Weihnachts- und Neujahrsbotschaft: Weihnachten ist kein Feiern, sondern ein Gedenken – und: Fürchtet euch endlich vor der Dummheit! / Christa Schyboll

Weihnachten ist kein Feiern, sondern ein Gedenken

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Fürchtet euch endlich vor der Dummheit! – Und ent-ängstigt euch durch mutiges Handeln!
Von Christa Schyboll
(Hinweis: die eingefügten Links geben nicht unbedingt die Meinung der Autorin wieder!)

Wer gut organisiert ist, Hektik und Stress früh eine Absage erteilt, hat auch in den heutigen unruhigen Zeiten die Chance auf Besinnlichkeit. „Freut euch, es Weihnachtet sehr!“, möchte man rufen und hoffen, dass uns allen weitere Terrorakte mit so viel persönlichem Leid erspart bleiben!

Damit die ersehnte Besinnlichkeit nicht nur allein in eine gewisse Betulichkeit übergeht, ist für die meisten Menschen ein innerer Kraftakt des Bewusstseins nötig. Eine nüchtern-klare Besinnung auf den gegenwärtigen Zustand der Welt und eine neue Sinnstiftung sind gefordert. Dabei müssen wir unsere Handlungen aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft gedanklich mit in diesen untrennbaren Zeitenstrom hineinnehmen. Davon ist eine saubere Analyse abhängig. Jeder einzelne von uns, aus und für sich selbst sollte dies leisten und wollen – um auch selbst neu zur Be-Sinnung zu kommen. Vielleicht kann man aus diesem selbst erarbeiteten Ergebnis dann die Kraft und die Mut zum Umsteuern gewinnen. Es kommt auf jeden Einzelnen an, wenn es wirkungsvoll und nachhaltig werden soll.

Was derzeit alles an Missständen lebt, was Ängste und Unsicherheiten erzeugt, was alles an Leid produziert wird, hat seine Wurzeln in der Vergangenheit durch das politische Fehl-Handeln durch viele Jahrzehnte. In Demokratien wird das politische Handeln durch freie Wahlen und das Tun der dann gewählten Volksvertreter legitimiert. Was verbrecherische Diktatoren weltweit an Leid verursacht haben, ist offensichtlich und unstrittig. Was legitimierte Demokratien der westlichen Welt aber ebenfalls leider an großem Anteil des weltweiten Leidens tragen, ist vielen Mitmenschen noch nicht bewusst. Man solle nicht sagen, niemand hätte viele der heutigen desaströsen Zustände kommen sehen. Es wäre eine weitere Verzerrung der Wirklichkeit durch Verdrängung.

Der Mut zu klein – die Gier zu groß!

Seit vielen Jahrzehnten und länger haben wir immer und immer wieder genug kluge Warner und Warnerinnen gehabt, die uns nüchtern aufzeigten was passiert, wenn wir so weitermachen wie bisher. Und wir machten nicht nur weiter, sondern forcierten das eigene ungute Tun, schlossen Pakte über Pakte mit Verbrechern, waren kleinlich in Sachen Menschlichkeit und drückten feste beide Augen zu, wenn es darum ging, Waffen in Milliardendeals zu verkaufen und den doch zwangsläufig endlichen Traum eines scheinbar ewigen Wachstums in die Köpfe der Menschen zu pflanzen. Das brauchte nicht einmal viel Hirnwäsche; das erledigte die Sache der Verführbarkeit. Einerseits ist das allzu menschlich, andererseits auch allzu fatal, weil lange schon entgrenzt. Die Liste sinnvoller Grenzen, die dabei wissentlich und willentlich gesprengt wurden, ist lang. Die Folgen tragen wir heute und begreifen nur langsam etwas von dieser selbsterzeugten Logik des Unvermeidlichen!

Es mangelte uns nicht an Menschen, die vorausdachten und vorwegnahmen, was jetzt ist und noch kommt… Es sind keine Zufälle, keine Unglücke, keine unabwendbaren Schicksalsdinge, die sich ereignen, sondern die Zustände sind nichts als menschengemacht; teils gewollt, gezielt, teils provoziert. Das sollten wir in unsere Weihnachtsgedanken mit hineinnehmen, damit wir – möglichst besinnlich – aber auch zur Besinnung kommen! Nicht wenige von uns dürfen sich zu Recht fragen, ob und wer und was da eigentlich von Sinnen und nicht mehr zu stoppen ist!

