER VORTRAG
Dornach, 18. Juli 1923

Es blieben ja noch manche von den Fragen, die neulich gestellt worden sind, zurück. So wie ich neulich einmal angeknüpft habe an eine Bemerkung eines Gelehrten über den Traum, so will ich auch heute anknüpfen an etwas, was einem gegenwärtigen Gelehrten doch viel Kopfzerbrechen gemacht zu haben scheint – wir werden dadurch schon auch auf unsere Besprechung kommen -:
das ist der Eidechsenschwanz.
Sie wissen, wenn man insbesondere eine größere Eidechse hat und sie am Schwanz packen will, dann bricht der Schwanz ab. Man sagt: die Eidechse ist spröde. Und man kann wirklich sehr schwer Eidechsen, die größer sind, bekommen, wenn man sie am Schwanz faßt, denn der Schwanz ist spröde, er bricht ab, und sie läuft ganz flott weiter ohne Schwanz. Die Versuche der Gelehrten gehen dahin, zu ergründen, ob der Tierschwanz tatsächlich ausgerissen wird oder ob er von dem Tier zurückgelassen wird. Nun geht die gegenwärtige Wissenschaft von dem
Materialismus aus, und dadurch denkt man nach, wie das Tier sehr schwache Muskeln hat, die diese Teile des Schwanzes zusammenhalten, und wie es diese Muskeln nicht mehr zusammenhalten kann, wenn es abgefangen wird.

Nun besteht aber eine merkwürdige Tatsache, und die berücksichtigen die Leute dabei sehr wenig. Das ist die Tatsache, daß doch die Eidechsen, wenn sie gefangen sind, längere Zeit in Gefangenschaft gelebt haben, diese eigentümliche Art, den Schwanz leicht ausgerissen zu bekommen, verlieren. Dann stärkt sich der Schwanz, und dann kann man ihn nicht so leicht ausreißen; dann hält er besser. Das ist eine eigentümliche Erscheinung, daß die Eidechsen, wenn sie draußen sind, den Schwanz leicht verlieren; wenn sie in der Gefangenschaft sind, hält er
besser. Woher kommt das?
Sehen Sie, da denken nun die Leute lange nach, wie das durch die kleinen Muskeln da am Schwanz bewirkt werden könnte, währenddem doch gerade die Tatsache sehr leicht darauf führt, woher das rührt, daß das Tier in der Gefangenschaft weniger leicht den Schwanz ausgerissen erhält. Das rührt davon her, daß das Tier doch etwas Angst haben wird, wenn man es draußen abfangen will.

Das ist doch nichts Gewöhnliches, wenn es draußen abgefangen wird. Das kommt zum ersten
Mal vor. Da kommt zum ersten Mal ein Mensch in seine Nähe, da hat es Angst, und dadurch, daß es Angst hat, wird es so spröde, daß es den Schwanz verliert. Wenn es sich in der Gefangenschaft an die Menschen gewöhnt, wenn die Menschen alle Augenblicke in seine Nähe kommen, da hat es keine Angst mehr und verliert den Schwanz nicht.
Wir sehen also, wie schon eine ganz oberflächliche Betrachtung darauf führt, daß da die heillose Angst bei der Eidechse eine wesentliche Rolle spielt. Nun müssen wir aber weitergehen und sagen: Ja, diese Angst, die die Eidechse hat, wenn der Mensch in ihre Nähe kommt und sie abfangen will, die ist ja nur etwas, was beim Tier herauskommt, wenn der Mensch es abfängt, was aber immer im Tier drinnen steckt, und diese Angst ist es, die die Materie des Tieres, den Stoff des Tieres zusammenhält und stark macht.
Dafür werde ich Ihnen eine ganz merkwürdige Erscheinung im Menschenleben anführen. Sie werden schon gehört haben, daß Menschen, die sehr stark abhängig sind von ihrem Seelenleben, wenn sie Angst verspüren, dann Durchfall bekommen. Die Ängstlichkeit macht Durchfall. Und was bedeutet das? Das bedeutet, daß dasjenige, was in den Gedärmen ist, nicht mehr zusammengehalten wird.

Ja, was hat denn diese Sache in den Gedärmen zusammengehalten? Sehen Sie, wenn die Angst in die Seele heraufzieht, dann hält sie die Dinge in den Gedärmen nicht mehr zusammen; wenn die Angst aber unten in den Gedärmen ist, hält sie den Stoff zusammen.
Und so ist es auch bei der Eidechse. Wenn man eine Eidechse ansieht (es wird gezeichnet), so ist diese Eidechse geradeso wie unser eigener Unterleib fortwährend im ganzen mit Angst ausgefüllt, also mit etwas Seelischem. Und insbesondere ist der Schwanz durch Angst ausgefüllt.
Wenn das Tier seine Angst herauspreßt, dann zerbricht der Schwanz, aber die Angst bleibt doch im Tiere stecken. Das Tier fühlt die Angst nicht, wenn das Tier in der Gefangenschaft ist, weil es sich an die Menschen gewöhnt hat, und die Folge davon ist, daß die Angst dann den Schwanz zusammenhalten kann. Da sehen wir eine ganz bestimmte seelische Eigenschaft, welche eine gewisse Bedeutung hat für die körperliche Beschaffenheit.

Wir Menschen haben auch die Angst in uns. In unserer großen Zehe, in den Beinen, in dem Bauche, überall steckt die Angst. Nur über das Zwerchfell traut sie sich nicht herauf, kommt nur herauf, wenn wir Angstträume haben. Aber in uns steckt die Angst. – Doch die Angst hat ihren guten Zweck; die hält unseren Organismus zusammen. Undin den Knochen, da steckt die allermeiste Angst. Die Knochen sind so fest, weil da eine furchtbar starke Angst drinnen steckt. Die Angst ist es, die die Knochen fest hält. In dem Augenblick, wo man zu stark
seine Knochen spürt, kriegt man Knochenerweichung.

Daher werdenSie bei ängstlichen Menschen, solchen, die schon in der Jugend ängstlich waren, wo die Knochen noch nicht hart sind, sehr leicht die Knochen weich sind, aber die Leute ängstlich sind, dies bestätigt finden, und man kann daher rachitische Kinder dadurch, daß man ihnen die Angst durch irgend etwas austreibt, namentlich auch auf seelische Weise heilen. Aber es wäre doch ganz falsch, wenn man sagen würde:
Also steckt in uns die Angst, etwas Seelisches. Wir brauchen nur die Angst etwas höher herauf zu ziehen, dann könnten wir höhere Erkenntnisse kriegen. – Das wäre nicht gut, weil wir uns da zugleich seelisch und körperlich krank machen würden. Wir müssen vielmehr etwas anderes tun.

Sehen Sie, wir müssen, wenn wir Erkenntnisse der geistigen Welt gewinnen wollen – ich habe Ihnen ja schon die anderen Mittel gesagt -, wir müssen uns richtig in die äußere Welt hineinleben, richtig hineinleben. Nun, wie leben sich denn die Leute in die äußere Welt hinein? Sie haben ja das in den letzten Wochen wieder wunderbar sehen können.

Nicht wahr, wir haben fürchterlich gefroren, und nachher haben wir wieder fürchterlich geschwitzt. Nun also, so leben sich die meisten Menschen in die Welt hinein, daß sie nichts weiter spüren, als daß sie das eine Mal fürchterlich schwitzen, das andere Mal fürchterlich frieren. Aber das ist nicht das einzige, wie man sich in die äußere Welt hineinleben kann, sondern es ist so, daß man in sich ausbildet eine bestimmte Fähigkeit, daß man nicht nur friert, wenn es kalt wird, sondern wenn es kalt wird, hindeutet auf das Kalte und eine Art von Angst kriegt, und daß man weiß, wenn es warm wird, da vergeht einem diese Angst. Wenn man das in sich ausbildet, daß man eine gewisse Angst vor dem Schnee hat und ein gewisses Wohlgefühl vor den warmen Sonnenstrahlen, dann ist das einfach etwas, was zu der höheren Erkenntnis führt, was dazugehört zu dem anderen, was ich Ihnen geschildert habe.

Und es ist schon einmal so: Derjenige, der höhere Erkenntnis gewinnen will, der muß, wenn er zu einem glühenden Stück Eisen herangeht, etwas fühlen, und er muß, wenn er zu einem Kieselstein herangeht, etwas fühlen. Wenn er zu einem glühenden Eisen herangeht, muß er innerlich das Gefühl haben: Das ist etwas mit deiner eigenen Wärme Verwandtes, das tut dir wohl. – Aber wenn er einen Kieselstein in die Hand nimmt, dann muß ihm das unheimlich sein, es muß ihm ängstlich zumute sein.

Nun, meine Herren, daraus sehen Sie aber zugleich, daß derjenige, der höhere Erkenntnisse erwerben will, nicht nervös sein darf, wie man heute sagt, sonst würde er ja, wenn er einen Kieselstein in die Hand nimmt, den gleich fallen lassen, weil er ihm Angst macht. Man muß mutig sein und die Angst ertragen. Und ebenso darf er es nicht machen wie die Mücke, die so große Wollust am Licht hat, daß sie sogar hineinsaust und ihren Tod findet. Gerade an dem Insekt, das in dieFlamme hineinsaust, sehen Sie, wie die Flamme verwandt ist mit dem
Geistig-Seelischen.
Und so können wir sagen: Wir müssen uns erwerben ein inneres Gefühl, eine innere Empfindung für dasjenige, was da draußen in der Natur vorhanden ist. – Was kommt dadurch heraus? Ja, sehen Sie, meine Herren, die Erde hat zunächst das feste Gestein (Zeichnung S. 201, hell unten). An das feste Gestein der Erde glauben die Materialisten, denn da können sie darauf gehen; das ist, wenn man es angreift, hart.
An das feste Gestein glauben die Materialisten. Aber gerade vor dem festen Gestein bekommt derjenige, welcher höhere Erkenntnisse erwerben will, eine gewisse Ängstlichkeit.

Diese Ängstlichkeit, die ist gar nicht vorhanden, wenn der Mensch in der erwärmten Luft ist. Ich will da die erwärmte Luft nun darüber zeichnen, über das feste Gestein. Wenn der Mensch die erwärmte Luft betrachtet, dann ist diese Ängstlichkeit gar nicht vorhanden, denn die erwärmte Luft – ich will sie dadurch erwärmt zeichnen, daß ich sie etwas rötlich mache -, die macht nicht ängstlich. Aber man kann es doch dahin bringen, daß einen die erwärmte Luft auch ängstlich macht.
Das ist gerade dann der Fall, wenn man versucht, mit demjenigen, was man da fühlt gegenüber der erwärmten Luft, immer mehr und mehr fertig zu werden dadurch, daß es einem gefällt. Denken Sie: Da ist einer, der fühlt sich immer wohler und wohler in der erwärmten Luft.

Jetzt fängt die erwärmte Luft aber an, ihn auch ängstlich zu machen! – Je wohler man sich fühlt, desto ängstlicher macht die erwärmte Luft.
Wenn man also jetzt sich gewöhnt, sich recht wohl zu fühlen bei der erwärmten Luft, wenn man sozusagen sich an die Wärme immer mehr und mehr gewöhnt – solche Dinge sind notwendig, man muß sich in die ganze Natur hineinstellen, wenn man geistige Erkenntnis gewinnen will -, dann fängt die Sache an, ganz merkwürdig zu werden. Ich will es Ihnen noch deutlicher machen. Die meisten Menschen suchen sich wieder abzukühlen, wenn ihnen warm wird. Da kennen sie natürlich nichts anderes, als daß ihnen gern kühler wird. Aber wenn man aushält die Wärme, wenn man darinnenbleibt in der Wärme, wenn man die Wärme gerade als Wohlgefühl empfindet, dann fängt dasjenige, was ich Ihnen hier in der Luft schematisch gezeichnet habe (gelb), an, ganz merk-
würdig sich mit allerlei Bildern (hell oben) anzufüllen, und es beginnt richtig aufzutreten die geistige Welt – die geistige Welt, die sonst in der Luft enthalten ist, die aber der Mensch nicht fühlt in der Luft, nicht wahrnimmt in der Luft, weil er die Wärme der Luft nicht aushaken will.

Wenn man sich angewöhnt hat, alle diese geistigen Wesenheiten, die in der Luft enthalten sind, die aber der Mensch nicht wahrnimmt, weil er die Wärme der Luft nicht aushallen will – wenn man sich angewöhnt hat, diese Wesenheiten zu sehen, dann kommt man auch nach und nach darauf, in bezug auf das feste Gestein etwas Merkwürdiges wahrzunehmen. Da kommt man nämlich darauf, daß man sich sagt: Ja, wenn ich mit meiner tapsigen Hand auf einen Stein greife, da ist er hart.
Aber wenn ich nun immer mehr und mehr anfange, Geistiges wahrzunehmen, wenn ich immer mehr und mehr ins Geistige hineinkomme, wenn immer mehr und mehr um mich nicht nur das Sinnliche, sondern auch das Geistige ist, ja, da kann ich zwar nicht mit meinem physischen Körper aus Fleisch und Blut in den Erdboden hineinschlüpfen, aber mit meinem astralischen Leib, von dem ich Ihnen gesprochen habe, kann ich anfangen in den Erdboden hineinzuschlüpfen. – Das ist sehr interessant:
In dem Momente, wo man anfängt, im Luftraum Geistiges wahrzunehmen durch all die Mittel, von denen ich Ihnen gesprochen habe, in dem Momente schlüpft man selber so weit aus seinem Leibe heraus, daß man die Steine gar nicht mehr als Hindernis empfindet, sondern untertaucht, wie der Schwimmer ins Wasser, in den festen Erdboden.
Da geht man selber hinein (Zeichnung, rot unten). Das ist außerordent lich interessant. In die Luft kann man nicht hineingehen als Geist, weil einem da andere Geister erscheinen. In den Erdboden – der ist eigentlich für den Geist leer —, da kann man leicht hineinkriechen, da kann man untertauchen wie ein Schwimmer.
Und, sehen Sie, der Mittelzustand ist der mit dem Wasser (blau). Das Wasser verdunstet nach oben und kommt als Regen wieder herunter. Da oben – das haben Sie schon gesehen -, da bilden sich oftmals Blitze (rot oben). Das Wasser ist zwischen dem festen Erdboden und der Luft.
Es ist dünner als der feste Erdboden, es ist dichter als die Luft. Ja, was heißt denn das? Das heißt etwas, was man am besten sieht, wenn man zum Blitz hinaufschaut. Beim Blitz, da sagen die Gelehrten: das ist ein elektrischer Funke. Warum ist das nach den Gelehrten ein elektrischer Funke? Nun, Sie wissen ja vielleicht schon – sonst sage ich es Ihnen jetzt -, wenn man eine Siegellackstange nimmt, diese mit einem Lederlappen, einem Stück Leder reibt, dann wird sie elektrisch, und wennman dann kleine Papierschnitzel hat, dann werden sie von der Sie-
gellackstange angezogen. Und so kann man die verschiedensten Körper durch Reiben oder auf andere Weise elektrisch machen. Das wird den Kindern in der Schule schon gezeigt.
Aber da ist etwas ganz Bestimmtes notwendig.

