„Wir wollen einen einfachen, schlichten Jesus von Nazareth, und ihr gebt uns drei Jesusse! — Der «schlichte Mann von Nazareth» ist ein Lieblingsobjekt gerade aufgeklärtester Theologen geworden“. Rudolf Steiner

„Wir wollen einen einfachen, schlichten Jesus von Nazareth, und ihr gebt uns drei Jesusse! — Der «schlichte Mann von Nazareth» ist ja sogar schon ein Lieblingsobjekt gerade aufgeklärtester Theologen geworden. Nun, die Frage muß sich vor uns hinstellen: Können wir Menschen noch Christen nennen, die eigentlich sich auflehnen dagegen, den Christus so zu begreifen, wie er nun eigentlich in unserer Zeit begriffen werden muß ?“

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Hinweis: Evtl. ist es sinnvoll, sich erst mit den Grundlagen der Anthroposophie zu beschäftigen:
Einführung in die Anthroposophie hier weiter
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Aus:
GA 167
RUDOLF STEINER
Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste
– Zwölf Vorträge, gehalten in Berlin vom 13. Februar bis 30. März 1916

Zwei Vorträge
10.Vortrag: Die dem Geist widerstrebenden Kräfte. Grundwahrheiten des Christentums -zweiter Teil (- der erste Teil hier weiter )
11. Vortrag: Ein Stück aus der jüdischen Haggada

Inhaltsübersicht:
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Man kann das klar und deutlich sehen, wenn man den Widerstand, der heute von der Außenwelt kommt, auf dem Gebiete betrachtet, das eigentlich dazu führen müßte, das Christentum und das Mysterium von Golgatha so zu erfassen, wie es in unserer Zeit erfaßt werden muß, damit der Mensch alles dasjenige, was er erfühlen kann über das Mysterium von Golgatha, auch mit der vollen Höhe der Zeiterkenntnis in Einklang setzen kann…
Ach, was ist das für eine abstrakte Sache! Wir wollen einen einfachen, schlichten Jesus von Nazareth, und ihr gebt uns drei Jesusse! — Der «schlichte Mann von Nazareth» ist ja sogar schon ein Lieblingsobjekt gerade aufgeklärtester Theologen geworden. Nun, die Frage muß sich vor uns hinstellen: Können wir Menschen noch Christen nennen, die eigentlich sich auflehnen dagegen, den Christus so zu begreifen, wie er nun eigentlich in unserer Zeit begriffen werden muß…
Nehmen wir einmal an, es käme irgend jemand und würde sagen: Das von dem Jesus als dem Zarathustra, und dann wiederum von dem Jesus als dem, der des Menschen Seelensubstanz aufgenommen hat, bevor sie heruntergestiegen ist auf die Erde, das alles zu glauben widerspricht den Überzeugungen…
Ich habe Ihnen aus dem Koran vorgelesen! Die 19. Sure aus dem Koran habe ich Ihnen vorgelesen, und jeder echte Türke glaubt soviel von Jesus, als in dieser 19. Sure des Koran steht…
Damit aber ist uns der Beweis geliefert, daß zahlreiche von denen, die sich unter uns Christen nennen, von diesem Christentum nicht einmal soviel wissen und glauben, daß sie die Berechtigung hätten, sich Türken zu nennen…
Unser Gehirn ist in der festen Hülle eingeschlossen. Verrät es noch irgend etwas davon, wie es auf dem alten Monde war, schwimmend auf dem Wasser?…
11.Vortrag:
Wir haben uns das letztemal mit der überraschenden Tatsache bekannt gemacht,
daß eine große Zahl derjenigen, welche im Abendlande von dem Christus Jesus von Amts wegen sprechen, nicht so viel von diesem Christus Jesus glauben, nicht so viel für wahr halten, als jeder echtgläubige Mohammedaner…
…daß die Zarathustra-Seele bis zum zwölften Jahre sich in dem Leibe des salomonischen Jesusknaben befand. Wir wissen, daß dann diese Zarathustra-Seele hinübergeht in den Leib des nathanischen Jesus-Knaben, und daß dann im dreißigsten Jahre des Lebens dieses Jesus der Christus-Geist Besitz ergreift von dem, was sich in dieser Weise entwickelt hat…
…einzugehen auf dasjenige, was uns entgegentritt bei der Betrachtung des Christus Jesus, erstens durch die salomonische Abstammung, zweitens durch das Wohnen der Zarathustra-Seele in einem Leibe, der aus der salomonischen Linie abstammt, und dann wiederum, wie gut es ist, einzugehen auf dasjenige, was etwas beleuchten kann die Gestalt des nathanischen Jesus und so weiter…
Man nennt dasjenige, was mehr begrifflich erhalten ist von der jüdischen Lehre Halacha, dagegen Haggada dasjenige, was so erhalten ist, daß der moderne Mensch sagt, es seien Märchen, Bilder, Legenden. In Wirklichkeit aber gehen solche Märchen, solche Bilder, solche Legenden zurück auf Schauungen in der geistigen Welt, auf dasjenige, was in der geistigen Welt geschaut worden ist…
Zunächst hören wir: Die Füße des Menschen bürgen dafür, daß er eben dem Orte übergeben werde, für den er gewünscht wird. Warum wird gerade von den Füßen gesprochen? Denn in solchen alten Bilder-Legenden ist ja nichts irgendwie gleichgültig, sondern alles hat seine bestimmte tiefe Bedeutung…
Kennzeichen für die Unterscheidung des Menschen von der Tierheit dieses sein, daß der Mensch sein Rückgrat aufrecht hat, senkrecht auf die Erde, auf die Erdenfläche, das Tier es waagrecht hat…
…wenn wir das Durchschnitts-Krümmungsmaß bei den Tieren nehmen, werden wir finden, daß wir diese Linie, die durchs Rückgrat geht, zu einem Kreis erweitern könnten, der ganz um die Erde herum geht. Ein richtiger Umkreis um die Erde!
Wenn wir denselben Kreis für den Menschen ziehen würden mit seinem Rückgrat, so ginge der natürlich nicht um die Erde herum, sondern wenn Sie ihn vollständig klar denken konnten, so würden Sie finden, daß dieser Kreis, der dadurch entsteht, einen Mittelpunkt hat: Beim Tier haben Sie gerade gesehen, sein Mittelpunkt würde der Mittelpunkt der Erde sein; beim Menschen aber würde der Mittelpunkt der Mittelpunkt des Mondes sein. Warum?…
Und wir sehen an diesem Beispiel wiederum, wie eine Weisheit bei den Menschen vorhanden war, welche wir ja einmal in den letzten Betrachtungen die Urweis-heit genannt haben, und die vergangen ist, damit dem Menschen Gelegenheit gegeben werde, während der Erdenentwickelung, aus sich heraus in Verbindung mit der Freiheit sich wiederum Weisheit zu erringen…
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Zweiter Teil des 10.Vortrags: Die dem Geist widerstrebenden Kräfte. Grundwahrheiten des Christentums

…Und so ist es denn wirklich so, daß die Keime, die dazumal gelegt worden sind, erst aufgehen müssen. Und aufgehen werden sie nicht anders, als daß die Menschen die aus der Bequemlichkeit und Plattheit fließende Furcht verlieren vor dem, was die Geisteswissenschaft aus den geistigen Welten heraus erschließen kann.

Die erste Bedingung wird sein, daß man erkennt, wie notwendig — ich habe das öfter gesagt — es im Leben ist, wahr, durchaus wahr zu sein, wirklich den Mut zu haben zu den — verzeihen Sie jetzt das Wort, es steht da drinnen — zu den Konsequenzen desjenigen, was man als wahr anerkennt. Wahrheit liegt nicht bloß in der Art und Weise, wie man seine Behauptungen tut, sondern Wahrheit oder Lüge liegt auch in der Art und Weise schon, wie man Worte braucht. Man kann das klar und deutlich sehen, wenn man den Widerstand, der heute von der Außenwelt kommt, auf dem Gebiete betrachtet, das eigentlich dazu führen müßte, das Christentum und das Mysterium von Golgatha so zu erfassen, wie es in unserer Zeit erfaßt werden muß, damit der Mensch alles dasjenige, was er erfühlen kann über das Mysterium von Golgatha, auch mit der vollen Höhe der Zeiterkenntnis in Einklang setzen kann.