Irgendwann einmal zu früheren Zeiten, als ein Umsteuern noch leicht gewesen wäre, war der Mut zu klein, die Gier zu groß. – Irgendwann einmal, als wir noch in einer unendlichen Vielfalt von Tieren und Pflanzen lebten, von denen heute bereits Abertausende für alle Zeiten verloren sind durch unser Wüten in der Welt, hätten wir umsteuern können! Aber das hätte mehr finanzielle Unterstützung für Naturschutz gebraucht. Das Geld haben wir lieber für anderes verwendet.

Miesmacher aus der Schmuddelecke des Ungeliebten

Immer mehr, immer höher, immer schneller, immer bequemer – das war für uns alle doch sehr verführerisch. Das brachte satte Gewinne, Wohlstand, der sich jedoch ungleich verteilte. Ungleicher Wohlstand kann aber immer nur eine gewisse begrenzte Zeit funktionieren. Da wirken ganz natürliche Gesetze in der Menschheit selbst, die diesem unmenschlichen Treiben früher oder später eine Grenze setzen. Und so schlagen die Folgewirkungen des falschen Handelns heute brutal zurück. Sage niemand, es hätte vorher niemand gewusst. Doch! Und es wurde auch immer wieder gesagt…!

Doch wir entschieden uns in der Masse anders, obschon wir es wussten – oder hätten wissen können, wenn wir nur wollten. Wir ließen uns lieber einlullen, beruhigen und hörten gern, wenn die frühen und klugen Warner als Dummschwätzer gegeißelt wurden. Auf Miesmacher, Fatalisten oder Schwarzseher braucht man schließlich nicht zu hören. Sie wurden schnell von den jeweils machthabenden Politikern in eine Schmuddelecke gestellt und mundtot gemacht. Und jetzt?

All diejenigen in Machtpositionen aller Art, die jedoch sehr früh noch viel genaueren Überblick über die drohenden fatalen Entwicklungen hatten, weil ihnen ganz andere Informationen zur Verfügung standen als dem „normalen Volk“, sollten sich auch ganz persönlich fragen, wie hoch ihr eigener Anteil am Wegschauen war, als die Weichen gestellt wurden und sie selbst schon in Verantwortung standen. Doch wer stellt sich diese selbstkritischen Fragen schon gern und ernsthaft und zieht daraus auch Schüsse?

Die Sache der Nachhaltigkeit ist noch sehr jung im kollektiven Bewusstsein. Die Sache der Hilfe vor Ort findet erst jetzt, wo uns das Wasser bis zum Hals steht und gewiss noch weiter steigen wird, erste konkrete Maßnahmen (siehe Afrika z.B.). Welcher Art sie aber letztlich sein werden und ob der Hauptteil der finanziellen Unterstützung letztlich dann vor allem in neuen Mauern und Hochsicherheits-Lagern besteht, um weitere Menschenströme abzuhalten, wird sich zeigen. Auch jetzt, wo endlich das Steuer der vielen Fehlentwicklungen herumgerissen werden soll, gibt es viele wilde und zugleich hilflose Paddelschläge im peitschenden Wasser der rauen Wirklichkeit. Wildwasser zu durchschiffen, braucht Könner.

Stürme mit reinigender Wirkung

Doch wo sind diese Könner? Gibt es sie überhaupt? Oder sind die potenziellen Weltenlenker selbst so ins „System“ verstrickt, dass sich letztlich das Wesentliche längst verselbständigt hat? Wer bringt auf welche Weise denn die aufgebrachte Menschheit so durch, dass es für ALLE am Ende doch spürbar besser wird?

Es zeigt sich schon heute, dass unser gesamt-westliches Fehlverhalten seit Jahrzehnten und Jahrhunderten nun sehr teuer wird. Flankierend wird es vermutlich auch personell sehr aufwändig und auch noch weiter gefährlich für uns werden. Denn die Rebellionen gegen die, die Wohlstand haben und die, denen es bis heute und auf lange Jahre noch verwehrt ist, dürfte kaum noch zu stoppen sein.