Wenn man nämlich in einem dunstigen Schulzimmer ist, da wird keine Siegellackstange elektrisch – die anderen Dinge werden dann bei Experimenten auch nicht elektrisch -, und man muß zunächst mit einem ganz trockenen Tuch alles sauber abwischen, weil das Wäßrige keine Elektrizität erzeugt.
Dann kann man Elektrizität erzeugen. Nun sagen die Gelehrten: Da oben sind die Wolken, die reiben sich aneinander und machen den elektrischen Funken, den Blitz. — Ja aber, meine Herren, jedes Kind könnte einwenden: Aber du mußt doch gerade das Wäßrige abhalten können, denn wenn du nur etwas Wäßriges an deinem Apparat hast, dann entsteht ja die Elektrizität nicht! – Das kann jedes Kind einwenden.

Solcher Unsinn wird also gesagt. Es ist natürlich überhaupt gar keine Rede davon, daß da oben sich die Wolken reiben.
Aber denken Sie, wenn das Wasser verdunstet und hinaufgeht, dann kommt es immer mehr und mehr in eine Region der Geistigkeit, entfernt sich von dem geistleeren Stoff da unten und dringt in die Geistigkeit oben ein, und der Geist ist es wirklich, der den elektrischen Funken erzeugt, den Blitz. Wir kommen nämlich, indem wir immer weiter und weiter hinaufgehen, in die Region des Geistigen hinein. Die Erde hat nur in der Nähe das Materielle. Weiter oben ist sie von dem Geistigen umgeben. Wir kommen also da wirklich in das Geistige hinein.

Und so ist es, daß in dem Momente, wo der Wasserdunst hinaufgeht und in die Region des Geistes kommt, da kann aus dem Geiste heraus der Blitz entstehen. Das Wasser vergeistigt sich oben und kommt wieder verdichtet herunter. Man muß also, wenn man Naturbetrachtungen übt, auch schon zum Geiste hin kommen. Und nur dann, wenn man überhaupt nicht auf das Geistige Rücksicht nehmen will, kommt man zu allerlei solch absurden Sachen, wie die sind, die ich Ihnen vom Flugtraum gesagt habe oder von dem Eidechsenschwanz oder vom Blitz.

Man sieht eben überall, daß man die Natur nicht erklären kann, wenn man nicht zuerst in das Geistige eindringt.
Jetzt können Sie sich auch das klarmachen: Wenn der Mensch auf der Erde steht, so ist er eigentlich von unten herauf immer so, daß er mit dem Geistigen von unten verwandt ist; da kann er untertauchen wie ein Schwimmer. Wenn wir also in der Nacht mit unserem astralischen Leib und mit unserem Ich aus dem physischen Leib und aus dem Ätherleib herausgehen, so gehen wir eigentlich überall in die feste Umgebung hinein. Wir verbinden uns mit dem, was fest ist, denn in das Luftförmige können wir nicht hinein, und wandern tatsächlich im Festen herum.

Dieses Herumwandern im Festen, das hat aber eine große Bedeutung. Wenn wir, wie ich Ihnen vorhin gesagt habe, uns zu der Wärme in der rechten Weise verhalten, dann kommen wir dazu, die geistigen Wesenheiten der Luft zu sehen. Wenn wir aber in der Nacht aus unserem Leibe herausgehen und uns mit dem Irdischen als Geist verbinden, dann kann es so sein, daß wir, wenn wir aufwachen, noch immer etwas von dem haben, was wir erlebt haben in dem festen Stoff der Erde drinnen. Da haben wir noch etwas drinnen in uns; in unserem Seelischen haben wir etwas drinnen.
Nun, das ist etwas, was außerordentlich interessant ist.

Denn Sie werden schon bemerkt haben: Wenn man aufwacht, so hört man sehr leicht Töne. Und wenn Sie recht achtgeben beim Aufwachen, dann werden Sie das Merkwürdige erleben, daß Sie sich sagen: Jetzt hat da jemand an meine Türe geklopft! – Das ist eben ganz merkwürdig:
Wenn man in die Luft sich hineinlebt mit seiner Seele, dann schaut man etwas, dann entstehen Bilder. Wenn man sich aber in das Feste, in das Stoffliche hineinlebt mit seiner Seele, wie der Schwimmer im Wasser untertaucht, dann erlebt man Töne. Und gerade das ist das außerordentlich Wichtige, daß alle festen Stoffe fortwährend Töne von sich geben, die man nur nicht hört, weil man nicht drinnensteckt.

Jeder feste Stoff hat fortwährend Töne in sich, und die hört man eben noch beim Aufwachen, weil man da noch halb drinnensteckt.
Aber diese Töne können durchaus etwas bedeuten, und es ist durchaus richtig, daß, wenn zum Beispiel irgendwo in der Ferne jemand gestorben ist und der Mensch beim Aufwachen etwas hört wie An-die-Tür-Klopfen, so steht das im Zusammenhang mit dem Gestorbenen.
Nun ist der Mensch natürlich nicht fähig, diese Dinge in der richtigen Weise zu deuten. Denn denken Sie nur einmal: Sie würden ja alle nichtlesen können, also die Buchstaben auf dem Papier nicht deuten können, wenn Sie es nicht gelernt hätten. Ebensowenig können Sie dieses Wunderbare, was da wirkt, wenn man im Aufwachen Töne hört, deuten. –

Sie brauchen ja nicht zu glauben, daß da just der Verstorbene an der Tür ist und wie mit den Fingern klopft. Aber der Verstorbene, der in den ersten Tagen nach dem Tode noch anwesend ist auf Erden, der lebt in den festen Körpern drinnen. Und das ist etwas, was Ihnen gar nicht wunderbar zu scheinen braucht, daß da gerade durch die Verbindung mit dem Festen Töne entstehen, wie also immerzu erzählt worden ist in den Zeiten, wo man noch mehr achtgegeben hat auf solche Sachen. Daß die Menschen Ahnungen haben, wenn jemand in der Ferne stirbt, das
hat seine gute Bedeutung. Ein Mensch ist gestorben. Er ist mit seiner Seele zunächst noch ans feste Erdenreich gebunden. Da entstehen die Töne, die von ihm ausgehen. Der Mensch verläßt tönend das irdische Dasein. Das können Sie natürlich geradesogut in der Weite hören, wie Sie in der Weite lesen können, was einer in Amerika aufgibt.
Ein Telegramm kann man in Amerika lesen. Solche Fernwirkungen durch den Erdenstoff sind da, sind auf Erden da, sie sind immer da. Und in den Zeiten, in denen man eben achtgegeben hat auf solche Sachen, hat man den Zusammenhang des Geistigen mit dem Irdischen durchaus gewußt. Das ist nicht bloß ein Märchen, das ist tatsächlich etwas, was in früheren Zeiten eben wahrgenommen worden ist. Also Sie sehen, mankommt da in ganz bestimmte Dinge hinein, die heute als Aberglaube gelten, die man ebenso wissenschaftlich, wie andere wissenschaftlicheDinge nachweisen kann.
Nur muß man diese Dinge auch ganz genau kennen.

Denn sehen Sie, wenn man dazu kommen würde, in der Luft die geistige Welt wahrzunehmen, wenn also die Menschen nicht gar so wehleidig sein würden, wie sie heute sind – Sie wissen doch, je zivilisierter die Menschen werden, desto wehleidiger werden sie in einer gewissen Beziehung, und diejenigen, die, sagen wir, durch ihre Arbeit in einer furchtbaren Hitze leben müssen, die haben nicht Zeit während ihres Arbeitens, die geistige Welt wahrzunehmen -, so würde ihnen die geistige Welt, die in der Luft lebt, nicht entgehen. Aber dieses, daß man in der Luft geistige
Wesen sehen würde, das wäre eigentlich etwas ziemlich Ungefährliches.
Das könnte jeder Mensch ohne weiteres wahrnehmen, ohne daß es für ihn gefährlich wird.
Aber dieses Hören, wenn das zu stark den Menschen ergreift, und wenn er zu stark in einen Zustand kommt, wo er allerlei hört, das wird für den Menschen gefährlich. Die Sache ist ja diese:
Es gibt Menschen, die kommen allmählich in einen Zustand, wo sie alle möglichen Worte hören. Es wird ihnen allerlei gesagt. – Diese Menschen sind auf dem Wege zum Wahnsinn. Man wird niemals eigentlich, indem man so die geistigen Wesen sieht, daß man sie in der Luft sucht, von einer Gefahr bedroht. Warum? Ja, ich muß Ihnen das durch einen Vergleich sagen:
Wenn Sie in einem Boot fahren und ins Wasser fallen, können Sie ertrinken. Wenn Sie jemand nach oben zieht, so können Sie zwar auch allerlei erleben, aber ertrinken können Sie nicht. — Ebenso ist es, wenn die menschliche Seele nach oben herausgeht und allerlei sieht. Da kann ihr nichts passieren. Wenn sie nach unten in die feste Materie hineingeht, da kann sie, ich möchte sagen, geistig ertrinken. Und dieses Geistig-Ertrinken tritt ein, wenn die Menschen eben ihr Bewußtsein so verlieren, daß ihnen innerlich allerlei Dinge gesagt werden. Und das ist
das Schlimme. Sehen Sie, wenn der Mensch äußerlich das Geistige sieht, ja, dann ist es ja gerade so, wie wenn er in der Welt herumgeht, und wie er sich vor dem Stuhl, den er sieht, nicht fürchtet, so fürchtet er sich nach und nach auch nicht vor dem äußerlich Geistigen, sondern er hat es sogar gern. Aber dasjenige, was innerlich gehört wird – wir sinken ja in die feste Erde hinein mit unserem ganzen Geistigen undmit unserem ganzen Seelischen -, was da innerlich gehört wird, das nimmt einen ganz hin.
Da ersäuft man drinnen, da hört man auf, Mensch zu sein. Daher muß man immer mit einer gewissen Wachsamkeit auf diejenigen Menschen hinsehen, die sagen, allerlei wird ihnen innerlich gesagt. Das ist immer etwas Gefährliches. Nur derjenige, der wirklich schon ganz fest in der geistigen Welt drinnensteht und sich auskennt, der weiß ja, was da eigentlich gesagt wird: daß es niemals besonders hohe geistige Wesen sind, die da zu einem sprechen, sondern daß es eigentlich immer diejenigen Wesen sind, die also eher niedriger Art sind.

Sehen Sie, meine Herren, ich habe Ihnen diese Dinge jetzt ganz unbefangen gesagt aus dem Grunde, damit Sie sehen: Man muß wirklich als Mensch zu ganz anderer Auffassung der Außenwelt kommen, wenn man in die geistige Welt hineinkommen will.
Es gibt natürlich Menschen, die sagen: Ja, warum haben uns die Geister das so unbequem gemacht, sie kennenzulernen? – Ja, aber denken Sie einmal, was der Mensch für ein Wesen wäre, wenn er sich gar nicht anstrengen müßte, um hineinzukommen in die geistige Welt, wenn er immer drinnen wäre! Er wäre ja der reine geistige Automat. Erst dadurch kommt er zu den geistigen Wesen in ein rechtes Verhältnis, daß er sich eben anstrengen muß. Und es kostet die allergrößte innere Anstrengung, um in der geistigen Welt forschen zu können.

Es ist natürlich leicht, sich am Laboratoriumstisch breit zu machen und allerlei Versuche zu machen, es ist leicht, Leichen zu zerschneiden und allerlei kennenzulernen, aber es erfordert wirklich eine starke innere Arbeit, um wirklich in die geistige Welt hineinzukommen. Zu dieser Arbeit ist die heutige gebildete Welt zu faul. Und wegen dieser Faulheit ist es eigentlich auch immer, daß die Leute sagen: Ich habe Übungen gemacht aus «Wie erlangt man Erkenntnisse der höherenWelten?», aber ich habe nichts gesehen. –

Die Leute glauben, daß ihnen das äußerlich gegeben werden soll, daß sie nicht die Sache innerlich erarbeiten müssen. Meine Herren, das ist es eben, daß die Leute heute
sich alles vormachen lassen wollen! Ich habe Ihnen schon gesagt: Der Mensch will alles verfilmen heute, er will überall einen Film machen lassen daraus, damit es äußerlich an ihn herantritt.
Wenn man richtig geistig vorwärtskommen will, muß man überall darauf sehen, daß, indem man etwas aufnimmt von der Welt, man es durcharbeiten muß. Daher werden diejenigen mehr zum Geistigen kommen, die in der Zukunft möglichst vermeiden, sich alles Vorfilmen zu lassen, sondern recht viel mitdenken wollen, wenn ihnen von der Welt gesprochen wird. Und, sehen Sie, ich habe Ihnen keinen Film vorgeführt. Natürlich ist nicht die Zeit dazu da, aber wenn auch die Zeit da wäre, würde ich nicht versuchen, mit einem Film die Sache vor-
zuführen, sondern ich habe Ihnen Zeichnungen gemacht, die im Moment entstanden, wo Sie sehen konnten, was ich mit jedem Strich will, wo Sie mitdenken können.

