Wie „Künstliche Intelligenz“ unsere Freiheit bedroht / Michael W. Bader

Herrschaft der Algorithmen
Michael W. Bader behandelt das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) unter dem Gesichtspunkt der entmündigenden Wirkung dieser neuen Technologien für die Gesellschaft. Kritikwürdig ist hierbei neben dem höchst bedenklichen Praxiseinsatz der „Künstlichen Intelligenz“ z. B. für autonome Waffensysteme oder die Manipulation von Wahlen nicht zuletzt auch das Menschen- und Gesellschaftsbild hinter diesen Entwicklungen. Notwendig ist aus Sicht des Autors eine gesellschaftlich verantwortete Gemeinwohl-KI, die dem Nutzen der Vielen statt der Herrschaft der Wenigen dient.

Einleitung

Der vorherige Beitrag des Autors unter dem Titel „Wider Monopolismus und Libertarismus“1 befasste sich mit den von Silicon Valley ausgehenden Gefahren eines Informationskapitalismus, der jenseits jeder demokratischen Kontrolle immer mehr Macht bei einigen wenigen Unternehmen akkumuliert und hierfür alte libertäre Sichtweisen zu neuen Visionen der Weltverbesserung verschmilzt. Die neuen Tycoons wie bspw. Google, Facebook, Airbnb und Uber verändern ungefragt unsere Welt, genau nach ihrem Bilde.

Monopolismus ist wieder hoch im Kurs und Demokratie eine lästige und veraltete Technologie, welche die hoch motivierten Unternehmer und Macher an ihrer freien Entfaltung hindert. Hier sollte man bei aller Begeisterung für die immer wieder neuen Gimmicks und Innovationen der großen Internet-Firmen stets eine gewisse kritische Distanz beibehalten, weil durch die Aktivitäten der großen Online-Konzerne ein völlig ungezügelter Informationskapitalismus entsteht, der ungefragt mit dem pausenlosen Abgreifen von persönlichen Daten der Bürger seine Geschäfte macht.

Der aktuelle Beitrag befasst sich mit den Gefahren, die aus Sicht des Autors von einem gänzlich unkontrollierten Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) ausgehen. Eine Befassung mit diesem Thema scheint notwendig, obwohl mit dem Einsatz von KI normalerweise eher große Chancen als große Probleme assoziiert werden. Es gehen viele Experten davon aus, dass in den nächsten 10 – 20 Jahren einige der größten Zivilisationsprobleme durch intelligente Systeme gelöst sein werden. So soll KI dazu beitragen, den Klimawandel zu managen, ein regeneratives Energiesystem zu etablieren, Bildung für alle zu ermöglichen, Medizin und Genetik zu revolutionieren und vor allem auch – für fast alle Gesellschaftsbereiche – höchst komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Es werden völlig neue Einblicke insbesondere auch in das soziale Zusammenleben der Menschen möglich werden. Anhand von Tweets und Facebook-Nachrichten soll in Zukunft bspw. immer die Ausbreitung von Krankheiten oder sozialen Unruhen vorhergesagt werden können. Sicherheitskräfte werden Prognose-Software einsetzen, um Terroranschläge zu vereiteln. Es wird bereits heute in vielen Städten der Einsatz von Polizeistreifen von einer Big-Data-Vorhersage des wahrscheinlich nächsten Verbrechens abhängig gemacht. In ca. 30 US-Bundesstaaten wird eine Big-Data-Vorhersage herangezogen, um für eine Bewährungsentscheidung zu prognostizieren, wie wahrscheinlich die Person in einen künftigen Mord verwickelt sein wird, wie Viktor Meyer-Schönberger ausführt.2

Bereits heute werden ca. 70 Prozent aller Finanztransaktionen von Algorithmen gesteuert3 und Werbebotschaften werden für maximale emotionale Beeinflussung heute ebenfalls schon algorithmisch erstellt4. In Hongkong soll sogar eine Künstliche Intelligenz vollwertiges Mitglied eines Aufsichtsrates geworden sein. Das System „Vital“ (Validating Investment Tool for Advancing Life Sciences) hat nach Angabe des betreffenden Unternehmens volles Stimmrecht.5

In Anbetracht all dieser bereits existenten und potenziellen Segnungen geht es im Folgenden um die Darstellung verschiedener mit KI verbundener Problemlagen sowie dem zugrunde liegenden Menschen- und Gesellschaftsbild. Dieser Beitrag bezieht sich auf eine Reihe von Fachbeiträgen zum Thema unter besonderer Berücksichtigung der Überlegungen von Kai Schlieter, wie in seinem 2015 erschienenen Buch „Die Herrschaftsformel“6 sowie in verschiedenen weiteren Fachbeiträgen und Interviews dargestellt. Eine wichtige Quelle für diese Darstellung ist auch Markus Morgenroth, Software-Experte für verhaltensbasierte Datenanalyse und Autor des bemerkenswerten Buches „Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich!“7 sowie weiterer namhafter Experten.

I. Was ist Künstliche Intelligenz
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Transhumanismus – Special
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