Man kann sagen: Am wütendsten sind gewisse Leute draußen gegenüber dem, was gehört werden konnte aus der Geisteswissenschaft über das Auf-die-Erde-Treten der Erscheinung des Christus-Jesus.

Wir mußten, meine lieben Freunde, alle drei Welten aufrufen, um die Erscheinung des Christus-Jesus zu begreifen. Wir haben zuerst jenen Jesus, welcher in sich die Individualität des großen Zarathustra trägt. Der wächst heran bis zu seinem zwölften Jahre. Da verläßt er den Leib und geht hinüber in den Leib des anderen Jesus-Knaben, welcher eine Seele gebildet hat, die nicht mitgemacht hat die ganze Erdenentwickelung, sondern—ich habe es auseinandergesetzt — die zurückgeblieben ist gleichsam in der Substanz der Erden-Menschenseele, indem ein Teil hinuntergegangen ist in die Menschenleiber und ein Teil oben geblieben ist, der dann erst eingetreten ist in denjenigen Leib, den die zweite Maria geboren hat als den zweiten Jesus-Knaben.

Und ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß uns die geisteswissenschaftliche Erkenntnis zeigt, wie
dieser Jesus-Knabe gleich bei seiner Geburt — was der Mensch in der gegenwärtigen Zeit nicht kann — gesprochen hat, gesagt hat, was er ist. Mit der Seele des Zarathustra wächst dieser Jesus-Knabe heran, wird dreißig Jahre alt, und die Christus-Individualität inkarniert sich in ihm und lebt in diesem Leibe, der zubereitet ist von dem Geiste des großen Zarathustra, zubereitet ist von jener Seele, die nicht mitgemacht hat die Erdenentwickelung, sondern von der Erdenentwickelung zurückgeblieben ist in jener Zeit, wo die Erde noch nicht heruntergestiegen ist bis zu ihrer jetzigen Materialität. Die Christus-Individualität lebt nun drei Jahre in diesem Leibe.

Drei Welten mußten wir aufrufen, um diese große Gestalt, diese größte Gestalt und dieses größte Ereignis in der Menschheitsentwickelung zu begreifen: Die höchsten geistigen Welten, aus denen der Christus herunterstieg, diejenige Welt, die da ist, bevor es eine Erde gab, und diejenige Welt, durch die sich die Menschen hindurch entwickelt haben, der der Zarathustra, zwar als eine vorzügliche Inkarnation, aber doch als eine gewöhnliche menschliche Inkarnation angehört.

Wenn man — ich habe das erwähnt in meiner kleinen Schrift, die auch jetzt erscheint: «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dornach» — diejenigen Leute hört, die so etwas beurteilen, so sieht man, wie sie die Angst haben davor, SO‘ etwas begreifen zu sollen. Und sie nennen solche Dinge «unchristlich», und setzen dann dasjenige an die Stelle, was sie selber glauben über den Christus.

Und meint man, sie sollten doch zufrieden sein, wenn man ihnen kommt und sagt: Ja, was ihr glaubt, das glauben wir schon auch; aber wir glauben noch etwas dazu! — so sind sie damit aber nicht zufrieden, sondern sie erlauben einem nicht, noch etwas anderes dazu zu wissen zu dem, was sie zu wissen vermeinen. Darin zeigt sich, daß es den Leuten gar nicht ankommt auf Wahrheitserkenntnis, sondern lediglich auf die Ausübung ihrer Macht. Sie wollen nicht gestatten, daß der Christus in höchster Glorie vorgestellt wird, wenn diese Glorie nur erreicht werden kann in der Anschauung durch etwas, was ihnen nicht bequem ist zu lernen.

Lehnen sich so gewisse Leute, die sich nicht nur Christen nennen, sondern die sogar offiziell als Priester oder Pfarrer das Christentum vertreten, gegen die Christlichkeit der Geisteswissenschaft auf, so ist auf der anderen Seite eine andere Tatsache zu beachten. Das ist die Tatsache, daß es heute Leute gibt, die behaupten, sie dürften als christliche Pfarrer wirken und brauchten nicht daran zu denken, daß der Christus oder, wie sie sich ausdrücken, der Jesus, auf eine andere Weise in die Menschheitsentwickeiung eingetreten ist als jeder andere Mensch.

Es gibt heute schon christliche Priester, Pfarrer, die durchaus der Meinung sind, das sie nicht nötig haben, an eine besondere Art der Geburt bei dem Jesus zu denken, sondern die ihn so wie einen höheren Sokrates auffassen, auch eben als einen der edlen Menschen, vielleicht nur als den edelsten.
Ja, es gibt Menschen, die berühmte Theologen sind, und die von der Auferstehung so reden, daß sie sagen: Was auch immer im Garten von Gethsemane vor sich gegangen ist, der Auferstehungsglaube ist daraus hervorgegangen; diesen Auferstehungsglauben wollen wir festhalten. — Ich habe einmal in einer Giordano-Bruno-Gesellschaft vor vielen Jahren erwähnt, was das für eine barocke Denkweise ist, daß einer sagt: Was dort auch geschehen sein mag im Garten von Gethsemane, darum kümmern wir uns nicht, aber der Glaube, daß da die Auferstehung geschehen ist, an dem sollen wir festhalten. Ich habe auf das Barocke und Paradoxe dieser Denkweise hingewiesen, weil sie die Denkweise ist, die in Adolf von Harnacks «Wesen des Christentums» vertreten ist.

Da trat mir dazumal der Vorsitzende der Giordano-Bruno-Gesellschaft — nicht des Giordano-Bruno-Bundes, sondern der Giordano-Bruno-Gesellschaft —, ein Professor, entgegen und sagte: Aber so etwas kann der Harnack nicht gesagt haben! Das wäre ja wie bei den Katholiken, die auch behaupten: Was auch immer das sein mag, was da für ein Lappen in Trier gehangen hat, es gilt einmal als der Rock Christi, also hält man an diesem fest! Das kann nicht im «Wesen des Christentums» stehen! — Es steht natürlich doch darin. Der Mann hat das «Wesen des Christentums» gelesen, aber darüber hinweggelesen, weil er überhaupt sich benebelt über dasjenige, was da steht.

Das sind die Erfahrungen, die man heute mit den Menschen und ihrer Art, sich zu der geistigen Welt zu verhalten, macht. Auch diejenigen Menschen werden ja zahlreich genug sein, die da immer wieder und wiederum kommen und sagen: Ach, was ist das für eine abstrakte Sache!

Wir wollen einen einfachen, schlichten Jesus von Nazareth, und ihr gebt uns drei Jesusse! — Der «schlichte Mann von Nazareth» ist ja sogar schon ein Lieblingsobjekt gerade aufgeklärtester Theologen geworden. Nun, die Frage muß sich vor uns hinstellen: Können wir Menschen noch Christen nennen, die eigentlich sich auflehnen dagegen, den Christus so zu begreifen, wie er nun eigentlich in unserer Zeit begriffen werden muß ?

Nehmen wir einmal an, es käme irgend jemand und würde sagen: Das von dem Jesus als dem Zarathustra, und dann wiederum von dem Jesus als dem, der des Menschen Seelensubstanz aufgenommen hat, bevor sie heruntergestiegen ist auf die Erde, das alles zu glauben widerspricht den Überzeugungen, die ich mir einmal aus meiner Weltanschauung heraus gebildet habe. Aber an dem einen halte ich fest, das gibt mir gerade meine Weltanschauung: daß auf eine übernatürliche Weise, nicht so, wie andere Menschen in die Welt treten, die Wesenheit, die in Jesus gelebt hat, in die Welt getreten ist, daß diese Wesenheit gleich bei ihrer Geburt gesprochen hat, was andere nicht tun, und auch vorausgesagt hat, daß sie nicht sterben werde auf dieselbe Weise wie andere Menschen. —

Nehmen wir an, es käme ein Mensch, der sagte, er könnte das glauben. Da würden wir sagen: Nun ja, das Christentum hat sich eben verteilt auf die verschiedensten Weltanschauungsströmungen; dieser hat nur das von dem Christentum aufgenommen, was im Lukas-Evangelium angedeutet wird als der eine Jesus-Knabe, der aus der nathanischen Linie des Hauses David abstammt. Nehmen wir an, es würde in einem religiösen Dokument gerade so etwas ausgedrückt werden, so würden wir sagen: Nun ja, der Glaube dessen, der das sagt, ist eben beeinflußt von der unklar gewordenen Tradition, die erst wiederum klar gemacht werden kann durch die Erkenntnis der Geisteswissenschaft von dem zweiten Jesus-Knaben.