Das ist auch dasjenige, was schon in unseren Kinderunterricht heute einziehen muß: möglichst wenig fertige Zeichnungen, möglichst viel von dem, was da im Augenblick entsteht, wo das Kind jeden Strich sieht, der entsteht. Dadurch arbeitet das Kind innerlich mit, und dadurch werden die Menschen zur innerlichen Tätigkeit angeregt, die dann dazu führt, daß sie mehr ins Geistige sich hineinleben und wiederum Verständnis bekommen für das Geistige. Man soll auch nicht den Kindern wiederum ganze fertige Theorien vorbringen, denn dann werden sie ja dogmatisch. Sondern das, worauf es ankommt, ist, sie wiederum zur Selbsttätigkeit zu bringen. Dadurch wird auch ihr ganzer Körper freier.

Nun möchte ich Ihnen, weil das auch in einer der Fragen enthalten ist, noch etwas anderes anführen. Sie werden ja vielleicht schon gehört haben, daß die Kartoffel erst zu einer bestimmten Zeit in Europa eingeführt worden ist. Kartoffelesser waren ja die Menschen in Europa nicht immer.
Es ist da zwar einmal eine eigentümliche Geschichte passiert. Sehen Sie, es gibt ein Lexikon, an dem ich sogar mitgearbeitet habe, aber nicht an dem Artikel, von dem ich jetzt rede. Da steht etwas sehr Komisches drinnen, nämlich, es werde überall gesagt, daß ein gewisser Drake die Kartoffel in Europa eingeführt habe, sich dieses große Verdienst erworben habe. – In Offenburg, das jetzt die Franzosen besetzt haben, steht auch ein Drake-Denkmal. Nun war es mir einmal furchtbar komisch, als wir nachschauten im Konversationslexikon und da wirklich
drinnen steht: Drake wurde in Offenburg ein Denkmal errichtet, weil er irrtümlich im Rufe gestanden habe, die Kartoffel nach Europa gebracht zu haben! – Also wenn von irgendeinem Menschen etwas angeblich gesagt wird, so wird ihm ein Denkmal errichtet in Europa! Nun, ich will aber davon nicht reden, sondern ich will davon reden, daß zu einer bestimmten Zeit die Kartoffel nach Europa gebracht worden ist.

Schauen wir uns einmal die Kartoffel an. Von der Kartoffel essen wir ja nicht eigentlich die Wurzeln. Die Wurzeln sind nämlich diese kleinen Dinger (es wird gezeichnet). Wenn da die Kartoffel wäre, so sind da diese Würzelchen erst daran; die werden ja gerade mit der Schale weggenommen. Die Kartoffel selber ist ein etwas dickerer Stengel. Also wenn eine gewöhnliche Pflanze wächst, so hat sie da die Wurzel, und nun wächst der Stengel. Wenn aber der Stengel sich da verdickt, wie es bei der Kartoffel ist, so entsteht eine sogenannte Knolle, Sproßknolle. Aber das ist eigentlich ein verdickter Stengel, so daß man es bei der Kartoffel nicht mit einer Wurzel zu tun hat, sondern mit einem verdickten Stengel. Also, merken Sie sich das sehr gut: Wenn man eine Kartoffel ißt, so ißt man einen verdickten Stengel. Man nimmt seine Nahrung vorzugsweise aus einem verdickten Stengel. —
Wir müssen uns nun fragen:
Was hat das für eine Bedeutung für den Menschen, daß er mit der Kartoffel, die nach Europa gebracht worden ist, lernt, vorzugsweise einen verdickten Stengel zu essen?

Wenn Sie die ganze Pflanze anschauen, so besteht sie aus der Wurzel, aus dem Stengel, aus den Blättern und aus der Blüte (siehe Zeichnung).
Es ist sehr merkwürdig bei der Pflanze: Die Wurzel da unten, die wird dem Erdboden sehr ähnlich und enthält namentlich viel Salze, und die Blüte da oben, die wird sehr ähnlich der warmen Luft. Da ist es so, wie wenn an der Blüte durch die Sonnenwärme fortwährend gekocht wird.
Die Blüte enthält daher öle und Fette, namentlich öle. So daß wir also, wenn wir eine Pflanze anschauen, unten die Salze haben, die sichabsetzen. Die Wurzel ist salzreich, die Blüte ist ölreich.
Nun, die Folge davon ist, daß wir, wenn wir die Wurzel essen, dann viel Salze in unsere Gedärme hinein bekommen. Diese Salze, die finden den Weg bis zum Gehirn hin und regen unser Gehirn an. Also die Salze, die regen unser Gehirn an. Und es ist zum Beispiel, wenn jemand nicht an migräneartigem Kopfschmerz, sondern an den Kopfschmerzen leidet, die den Kopf ausfüllen, ganz gut, wenn er Wurzeln ißt. Sie können ja sehen, wie eine gewisse salzige Schärfe in vielen Wurzeln enthalten ist. Sie können das feststellen durch den Geschmack.
Wenn Sie aber Blüten essen, da ist eigentlich die Pflanze schon halb gekocht. Da heraußen sind schon die öle; das ist etwas, was vorzugsweise den Magen und die Gedärme einfettet, das hat seine Wirkung auf den Unterleib.

Das muß auch der Arzt berücksichtigen, wenn er Tee verschreibt. Niemals wird jemand, wenn er einen Tee aus der Blüte kocht, auf den Kopf eine starke Wirkung ausüben; dagegen wenn er die Wurzeln abkochen und das den Kranken trinken läßt, wird er eine starke Wirkung auf den Kopf ausüben. Also sehen Sie, während wir beim Menschen vom Bauch zum Kopf gehen müssen, von unten herauf, müssen wir bei der Pflanze den umgekehrten Weg machen, von der Blüte zu den Wurzeln. Die Wurzel der Pflanze ist mit dem Kopf verwandt. Die Blüte der
Pflanze ist mit den Gedärmen und so weiter verwandt. Wenn wir das bedenken, wird uns gewissermaßen ein Licht aufgehen über die Bedeutung der Kartoffel. Denn die Kartoffel, die hat Knollen; das ist etwas, was nicht ganz Wurzel geworden ist. Man ißt also, wenn man viel Kartoffeln ißt, vorzugsweise Pflanzen, die nicht ganz Wurzel geworden sind. Wenn man sich also beschränkt auf das Kartoffelessen und zu viel Kartoffeln ißt, kriegt man nicht genug in den Kopf hinein. Es bleibt unten in dem Verdauungstrakt. So daß es also so ist, daß mit dem Kar-
toffelessen die Menschen in Europa ihren Kopf, ihr Gehirn vernachlässigt haben. Diesen Zusammenhang sieht man erst, wenn man Geisteswissenschaft treibt. Da sagt man sich: Seit in Europa diese Kartoffelnahrung immer mehr und mehr überhand genommen hat, seit der Zeit ist der Kopf der Menschen unfähiger geworden.

Und es werden durch die Kartoffel vorzugsweise Zunge und Schlund angeregt. Wenn wir bei der Kartoffelpflanze hinuntergehen, so gehen wir nicht ganz bis zu der Wurzel. Ebenso ist es beim Menschen: Wenn wir nicht ganz bis zum Kopf heraufgehen und bleiben bei Zunge und Schlund, so werden die besonders angeregt durch die Kartoffel, und daher ist die Kartoffel als Mitspeise, als Zuspeise für die Leute sehrschmackhaft, weil sie dasjenige anregt, was unter dem Kopf ist und den Kopf unbelästigt läßt.
Wenn man Rote Rüben ißt, dann, meine Herren, bekommt man eine furchtbare Sehnsucht, viel zu denken. Das macht der Mensch ganz unbewußt. Wenn man Kartoffeln ißt, so bekommt man eigentlich
die Sehnsucht, recht bald wieder zu essen. Die Kartoffel macht so schnell hungrig, weil sie nicht ganz bis zum Kopf geht.
Die Rote Rübe macht sehr schnell satt, weil sie tatsächlich, was das Wichtige ist, bis zum Kopf geht und der Kopf das Wichtigste ist, weil sie ihn ganz durchsetzt mit Tätigkeit, wenn sie richtig in den Kopf hineingeht. Das ist ja den Menschen natürlich furchtbar unangenehm, daß sie denken sollen, und daher lieben sie manchmal eben mehr die Kartoffel als die
Rote Rübe, weil die Kartoffel nicht zum Denken anregt. Da wird man faul. Sie regt nicht zum Denken an, man wird faul im Denken. Dagegen die Rote Rübe regt sehr stark das Denken an, weil sie eine richtige Wurzel ist. Sie regt sehr stark an zum Denken, aber sie regt so an, daß man eigentlich denken will, und wenn man nicht denken will, dann liebt man Rote Rüben nicht. Wenn man eine Anregung zum Denken braucht, so muß man insbesondere die salzige Anregung zum Beispiel von Rettichen brauchen. Wenn jemand nicht sehr regsam im Kopfe ist, so tut ihm das gut, weil ein bißchen die Gedanken in Bewegung gebracht werden, wenn er Rettich zu den Speisen hinzunimmt.

So sehen Sie, daß diese merkwürdige Sache auftritt: Man kann sagen, Rettiche regen das Denken an. – Und man braucht gar nicht selber sehr tätig zu sein im Denken; da kommen die Gedanken, wenn man Rettich ißt, so starke Gedanken, daß sie sogar noch ganz mächtige Träume machen. Wer viel Kartoffeln ißt, dem kommen nicht starke Gedanken, dagegen kommen ihm Träume, die ihm schwer machen. Und derjenige,der also fortwährend Kartoffeln essen muß, der wird eigentlich fortwährend müde sein und fortwährend schlafen und träumen wollen.

Daher hat es eine große kulturhistorische Bedeutung, große geschichtliche Bedeutung, was für Nahrungsmittel eigentlich an die Menschenherankommen.

Da könnten Sie sagen, meine Herren: Ja, aber die Sache ist doch so,daß wir ja eigentlich ganz und gar von dem Stoffe leben! – Und doch ist das nicht wahr. Ich habe Ihnen schon oft gesagt: Wir Menschen haben ungefähr alle sieben Jahre einen neuen Körper. Der erneuert sich fortwährend. Dasjenige, was wir vor acht oder zehn Jahren an Stoff in unserem Körper hatten, das haben wir jetzt nicht mehr drinnen. Es ist heraus. Das haben wir uns mit den Nägeln weggeschnitten, mit den Haaren abgeschnitten, es ist durch den Schweiß herausgegangen. Das geht heraus.

Manches geht recht schnell, manches langsam, aber es geht heraus. Nun, wie stellt man sich die Geschichte mit dem Menschen eigentlich vor? Sehen Sie, man stellt es sich ungefähr so vor – ich will jetzt schematisch zeichnen (S. 212, rot) -: Da wäre der Mensch (hell). Nun sondert der Mensch fortwährend Stoff ab und nimmt immerfort neuen Stoff auf (Pfeile blau). So daß man sich also denkt: Durch den Mund kommt der Stoff herein, durch den After und Urin geht der Stoff wieder hinaus, und der Mensch ist so ein Schlauch. Er nimmt den Stoff auf durch Essen, behält ihn eine Zeitlang, und wirft ihn wieder heraus. –
So denkt man ungefähr, sei der Mensch aufgebaut.
Aber in den wirklichen Menschen geht nämlich gar nichts von dem Erdenstoff herein, gar nichts. Das ist bloß eine Täuschung. Die Sache ist nämlich so. Wenn wir, sagen wir, zum Beispiel Kartoffeln essen, dann handelt es sich gar nicht darum, etwas von der Kartoffel aufzunehmen, sondern die Kartoffel ist bloß etwas, was uns anregt, anregt in Kiefer, Schlund und so weiter. Da wirkt überall die Kartoffel. Und nun entsteht in uns die Kraft, diese Kartoffel wieder herauszutreiben, und während wir sie heraustreiben, kommt uns aus dem Äther, nicht aus
dem festen Stoff, dasjenige entgegen (Pfeile hell), was unseren Körper im Laufe von sieben Jahren aufbaut. Wir bauen uns eigentlich gar nicht aus dem Stoff der Erde auf. Was wir essen, essen wir bloß, damit wireine Anregung haben. In Wirklichkeit bauen wir uns aus dem auf, was oben ist. So daß das Ganze, was sich die Menschen vorstellen, daß da die Nahrung hereinkomme und daß dort die Nahrung wieder herausgehe und in der Zwischenzeit etwas drinnen bleibe, gar nicht stimmt;das bildet nur eine Anregung.
Da kommt eine Gegenkraft aus dem Äther heran, und wir bauen uns unseren ganzen Körper aus dem Äther heraus auf. Alles, was wir an uns haben, ist nicht aus dem Stoff der Erde heraus aufgebaut.
Sie sehen, wenn wir hinstoßen und es stößt wieder her, so dürfen Sie den zweiten Stoß nicht verwechseln mit dem Hinstoßen. Sie dürfen nicht die Tatsache, daß wir Nahrung brauchen,
damit wir nicht faul werden im Wiederherstellen unseres Körpers, verwechseln damit, daß wir diese Nahrung in uns hineinnehmen.

Nun ist es so, daß allerdings Unregelmäßigkeiten eintreten können.
Wenn wir nämlich zuviel Nahrung aufnehmen, dann bleibt allerdings die Nahrung zu lange in uns drinnen. Dann sammeln wir unberechtigten Stoff in uns auf, werden korpulent, dick und so weiter. Wenn wir zuwenig aufnehmen, haben wir zuwenig Anregung und nehmen zuwenig das, was wir brauchen, aus der geistigen Welt heraus, aus der ätherischen Welt.
Aber das ist etwas so Wichtiges, meine Herren, daß wir uns gar nicht aufbauen aus der Erde und ihren Stoffen, sondern daß wir uns aufbauen aus dem, was außer der Erde ist! Wenn das so ist, daß in sieben Jahren der ganze Körper erneuert wird, wird ja auch das Herz erneuert (rot).
Das Herz, das Sie also in sich getragen haben vor acht Jahren, das haben Sie jetzt nicht mehr in sich, sondern das ist erneuert worden, erneuert worden nicht aus dem Stoff der Erde, sondern erneuert worden ausdem, was im Lichte die Erde umgibt. Zusammengedrücktes Licht ist Ihr Herz!

