Wege zu einer vertieften Welterkenntnis und zur Pflege eines meditativen Lebens – Fred Poeppig

Band Nr. 09:

Michaelisches Christentum
Wir können es gewiß als ein positives Zeichen bewerten, wenn aus dem Kreis unserer Leser in letzter Zeit die Fragen sich mehren, die sich auf die persönliche Lebensgestaltung beziehen, wie sie sich auf dem Hintergrund einer geistigen Weltauffassung ergeben, Denn solche Fragen finden zunächst keine Beantwortung vonseiten des konfessionellen Christentums. Zu diesen Fragen gehören in erster Linie diejenigen nach dem tieferen Sinn unseres Schicksals. Man hat sich gewöhnt, derartige Fragen mit dem Hinweis auf den „unerforschlichen Willen Gottes“ zu beantworten. Solange der Mensch sich in seinem tiefsten Wesen als Geschöpf Gottes fühlte, dessen vornehmste Aufgabe es war, seinen Willen zu tun, konnte ihn eine solche Antwort befriedigen, Mit dem Erwachen zur eigenen Individualität in der „Bewußtseinsseele“1, wie es in den letzten Jahrhunderten geschah, konnte diese Antwort ihm nichtmehr genügen. Eine andere Welt schob sich vor die göttliche und verdeckte diese…
Nr. 09 – Wege zu einem vertieften Christusverständnis und zur Pflege eines meditativen Lebens – Fred Poeppig

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Nr. 17 – Wege zu einem vertieften Christusverständnis und zur Pflege eines meditativen Lebens:

…Das Band zwischen uns und dem geistigen Reich sollte schon hier im Erdensein geknüpft werden, daß wir uns bewußt sind, der Leib gehört gar nicht mir, sondern ist mir nur als Werkzeug verliehen, um meine Erdenaufgabe zu erfüllen. Schon hier auf Erden gehöre ich dem Geistesreich an…

…Wir wollen hier nicht einer Welt- und Erdenflucht das Wort reden, wie sie vielfach die Lebenshaltung des mittelalterlichen Menschen bestimmte, die das Erdenleben zu einem „Jammertal“ machte.

…Aber die damit verbundene heutige einseitige materielle Lebenshaltung, die jeden Ausblick in eine höhere Welt ausgelöscht hat, hat sich in ihren bedenklichen Folgen in den letzten hundert Jahren immer deutlicher gezeigt. Es ist der „Krebsschaden“ unserer Zeit, das kulturgeschichtliche Karzinom des Materialismus, der sich bis in die Krankheitserscheinungen des 20. Jahrhunderts eingefressen.hat, da er alles seelische Leben bis in die feineren Bildekräfte des Lebensleibes vergiftet und ruiniert.
Deshalb ist es höchste Zeit, dies Manko einer platten diesseitsorientierten Lebenshaltung in ihren negativen,zerstörerischen Folgen für Seele und Leib zu erkennen.

…Die Todesfurcht, die – wenn nicht bewußt, so doch unbewußt – auf fast allen Menschen unserer Zeit als Alpdruck lastet (weshalb es zum Beispiel verpönt ist, in den Vereinigten Staaten Amerikas überhaupt vom Tode zu sprechen), ist die Folge dieser einseitigen Diesseitsorientierung. Denn sie läßt den Menschen in ein Nichts, in einen Abgrund blicken, der sich ihm im Anblick des Todes eröffnet, Und die Versuche, diesen dunklen Abgrund zu tarnen, vergrößern nur die Furcht und unsere Ohnmacht vor dem unbewältigten Rätsel des Todes.
Warum aber fällt es dem Menschen so schwer, sich aus seiner verbohrten Einseitigkeit zu befreien? Weil er mit verbundenen Augen an diesem Abgrund vorübergeht? Ist es die Furcht, die ihn blind gemacht hat, offenen Auges, unvoreingenommen und mutig sein Denken anzustrengen, um dem Tode sein Geheimnis zu entreißen? Sicher bannt und blendet ihn nicht nur die Todesfurcht, sondern die zum Dogma gewordene materialistische Denkgewohnheit, daß mit dem Zerfall des physischen Leibes alles seelische Le
ben auch an sein Ende gekommen ist! Dabei übersieht man geflissentlich, was an Zeugnissen aus dem übersinnlichen Gebiet vorliegt, was heute schon ganze Bibliotheken füllt Ein Studium wäre nötig, nur um diese Zeugnisse auf dem Felde der Parapsychologie, des Okkultismus, der Telepathie und medialen Botschaften zu sichten und auf ihren Wahrheitswert zu prüfen, um nur das Vordergründige zu nennen! Nachdem die Kirchen versagt haben und weitgehend dem materialistischen Nihilismus verfallen sind, indem sie keine Antwort auf die Frage zu geben wissen, was mit der Seele nach dem Tode geschieht, ist die okkulte Forschung aufgerufen, diese Frage zu beantworten.
Die umfassendste Antwort weiß die anthroposophische Geisteswissenschaft auf diese Frage zu geben. Warum sind nicht weitere Kreise hellhörig geworden und haben sich damit befaßt? Weil der moderne Mensch noch dogmengläubiger ist als der mittelalterliche Mensch. Er steht unter dem Banne des wissenschaftlichen Materialismus, der sich als Leensgesinnung in
ihn eingefressen hat. Wie viele Opfer wird die geistige Welt noch von uns fordern, um diese Mauer zu durchbrechen, die die Menschen nicht nur während ihres Lebens in ihre dunklen Bezirke einsperrt, sondern sie auch noch nach dem Tode gefangen hält? Diese Frage hängt wie eine dunkle Wolke über unserer gesamten Zivilisation, die sich an ihr und damit an der über
sinnlichen Welt – vorbeidrücken will. Aber niemand kann auf die Dauer ungestraft die geistige Welt negieren und ausschalten!

…Für jede Seele wird der Eintritt in die geistige Welt entsprechend ihren eigenen Vorstellungen sich gestalten, die sie sich während ihres Lebens gemacht hat. Für den Materialisten wird sie zunächst ein grauer Nebel oder ein Nichts sein, der religiös Gläubige findet seinen Himmel, wie er sich ihn nach den Vorstellungen seiner Kirche gemacht hat, bis die Seele durch
ihre subjektive Bilderwelt in die übersinnliche Wirklichkeit hinein erwacht. Was das Wichtigste dabei ist, und was uns hier beschäftigen, soll, ist die innere Gewißheit, zu welcher der über die Schwelle gelangte Mensch kommen soll: Ich bin jetzt eingetreten in jenes andere Reich und damit aufgenommen in die höhere Gesetzmäßigkeit, der ich hier unterstellt bin. Die
physisch-sinnliche Welt, der ich bisher angehörte, hat mich verlassen; sie fällt von mir ab und entschwindet mir.
Dies Erlebnis ist von grundlegender Art. Je nach unserer Lebenseinstellung wird es verschiedene Reaktionen in uns auslösen. Für den einen wird es bedrückend sein, der das Jenseits nur als Ort des Gerichts oder der Höllen- strafen mit Angst betreten kann, für den anderen wird es das tief erhebende Gefühl hervorrufen, in seine wahre Heimat zurückgekehrt zu sein. Da
her ist es so wichtig, die innere Zuversicht schon hier zu finden, die in der Erkenntnis beruht, daß wir aus dieser geistigen Heimat bei unserer Geburt gekommen sind und daß wir in sie nach diesem kurzen Erdenleben zurückkehren.

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