— Ich werde Ihnen ein solches religiöses Dokument vorlesen, das von Jesus handelt, und ich bitte Sie, selbst zu urteilen darüber, was dieses religiöse Dokument wert sein könnte:

«Eine Erwähnung der Barmherzigkeit deines Herrn gegen seinen
Diener Zacharias»
Sie kennen die Figur des Zacharias aus der Bibel! «Da er seinen Herrn im Verborgenen anrief, Sprach er: Mein Herr siehe, mein Gebein ist schwach, und mein Haupt schimmert greis, Und nie war mein Gebet zu dir erfolglos. Und siehe, ich fürchte für meine Sippe nach mir, denn mein Weib ist unfruchtbar. So gib mir von dir einen Nachfolger, der mich und das Haus Jakob beerbe, und mache ihn, mein Herr, wohlgefällig.» —
Das heißt, mache ihn dir wohlgefällig. «O Zacharias, siehe, wir verkünden dir einen Knaben, Namens Johannes,
Wie wir zuvor noch keinen benannten. Er sprach: Mein Herr, woher soll mir ein Sohn werden, wo mein
Weib unfruchtbar ist und ich alt und schwach geworden bin ? Er sprach: Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: Das ist mir leicht, und auch dich schuf ich zuvor, da du nichts warst. Er sprach: Mein Herr, gib mir ein Zeichen. Er sprach: Dein Zeichen sei, daß du, wiewohl gesund, drei Nächte lang nicht zu den Leuten redest.»
Es ist wie in der Bibel! «Und er schritt hinaus zu seinem Volk aus der Nische und deutete
ihnen an —» Deutete, weil er nicht reden konnte. «Preiset den Herrn morgens und abends. Und wir sprachen»
Das heißt: die Gläubigen: «O Johannes, nimm hin die Schrift in Kräften; und wir gaben ihm
Weisheit, da er ein Kind war, Und Mitleid von uns und Reinheit; und er war fromm und voll
Liebe gegen seine Eltern und war nicht hoffärtig und trutzig. Und Frieden auf ihn am Tag seiner Geburt und am Tag, da er starb, und am Tag seiner Erweckung zum Leben!»
Das also die Lehre vom Johannes, Nun geht es weiter. «Und gedenke auch im Buche der Maria. Da sie sich von ihren Angehörigen an einen Ort gen Aufgang zurückzog Und sich vor ihnen verschleierte, da sandten wir unsern Geist zu ihr, Und er erschien ihr als vollkommener Mann.»
Wie in der Bibel! Ein merkwürdiges Dokument, nicht wahr? «Sie sprach: Siehe, ich nehme meine Zuflucht vor dir zum Erbarmer, so du ihn fürchtest.
Er sprach: Ich bin nur ein Gesandter von deinem Herrn, um dir einen reinen Knaben zu bescheren. Sie sprach: Woher soll mir ein Knabe werden, wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Dirne bin ? Er sprach: Also sei’s! Gesprochen hat dein Herr: ; und wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen
machen und einer Barmherzigkeit von uns. Und es ist eine beschlossene Sache.
Und so empfing sie ihn und zog sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück.»

Sie haben die geistige Empfängnis des Jesus. «Und es überkamen sie die Wehen an dem Stamm einer Palme. Sie
sprach: O daß ich doch zuvor gestorben und vergessen und verschollen wäre! Und es rief jemand unter ihr: Bekümmere dich nicht; dein Herr hat unter dir ein Bächlein fließen lassen; Und schüttele nur den Stamm des Palmbaums zu dir, so werden frische reife Datteln auf dich fallen. So iß und trink und sei kühlen Auges, und so du einen Menschen siehst, So sprich: (Siehe, ich habe dem Erbarmer ein Fasten gelobt; nimmer spreche ich deshalb heute zu irgend jemand.) Und sie brachte ihn zu ihrem Volk, ihn tragend.
Sie sprachen: O Maria, fürwahr, du hast ein sonderbares Ding getan! O Schwester Aarons, dein Vater war kein Bösewicht und deine Mutter keine Dirne. Und sie deutete auf ihn.
Sie sprachen: Wie sollen wir mit ihm, einem Kind in der Wiege, reden ? Er (Jesus) sprach: Siehe, ich bin des Gottes Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und er machte mich zum Propheten. Und er machte mich gesegnet, wo immer ich bin, und befahl mir Gebet und Almosen, solange ich lebe, Und Liebe zu meiner Mutter; und nicht machte er mich hoffärtig
und unselig. Und Frieden auf den Tag meiner Geburt und den Tag, da ich sterbe, und den Tag, da ich erweckt werde zum Leben!»

Sie wissen, ich habe das geschildert in der Weise, daß ich gesagt habe: Er redete etwas, das nur die Mutter verstehen konnte. — Und dann sagte das Buch weiter: «Dies ist Jesus, der Sohn der Maria, — das Wort der Wahrheit, das
sie bezweifeln. Nicht steht es Gott an, einen Sohn zu zeugen. Preis ihm! Wenn er ein Ding beschließt, so spricht er nur zu ihm: Sei! und es ist. Und siehe, Gott ist mein Herr und eurer Herr; so dienet ihm; dies ist ein rechter Weg.

Doch die Sekten sind untereinander uneinig; und wehe den Ungläubigen vor der Zeugnisstätte eines gewaltigen Tages! Mache sie hören und schauen einen Tag, da sie zu uns kommen. Doch die Ungerechten sind heute in offenbarem Irrtum.»
So spricht diese Urkunde von dem Jesus, von dem in diesem Falle eben nur die eine Gestalt festgehalten wird. Können wir von dieser Urkunde nicht sagen: Derjenige, der ihr glaubt, glaubt wesentlich mehr als mancher, der sich in unserer Zeit nicht nur Christ nennt, sondern das Christentum von Amts wegen lehrt ?

Glaubt der, der an dieses Dokument fest glaubt, nicht viel mehr von dem Christentum, als ein solcher, der sich heute oftmals Lehrer des Christentums nennt ? Und glauben Sie nicht, ich hätte Ihnen ein Dokument vorgelesen etwa — ich weiß nicht, ob Sie es kennen —, das von ein paar Leuten, von einer kleinen Sekte, als das wirkliche Zeugnis für ihren Glauben angesehen wird!
Ich habe Ihnen aus dem Koran vorgelesen! Die 19. Sure aus dem Koran habe ich Ihnen vorgelesen, und jeder echte Türke glaubt soviel von Jesus, als in dieser 19. Sure des Koran steht.
Damit aber ist uns der Beweis geliefert, daß zahlreiche von denen, die sich unter uns Christen nennen, von diesem Christentum nicht einmal soviel wissen und glauben, daß sie die Berechtigung hätten, sich Türken zu nennen. Man muß schon in unserer Zeit der Wahrheit ins Antlitz schauen.
Wer nicht glauben kann, daß es sich um ein Ereignis handelt, das nur aus dem Geiste zu verstehen ist, der ist nicht einmal Türke, viel weniger ein Christ, und er sagt nicht die Wahrheit, wenn er sich einen Christen nennt. Er müßte wissen, daß ein Türke mehr vom Christentum glaubt als er selber.

Ich meine doch, meine lieben Freunde, das sind schon ernste, wirklich ernste Dinge, und es obliegt schon einmal denjenigen, die sich der Geisteswissenschaft widmen, in diese Dinge im Geiste der Wahrheit hineinzuschauen. Denn unwahr ist nicht nur dasjenige, was man als nächste Unwahrheit in einer Behauptung fühlt, sondern unwahr ist es auch, wenn man sich oder einer Sache einen Namen beilegt, durch den man im Zusammenhange der geschichtlichen Entwickelung falsche Vorstellungen hervorruft. Wahr müssen wir nicht nur sein, indem wir dies oder jenes behaupten, sondern wahr müssen wir sein mit unserer ganzen Perönlichkeit, mit unserem ganzen Wesen.

So ist es oftmals von einer Seite, daß diejenigen Menschen der Geisteswissenschaft die Christlichkeit absprechen, die noch nicht einmal Türken sich zu nennen die Berechtigung haben. Aber auch von anderer Seite her steht gegen die Geisteswissenschaft überall das unzulängliche Wissen, das richtig unzulängliche Wissen.