Sie haben Ihr Herz tatsächlich aus dem Sonnenlicht zusammengedrückt. Und das, was Sie an Nahrung aufgenommen haben, das hat nur angeregt, daß Sie das Sonnenlicht so weit zusammendrücken.
Alle Ihre Organe bauen Sie auf aus dem, was die durchlichtete Umgebung ist, und daß wir essen, daß wir Nahrung aufnehmen, das bedeutet nur die Anregung.
Sehen Sie, das einzige, was uns die Nahrung gibt, das ist, daß wir so etwas in uns haben wie eine Art inneren Sessel. Wir spüren uns, kommen dadurch im gewöhnlichen Leben zum Ich-Gefühl, daß wir physische Materie in uns haben, physischen Stoff. Wir spüren uns geradeso, wie wenn Sie sich auf den Sessel setzen.
Da spüren Sie ja auch den Sessel, der auf Sie drückt. Und so spüren Sie Ihren Körper, der auf das, was Sie aus dem Weltenall gemacht haben, fortwährend drückt. Wenn Sie schlafen, spüren Sie ihn nicht, weil Sie da aus sich heraußen sind.
Sie spüren Ihren Körper; das ist eine Art Ruhebett, das Ihnen gemacht ist, bei dem einen härter, wenn er knochig ist, bei dem anderen weicher. Das ist eine Art von Ruhebett, in das sich der Mensch legt, und man spürt ja auch den Unterschied zwischen einem weichen Federbett und einer Holzbank! Und so spürt der Mensch den Unterschied von dem, was in ihm hart und weich ist. Aber das ist nicht der eigentliche Mensch, sondern der eigentliche Mensch ist das, was da in ihm drinnen sitzt.
Nun werde ich Ihnen das nächste Mal klarmachen, wie das mit der höheren Erkenntnis zusammenhängt. Die Menschen nämlich, die heute erkennen wollen, beschäftigen sich gar nicht mit der menschlichen Tätigkeit, sondern sie beschäftigen sich nur mit demjenigen, was der Sessel ihnen darbietet.


Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen

Vorschau 12.Vortrag:
RHYTHMEN IM KOSMOS UND IM MENSCHENWESEN

Menschliche und kosmische Atmung – Das Lichtatmen der Erde – Die Befruchtung bei der Pflanze und beim Menschen…
…die Befruchtung des Wassers durch den Blitz…
Über kataleptische Zustände Hansens hypnotische und posthypnotische Experimente…
Der Kopf denkt langsam, der Bauch schnell…
Im Leben macht der Mensch soviele Tage durch wie Atemzüge im Tag. Die Lichtatmung der Erde…
Überwiegt Kopfatmung: Willensstarre, überwiegt Bauchatmung: Gedankenflucht…
Der weibliche Organismus nimmt durch die Befruchtung die ganze Welt auf in seinen Atmungsprozeß…
Durch das Licht, das aus dem Weltenall kommt, wird die Pflanzenblute befruchtet…
Befruchtung des Wassers vom Weltenall her durch Licht und Warme…
…das ist im Blitze sichtbar Kataleptische Zustande: wurzelähnlich…
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ZWÖLFTER VORTRAG
Dornach, 20. Juli 1923

Wenn man die Gedanken noch etwas fortsetzt, die wir das letzte Mal ausgeführt haben, dann kommt man zu folgendem. Es war in der Zeit, als ich jung war, sehr jung noch, da machte es ein großes Aufsehen, als ein herumziehender Hypnotiseur seine Vorstellungen mit Menschen gab. Nun braucht man ja solchen Leuten nicht ein besonderes Lob zu spenden, die außerordentlich ernste Sachen in einer theatralischen Weise in das Publikum bringen, und ich will durchaus nicht etwa einen besonderen Hymnus anstimmen auf Hansen, der in den siebziger, achtziger Jahren, namentlich in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, in theatralischer Weise Vorstellungen gegeben hat über ein Gebiet, das dazumal die Wissenschaft überhaupt noch gar nicht behandelt hatte, über das dazumal die Wissenschaft nichts wußte.

Aber immerhin, seither hat sich die Wissenschaft gerade unter dem Einflüsse dieser theatralischen Vorstellungen von Hansen dieses Gegenstandes bemächtigt.
Nun möchte ich Ihnen namentlich ein Experiment zunächst erzählen, das Hansen, nachdem man es lange vergessen hatte, wiederum vor dem staunenden Publikum vorgeführt hat. Er hat zwei Stühle genommen, diese in einer bestimmten Entfernung aufgestellt (es wird gezeichnet), hat dann einen Menschen einfach durch den Einfluß seiner eigenen Persönlichkeit, wie man sagt, hypnotisiert, ihn also dazu gebracht, daß er zunächst in einem schlafähnlichen Zustand war — aber in einem schlafähnlichen Zustand, der viel tiefer ist als der gewöhnliche Schlaf -; dann
konnte er diesen Menschen nehmen und konnte ihn so herlegen, daß der Kopf auf dem einen Stuhl war und die Füße auf dem anderen Stuhl.
Nun wissen Sie ja, wenn das dem Menschen bei vollem Bewußtsein passiert, so fällt er eben zwischen den zwei Stühlen herunter. Dieser Mensch ist zunächst nicht zwischen den zwei Stühlen heruntergefallen, sondern blieb steif wie ein Besenstiel liegen, wo er war. Aber dem nicht genug. Der Hansen, der ein ziemlich korpulenter, schwerer Mensch war, ging nun hin und stellte sich dann ganz kühn senkrecht auf den Bauch des Menschen darauf. Da stand nun also der schwere Herr Hansen darauf. Der Mensch rührte sich nicht, sondern blieb liegen wie ein
Brett, trotzdem auf ihm der Hansen daraufstand.

Das ist also etwas, was durchaus gemacht werden kann, was seitdem oft gemacht wurde und an dem die Wissenschaft nicht mehr zweifelt, während sie früher davon nichts gewußt hat und von dem eigentlich nicht sehr sympathischen Hansen darüber belehrt werden mußte. Sehen Sie, ein Mensch, der in diesem Zustand ist, von dem sagt man, er sei in Katalepsie.

Wenn etwas so auftritt, daß einer daliegen kann wie ein hölzernes Brett und einer sich sogar daraufstellen kann und es so vorübergehend geschieht, daß es durch den Einfluß einer anderen Persönlichkeit vollführt wird, nun, dann ist es eben ein Experiment, dann ist es nicht so besonders schlimm. Aber wir können sagen, im kleinen findet sich dieser Zustand durchaus im Leben vor. Er findet sich manchmal vor. Natürlich tritt er dann eigentlich nur demjenigen Menschen entgegen, der rztliche Beobachtungen machen kann. Und er tritt einem dann entge-
gen, wenn Menschen in eine ganz bestimmte Krankheit verfallen, die man eine Geisteskrankheit nennt.

So zum Beispiel gibt es Menschen, die kommen dazu, daß sie, während sie vorher sehr entschlossene Menschen waren, brauchbar in ihrem Beruf, plötzlich so denken, als wenn ihnen alle Gedanken eingefroren wären. Es kann vorkommen, daß ein Mensch regelmäßig jeden Morgen, sagen wir, um acht Uhr an seine Arbeit gegangen ist. Er ist zur rechten Zeit aufgestanden und so weiter. Plötzlich gefällt es ihm da sehr schön im Bett. Er will immer aufstehen, aber er kann den Willen nicht finden, aufzustehen. Und wenn nun dennoch die Furcht wirkt – er hat
die Uhr neben sich liegen, es ist eine bestimmte Zeit – und er ist nun endlich aufgestanden, so kann er den Willen nicht finden, zu frühstücken, dann wieder nicht, fortzugehen. Er kommt schließlich dazu, sich immer selber zu sagen: Das kann ich nicht, das kann ich nicht -, benimmt sich schließlich wie ein Stock, kann sich zu nichts entschließen.

Und das kommt dann so weit, daß er in eine Art Zustand verfällt, den man ihm auch körperlich ansieht: er ist starr. Während er früher schnell seine Arme bewegt hat, bewegt er sie jetzt langsam, während er früher wie ein Springingerl gelaufen ist, wird es ihm jetzt schwer, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Der ganze Mensch wird starr und schwer. Das ist etwas, was als Krankheit manchmal schon in früher Jugend beim Menschen auftritt.

Das ist derselbe Zustand, nur nicht so stark und nur, daß er nicht auf einmal auftritt, sondern ganz langsam. Man kann natürlich nicht in derselben Weise, wenn ein Mensch anfängt, kataleptisch zu werden, ihn gleich auf zwei Stühle legen und sich darauf stellen oder auf den Betreffenden setzen, aber er wird so, daß er seinen Körper nicht mehr richtig handhaben kann.
Das ist der eine Zustand. Jetzt aber hat der Hansen den Leuten noch andere Experimente vorgeführt, die früher immer nachgemacht worden sind, auf die aber auch die Wissenschaft seit jener Zeit aufmerksam geworden ist. Bevor sie durch den Dilettanten und Schauspieler Hansen darauf aufmerksam gemacht worden war, hat sich die Wissenschaft nicht damit beschäftigt. Diese Zustände bestanden darin:
Der Hansen ließ sich irgend jemand aus dem Publikum heraus kommen. Es ist von dummen Leuten gesagt worden, er hätte das vorher besprochen, aber das ist natürlich ein Unsinn. Er erkannte eben die richtigen Persönlichkeiten, die dazu brauchbar waren, aus dem Publikum. Es ist nicht mit jedem gleich gut zu machen; da hat er sich einen Blick dafür angeeignet, wer dafür geeignet ist. Nun ließ er sich einen Menschen vom Publikum heraus kommen und wiederum wirkte sein persönlicher Einfluß.
Er stellte sich hin, indem er stark sich mit seinen eigenen Beinen, die sehr dick waren, fest auf den Boden stellte. Er hatte so einen Blick, von dem man meinte, wenn er vorne herein geht, geht er hinten wieder heraus, also einen durchbohrenden Blick, wie man sagt. Und immer hatte er das Auge so, sehen Sie (es wird gezeichnet): Wenn er einen Menschen anschaute, wurde das Auge so, daß das Weiße oben und unten sichtbar blieb, so auf war. Während sonst gewöhnlich das Lid bis über das Weiße geht, so daß das Weiße ober- und unterhalb der Pupille nicht zu
sehen ist, war es bei ihm so, daß dadurch der Blick noch ganz besonders, wie man sagt, fixierend geworden war.
Nun, das machte dann auf den Menschen, den er sich da als sein Opfer ausgewählt hatte, einen riesigen Eindruck; der fing schon an, wie man sagt, etwas unbewußt zu werden.
Das Bewußtsein kam ihm abhanden, aber es stellte sich etwas ganz Merkwürdiges ein. Hansen sagte dann: Sie können sich jetzt nicht vom Boden wegbewegen. Ihre Füße sind an den Erdboden gebannt! – Der probierte – er konnte nicht weg, konnte keinen einzigen Schritt machen. Er konnte einfach nicht, blieb stehen. Dann sagte Hansen bei den geeigneten Opfern: Sie müssen jetzt
niederknien! – Der kniete nieder. Sehen Sie, da oben erscheint ein Engel. – Der faltete die Hände, machte ein furchtbar verzücktes Gesicht und schaute zu dem Engel hinauf. Das alles machte der Hansen mit diesen Leuten, die er sich als Opfer ausersah. Er wählte sich natürlich etwas schwachbewußte Menschen, aber an denen konnte er die Sachen machen und machte sie dann vor dem ganzen Publikum. Seine Sachen waren nicht etwa Schwindeleien – viele Leute haben auch behauptet, er sei ein Schwindler -, aber es sind Dinge gewesen, die seither an den
wissenschaftlichen Instituten durchaus nachgemacht worden sind und daher gelten.

Daneben tat er zum Beispiel das Folgende. Er nahm einen Stuhl und setzte ihn dem hin, der so war, daß er keine eigenen Gedanken mehr hatte, sondern nur die Gedanken, die ihm der Hansen eingab. Jetzt stellte sich der Hansen hin und sagte: Hier ist ein Apfel! – Nicht wahr, Äpfel sind sehr gut, Äpfel sind schmackhaft. Nun nahm er eine Kartoffel, gab sie dem, und der biß ab mit einem riesigen Wohlgefallen und aß die Kartoffel als einen Apfel. Also der Hansen konnte den Leuten nicht bloß einreden, daß sie einen Engel sehen, sondern auch einreden, daß
eine Kartoffel ein Apfel ist und als ein Apfel gegessen wird. Dann nahm er zum Beispiel Wasser und sagte: Jetzt gebe ich dir einen besonderssüßen Wein! – Oh, man sah, wie der die Süßigkeit genoß! –

Solche Versuche machte der Hansen. Das war die andere Art von Versuchen. Was hat er denn getan bei dem Menschen, bei dem er sich daraufstellte? Da hat er den Willen tot gemacht. Der hatte gar keinen Willen mehr. Bei den Menschen, die er so behandelte, wie ich zuletzt gesagt habe, da hat er nur die Gedanken beeinflußt. Die mußten nur so denken, wie der Hansen dachte; wenn er sagte: Das ist ein Apfel – und so weiter, nach dem Geschmack von Hansen, und wenn er sagte:
Das ist ein Engel
– da folgten sie dem Gedanken von Hansen und sahen den Engel.
Ja, sehen Sie, der Hansen konnte noch ganz andere Sachen machen. Er machte zum Beispiel das Folgende: Er ließ sich so einen heraus kommen aus dem Publikum, den er für ein besonders geeignetes Opfer hielt, und er hypnotisierte ihn zuerst, das heißt, er machte ihn so, daß er kein eigenes Bewußtsein hatte, daß er alle Gedanken aufnahm, die der Hansen ihm eingab. Nun sagte er: Jetzt werden zehn Minuten vergehen. Ich werde dich nach zehn Minuten aufwecken. Dann wirst du zu dem Manne, der dort hinten in der Ecke sitzt, hingehen und ihm die Uhr aus der Tasche ziehen wie ein Dieb. – Nun weckte er den zuerstauf – der Hansen machte inzwischen mit allen möglichen anderen alles mögliche -, der wurde unruhig, stand auf, ging hin zu dem hinten in der Ecke Sitzenden und zog ihm die Uhr aus der Tasche.
Nun sehen Sie, man nimmt natürlich lateinische Namen. Die lateinische Sprache, das habe ich Ihnen ja schon gesagt, ist immer zu der Logik zu verwenden; und diejenigen Experimente, die ich Ihnen zuerst beschrieben habe, nennt man hypnotische Experimente, und diese, wo er schon aufgeweckt ist und nachher noch dieselbe Sache macht — post heißt nach -, die nennt man eben posthypnotische Experimente. Seither spricht man von Hypnose und Posthypnose und weiß, daß der Menschin solche Zustände kommen kann.