Das liest man nicht gern. Erst recht nicht zu Weihnachten. Aber wann im Jahr ist denn die beste Zeit für Besinnung und die Frage nach Sinn und Unsinn?! Die Augen davor zu verschließen, ist noch viel gefährlicher! Denn das Verdrängen der Probleme haben wir ja nun alle in der Gesamtheit lange genug gemacht und ernten jetzt die ersten Ausläufer des Sturms. Ein Regenschirm richtet da nicht mehr viel aus.

Ein Sturm kann aber auch eine reinigende Wirkung haben. Es wäre fatal, immer nur die destruktive Seite einer Fehlentwicklung zu sehen. Man muss drüber hinaus denken und das Bessere, das auch mögliche Alternative ist, mit visionieren: Wenn wir wirklich eine gerechtere Welt schaffen wollen, so wird dies letztlich nur positiv sein. Opfer auf dem Weg dahin gab es schon immer massenweise. Nur waren es bisher „die anderen“ – und nicht wir.

Und es gibt auch Betrachtungsweisen, die Hoffnung aufkeimen lassen. Denn trotz Miss- und Notstände kann man auch feststellen, der Hunger in der Welt ist schon weniger geworden. Die Armutsgrenze wurde ein Stückweit schon abgebaut. Immer mehr Verträge, die früher nicht einmal zur Debatte standen, werden ja auch geschlossen und mehr und mehr eingehalten. Es werden mehr Krankheiten besiegt, auch wenn neue dazu kommen, die vorher unbekannt waren. Es ist schwierig zu sagen, ob tatsächlich alles immer nur schlimmer oder schlechter wird oder sich gleichzeitig nicht trotz des Elends und der Toten eine ganze Reihe Tendenzen leise zum Besseren wenden. Auch dafür gibt es Fakten und Zeichen, wenn man nicht einseitig auf die Welt und die Dummheit der Menschen schaut.

Von begründeten und irrationalen Ängsten

„Wo viel Licht ist, ist starker Schatten“ … stellte nicht nur Goethe mit seinem Götz von Berlichingen fest. Vielleicht befinden wir uns gerade in einer Übergangsphase, wo die Licht- und Schattenkräfte sich besonders befeuern. Die Menschlichkeit gegen die Unmenschlichkeit. Die Gier gegen den freiwilligen Verzicht. Die kluge Einsicht gegen die dumpfe Dummheit. Und sagt man nicht, dass das Licht auch ohne den Schatten leben kann – jedoch nicht der Schatten ohne das Licht? Diese Metapher für das Gute und das Böse trägt doch den Keim der Hoffnung in sich, der uns zu Weihnachten besonders trösten könnte.

Wer hat die Lösung zu all dem? Jeder der politischen Parteien suggeriert zumindest, sie selbst am besten zu haben… besser zu sein als die anderen. Was dabei versprochen wird, hat wiederum viel Verführerisches nach der einen oder anderen Seite – je nachdem wo man selbst im gesellschaftlichen Kontext steht. Wir werden lernen müssen, über unsere ganz persönlichen Bedürfnisse hinauszudenken und diese in so manchen Dingen hintenanzustellen, wenn es dem Ganzen dient.

Was ist prioritär zu tun? Was flankierend? Was überrollt uns da? – Gegenwartsfragen, deren Antworten jetzt und nicht erst in der Zukunft gefunden werden müssen. Die Not ist groß! Habt keine Angst! Fürchtet euch nicht! …wird uns gesagt… nicht nur von Politikern sondern auch in der Weihnachtsbotschaft. Furcht muss niemand haben, der reinen Herzens ist. Doch wer ist schon so reinen Herzens, dass er über die beruhigenden Worte hinaus auch deren Wirkung als beruhigende Wirklichkeit erlebt?!

Manchmal ist eine Furcht oder auch eine ganz spezielle Angst durchaus sinnvoll und gut, vielleicht sogar lebensrettend. Das wird leider niemals differenziert, wenn von Ängsten gesprochen wird. Ängste, die Menschen empfinden, werden so oft schnell dämonisiert.