Noch auf einen Fall sei heute hingewiesen. Wir sprechen davon, daß unsere Erde sich entwickelt hat aus dem alten Mondendasein. Was wir heute das mineralische Reich nennen, war im alten Mondendasein noch nicht da, das hat sich gewissermaßen erst herauskristallisiert. Wir haben in uns als Menschen die Tiere, die Pflanzen. Sie haben alle das mineralische Reich in sich: Sie sind durchsetzt davon, sie sind auf dem physischen Plan für die jetzige Sinnenwahrnehmung nur dadurch wahrnehmbar, daß sie das mineralische Reich in sich haben. Wir müssen zurückschauen in die alte Mondenzeit.

Da haben wir uns den Vorgänger des Menschen zu denken, wie er noch nicht von einem mineralischen Reich durchsetzt war. Lesen Sie in der «Geheimwissenschaft», wie dieses Mondenreich ausgesehen hat, auf dem das mineralische Reich noch nicht verwirklicht war. Lesen Sie, wie alles weiche Substanz, gewissermaßen wässerig war und wie dasjenige, was aus dem Wasser herausgewachsen ist, nur gewissermaßen im Wasser schwamm.
Man müßte also auch annehmen: Dasjenige, was sich vom Monde her entwickelt — ich habe dies in früheren Betrachtungen erwähnt, wie vom Monde her unser Hauptorgan sich herüberentwickelt hat —, müßte sich so entwickelt haben, daß es auf dem Mond gewissermaßen geschwommen hätte im Wasser, und dann müßte noch auf dem alten Mond eine andere Art von Wahrnehmung in dem Menschen gelebt haben, der noch nicht seinen übrigen Leib so entwickelt hatte, sondern nur als ein Anhängsel — ich habe das in einer der letzten Betrachtungen auseinandergesetzt — sein gewissermaßen noch ganz anders bewegliches Gehirn auf dem Wasser schwimmend hatte. Aber es sind auch auf dem alten Mond noch wahrnehmbar gewesen die Töne der Sphärenmusik, das Klingen und Wellen der Sphärenmusik.

Nun, wie würde es denn da gewesen sein ? Draußen Töne, diese Töne in dem Mondenwasser sich fortsetzend, durch einen Apparat, aus dem sich unser heutiger Kehlkopf gebildet hat, sich umsetzend, so daß mitschwang dieses alte auf dem Wasser schwimmende Mondengehirn. Denken Sie sich also die Musik der Welt wellend in dem Weltenmeere, sich umsetzend in die Bilder der Imagination durch einen Apparat, aus dem unser Kehlkopf geworden ist und wieder auflebend als Imaginationen des alten Monden-Traumbewußtseins.
Wenn das wirklich so gewesen wäre auf dem alten Monde, dann müßte man das ja jetzt bemerken, man müßte es gewissermaßen dem Menschen ansehen, daß er sich aus so etwas entwickelt hat. Ja, meine lieben Freunde, sieht man es dem Menschen an ? Nicht wahr, heute ist die Sphärenmusik verstummt. Dasjenige, was sich aus dem Organ, das die Sphärenmusik auf dem Monde aufgenommen hat, entwickelt hat, ist unser Kehlkopf, der umgeben ist von der Lunge. Unser Gehirn ist in der festen Hülle eingeschlossen. Verrät es noch irgend etwas davon, wie es auf dem alten Monde war, schwimmend auf dem Wasser? Ich will nur die allerhauptsächlichsten Gedanken skizzenhaft ausführen.

Was die Leute gewöhnlich lernen vom menschlichen Gehirn, das macht sie durchaus nicht aufmerksam auf dasjenige, um das es sich dabei handelt. Aber die Menschen könnten zum Beispiel das Folgende sich überlegen — einige haben es ja auch überlegt, also es soll niemand Unrecht geschehen —:
Dieses menschliche Gehirn hat ein Gewicht von 1350 Gramm. Nun denken Sie sich, wenn Sie 1350 Gramm auf die Hand legen, wie Sie das spüren! Das liegt also da drinnen, 1350 Gramm, und darunter sind die das Gehirn versorgenden Adern, die Blutadern. Das ist so, meine lieben Freunde, daß diese Blutadern zerquetscht würden von 1350 Gramm. Es ist gar keine Rede davon, daß sie, wenn Sie diese Blutadern herlegen würden und die 1350 Gramm auf diese Blutadern, unbeschädigt blieben. Da drinnen bleiben sie unbeschädigt. Warum bleiben diese Blutadern unbeschädigt ? Weil es sie überhaupt nicht mit 1350 Gramm drückt! Warum drückt es sie nicht mit 1350 Gramm?
Ja, ich erinnere Sie an dasjenige, was Sie vielleicht in den vor langer Zeit aus der Hand gelegten Physikbüchern gelesen haben, daß der alte griechische Forscher einmal im Bade sein «Ich hab’s gefunden!» gerufen hat, als er gewahrte: im Wasser wird er um so viel leichter.
Jeder Körper wird so viel leichter im flüssigen oder luftförmigen Körper, in dem er sich befindet, als das Gewicht des luf tförmigen oder flüssigen Körpers beträgt, in dem er darin ist, sonst könnte ja auch kein Luftballon in die Höhe fahren. Er verliert so viel von dem Gewicht, als das Gewicht der verdrängten Luft beträgt. Und im Wasser verliert jeder Körper so viel von seinem Gewicht, als das Gewicht des verdrängten Wassers beträgt. — Und das Gehirn schwimmt im Gehirnwasser! Außerdem, daß wir da das Gehirn darin haben, schwimmt das Gehirn wirklich im Gehirnwasser, das außerdem noch herunterläuft durch den Rückenmarkskanal. Das Gehirn schwimmt im Wasser und verliert dadurch, daß es im Wasser schwimmt, so viel von seinem Gewichte, daß es nur mit 20 Gramm drückt. Also das Gehirn, das 1350 Gramm schwer ist, drückt überhaupt nur mit 20 Gramm, weil das Wassergewicht so groß ist: 1350 Gramm weniger 20 Gramm. Das
Gehirn schwimmt wirklich im Wasser. Das Gehirn ist wirklich heute noch in der Lage, wie es war auf dem alten Monde. Da drinnen ahmt es noch heute die Form von damals nach, es hat sich nur umgewandelt, ist nur umgeben worden von der übrigen menschlichen Hülle, die aus den Erdengesetzen hervorgegangen ist.

Und sogar die Kommunikation mit der Außenwelt ist noch da. Wenn wir einatmen, dann hebt sich unser Zwerchfell. Das Zwerchfell hebt sich aber nicht nur, sondern dadurch, daß es sich hebt, drückt es auf das ganze Venensystem hier und auf das Gangliensystem, und dadurch wird dasjenige, was angesammelt ist im Rückenmarkskanal an Wasser, ganz hinauf in das Gehirn gedrängt. Also beim Einatmen geht das Wasser aus dem Rückenmarkskanal in das Gehirn hinauf. Beim Ausatmen ist es umgekehrt: das Zwerchfell geht wieder hinunter, das Wasser rinnt etwas ab aus dem Gehirn in den Rücken, in das Rückenmark hinein. Denken Sie sich, wir stehen im Grunde genommen immer noch mit dem Wellenbewegen in der Umwelt in fortwährender Beziehung. Mit jeder Ausatmung senkt sich das Gehirnwasser herunter, mit jeder Einatmung steigt es hinauf, — ein Auf- und Absteigen des Gehirnwassers, in dem das Gehirn drinnen schwimmt.

Da haben Sie jenen komplizierten Vorgang, durch den der Mensch heute mehr ist, als er auf dem alten Monde war, durch den er heute, als der Mensch der mechanischen Werkzeuge, dazu in der Lage ist, nicht nur die Imaginationen zu haben, sondern zu denken. Es ist ins Unterbewußtsein hinuntergedrängt dasjenige, was fortwährend mit uns geschieht. Ja, meine lieben Freunde, es geschieht fortwährend: Wir haben immerfort Imaginationen, nur werden sie durch unsere wachen Vorstellungen übertönt, wie ein stärkeres Licht ein schwächeres übertönt.