Diese Dinge weisen aber tief hinein in die menschliche Natur, denn es ist ja tatsächlich später dazu gekommen, daß man gerade diese posthypnotischen Sachen viel weiter ausgedehnt hat. Wenn man einen tief genug in Hypnose versetzt und ihm sagt: Nach drei Tagen mußt du das und das ausführen -, so tut er es auch, wenn er die geeignete Persönlichkeit dazu ist. Diese Experimente sind ja gemacht worden.

Nun, nicht wahr, im Leben kommen diese Dinge nicht in dieser Schärfe vor. Aber, wie ich Ihnen an dem Menschen gezeigt habe, der sich nicht mehr bewegen kann, sie kommen doch abgeschwächt vor.
Der andere Zustand, der kommt auch im Leben vor. Sie werden schon kennengelernt haben nicht nur solche Menschen, die ganz gelähmt sind und nichts mehr mit sich anzufangen wissen, also in gewissem Sinne kataleptisch sind, sondern Sie werden auch schon solche kennengelernt haben, die plötzlich anfangen – während sie früher im Grunde genommen ganz besonnene Menschen gewesen sind -, ganz geschwätzige Menschen zu werden. Man kommt gar nicht mehr nach; es sprudeln die Gedanken, sie schwätzen, schwätzen, schwätzen wie ein Rad. Bei denen ist es geradeso wie bei den Menschen, die eine Kartoffel essen für einen Apfel, nur daß das eine Mal der Hansen derjenige ist, der einen Einfluß hat, während diejenigen, die in dieser Weise ihre raschen Gedanken haben, die so ihre Gedanken lossprudeln, abhängig sind von ihrem eigenen Bauch.

Denn das ist das Interessante, daß der eigene Bauch – ich habe Ihnen ja vieles erzählt davon, wie im Bauch die Leber und so weiter denkt – viel schneller denkt als der Kopf. Und wenn nun der Mensch im Kopf so schwach wird, daß er diesen Gedanken, die aus dem Bauch kommen, nicht mehr den nötigen Widerstand entgegensetzt, sie nicht mehr langsam genug macht, dann sprudeln diese Gedanken heraus. Die sind also von ihrem eigenen Bauch hypnotisiert.
Das ist überhaupt das Merkwürdige im Leben: Der Mensch hat diese zwei entgegengesetzten Organe, den Kopf und den Bauch. Beide denken. Aber es ist schon einmal wahr:

Der Kopf denkt langsam und der Bauch denkt schnell. Der Kopf denkt viel zu langsam und der Bauch viel zu schnell, aber Sie wissen ja: Wenn man ganz Dickes und ganz Dünnes zusammengießt, so kommt ein Mittelzustand heraus. So ist es auch beim Menschen: Die Zustände vom Kopf machen die Bauchzustände langsam und die Bauchzustände machen die Kopfzustände
schnell, und auf diese Weise gleicht sich das aus.

Sehen Sie, darauf beruhen aber überhaupt die Weltvorgänge, daß entgegengesetzte Zustände ineinander wirken. In dieser Beziehung wird das, was man heute Wissenschaft nennt, noch furchtbar viel lernen müssen. Ich will Ihnen da gleich etwas sagen. Nehmen Sie an, man hat einen halbwegs normalen Menschen. Wenn dieser Mensch ungefähr 72 Jahre alt wird – das können Sie sich ausrechnen, ich habe Sie ja schon einmal darauf aufmerksam gemacht -, dann hat er 25 920 Tage gelebt.
Das sind 72 Jahre. So viele Tage lebt normalerweise der Mensch. Und wenn Sie die Atemzüge des Menschen messen, zählen, so finden Sie, daß er im Tage geradesoviele Atemzüge macht. Also der Mensch macht, wenn er normal lebt und sein Organismus nicht vorher zerstört ist – denn sonst kann er nicht 72 Jahre alt werden; wenn man nicht 72 Jahre lebt, ist man durch irgend etwas zerstört -, im Leben soviele Tage durch wie Atemzüge im Tag. So lebt der Mensch. Er lebt so, daß er jeden Tag, vom Sonnenaufgang bis wieder zum Sonnenaufgang, 25 920 Atemzüge macht, und daß er während des gewöhnlichen Lebens, das das Patriarchenalter erreicht, 25 920 Tage lebt.
Ja, was bedeutet denn das: Wir leben in einem normalen Leben, das das Patriarchenalter erreicht, 25 920 Tage? Was bedeutet das? –

Das bedeutet, daß wir bei der Erde 25 920 mal Tag und Nacht mitmachen.
Wir machen das mit, wir können das 25 920 mal miterleben. Was tut denn die Erde beim Tag- und Nachtwerden? Ja, sehen Sie, meine Herren, gerade das ist das Wichtige, was schon Goethe geahnt hat und was man heute ganz mit Bestimmtheit sagen kann: Wenn es anfängt Tag zu werden, so zieht die Erde die Lichtkräfte, die Weltkräfte an der Stelle ansich heran, wo wir gerade sind. Auf der anderen Halbkugel ist es anders, da ist es umgekehrt, aber es ist derselbe Vorgang. Also die Erde und alles, was in der Erde ist, atmet Licht ein; wenn es Nacht ist, atmet
sie wieder aus. Was wir in der kurzen Zeit zwischen der Einatmung und Ausatmung mit der Luft machen, das macht die Erde in einemTag.

Sie sehen also, die Erde ist furchtbar viel langsamer als wir, fürchterlich viel langsamer. Wir machen in einem Tag so viel Atemzüge, wie die Erde in unserem ganzen Leben. Das sehen Sie daraus. Wenn man nungenauer zusieht, dann kommt beim Menschen aber etwas Besonderes heraus. Atmen tut der Mensch so, daß das Blut den Atem braucht. Das Blut wird in den Gedärmen, das heißt im Bauch erzeugt; der Unterleibalso will so schnell atmen. Wir können deshalb sagen: Die menschlicheAtmung, die hängt zusammen mit dem Unterleib, mit dem Bauch.
Sehen Sie, wenn man wirklich ganz so wissenschaftlich, wie es eigentlich unsere Wissenschaft jetzt nur über den Bauch macht, den Kopf betrachtet, dann ist es beim Kopf so, daß er eigentlich immer sich bemüht, die Atmung etwas zurückzuweisen.
Die Atmung geht ja auch in den Kopf. Der Kopf will nämlich so atmen, daß er nur einen Atemzug im Tag bekommt, und er verlangsamt unser Atmen fortwährend. Der Kopf will nur so atmen, daß er einmal im Tag einatmet und ausatmet, während wir in ungefähr vier Sekunden ein- und ausatmen. Der Kopf will eigentlich den Atem verlangsamen, viel langsamer machen. So daß wir sagen können:

Kosmische Atmung, die wird eigentlich durch den Kopf ausgeführt; nur saust immerfort die Atmung von dem Körper herauf zu dem Kopf, schnell, und wieder langsam bewegt sich die Atmung vom Kopf nach dem Körper hin. Haben Sie daher einen Menschen, der seinen Willen gehemmt kriegt, der also starr wird, was tritt bei dem ein? Die Atmung im Bauch ist nicht in Ordnung, und die ganz langsame Kopfatmung will sich ausbreiten über den ganzen Körper.
Nun liegt der Kerl da und der Hansen steht darauf. Die Kopfatmung will den ganzen Körper beherrschen: er wird starr. Wenn aber einer schwatzt und schwatzt und schwatzt, dann will die Kopfatmung nicht mehr recht tun, und die schnelle Körperatmung kommt herauf, und er schwatzt. Da kriegt man, wie man sagt, nicht Hypnose, sondern Gedankenflucht.

Jetzt können Sie sagen – wirklich, Sie können das sagen: Aber eigentlich ist die Welt doch dumm eingerichtet, denn wir sind ja dadurch, daß unsere Kopfatmung nicht stimmt zu der Körperatmung, fortwährend in Gefahr, entweder dadurch, daß die Körperatmung zu kurz kommt oder die Kopfatmung zu kurz kommt, Trottel zu werden. –

Das ist also eine schlimme Geschichte. Durch diese Dinge sind wir fortwährend der Gefahr ausgesetzt, trottelig zu werden. Sie können sagen: Donnerwetter, wie ist doch die Welt dumm eingerichtet! – Aber ich will Ihnen etwas anderes sagen, meine Herren.
Betrachten Sie zum Beispiel die Frau, das Weib. Insofern das Weib Mensch ist, ist es natürlich so, daß in ihm die schnellere Körperatmung, die langsamere Kopfatmung vor sich geht. Die langsamere Atmung ist die kosmische Atmung. Aber die führt die Frau nur mit dem Kopf aus.
Mit dem übrigen Körper führt sie die schnelle Körperatmung aus. Diegehen nur durcheinander. Nehmen Sie aber an, die Frau wird befruchtet. Was geschieht denn da?

Sehen Sie, da wird für eine gewisse kleine Stelle des Körpers im Uterus, in der Gebärmutter, in der übrigen Atmung des Körpers durch die befruchtende Substanz, die vom Manne kommt, die Kopfatmung eingeführt. So daß jetzt die Frau, während sie schwanger ist, eine langsame Kopfatmung hat, aber auch eine langsame Atmung im Unterleib hat. Mitten in die Körperatmung mischt sich eine langsame Kopfatmung hinein, so daß jetzt der Mensch dadurch zweimal Kopfatmung hat. Und was bildet sich? Der Kopf zunächst. Was ist denn also da durch die Befruchtung in den Körper hineingekommen?
Sehen Sie, da ist die kosmische Atmung, die wir sonst nur im Kopfe haben, hineingekommen. Der Mensch nimmt die ganze Welt auf in seinem Atmungsprozeß. Also die Befruchtung, die besteht eigentlich darinnen, daß der Mensch die ganze Welt aufnimmt in seinen Atmungsprozeß. Dasjenige, was bei der Befruchtung des Menschen geschieht, ist eigentlich dieses, daß wirklich, während sonst der Leib des Menschen immer nur die menschliche Leibesatmung hat, da für neun Monate eingepflanzt wird die kosmische Atmung, die sonst der Mensch nur im Kopfe hat.
Da sehen Sie eine Beziehung des Menschen zu dem ganzen Weltenall.

An der Stelle, wo der Mensch entsteht, im Mutterleibe, will die Mutter nur so atmen, daß ein Atemzug den ganzen Tag braucht. Dadurch verlangsamt die Mutter dort die Prozesse so, daß sie nicht nur leben kann, sondern einen neuen Menschen bilden kann. Denn durch das, was sonst mit dem Kopfe diese langsamen Prozesse ausführt, leben wir durch unseren Kopf eben unsere Lebenszeit hindurch 72 Jahre. Wenn wir sagen, der Mensch lebt normalerweise 72 Jahre und wenn wir sehen, daß es neun Monate sind, bis ein neuer Mensch entsteht, so ist es gar kein Wunder, daß ein neuer Mensch in neun Monaten entsteht, denn der Mensch lebt 72 Jahre, wir drücken gewissermaßen nur die 72 Jahre zusammen in der Atmung, und es entsteht der neue Mensch.

Das ist aber etwas, was Sie so tief hineinsehen läßt in die ganze Natur, daß Sie dadurch auch die Grundlage bekommen können für das andere Denken.
Betrachten Sie jetzt die Erde und in der Erde drinnen die Pflanzen.Also sagen wir, wir haben jetzt die Wurzel der Pflanze, wir haben hierden Stamm der Pflanze mit den Blättern, und wir haben da oben dieBlüte. Wenn Sie sich die Wurzel anschauen, so ist sie im Erdboden drinnen ganz umgeben von Salzen. Da sind überall Salze (Zeichnung S. 226). Diese Salze sind schwer. Die Wurzel steckt also ganz in derSchwere drinnen. Aber mit der Schwere ist es ganz eigentümlich. DieSchwere wird nämlich überwunden. Wenn Sie abgeschnittene Köpfe
der Menschen nehmen würden, so würden die doch ein ziemliches Gewicht haben. Der menschliche Kopf ist schwer. Oder wenn Sie schließlich einen Schweinskopf in die Hand nehmen, ist er schwer.

Wenn Sieen Kopf an sich tragen, so spüren Sie das nicht, wie der Kopf da aufsitzt und schwer ist, weil die Schwere überwunden ist beim Kopf. So aber wird auch bei der Pflanze die Schwere überwunden. Denn würdedie Pflanze die Schwere spüren in den Blättern, so würde sie ja nicht aufwärts wachsen, sondern immer mehr herunter. Nun wächst diePflanze aber aufwärts, sie überwindet die Schwere. Dadurch aber, daßsie die Schwere überwindet, wird sie zugänglich dem Licht. Das Lichtwirkt in sie hinein, und das Licht kommt von oben nach unten, entgegengesetzt der Schwere. Also die Pflanze kommt immer mehr undmehr hinauf zum Licht, wird immer mehr und mehr, während sie alsWurzel in die Salze der Erde eingepflanzt war, nun ausgesetzt der
Sonne mit ihrem Lichte. Indem sie der Sonne mit ihrem Lichte ausgesetzt wird, da entsteht hier (siehe Zeichnung) in ihr die Befruchtung;
der Fruchtknoten mit dem Keime bildet sich, so daß also durch die Lichtwirkung die neue Pflanze entsteht. Bei der Pflanze sieht man es ganz genau. Das, was ich beim Menschen kosmische Atmung genannthabe, was beim Menschen durch die Befruchtung eingepflanzt wird,das wird bei der Pflanze jedes Jahr herangetragen durch das Licht, so daß also die Pflanze von der Schwere zum Lichte und dadurch zur Befruchtung wächst.