Der Weg über die Angst zu neuem Mut

Was aber, wenn wir endlich einmal Furcht oder Angst vor den Folgen der menschlichen Dummheit bekämen? Wäre da nicht schneller Rettung für uns alle möglich? Würden mangels Dummheit vielleicht dann so manche politische Schwachsinnigkeit und Unmenschlichkeit unterbleiben, weil man einsieht, dass ein solcher Bumerang tödlich zurückschlagen kann? Die vielen Kriege lassen grüßen! Würden wir uns endlich doch einmal vor einem falschen Handeln fürchten, vor den falschen Fragen, den nicht umgesetzten Beschlüssen oder Ängste vor der allerorten vorhandenen Gewissenslosigkeit entwickeln, dann wären Ängste durch und durch konstruktiv, weil an der richtigen Stelle gesund empfunden.

Wir alle wissen: Ängste können sowohl irreal und pathologisch wie aber auch sehr begründet sein. Und ich widerspreche auch dem allgemeinen Gerede, das sagt: Angst habe noch niemandem geholfen! Doch! Manchmal schon. Es kommt immer auf die Situation, die Gründe und die Art der Angst und die Beteiligten an. Angst kann lähmen – kann uns aber auch als Aufwacherlebnis aus der Scheinrealität helfen! Ängste wahr- und ernst zu nehmen kann dann sinnvoll sein, wenn es durch eine neue Erkenntnis auch die Kraft zur veränderten richtigen Weichenstellung aktiviert. Denn wer sorglos ist, braucht nichts zu ändern. Der kann ruhig, weil ja offenbar nicht die Gefahr der Lage begreifend, das sich schon lange aufbauende Desaster weiter ausbreiten lassen.

Wer gesunde Ängste hat, weil sein Denken und Wahrnehmen noch gesund funktionieren und seine Instinkte intakt sind, kann rettende Prophylaxe betreiben – auch als Politiker, Menschenrechtler, Umweltschützer – wenn man ihm denn eine Chance geben würde! Vielleicht führt ein Weg zur Befriedigung der Welt tatsächlich vorübergehend durch jene Form der Angst, die uns Kraft gibt, statt uns zu lähmen. Auch Ängste sind in ihrer Qualität zu differenzieren.

Vielleicht müssen wir endlich einmal lernen, uns vor demjenigen zu fürchten, das wir bisher sträflich vernachlässigt und verdrängt haben. Dazu gehören zum Beispiel mangelnde Einsicht in die selbstgeschaffene Gefahrenlage, die dadurch gefährdete Zukunft aufgrund ständig falscher Kompromisse und auch eine tiefe Verantwortung für das lebenswerte Leben späterer Generationen.

Möge uns der Mut erwachsen, uns den angebrachten und sinnvollen Ängsten zu stellen und die unangebrachten, künstlich erzeugten oder pathologischen Ängste möglichst klar davon zu unterscheiden. Und das sollten wir nicht nur zu Weihnachten und als guten Vorsatz fürs neue Jahr betrachten, sondern sollte zeitlos in uns allen stärker und stärker werden.

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Kurzzusammenfassung des Buches: Die Stufen der höheren Erkenntnis – Rudolf Steiner
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Seien wir „selbstlose Egoisten!“ Was versteht man unter Schicksal – warum passiert das ausgerechnet mir ? Von der Gestaltung seiner eigenen Biographie
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Moral/Geselligkeit/Einsamkeit
Wenn der Mensch unmoralisch gewesen ist im Leben, dann kommt er zwar zusammen (nach dem Tode, admin) mit seinen Familienangehörigen und Freunden, aber es ist immer durch seine eigene Wesenheit etwas geschaffen wie eine Mauer, durch die er nicht hindurch kann bis zu den anderen Wesen. Und es wird der Mensch mit einer unmoralischen Seelenverfassung nach dem Tode ein Einsiedler, ein einsames Wesen, das überall etwas wie eine Mauer um sich hat und nicht hinüber kann zu den Wesen, in deren Sphäre er versetzt ist.

Die Seele aber mit einer moralischen Seelenverfassung, die Seele mit solchen inneren Vorstellungen, die wir haben, wenn wir unseren Willen läutern, die wird sozusagen ein geselliger Geist und findet immer die Brücken und Zusammenhänge mit den Wesen, in deren Sphäre sie lebt. Ob wir einsame oder gesellige Geister sind, das entscheidet sich nach unserer unmoralischen oder moralischen Seelenverfassung.

Rudolf Steiner – GA 140 – Okkulte Untersuchungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt – Hannover, 18 November 1912 (Seite 48-49)

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