Die Imaginationen sind fortwährend da, und die Imaginationen stehen mit Ausatmen und Einatmen in fortwährender Beziehung. Und nur weil das festere, eben mineralisch durchsetzte Gehirn sich entgegenstellt den Imaginationen, entsteht — durch das Anschlagen der festen Gehirnmasse auf die imaginierende Gehirnwassersubstanz — ein Subli-mieren der Imaginationen, ein Extrahieren unserer bewußten Vorstellungen, unserer Gedanken, aus den Imaginationen heraus.
Es gibt keine naturwissenschaftliche Wahrheit, welche nicht, wenn sie in richtigem Sinne betrachtet wird, dasjenige, was die Geisteswissenschaft aus geistigen Untergründen heraus sagt, voll bestätigt.

Aber man muß ganz anders denken, als heute unter Naturforschern und insbesondere unter deren Nachtretern gedacht wird. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft, sondern volle Bestätigung des Geisteswissenschaftlichen durch die naturwissenschaftlichen Tatsachen.

Aber Angst haben die Leute, deren Beruf es ist, zu wissen; vor den komplizierten Gedanken, vor dem Denken überhaupt haben die Leute eine heillose Angst. Und nur aus dem Grunde, weil heute der Mensch in bequemer Weise lernen kann und dann, wenn er ein bißchen etwas gelesen hat, eine Autorität werden kann, und nicht nur eine Autorität, sondern sogar ein großer Entdecker auf dem Pfade der Wissenschaft, entstehen so viele törichte Theorien. Denn wenn er sich ein paar Begriffe angeeignet hat und ein paar Tatsachen kennt, so kann er heute als Reformator der Wissenschaft auftreten. Ein Mensch braucht gar nichts zu wissen von wirklicher Naturwissenschaft und von den wirklichen geistigen Vorgängen. Gerade weil er nichts weiß, kann er dazu kommen, ein paar Tatsachen, die er beobachtet, zusammenzustellen nach «streng wissenschaftlicher Methode», so nach der Methode, die ich Ihnen neulich in bezug auf die Psychologie der Heiratsannonce vorgeführt habe, die ja auch gegenwärtig in der Psychologischen Gesellschaft, wie Sie wissen aus der letzten Betrachtung, als ein wirkliches Kapitel der neueren Wissenschaft aufgetaucht ist, — er kann, ob es nun die Heiratsannonce ist, oder ob es die menschliche Seele ist, alles im Sinne derselben «streng wissenschaftlichen Methode» machen. Und dann ist es ja schließlich — na, man sagt, glaube ich, im Deutschen:
«Jacke wie Hose»! Ob man nun die Jacke ergreift, nicht wahr, und wird Psychologe der Heiratsannonce, oder ob man die Hose ergreift und wird Psychoanalytiker, das ist dann schon eben ganz «Jacke wie Hose». Aber unsere Gläubigen, die selbstverständlich alle Autorität zurückweisen, die hören: Psychologie der Heiratsannonce, in der Psychologischen Gesellschaft vorgetragen—also selbstverständlich etwas streng Wissenschaftliches!

Das ist dasjenige, was sich als unterbewußte Impulse in die Seelen der Menschen hineinschwätzt. So ist es auf diesem Gebiete, und so ist es eben auch auf dem Gebiete des höheren geistigen Lebens. Wollten die Leute durchschauen, was Geisteswissenschaft gerade über das Mysterium von Golgatha geben kann, und alles dasjenige, was damit zusammenhängt, dann würden sie sehen, wie durch das Anrufen der drei Welten dieses Mysterium von Golgatha eine Beleuchtung erhält, durch die es wirklich der Mittelpunkt alles unseres zum Geistigen hinstrebenden Empfindens der Gegenwart werden kann, so, wie es dem geistigen Bedürfnisse dieser Gegenwart angemessen ist.

Weil aber am Christentum heute allzuviele derjenigen herumarbeiten, die nicht einmal das Recht haben, sich Türken zu nennen — wie wir streng nachgewiesen haben —, so ist es kein Wunder, wenn durch die offiziellen Vertreter des Christentums ein wirkliches Begreifen des Mysteriums von Golgatha gerade abgelehnt wird. Aber wir dürfen hoffen: Die ernsten Zeichen, die in unsere Zeit hereinwinken, sie werden in vielen, vielen Menschen Sehnsuchten erzeugen, die nur gestillt werden können durch dasjenige, was eine wirkliche geistige Wissenschaft geben kann. Und sie werden immer mehr und mehr, immer größer und größer die Zahl derjenigen machen, die nicht mehr hinhören, wenn ihnen vom Geiste feuilletonistisch gesprochen wird, wie es etwa Eucken macht, und die sich nicht unter die Autorität derer begeben, die, wenn eine Autorität sagt, es käme nicht auf die Auferstehung an, sondern darauf, daß man an die Auferstehung glaubt, es lesen, aber nicht einmal wissen, daß sie es gelesen haben.

In Wahrheit leben, als ganzer Mensch wahr sein wollen, das wird der künftigen Zeit Losung sein. Und dann wird in eine Menschheit, die so in der Wahrheit leben will, das Mysterium von Golgatha leuchten so, daß selbst von anderen fernen Sternen ein Geist herunterschauen könnte: er würde den Sinn der Erdenentwickelung in demjenigen sehen, was das Mysterium von Golgatha war. Aber er würde auch sagen: Die Menschen haben den Sinn der Erde begriffen, denn das heißt: das Mysterium von Golgatha begreifen.
Davon das nächste Mal weiter.

ELFTER VORTRAG Berlin, 23. Mai 1916
Ein Stück aus der jüdischen Haggada

Wir haben uns das letztemal mit der überraschenden Tatsache bekannt gemacht, daß eine große Zahl derjenigen, welche im Abendlande von dem Christus Jesus von Amts wegen sprechen, nicht so viel von diesem Christus Jesus glauben, nicht so viel für wahr halten, als jeder echtgläubige Mohammedaner, jeder echtgläubige Bekenner des Koran für wahr hält über den Jesus. Und wir haben gesehen, daß uns ja in der Auffassung des Jesus des Koran helfen kann unsere Einsicht, die wir uns gerade über die Gestalt des Christus Jesus verschafft haben, den wir anerkennen, wenn wir uns in der richtigen Weise in das vertiefen können, was uns die Geisteswissenschaft lehrt:
daß die Zarathustra-Seele bis zum zwölften Jahre sich in dem Leibe des salomonischen Jesusknaben befand. Wir wissen, daß dann diese Zarathustra-Seele hinübergeht in den Leib des nathanischen Jesus-Knaben, und daß dann im dreißigsten Jahre des Lebens dieses Jesus der Christus-Geist Besitz ergreift von dem, was sich in dieser Weise entwickelt hat.
Wenn man den Jesus-Begriff des Koran nimmt — das haben wir das letztemal gesehen —, so deckt er sich selbstverständlich, wie das aus bestimmten Gründen sein muß, in einer gewissen Beziehung mit dem nathanischen Jesus.

Sogar dasjenige, was ich zu sagen genötigt war aus rein geisteswissenschaftlichen Voraussetzungen heraus: daß das nathanische Jesuskind sogleich bei seiner Geburt gesprochen hat, das finden Sie mitgeteilt im Koran. So daß also der Jesus-Begriff mancher Theologen, die sich zu einer gewissen sogenannten freigeistigen Richtung bekennen, sie nicht nur nicht berechtigt, sich im wahren Sinne Christen zu nennen, sondern sie nicht einmal berechtigen würde, sich «Türken» zu nennen. Es wird in der Tat von vielen Seiten in unserer Mitte eine Lehre verkündet, die in bezug auf die Jesus-Auffassung nicht auf der Stufe steht, auf der die Jesus-Auffassung des Türken steht.

Ich wollte das letztemal gerade auf diese überraschende Tatsache hinweisen aus dem Grunde, weil vielleicht gerade daraus für manche Menschen ersichtlich werden könnte, in wie hohem Maße es eine Aufgabe gerade unserer abendländischen Kultur ist, insofern diese zum Geistigen strebt, immer mehr und mehr sich zu vertiefen in die Wesenheit des Mysteriums von Golgatha, jenes Mysteriums, von dem man sagen kann, daß, wenn wir alle unsere Erkenntnisse aus den verschiedenen Welten zusammennehmen, diese nur dann, wenn wir sie wirklich in aller-emsigstem Sinne anwenden, uns einigermaßen hinweisen können auf dasjenige, was für die Erden-Entwickelung durch das Mysterium von Golgatha eigentlich geschehen ist. Wir haben uns schon bekannt gemacht damit, wie wenig eigentlich gedient ist auch auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft mit den schematischen Erkenntnissen, wie es notwendig ist, immer genauer und genauer von den verschiedensten Seiten her diese Dinge wirklich zu beleuchten.