Wir werden also sagen: Dasjenige, was beim Menschen erst verfolgt werden muß durch die Gedanken, so daß man weiß, da dringt die kosmische Atmung ein, da entsteht ein Stückchen Kopf an einer bestimmten Stelle im Inneren des menschlichen Körpers -, das sehen wir da auch jedes Jahr, wenn wir die Pflanzen anschauen. Da kommt die äußere Welt von dem unendlichen Weltenraum her in Form des Lichtesund bringt das Kosmische hinein in die Pflanze, und die Erde wird inihrer Pflanzenwelt vom Kosmos befruchtet. Das ist außerordentlich interessant. Wenn einer hinschaut auf eine Pflanzenblüte, so kann er sichsagen: Da befruchtet das Weltenall – es ist nämlich Kosmos gleichWeltenall — die Blüte. Das andere ist nur eine Beigabe, daß das Staub-
korn herüberkommt und so weiter; das ist eben eine Beigabe, weil imPhysischen alles physisch verlaufen muß. Aber in Wirklichkeit ist esdas Licht, das aus dem Weltenall kommt und die Pflanzenblüte befruchtet, das den Keim zu der neuen Pflanze legt.

Ja, meine Herren, sieht man aber nicht, was da eigentlich geschieht? Was da eigentlich geschieht, sieht man nicht, weil es klein ist. Mankann es aber sehen! Betrachten wir jetzt das, was da an der Pflanze geschieht, in einer ganz anderen Weise.

Nehmen wir an, hier ist die Erde siehe Zeichnung S. 228). Sehen Sie sich nicht eine Pflanze an, sondern sehen Sie dahin nach der Erde, wie in der Ferne – von einem Berg aus vielleicht, da ist es am besten zu sehen – der Nebel aufsteigt, wie mansagt. Da steigt der Nebel auf. Der Nebel besteht aus Wasser. Wenn Siedie Pflanze anschauen würden, so wäre die Geschichte nicht ganz
unähnlich, wäre etwas Ähnliches. Sie würden, wenn Sie so eine Pflanzeansehen würden – da müßten Sie sich nur lange hinsetzen, den ganzenFrühling, und immer beobachten -, sehen: Zuerst ist es tief, dann steigt es auf, da teilt es sich zu den Blättern. Aber die Nebel gehen ja auch auseinander, wenn sie aufsteigen. Also da, in der Pflanze, sind es nur die festen Salze, die da aufsteigen bis zur Blüte. Jetzt schauen Sie dahin,zur Erde: Da steigt eben nur das Wasser auf, nicht so feste Teile, wiewenn es eine Pflanze wird; aber das Wasser steigt auf. Wenn die
Pflanze zu einer bestimmten Stelle kommt da oben, da wird sie befruchtet vom Weltenall. Wenn das Wasser, das hier in Form des Nebelsaufsteigt, zu einer bestimmten Stelle kommt, da wird es auch aus demWeltenall befruchtet. Und was geschieht dann?

Ja, meine Herren, dablitzt es! Das geschieht ja nicht immer, aber dann, wenn die Befruchtung eintritt und die Dinge so ausdrücklich sind wie im Sommer – sonstgeschieht ja auch der Blitz, aber er ist unsichtbar -, da wird vomWeltenall durch Licht und Wärme das Wasser hier befruchtet. Dasselbe, was in der Pflanze geschieht, geschieht da oben und ist im Blitz
sichtbar. Und wenn der Nebel oben befruchtet ist, fällt er als fruchtbarer Regen wieder herab. Also wenn Sie eine Nebelwolke aufsteigen sehen, so ist das eigentlich eine — aber ganz dünne – riesige Pflanze; die öffnet da oben im Weltenall ihre Blüte, wird befruchtet, zieht sich zusammen, und in dem Regenwasser fallen die befruchteten Wassertröpfchen wieder herunter.

Jetzt haben Sie eine Erklärung für den Blitz. Die Leute glauben, da oben seien so etwas wie riesige Leidener Flaschen oder riesige Elektrizitätsapparate; aber das ist ein Irrtum. In Wirklichkeit wird da draußen das Wasser der Erde befruchtet, daß es wiederum seine Vorgänge auf Erden ausführen kann. Und dasjenige, was in der Pflanze geschieht, das geschieht nur viel tiefer, weil die Pflanze fester ist; es geschehen immer hier oben bei der Blüte, wenn die richtige Jahreszeit da ist, diese kleinen Blitze, die man nur nicht sieht. Aber diese kleinen Blitze führen ja zur Befruchtung. Sie haben also in der Erscheinung von Nebel und Regen dieselbe Erscheinung, die auftritt in der Pflanze bei der Befruchtung. Und das geht dann herein bis zum Menschen, wo die kosmische, die Weltatmung, die sonst im Kopfe nur ist, in dem Unterleibe des Menschen auftritt.

Nehmen Sie jetzt den kataleptischen Menschen. Was ist denn bei dem der Fall? Ja, meine Herren, wenn man den kataleptischen Körper untersuchen würde, dann würde man finden, daß der besonders salzreich geworden ist. Der ist nämlich ähnlich geworden einer Pflanzenwurzel, und zwar besonders im Kopf. Wenn unser Kopf so salzreich wird wie eine Pflanzenwurzel, dann werden wir trottelig durch die Kopfstarrheit, die sich dann nur auf das übrige ausdehnt. Wenn Sie also Leute sehen, die sich nicht entschließen können zu gehen, nicht einmal die Hände zu erheben, sich aus dem Bett am Morgen zu erheben: die haben zuviel Salz gekriegt im Kopfe, sind zu ähnlich geworden derWurzel der Pflanze. Wenn Sie Menschen sehen, die immer schwätzen
und schwätzen: die sind zu ähnlich geworden der Blüte der Pflanze.

Wenn man nämlich redet, so redet man ja eigentlich nur einen Teil von dem, was man weiß. Aber diejenigen, die immer schwätzen und schwätzen, die möchten eigentlich immer alles dasjenige sagen, was sie haben. Die möchten eigentlich immer einen ganzen Menschen bilden, weil eigentlich ihr Bauch redet. Und dieser, wenn er die Welt anzieht, sie aufnimmt, der wird dann zum Kopfe. Aber es geht zu schnell dann, wie beim Bauch, wie bei der menschlichen Atmung.
So können wir sagen: Der Hansen hat die Menschen, die er auf zwei Stühle gelegt hat und auf die er sich dann daraufgestellt hat, im Kopf zu ähnlich gemacht einer Pflanzenwurzel. – Da sehen Sie die Verwandtschaft des menschlichen Kopfes mit der Pflanzenwurzel. Man kann sogar den ganzen Kopf ähnlich machen einer Pflanzenwurzel.

Und die Menschen, denen er eingeredet hat, sie sollen eine Kartoffel wie einen Apfel essen, die hat er ähnlich gemacht einer Blüte. Da sehen Sie die Ähnlichkeit des Bauchmenschen, also des Unterleibsmenschen,mit der Blüte. Dasjenige, was der Hansen den Wissenschaftern vorgemacht hat, das macht man noch heute, aber zu der Erklärung, dienachgerade ins ganze Weltenall hineinführt, sind die Leute eben bisheute nicht gekommen.

So, nun können wir auch die Frage beantworten, ob denn die Natur wirklich so dumm eingerichtet ist, daß wir Trottel werden können, entweder durch falsche Kopf- oder Bauchatmung, einmal durch Kopfatmung kataleptisch, das andere Mal geschwätzig dadurch, daß wir Gedankenflucht haben und unseren Willen nicht gebrauchen können.
Nun, demjenigen, der das für so außerordentlich töricht hält und sagt, wenn er die Welt zu machen gehabt hätte, dann hätte er sie etwas anders gemacht, dann brauchten wir nicht eben der Gefahr ausgesetzt zusein, nach zwei Richtungen hin Trottel sein zu können, dem kann man antworten: Aber wenn das nicht der Fall wäre, wenn wir nicht auch imBauch des Menschen die Kopfatmung erzeugen könnten, die dann entsteht, wenn wir starr werden, dann könnte ja überhaupt der Mensch nicht entstehen, dann würde die Befruchtung nicht eintreten können,
dann gäbe es keine Menschen auf der Erde!

Also Sie sehen, die Gefahr, daß wir Trottel werden, die hängt zusammen mit dem, daß wir überhaupt entstehen können. Hätte also irgendwie in der Natur die Absicht bestanden, keine Menschen entstehenzu lassen, ja, dann, nicht wahr, dann brauchten auch keine Trottel zu entstehen. Aber weil schon einmal Menschen entstehen mußten, muß auch die Gefahr vorhanden sein, daß Trottel entstehen können. So hängt eines mit dem anderen zusammen. Es ist gar kein Grund, daß man über die Natur loswettert, wenn man sieht, wie die Dinge zusammenhängen. Es könnte ja auch einer sagen: Donnerwetter, wie dumm, daß 2 mal 2 = 4 ist! – Ich möchte, daß es = 6 wäre; dann hätte ich mehr. – Aber das geht nicht! Und so geht es auch nicht, daß der
Mensch überhaupt auf der Erde ist, ohne daß die Gefahr vorhanden ist, daß der Mensch trottelig wird. Diese Dinge muß man nur richtig durchschauen. Dann aber kommt man auch dazu, überall die Dingerichtig zu sehen.

Da wird man sagen, wenn einer den Blitz anschaut: Ist der Blitz nur da oben? – O nein, der ist den ganzen Sommer hindurch, indem die Pflanzen befruchtet werden, über die Wiesen, über die Wälder hin, überall da ist der niedere Blitz. Und zum Schluß ist es ein Blitz, der in uns immer vorgeht. Innerlich sind wir ganz durchsetzt von denselben Erscheinungen, die wir manchmal sehen, wenn es blitzt, und unsere Gedanken sind ein Aufblitzen in uns.
Nur natürlich dasjenige, was einmal als ein mächtiger Blitz erscheint, das verläuft ganz schwach in unserem Denken.

Jetzt werden Sie sich aber auch sagen können: Es hat doch einen Sinn, zu sagen, wenn ich den Blitz anschaue, daß mir da die Weltengedanken erscheinen, weil das dasselbe ist, wie das, was in mir ist. — Man muß nur die Dinge nicht abergläubisch, sondern eben wissenschaftlich betrachten.

Sehen Sie, es ist immerhin interessant, daß am Ende des 19. Jahrhunderts die Wissenschaft so weit war, daß sie überhaupt solche wichtigen Sachen gar nicht beachtet hat, daß ein Scharlatan, ein Beutelschneider wie der Hansen kommen mußte und den Leuten diese Sachen zeigen mußte. Dann hat die Wissenschaft erst angefangen, auf diese Sachen aufmerksam zu sein. Daraus können Sie aber sehen, daß es mit dieserWissenschaft im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gar nicht so weit her war, wie die Leute immer sagen. Gewiß, auf den äußerlichen Ge-
bieten haben die Leute damals große Entdeckungen gemacht, haben Röntgenstrahlen und so weiter gefunden, aber auf dem innerlich menschlichen Gebiete hat man überhaupt gar nicht verlangt, etwas Ordentliches zu wissen, und verlangt es bis heute nicht.
Daher ist unsere Wissenschaft gar nicht anwendbar auf das Menschliche und hilft dem Menschlichen gar nichts. Sie können heute noch so viel an Hochschulen errichten: wenn Sie dahin gehen — dasjenige, was im Menschen wirkt, wird Ihnen nicht erklärt. Aber zu gleicher Zeit wird Ihnen auch nicht erklärt, wie eigentlich der Vorgang ist bei der Pflanzenbefruchtung.
Und beim hinaufsteigenden Nebel und herunterkommenden Regen wird die Sache so erklärt, als ob das eigentlich nicht viel anders wäre, als wenn auf dem Herde gekocht würde: daß aufsteigen die Dünste, dann wieder herunterfallen. Das ist eben nicht so, sondern indem die Dünste aufsteigen, kommen sie oben in ein Gebiet, wo sie befruchtet werden vom Weltenall, und ein Beweis, daß sie befruchtet werden, ist eben der Blitz. Und dann sieht man eben die Befruchtung, die sonst auch geschieht.

Aber die Sache ist eben so, daß das eine große Bedeutung hat. Nehmen Sie das Jahr. In einem Jahre ist Winter und Sommer, wie sonst Tag
und Nacht in vierundzwanzig Stunden.
Und in einem Menschenleben sind 25 920 Tage. Wenn Sie nun 25 920 Jahre nehmen, dann kriegen Sie die Zeit heraus, wo die Erde noch nicht war, und wo sie wieder nicht sein wird. Wir sind jetzt ungefähr etwas über die Mitte hinaus, also etwa über 13 000 Jahre besteht die Erde; dann wird sie wieder zugrundegehen, nach etwa 11 000 Jahren oder so etwas. Geradeso wie der
Mensch 25 920 Tage lebt, lebt die Erde 25 920 Jahre, so wie sie jetzt ist. Sie verändert sich; sie ist einmal jung gewesen, wird alt. Und das ist eben außerordentlich wichtig, daß man weiß: Jedes Jahr müssen die Wasser ausgesetzt sein dem Weltenall, auf irgendeinem Punkt, auf irgendeiner Stelle der Erde müssen jedes Jahr die Wasser dem Weltenall ausgesetzt sein, sonst würde die Erde nicht leben können. Die Erde lebtmit dem Weltenall, wie wir leben mit der Luft. Würde jemand die Luftaußer uns wegnehmen auf der Erde, wir könnten nicht im Tag unsere
25 920 Atemzüge machen. Würde jemand die Sonne wegnehmen, alsodas Licht, die Erde könnte nicht leben. So lebt die Erde durch dasganze Weltenall, wie wir leben durch die Luft um uns herum. – So daßman also richtig sagen kann: Wir gehen auf der Erde spazieren; die Erde geht im Weltenall spazieren. Wir atmen auf der Erde; die Erdeatmet im Weltenall.