Daraus werden Sie ersehen, wie gut es sein kann, auch etwas näher noch von gewissen Gesichtspunkten aus einzugehen auf dasjenige, was uns entgegentritt bei der Betrachtung des Christus Jesus, erstens durch die salomonische Abstammung, zweitens durch das Wohnen der Zarathustra-Seele in einem Leibe, der aus der salomonischen Linie abstammt, und dann wiederum, wie gut es ist, einzugehen auf dasjenige, was etwas beleuchten kann die Gestalt des nathanischen Jesus und so weiter. Daher möchte ich heute ausgehen davon, etwas zu sprechen über Salomo und über dasjenige, was mit der Gestalt des Salomo zusammenhängt.

Wenn man dasjenige nimmt, was von der Lehre des alten Judentums erhalten ist in den Begriffen, in den Ideen dieses Judentums — ich meine, was erhalten ist im Talmud oder den anderen Schriften, abgesehen vom Alten Testament, mit dem es ja anders ist —, so bekommt man eigentlich nurmehr mangelhafte Begriffe von dem ganzen Inhalte der Vorstellungswelt des Judentums. Namentlich bekommt man mangelhafte Begriffe von den Vorstellungen, die sich knüpfen an solch eine Gestalt, wie es die des Salomo ist. Man nennt dasjenige, was mehr begrifflich erhalten ist von der jüdischen Lehre
hHalacha, dagegen Haggada dasjenige, was so erhalten ist, daß der moderne Mensch sagt, es seien Märchen, Bilder, Legenden. In Wirklichkeit aber gehen solche Märchen, solche Bilder, solche Legenden zurück auf Schauungen in der geistigen Welt, auf dasjenige, was in der geistigen Welt geschaut worden ist, oder was gelernt worden ist dadurch, daß in der geistigen Welt geschaut worden ist. Auf imaginative Erkenntnisse gehen solche Märchen, solche Sagen, solche Legenden zurück, wie sie auch enthalten sind in der jüdischen Haggada.

Nun will ich Ihnen ein kleines Stück dieser Haggada heute zum Ausgangspunkt unserer Betrachtung machen, jenes Stück, welches einen wichtigen Moment im Leben des Königs Salomo behandelt. Das wollen wir also zum Ausgangspunkt unserer Betrachtung machen. Dieses Stück der jüdischen Bilder-Tradition über Salomo lautet:

Rabbi Jochanam sagte: «Die Füße des Menschen bürgen für ihn, daß sie ihn bringen an den Ort, wo er abgefordert wird.» Von jenen beiden Mohren wird uns erzählt, die zur Umgebung Salomos gehörten: Elichoref, Achijah, die Söhne Scheschas, welche Schreiber Salomos waren. Eines Tages sah Salomo den Engel des Todes, der traurig war, und er sprach zu ihm: «Warum bist du so traurig?» Darauf sagte der Engel des Todes:
«Weil die beiden Mohren hier von mir verlangt werden.» Da übergab Salomo seine beiden Mohren den Seirim. — Seirim sind Dämonen, die sich für die bildliche Anschauung so anschauen wie Böcke und die durch die Luft fliegen können. — Da übergab Salomo seine Mohren den Seirim und schickte sie in die Stadt Lus. Als sie dort anlangten — die beiden Mohren nämlich —, starben sie. Tags darauf sah Salomo den Engel des Todes wieder. Der lachte nun. Da sagte Salomo zum Engel des Todes: «Warum lachst du?» Und der Engel des Todes erwiderte: «Du schicktest sie gerade an den Ort, wo man sie von mir verlangte.» Sogleich hub Salomo an und sprach: «Die Füße des Menschen bürgen für ihn, daß sie ihn bringen an den Ort, woselbst er gewünscht wird.»

Also Salomo hatte mit dem Engel des Todes ein Erlebnis, welches ihm bewahrheitete dasjenige, was als eine allgemeine Wahrheit der Rabbi Jochanam sagte: Des Menschen Füße bürgen dafür, daß er dem Orte übergeben werde, für den er abgefordert werde.

Nun werden Sie gestehen, meine lieben Freunde, daß in dieser Erzählung, die uns die Haggada mitteilt, manches ist, worüber man die verschiedensten Fragen stellen kann. Zunächst hören wir:
Die Füße des Menschen bürgen dafür, daß er eben dem Orte übergeben werde, für den er gewünscht wird. Warum wird gerade von den Füßen gesprochen? Denn in solchen alten Bilder-Legenden ist ja nichts irgendwie gleichgültig, sondern alles hat seine bestimmte tiefe Bedeutung. Das ist also die erste Frage, die man stellen kann. Dann wird uns eine weitere Frage die sein müssen: Warum der Todesengel traurig war, da er vor Salomo erschien mit der Aussage, er habe seine beiden Schreiber zu holen. Sehen Sie, Traurigsein des Todesengels, dafür gibt es eigentlich in der Legende, wie es scheint, zunächst keine Erklärung; denn es wäre natürlich eine Plattheit, wenn man meinte, daß der Todesengel irgendwie traurig wäre, weil er die beiden holen muß. Das ist ja schließlich seine Aufgabe, und man würde gar nicht begreifen können, daß er traurig sein sollte.
«Und Salomo sprach zu ihm: Warum bist du so traurig?» Was bedeutet also diese Frage? Darauf sagte der Engel des Todes: Weil die beiden Mohren hier — also die Schreiber des Königs Salomo — von ihm verlangt werden, weil er die holen soll. Aber Salomo übergibt sie den Dämonen, die sie in die Stadt Lus tragen. Ja, sehen Sie, die Stadt Lus, das ist eine Frage, die leichter beantwortet werden kann, denn die Stadt Lus war eine Stadt, in der eine sonderbare Einrichtung war, nämlich daß man in dieser Stadt nicht sterben durfte, daher diejenigen Menschen, denen der Tod nahte, vor die Stadt hinausgetragen wurden.
Es war die einzige Stadt, welche diese Einrichtung hatte zu jener Zeit. Nun könnte man natürlich leicht glauben, es handle sich überhaupt nur um Angabe dieser Sache. Aber das ist nur hineinverwoben. Es wird also angedeutet: Salomo hört vom Todesengel, seine beiden Schreiber müssen sterben. Da schickt er sie in die Stadt Lus, weil er glaubt, wenn sie in der Stadt Lus sind, da kann der Todesengel sie nicht holen.
Aber siehe da, diese Erzählung aus der Haggada, die ich Ihnen mitgeteilt habe, ist an vielen Orten der jüdischen Tradition vorhanden. An anderen Orten wird uns mitgeteilt, daß sie eben gerade vor den Toren der Stadt hinfielen bei ihrem Fluge, so daß sie noch nicht in der Stadt angelangt waren; da konnte sie der Todesengel doch holen. Aber dann, am nächsten Tag, da steht der Todesengel lachend vor Salomo.

Und jetzt könnte man erst recht platt sagen: Nun ist der Todesengel froh, daß es ihm doch gelungen ist, die beiden zum Sterben zu bringen, und deshalb lacht er. Salomo erkennt nun die Wahrheit an, von der eigentlich der Rabbi Jochanam sprechen will: daß die Füße des Menschen wirklich dafür bürgen, daß er an den Ort gebracht werde, wo er gewünscht wird.
Nichts ist in der Regel unnötig in solchen Beschreibungen. Bedeutsam ist es sogar, daß die beiden Schreiber, die beiden Mohren, Söhne des Schescha sind, der selber Schreiber bei David war. Es wird also angedeutet, daß diese beiden Schreiber des Königs Salomo schon etwas Besonderes waren. Das alles müssen wir zusammennehmen, wenn wir das ganze Schwergewicht der Fragen empfinden wollen, die uns auftauchen können da, wo von einem wichtigen Erkenntnis-Momente im Leben des Königs Salomo gesprochen wird.

Nun bedenken wir, daß von dem König Salomo bekannt ist, daß er weise nicht bloß deshalb hieß, weil er gescheit war, wie die modernen gescheiten Menschen gescheit sind, sondern weil er wirkliche Einblicke hatte in die geistige Welt, weil er in die geistige Welt hineinschauen konnte und weil die geistige Welt vor ihm offen war. Salomo sollte erfahren jene Wahrheit, welche der Rabbi Jochanam wieder mitteilte, die Wahrheit, was es mit den Füßen des Menschen für eine Bewandtnis habe.

Sehen Sie, wenn wir den Menschen betrachten und ihn vergleichen mit der Tierheit, so sollte eigentlich — ich habe das schon öfter erwähnt — das bedeutsamste Kennzeichen für die Unterscheidung des Menschen von der Tierheit dieses sein, daß der Mensch sein Rückgrat aufrecht hat, senkrecht auf die Erde, auf die Erdenfläche, das Tier es waagrecht hat.
Ich hoffe, man wird mir nicht das Känguruh oder dergleichen einwenden, denn selbstverständlich sind das
Ausnahmen; diese Ausnahmen könnten auch erklärt werden, wenn wir uns auf die Einzelheiten der Sache einlassen könnten. Aber darum handelt es sich nicht.

Das wesentlichste Kennzeichen zunächst in bezug auf die äußere Formung ist schon dieses, daß der Mensch ein aufrechtes, das Tier ein horizontales Rückgrat hat.
Wenn wir eine Linie ziehen durch das Rückgrat des Tieres, so wird ja, wenn wir die Hauptrichtung einhalten, diese Linie nicht ganz gerade, sondern etwas gebogen. Ich sehe von der S-förmigen Richtung ab, und ich nehme die Biegung etwas nach unten. Im wesentlichen, wenn wir das Durchschnitts-Krümmungsmaß bei den Tieren nehmen, werden wir finden, daß wir diese Linie, die durchs Rückgrat geht, zu einem Kreis erweitern könnten, der ganz um die Erde herum geht. Ein richtiger Umkreis um die Erde! Das heißt, wenn wir einen Parallel-Kreis ziehen zur Erde, so geht der durch das Rückgrat des Tieres.
Wenn wir denselben Kreis für den Menschen ziehen würden mit seinem Rückgrat, so ginge der natürlich nicht um die Erde herum, sondern wenn Sie ihn vollständig klar denken konnten, so würden Sie finden, daß dieser Kreis, der dadurch entsteht, einen Mittelpunkt hat: Beim Tier haben Sie gerade gesehen, sein Mittelpunkt würde der Mittelpunkt der Erde sein; beim Menschen aber würde der Mittelpunkt der Mittelpunkt des Mondes sein. Warum?

Weil der Mensch diejenige Entwickelungsstufe, die das Tier heute mit Bezug auf die Erde durchmacht, schon während der alten Mondenzeit durchgemacht hat, und das ist ihm als ein Erbstück geblieben, daß er mit dem, was vom Mond übrig geblieben ist, so zusammenhängt, wie das Tier mit der Erde zusammenhängt.
Also der Mensch hängt mit dem, was vom Monde übrig geblieben ist, so zusammen, wie das Tier mit der Erde zusammenhängt. Der Mensch hat sich also seinem Planeten entrissen. Er ist nicht so mit seinem Planeten verbunden, wie das Tier. Er ist in bezug auf seine äußere physische Wesenheit gewissermaßen von seinem Planeten losgerissen. Aber er ist insofern losgerissen, als eine Seite seines Wesens von diesem Planeten losgekommen ist. Statt daß der Kreis, von dem ich gesprochen habe, um die Erde herumgeht, geht er in die Erde hinein.

Dadurch aber hat der Mensch seine Fuß-Stellung zur Erde empfangen, dadurch ist der Mensch mit einer Kraft mit der Erde verbunden, die ausgedrückt wird durch die Art und Weise, wie seine Füße zur Erde stehen. Mit dem ganzen Herübergehen des Menschen von der Mondenentwickelung zur Erdenentwickelung hängt dieses zusammen, daß die Hände entrissen worden sind der Erde, die Füße noch mit der Erde zusammenhängen.

Versteht man des Menschen Form so, wie sie sich gebildet hat beim Herübergang von der Mondenentwickelung zur Erdenentwickelung, so muß man sagen: Insoweit gehört der Mensch der Erde an, als die Erde vermocht hat, einen Teil von ihm in der Richtung der Füße und in der ganzen Gestaltung der Füße an sich zu ziehen.

Was bürgt also der Erde dafür, daß der Mensch zur Erde kommt ? Das Geheimnis seiner Fuß-Stellung bürgt dafür! Das Wort, das im Hebräischen an dieser Stelle steht: «Die Füße bürgen dafür», das ist genau dasselbe Wort, das man gebraucht, wenn zum Beispiel irgendwie für ein Kapital durch etwas Bürgschaft gehalten wird, genau dasselbe Wort. Das Wort bedeutet, daß die Füße zurückbehalten sind von der Menschwerdung, so daß sie Bürge sind dafür, daß der Mensch nach einer Seite seines Wesens mit der Erde zusammenhängt. Sie sehen also, damit ist nicht etwa gemeint, als ob die Füße den Menschen nach dem Orte seines Todes hintragen würden; sondern das ganze Geheimnis der menschlichen Gestalt liegt in diesem Satze, wie es Salomo erkannt hat dadurch, daß er in die geistige Welt hat hineinschauen können. Was ich jetzt umschrieben habe mit Worten, das hat sich also Salomo geoffenbart, als er diese Erscheinung des Engels des Todes hatte. Und wir sehen an diesem Beispiel wiederum, wie eine Weisheit bei den Menschen vorhanden war, welche wir ja einmal in den letzten Betrachtungen die Urweis-heit genannt haben, und die vergangen ist, damit dem Menschen Gelegenheit gegeben werde, während der Erdenentwickelung, aus sich heraus in Verbindung mit der Freiheit sich wiederum Weisheit zu erringen.

Ein nächstes Rätsel in dieser Erzählung kann uns sein, daß der Todesengel einmal traurig ist, das andere Mal lacht. Lachen und Weinen, das wird für die wenigsten Menschen in der Gegenwart eine Erkenntnis-Frage, und wenn sie es wird, dann sehen die Antworten auch wirklich zuweilen recht betrüblich aus — in demjenigen Zeitalter, in dem es, wie wir gehört haben, sogar eine Psychologie der Heiratsannonce als ernsthafte Wissenschaft gibt. Und dennoch gibt es, ich möchte sagen, nahe Gelegenheiten, einmal nachzudenken darüber, wie es sich mit Lachen und Weinen verhält, denn das Volk macht sich schon eine, ich möchte sagen, sehr weisheitsvolle Idee zunächst über das Lachen.

Wenn Sie auf dem Lande draußen sind, so werden Sie es schon vernehmen können, daß, wenn einer so auf der Straße für sich allein geht und anfängt zu lachen, der Mann aus dem Volke da sagen wird: Bei dem ist’s nicht recht, mit dem stimmt etwas nicht! — Nicht wahr, das weist schon auf eine eigentlich tiefere Einsichtsgrundlage, das weist dahin, daß ein Urteil gefällt wird, daß man eigentlich, wenn man allein ist, als vernünftiger Gegenwartsmensch nicht lacht. Und man lacht ja auch wirklich nur in Gesellschaft.
Gewiß sind ja auch da Ausnahmen vorhanden, aber im wesentlichen gilt das doch, was ich eben ausgesprochen habe. Das Lachen ist also etwas, meine lieben Freunde, was man sozusagen nur in Gesellschaft tut. Beim Weinen ist das nicht in so starkem Maße der Fall. Weinen wird man vielleicht gerade, wenn man recht weint, lieber in der Einsamkeit, denn diejenigen Menschen, die gerne in Gesellschaft weinen, wenn es gesehen wird, sind vielleicht nicht diejenigen, an deren Ehrlichkeit des Weinens man immer so recht glauben kann. Der Bauer denkt nicht so besonders nach, wenn er jemanden sieht, der allein lacht, aber er fällt das Urteil: Mit dem ist irgend etwas nicht richtig, stimmt irgend etwas nicht. Nun, was liegt denn da eigentlich zugrunde ?

Wirklich, meine lieben Freunde, solche Erscheinungen des Menschenlebens wie Lachen und Weinen zu verstehen, dazu ist schon notwendig, daß man sich auf die Geisteswissenschaft einläßt. Denn sehen Sie, sogar schon für das rein materielle Dasein stimmt eigentlich das nicht ganz, was man so im allgemeinen Bewußtsein hat. Ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht: Wenn ein Mensch vor uns steht, so wird jemand vom Gesichtspunkt des allgemeinen Bewußtseins aus, wenn er gefragt wird: Was gehört denn zu diesem Mensehen? — sagen:
Was innerhalb der Haut ist. Nicht wahr, das gehört zum Menschen, was innerhalb der Haut ist. Und wenn man nicht besonders tief nachdenkt, so hat man selbst, wenn man durch die Welt geht, die Meinung, daß man das zum Menschen zu rechnen hat, was innerhalb der Haut ist.