Sehen Sie, man könnte ja eine merkwürdige Wissenschaft bilden. Sie wissen, der menschliche Kopf ist ja rund (es wird gezeichnet) und hat, wenn man noch nicht ganz alt ist, hier die Haare. Jetzt leben da – nun, das ist ja nicht wünschenswert, aber es kommt vor – Wesen in diesem Wald. Nehmen wir an, die bilden aus den Schuppen hier eine Stelle, wo die Gescheitesten immer zusammenkommen und die Dummen belehren; das wäre eine Läuse-Universität auf dem menschlichen Kopfe selber. Nun, man kann das ja annehmen. Was würden denn diese geschei-
ten Läuse den dummen lehren? Sie würden lehren:
Der Kopf, der ist etwas Lebloses, denn wir spazieren darauf herum. Es bilden sich die leblosen Schuppen. Wenn man ein bißchen hineingräbt, kommt man an die leblosen Gebeine. – Das alles würden die gescheiten Läuse dendummen Läusen an der Läuse-Universität da oben erklären. Sie würden ungefähr den menschlichen Kopf so erklären, wie wir an unseren Universitäten die Erde erklären. Diese Läuse-Professoren – verzeihen Sie, ich meine natürlich die, die am Kopfe sind -, die würden also nichts wissen davon, daß der menschliche Kopf lebt; sie würden also eine
Geologie vom Kopf auseinandersetzen und den Kopf für tot erklären.

Ja, aber, meine Herren, an unseren Schulen macht man ja das! Da wird die Erde für tot erklärt. Man weiß nichts von ihrer Atmung. Denn an dieser Läuse-Universität würde man niemals etwas davon erfahren, daß der Mensch atmet, also hier würde nichts erklärt von der menschlichen Atmung; es würde erklärt: Der Mensch ist tot, der Menschenkopf ist eine tote Kugel. – Und wenn nicht gerade die Kopfläuse in irgendeine Beziehung kämen zu den Körperläusen, so würden die Kopfläuse überhaupt nie etwas erfahren vom Körper.
So ist es: Wenn die Menschen auf der Erde nicht in Beziehung kommen zu anderen Wesen höherer Art, so erfahren sie niemals etwas davon, daß die Erde auch ins Weltenall hinaus ihre Wasser als Körpersendet und befruchtet wird, atmet und befruchtet wird. Ja, wir können uns wirklich von da, vom Kopfe aus — von der Vorstellung, was an dieser Kopf-Universität da als eine Wissenschaft vorgetragen würde -, eineVorstellung machen, wie die Wissenschaft von der Erde beschaffen ist.
So ist sie nämlich wirklich beschaffen! Und Sie sehen daraus, daß es schon notwendig ist, daß man über dasjenige, von dem man ja einsehen kann: Es ist eben vom beschränkten Standpunkte her – daß man über das hinauskommt. Man muß darüber hinauskommen.
Und hinaus kommt eben eine wirkliche Geisteswissenschaft, die ebenso wissenschaftlich vorgeht und die also auch diese Dinge erklären kann, welche der Hansen dazumal der Wissenschaft erst gebracht hat.
Nun, meine Herren, wir sind noch nicht fertig mit dieser Hypnose frage und mit dem anderen. Diese Dinge werde ich noch das nächsteMal ein wenig besprechen, weil man sie vergleichen muß mit dem, wie sie sich verhalten zum gewöhnlichen Schlafe. Und das, was geschieht, wenn der Mensch schläft, was geschieht, wenn der Mensch kataleptisch wird – denn beim gewöhnlichen Schlaf können Sie nicht auf zwei Stühlen liegen und auf sich herumtreten lassen -, den Unterschied zwischenSchlaf und Hypnose, den Unterschied zwischen Katalepsie und Gedankenflucht, das will ich Ihnen am nächsten Mittwoch um neun Uhr weiter erklären.


s. auch zum Thema Blitz/Donner – Gedankenbildung – aus GA 109, S. 97-98:

„Der Mensch ist das einzige wirklich denkende Wesen auf unserer Erde. Durch seine Gedanken erlebt der Mensch eine Welt, die ihn über diese Erde hinausführt. In der Form, in welcher sich im Menschen die Gedanken entzünden, erlebt kein anderes irdisches Wesen die Gedanken. Was entzündet in uns den Gedanken, was spielt sich in uns ab, wenn der einfachste oder herrlichste Gedanke uns durchzuckt? – Zweierlei wirkt in uns zusammen, wenn wir Gedanken durch unsere Seele ziehen lassen: unser Astralleib und unser Ich. Der physische Ausdruck für unser Ich ist das Blut; der physische Ausdruck für unseren Astralleib ist unser Nervensystem, das, was wir Leben nennen in unserem Nervensystem. Und niemals würden unsere Gedanken unsere Seele durchzucken, wenn nicht ein Zusammenwirken wäre zwischen Ich und Astralleib, welches seinen Ausdruck findet im Zusammenwirken zwischen Blut und Nervensystem. Sonderbar wird es einmal einer menschlichen Zukunftswissenschaft vorkommen, wenn die heutige Wissenschaft allein im Nervensystem die Entstehung des Gedankens sucht. Nicht in den Nerven allein ist der Ursprung des Gedankens. Nur in dem lebendigen Zusammenspiel zwischen Blut und Nervensystem haben wir den Vorgang zu erblicken, der den Gedanken entstehen lässt. Wenn unser Blut, unser inneres Feuer, und unser Nervensystem, unsere innere Luft, so zusammenwirken, dann durchzuckt der Gedanke die Seele. Und die Entstehung des Gedankens im Innern der Seele entspricht im Kosmos dem rollenden Donner. Wenn das Blitzesfeuer sich entzündet in den Luftmassen, wenn Feuer und Luft zusammenspielen und den Donner erzeugen, dann ist das in der großen Welt dasselbe makrokosmische Ereignis, dem entspricht der Vorgang, wenn das Feuer des Blutes und das Spiel des Nervensystems sich entladen im innern Donner, der allerdings sanft und ruhig und unvernehmbar für die Außenwelt erklingt im Gedanken. Was der Blitz in den Wolken, das ist für uns die Wärme unseres Blutes, und die Luft draußen mit allem, was sie an Elementen enthält im Universum, entspricht dem, was unser Nervensystem durchzieht. Und wie der Blitz im Widerspiel mit den Elementen den Donner erzeugt, so erzeugt das Widerspiel von Blut und Nerven den Gedanken, der die Seele durchzuckt. Wir schauen hinaus in die Welt, die uns umgibt: Wir sehen den zuckenden Blitz in den Gebilden der Luft und hören den sich entladenden, rollenden Donner. Und dann blicken wir in unsere Seele und spüren die innere Wärme, die in unserem Blute pulsiert und spüren das Leben, das unser Nervensystem durchzieht – dann fühlen wir den Gedanken uns durchzucken und sagen: Beides ist eins. Wahrhaft und wirklich ist es so! Denn in uns denken wir, und wenn der Donner am Himmel rollt, so ist das nicht nur eine physisch-materielle Erscheinung. Das ist es nur für die materialistische Mythologie. Für den aber, der die geistigen Wesen durchweben und durchwallen sieht das materielle Dasein, für den ist es Wahrheit und Wirklichkeit, wenn der Mensch hinaufschaut und den Blitz sieht und den Donner hört und sich sagt: Jetzt denkt der Gott im Feuer, wie er sich uns verkündigen muss. Das ist der unsichtbare Gott, der das Universum durchwebt und durchwallt, der seine Wärme in dem Blitz und seine Nerven in der Luft und seine Gedanken in dem rollenden Donner hat.“

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Aus GA 218, S. 68 ff.:

Betrachten wir den Menschen einfach so, wie er im Leben Tag für Tag drinnensteht, und zwar zunächst heute einmal von der alleralltäglichsten Seite. Der Mensch muss sich, um sich zu erhalten, ernähren. Er muss dasjenige, was wir gewöhnlich Stoffe der Natur nennen, aus dem tierischen, pflanzlichen und zum Teil auch aus dem mineralischen Reich in seinen eigenen Organismus herein aufnehmen. Aber dasjenige, was der Mensch aus der äußeren Umgebung aufnimmt, das unterliegt im menschlichen Organismus einer ganz gewaltigen Umänderung. Zunächst, wenn wir Nahrungsmittel aufnehmen auf dem gewöhnlichen Wege, so bekommen wir sie, höchstens vorbereitet durch die Kochzubereitung, in unseren Organismus herein so, wie sie zunächst draußen in der umgebenden Natur, vielleicht eben etwas zugerichtet, sind. Wir bekommen außerdem durch unsere Atmung die Luft auch wiederum in demjenigen Zustand in uns herein, wie sie eben in unserer Umgebung vorhanden ist. Sehen wir jetzt zunächst ab von anderem, was im Grunde genommen noch wichtiger ist, zum Beispiel das Licht, das wir auch aus der Umgebung so hereinbekommen, wie es zunächst als Licht ist; aber auch die Nahrungsmittel und die Luft müssen in unserem Organismus einer gewaltigen Umänderung unterzogen werden, damit sie diesen unseren Organismus erfüllen können, damit sie gewissermaßen in unserem Organismus menschlich werden.

Äußerlich beschrieben, ist der Vorgang heute ein ganz bekannter. Wir nehmen die Nahrungsmittel auf, wenn wir zunächst bei diesen stehenbleiben, wie gesagt, vielleicht schon etwas zubereitet. Wir verarbeiten sie zunächst, namentlich durch die Absonderung der Drüsen, des übrigen Verdauungsapparates, wir nehmen sie herein, bespülen sie, durchtränken sie mit einem Stoff, den man Ptyalin nennt, der abgesondert wird von den Mundspeicheldrüsen. Wir bringen dann die Speisen weiter in unseren Verdauungsapparat hinein. Den Weg, der da gemacht wird, habe ich hier nicht zu charakterisieren. Aber den ganzen Vorgang muss ich Ihnen charakterisieren. Dadurch, dass wir die Nahrungsmittel in uns aufnehmen, in uns verarbeiten, werden sie schon etwas verändert gegenüber dem, was sie draußen in der Umgebung sind. Dasjenige, was die Nahrungsmittel in uns werden, das könnten sie niemals durch äußere Vorgänge werden. Wir können in dem chemischen Laboratorium die Stoffe, die unsere Nahrungsmittel darstellen, in der verschiedensten Weise bearbeiten. Das geht dort nicht vor, was mit den Nahrungsmitteln vorgeht, wenn wir sie bis in unseren Magen und von da in unseren Verdauungsapparat bringen. Da werden die Nahrungsmittel in der Tat zu etwas ganz anderem, als sie zunächst äußerlich sind.

Erstens tritt dasjenige ein für sie, dass sozusagen jede Spur des äußeren Lebens aus ihnen herausgetilgt wird. Die Menschen genießen Fleisch. Das ist entnommen der äußeren Umgebung, dem Tierreiche. Aber indem die Menschen es genießen, treiben sie erst gerade durch die Vorverdauung, möchte ich sagen, und die weitere Verdauung dann alles dasjenige heraus, was diese Nahrungsmittel in den Tierkörpern darstellen. Auch noch alles das, was die pflanzlichen Nahrungsmittel dadurch, dass sie einem lebendigen Wesen in der Pflanze angehörten, in sich an Leben haben, muss erst ausgetrieben werden. Nur die eigentlich mineralischen Bestandteile nehmen wir als äußere stoffliche Substanzen auf. Wenn wir unseren Speisen Salz zusetzen, das also schon äußerlich mineralischer Natur ist, wenn wir Zucker zusetzen, der auch schon durch die äußere Zubereitung, wenn er auch vielleicht dem organischen Reiche entstammt, dennoch so weit getrieben ist, dass er bereits tot gemacht worden ist, so haben wir da etwas schon Totes aufgenommen. Das erfährt die wenigste Umgestaltung in uns; das erfährt wirklich bloß eine Umgestaltung, die man schon auch äußerlich laboratoriumsmäßig vollziehen konnte. Aber alles, was aus dem Tier- und Pflanzenreiche in unseren Organismus hineinkommt, das muss zunächst gründlich, wenn ich mich so ausdrücken will, getötet werden.

Wir machen auch in unserem Kochen sozusagen eine Art Vortötung, indem wir die Speisen der Wärme unterwerfen und so weiter. Das wird gründlich von unserer Verdauung besorgt, so dass, wenn unsere Nahrungsmittel eine gewisse innere Entwickelung durchgemacht haben bis zum Darm, wenn sie herangekommen sind in diese unteren Verdauungsorgane, in ihnen wesentlich alles dasjenige ausgetrieben ist, was sie äußerlich dadurch sind, dass zum Beispiel die tierischen Nahrungsmittel unterworfen sind dem astralischen Leib und dem Ätherleib des Tieres, dass die pflanzlichen Nahrungsmittel unterworfen sind dem ätherischen Leib bei den Pflanzen und so weiter. Also es muss zunächst auf dem Wege vom Mund bis in den Darm das besorgt werden, dass alle Nahrungsmittel tot sind.

Denn indem jetzt die Nahrungsmittel herankommen an diejenigen drüsigen Organe, welche dann überleiten die Nahrungsmittel von dem Darm in die Lymphgefäße und in die Blutgefäße, da muss auf diesem Wege zurück eine Belebung der Nahrungsmittel stattfinden. Die Nahrungsmittel müssen zunächst tot werden in uns und müssen dann wiederum belebt werden. Wir könnten nicht in unserem menschlichen Organismus eine Fortsetzung desjenigen Lebens vertragen, das im Tiere, dem wir die Nahrungsmittel entnehmen, vorhanden ist, oder das in der Pflanze vorhanden ist. Wir können höchstens die unorganische Natur so aufnehmen, dass sie uns unsere eigenen Gesetze darbietet. Wir könnten nicht, sagen wir, Kohl essen, könnten ihn nicht bei der Verdauung an unsere Darmzotten so herankommen lassen, dass da drinnen noch dieselben ätherischen Kräfte vorhanden wären, die der Kohl hat, indem er einer Pflanze angehört. Das Ätherische, das Astralische, das die Nahrungsmittel haben, das muss erst weggemacht sein. Und dann muss von unserem eigenen Ätherleib aufgenommen und wieder belebt werden können dasjenige, was wir also aufnehmen. Das Leben der Nahrungsmittel in uns muss von uns kommen. Und das geschieht auf dem Wege von der Darmorganisation durch die Gefäße zum Herzen hin. So dass wir also sagen können: indem die Nahrungsmittel in das Blut gelangen, das Blut das Herz durchsetzt, wird von unserem Ätherleib dasjenige aufgenommen, was an erst ertöteten Nahrungsmitteln in uns hineinversetzt wird. So dass Sie sich also vorstellen können: Wenn die Nahrungsmittel vom Mund in den Darm dann gelangen, gehen allmählich die letzten Spuren der Außenwelt verloren, aber hier (siehe Zeichnung, rot) werden sie neu belebt bis zum Herzen hin. Das Neubeleben bedeutet eben, dass sie von unserem eigenen Ätherleib aufgenommen werden. Sie würden nun aber zu wenig den Charakter des Irdischen haben, wenn bloß das geschehen wäre, was ich Ihnen bis jetzt beschrieben habe. Wir würden nämlich Wesen sein müssen, die bis zum Herzen hin bloß Mund- und Verdauungsapparat haben und dann müssten wir anfangen, Engel zu sein, denn es würde unser Ätherleib die Nahrungsmittel aufnehmen und ganz auflösen. Wir würden nicht irdisch sein können. Wir müssten dann so herumfliegende Münder mit anhängenden Schlünden sein, und Magen und Darm und Herz noch haben, und dann, nicht wahr, würde das alles von unserem Ätherleib aufgenommen werden. Aber sonst müssten wir dann Ätherleib sein, und in dem Ätherleib würden dann die Nahrungsmittel sich verflüchtigen. Wir würden nicht Erdenmensch sein können. Dass wir es sein können, das wird dadurch bewirkt, dass nun der Sauerstoff der Luft aufgenommen wird. Es wird also in das, was durchdrungen ist an Nahrungsmitteln vom Ätherleib, der Sauerstoff der Luft hereingenommen, und dadurch bleibt weiter für uns die Möglichkeit, dass wir irdische, fleischliche Menschen sind hier auf Erden zwischen Geburt und Tod (siehe Zeichnung, hell). Also der Sauerstoff macht wiederum dasjenige, was sich sonst in unserem ätherischen Leib verflüchtigen würde, zu dem Irdisch-Lebendigen. Der Sauerstoff ist derjenige Stoff, der etwas, das sich sonst nur als ein Ätherisches bilden würde, ins Irdische hereinversetzt. Jetzt sind wir bis zu der Verbindung von Herz und Lunge gekommen. Das Herz würde uns noch nicht zum irdischen Menschen machen, sondern es würde uns nur so weit bringen, dass wir nun an das Herz unseren Ätherleib anschließen würden und als solche Engel auf der Erde herumfliegen würden, die also vielleicht manchem wenig schön vorkommende Ingredienzien hätten, wie Mund, Schlund, Gedärme und Gefäße bis zum Herzen hin. Aber dadurch, dass das Herz mit der Lunge in Verbindung ist, den Sauerstoff aufnimmt, wird die Nahrungsaufnahme nicht nur ätherisiert, sondern auch verirdischt.

Jetzt kommt die Notwendigkeit, dass dasjenige, was nun von unserem Ätherleib aufgenommen ist, vom Sauerstoff durchtränkt ist, so dass wir irdische Menschen sein können, dem astralischen Leib eingefügt werden muss. Das ist jetzt noch nicht vom astralischen Leib aufgenommen, das ist erst vom Ätherleib aufgenommen. Es muss jetzt die Tätigkeit entwickelt werden, dass alles das, was sich da bis zur Herz-Lungentätigkeit herausgebildet hat, von dem ganzen Organismus aufgenommen wird, aber so, dass auch der astralische Organismus dabei etwas zu tun hat. Diese Tätigkeit vermittelt das Nierensystem des Menschen, das nun dasjenige absondert, was unbrauchbar ist von den Stoffen, die aufgenommen werden, aber das übrige in den ganzen Organismus auf Wegen leitet, die die heutige Physiologie gar nicht eigentlich beschreibt, die aber vorhanden sind.

Und da wird nun, wenn ich mich so ausdrücken darf, der ganze Brei, der aber jetzt schon lebendig bleibt – er ist nur im Darmkanal ganz ertötet worden, ist dann belebt und von Sauerstoff durchtränkt worden ~, durch die Tätigkeit des Nierensystems, das sich über den ganzen Organismus erstreckt und überall hinstrahlt, in den astralischen Leib hineinbefördert, so dass dieser jetzt mitarbeiten kann an der weiteren Gestaltung dessen, was durch die Nahrungsmittel in uns bewirkt wird (siehe Zeichnung, gelb).

Dieser astralische Organismus, insofern er vom Nierensystem aus seine Anstöße erfährt, steht jetzt wiederum in Verbindung mit dem Kopf-Sinnessystem, das gewissermaßen wie eine Decke darüber ist. Und Nieren- und Kopf-System zusammen, die wirken nun fortwährend so, dass dasjenige, was eigentlich durch die Herztätigkeit flüssig, verschwimmend ist, nun zu den besonderen Organen geformt wird. Wir würden, wenn bloß Mund, Magen, Darm, Herz und Lunge da wären, gar nicht feste Organe haben, sondern der Magen selber müsste ein verschwimmendes, ein in sich bewegliches Organ sein, ebenso die Lunge, ebenso das Herz. Das könnte alles nicht fest sein. Gestaltet werden diese Organe von den Nieren aus, und den Nieren kommt zu Hilfe dasjenige, was vom Kopfe ausgeht.

Die Organe müssen nämlich nicht nur während der Kindheit gestaltet werden, sondern fortwährend; denn unsere Organe werden fortwährend zerstört. Im Laufe von sieben bis acht Jahren wird solch ein Organ, wie der Magen zum Beispiel, vollständig vernichtet. Seine Substanz kommt ganz weg und wird immer wieder erneuert. Da müssen immer formgebende Kräfte vorhanden sein, die diese Organe erneuern. In der Kindheit muss noch viel mehr daran gearbeitet werden. Später sind aber diese formgebenden Kräfte auch noch da.

Das geht so vor sich (siehe Zeichnung): Das Nierensystem, das auf der einen Seite diese Kräfte ausstrahlt, würde nur einseitig die Organe zustande bringen. Es würde zum Beispiel einen Lungenflügel so gestalten – von der Seite angesehen -, dass er rückwärts ganz nett begrenzt wäre, aber nach vorne würde er verschwimmen, er würde da herausschwimmen. Nun muss ihm die Kraft vom Kopfe entgegenkommen, so dass die vordere Fläche vom Kopfe aus gebildet wird, so dass immer die einzelnen Formen des Menschen so geformt werden, dass gewissermaßen die Niere die Kräfte ausstrahlt, und vom Kopf dann die Kräfte kommen, welche so eindämmen, dass die Organe Konturen bekommen, gerundet werden. Vom Kopfe aus werden die Flächen äußerlich gebildet. Die Niere aber liefert so eine Art Strahlung in den Organismus hinein. Es ist ungefähr so, sagen wir, wie wenn ich irgendetwas plastisch bilden wollte. Ich nehme in die eine Hand Mörtel oder irgendeine weiche Substanz, und nun lerne ich mir an, mit der einen Hand den Mörtel hinaufzuwerfen (siehe Zeichnung, gelb, rot) und mit der anderen Hand abzuglätten. Das eine, das Hinaufwerfen, seien die Nieren, das könnte ich so machen, dass ich irgendeinen Bottich habe, wo ich die Substanz nehme (siehe Zeichnung); das schleudere ich herauf, oben glätte ich ab und bekomme auf diese Weise diese Organe, die eigentlich ausstrahlen und abgeformt sind. So werden die Organe im Zusammenhang von Nierensystem und Kopfsystem gebildet, und da drinnen wirken die Kräfte des astralischen Leibes. Das ist also etwas, was unter einer außerordentlich starken Veränderung des Stickstoffes vor sich geht. Der Stickstoff ist da schon nicht mehr das, was er äußerlich ist, denn der Stickstoff, der also noch die Ähnlichkeit behält mit dem äußeren Stickstoff, geht dann durch die Harnsäure und den Harnstoff weg. Aber dasjenige, was da ausstrahlt von der Niere und verarbeitet wird, das ist eigentlich ein innerlich bis in die wirksamen Kräfte des astralischen Leibes hinein veränderter Stickstoff. Das ist etwas ganz anderes als der äußere Stickstoff.

Da haben Sie dasjenige, was der Mensch als Nahrungsmittel empfängt, getrieben bis zu dem Punkt, wo es in die Astralität, in den Astralleib des menschlichen Organismus aufgenommen wird. Diese Vorgänge, wie ich sie Ihnen jetzt geschildert habe, etwas verändert, finden auch im Tiere statt. Das Tier hat auch diese, ja sogar bei den höheren Tieren noch weitergehende Vorgänge. Bei den niederen Tieren aber finden höchstens noch Andeutungen desjenigen statt, was jetzt kommt. Die höheren Tiere haben es aber, weil sie von dem Menschengeschlecht
abgezweigt sind; sie haben es noch, aber es ist bei ihnen deformiert und degeneriert.

Nun, in all das, was da gebildet wird, strahlt nun noch etwas anderes hinein. Wir haben also zunächst dieses Treiben der Nahrungsmittel bis zur Ertötung. Da kommen wir ungefähr so weit, dass wir die Bauchspeicheldrüse als eine der letzten Drüsen haben, welche die Dinge soweit bringt, dass sie dann, indem sie der Lymphe entgegentreiben, belebt und in den Ätherleib aufgenommen werden können; dann durch die Kommunikation vom Herzen zu den Nieren hin wird das ganze in den astralischen Leib hineingetrieben. Nun muss aber auch noch das Ich engagiert werden. Alles, was in unserem Organismus ist, muss vom Ich in Anspruch genommen werden.

Nun habe ich Ihnen gezeigt, wie das, was sich mit uns vereinigt, von dem ätherischen und astralischen Organismus in Anspruch genommen wird, wie es vom Nierensystem aufgenommen und ins Astralische hineingestrahlt, wie es da mit Hilfe des Stickstoffes zum Irdischen gemacht wird. Wir würden sonst wiederum Engel werden müssen, wenn nicht der Stickstoff in uns wirken würde, der uns wiederum vom Nierensystem aus den astralischen Leib innerhalb des Irdischen erhält. Aber das ganze würde uns nicht so gestalten, dass auch das Ich an dem Ganzen teilnimmt, wenn nun nicht das Lebersystem da wäre (siehe Zeichnung, blau). Das Lebersystem treibt das ganze in das Ich hinein. Sie sehen, es ist die Fortsetzung der Herzwirkung, denn selbst bis in die Därme hinein geht die Herzwirkung.

Das Aufsaugen durch die Lymphgefäße, das ist noch etwas, was zum Herzen gehört. Das Herz ist in der Regel dasjenige Organ, das mit der Lunge zusammen die äußeren Substanzen in unser eigenes Ätherisches hineintreibt. Von da aus ist es dann das Nierensystem, das es in unser Astralisches hineintreibt. Und das Lebersystem mit seiner Gallenabsonderung treibt das ganze erst in unser eigentliches Ich hinein. Das Gallen- und Lebersystem findet sich auch nur im höheren Tierreiche; bei niederen Tieren nicht, nicht einmal Gallensäure wird da in den körperlichen Substanzen gefunden. Das Lebersystem also mit seiner eigentümlichen Konstruktion der Pfortader und so weiter – man kann das auch anatomisch in jedem Stück belegen -, führt nun das ganze so, dass es ergriffen wird von dem Ich. Wenn alles das, was durch die Niere im Körper ausgestrahlt wird, allein vorhanden wäre, so würde es bloß vom Astralleib aufgenommen sein. Dadurch, dass die Leber vorhanden ist, von der Leber die Galle abgesondert wird und dem Speisebrei schon in dem Darm beigemischt ist, und so das ganze
schon durchsetzt ist von Lebererzeugnissen (siehe Zeichnung, blau), dadurch wird es dann in den Ich-Organismus hineingetrieben. So also auch beteiligt sich unser Ich-Organismus durch die Leber, die im Wesentlichen den Wasserstoff zu ihrem physischen Repräsentanten hat, an dem ganzen Aufbau der menschlichen Organisation. Der Mensch hat eigentlich von außen nichts Lebendiges, nichts Astralisches aufzunehmen; was er von außen aufnimmt, das hat er erst in seinem eigenen Organsystem alles so umzubilden, dass es in sein eigenes Astralisches
und in sein eigenes Ätherisches und in sein Ich-System aufgenommen werden kann.

Da haben wir die ganze, ich möchte sagen, normale Organisation des Menschen. Denken Sie, wie das alles zusammenstimmen muss.“

Rudolf Steiner in der GA 218, S. 68 ff.

+++

Die Wirkung der Kartoffelnahrung. Eiweiß, Fette, Kohlehydrate, Salze… R.Steiner
hier weiter

Der zu schwache und der zu starke Blutdruck. „Lungen-Wissen und Nieren-Wissen“ R.Steiner
hier weiter

Rudolf Steiner – Ernährung – Nahrungsbedarf:
Irdische und kosmische Ernährung – Teil 04 – Dr. Ernst Hagemann

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