Aber stellen Sie sich jetzt recht lebhaft vor, was innerhalb der Haut ist: Da ist auch die Luft! Die ist aber im nächsten Moment draußen! Die Luft, die jetzt innerhalb der Haut ist, ist im nächsten Moment draußen. Das heißt, wir sind gar nicht imstande, dasjenige, was innerhalb der Haut ist, wirklich abzutrennen von demjenigen, in das das ganze Dasein des Menschen eingebettet ist.
Dasjenige, was Erden-Luftumkreis ist, das gehört im Grunde genommen zum physischen Wesen des Menschen absolut dazu, das geht immer hinaus und herein. Und es ist im Grunde gar nicht besonders wunderbar, wenn man dann aufgefordert wird, diese Vorstellung, die man schon vom physischen Menschen mit seiner Luft haben soll, auszudehnen auf den ganzen Menschen, wenn einem gesagt wird: Wacht der Mensch morgens auf, so nimmt er etwas in sich herein, was in der Nacht draußen ist. Er nimmt ja in jedem Augenblick sogar materiell die Luft herein, die draußen ist; die ist dann in ihm. Beim Aufwachen nimmt er dasjenige in sich herein, was in der Nacht draußen ist. Beim Einschlafen atmet er gleichsam wiederum aus sein Ich und seinen astralischen Leib.

Die Beziehung, die physisch ist zwischen dem Menschen und dem Luft-Umkreis, wir brauchen sie uns ja nur vorzustellen wie die zwischen dem Menschen und der geistigen Welt, wie die zur Erde gehört; dann bekommen wir schon den Begriff. Der Unterschied ist ja nur der, daß die Luft, die wir jetzt in uns haben und später ausgeatmet haben, dann sich gleich in der äußeren Luft verteilt, während, wenn wir abends beim Einschlafen unser Ich und unseren astralischen Leib gewissermaßen ausatmen, diese ihre Form behalten und so uns wieder zurückkommen, wie wir sie ausgeatmet haben. Aber ebenso, wie wir durch die Luft, die wir in uns haben, mit der umgebenden Luft in Verbindung stehen, und eigentlich immer die Luft herein-, heraus-, herein-, herausgeht, so ist auch ein flutendes Leben zwischen uns und der ande-
ren, geistigen Welt. Denn so dürfen wir uns das nicht vorstellen, daß einfach unser Ich und unser astralischer Leib in uns hereinschlüpfen und dann da drinnen sind.

Sie stehen mit der ganzen geistigen Welt nach außen in Verbindung, so wie der Sauerstoff, den wir in uns haben, nach außen wieder mit der umgebenden Luft in Verbindung steht, wie die Luft in uns mit der Umgebung in Verbindung steht. Wir hängen also fortwährend mit der geistigen Welt zusammen durch unser Ich und durch unseren astralischen Leib.
Nehmen wir einmal an, irgend etwas mache auf uns einen solchen Eindruck, den wir im gewöhnlichen Leben eben einen komischen Eindruck nennen. Was tut denn das in Wirklichkeit, was auf uns einen komischen Eindruck macht? Etwas ganz Ähnliches tut es, wie wenn wir — also physisch —, statt daß wir unser normales Quantum einatmen, ein wenig draußen lassen und über die Umgebung verbreiten würden.

Unser Ich und unsern astralischen Leib, die strecken wir gleichsam aus uns hervor. In dasjenige, was uns komisch vorkommt, ergießen wir unser Ich und unseren astralischen Leib hinein. Also denken Sie: Wenn Sie über irgend etwas lachen, so besteht die Tatsache, die sich da abspielt, darinnen, daß Sie Ihr Ich und Ihren astralischen Leib gewissermaßen darüber verbreiten. Sie strecken den astralischen Leib und das Ich heraus und verbreiten es darüber. Es ist ein geistiger Vorgang, der ja nicht so eine Abweisung ist, wie wenn dieser astralische Leib in einem anderen Gefühl etwas vom physischen Leibe mitzieht, wo auch dasjenige, was wir als astralischen Leib haben, sich ergießt in die Umgebung, aber etwas vom physischen Leibe mitzieht:
es ist unartig, denn das, was mitgezogen wird, ist die Zunge! Das tun unartige Kinder, die die Zunge herausstrecken. Wenn wir lachen, lassen wir die Zunge zwar drinnen; aber es ist schon eine ähnliche Verfassung des Astralleibes, der herausgezogen wird, und sogar so stark herausgezogen wird, daß er das einnebelt, was auf ihn einen komischen Eindruck macht. Dem Lachen liegt eine Verbreiterung des astralischen Leibes sogar bis zum Ätherleib zugrunde. Der unsichtbare Mensch verbreitert sich, dehnt sich wie elastisch aus. Das ist also der Vorgang beim Lachen.

Genau der entgegengesetzte Vorgang findet statt beim Weinen. Da zieht sich der astralische Leib sogar mit dem Ätherleib zusammen, preßt dadurch, daß er sich zusammenzieht, den physischen Leib und preßt die Tränen heraus. Das ist ja viel leichter zu verstehen. Aber Sie sehen: Lachen und Weinen und damit natürlich auch Traurigsein — denn Traurigsein ist ja nur derselbe Seelenvorgang, nur daß es eben nicht zu Tränen kommt —, Lachen, also Heitersein und Traurigsein beruht auf Ausdehnung und Zusammenziehung der unsichtbaren Wesenheit des Menschen, beruht also in einer Kraftentfaltung der unsichtbaren Wesenheit des Menschen.

Jetzt können Sie sich auch vorstellen, was Salomo gesehen haben wird. Er hat ja natürlich nicht einen physischen Leib gesehen, als er den Todesengel gesehen hat, sondern eine geistige Wesenheit. Er hat also gesehen, wie sich der Todesengel ausgedehnt hat am zweiten Tag, während er am ersten Tag sich zusammengezogen hat. Da haben Sie etwas, was Ihnen zeigen kann, wie geistige Wesenheiten wirken, wie geistige Wesenheiten ihre Taten verrichten. Bei uns Menschen ist Lachen und Weinen, Heitersein und Traurigsein gewissermaßen eine Begleiterscheinung des Lebens, durch die wir nur unser Inneres ausdrücken, durch die wir zeigen, wie unser Inneres gestimmt ist. Wir verrichten in den meisten Fällen durch Lachen und Weinen für andere Menschen wenig. Wir arbeiten nicht durch Lachen und Weinen.

Es sind Begleiterscheinungen des Lebens. In dem Augenblicke aber, wo man an gewisse Geistwesen herankommt, die viel mehr mit ihrem eigenen Selbst bei ihrer Arbeit zu sein haben wie wir, da bedeutet Ausdehnung und Zusammenziehung das, was sie zu verrichten haben. Und der Todesengel hatte, als er davor stand, die beiden zu holen, seine Kräfte zusammenzuhalten: Er hatte sich in sich zu verdichten, um durch die Verdichtung in sich ein Stemmen seiner Kräfte hervorzurufen, denn er stand vor seiner Arbeit.
Das drückt sich dadurch aus, daß er traurig ist. Es ist nur eine Andeutung dafür, wie er sich zusammenzieht. Am nächsten Tag hatte er seine Arbeit verrichtet, da ging die Sache durch Elastizität wiederum auseinander. Es wird uns also einfach eine Tatsache des geistigen Lebens in diesem Traurig- und Heitersein des Todesengels mitgeteilt.
Niemand, der nicht platt denken will, wird Anstoß daran nehmen, daß eben nicht eine platte Erklärung für das Traurigsein und Heitersein des Todesengels gesucht wird, sondern eine solche, welche in den tieferen Verhältnissen der geistigen Welt begründet ist. Als der Rabbi Jochanam sprach, da war allerdings noch durchaus eine gewisse Empfindung vorhanden für die Eigentümlichkeit der geistigen Welten. Und man sieht es dem Ernste der Fassung dieser Erzählung an, daß der Rabbi Jochanam eben diese Erzählung zum Inhalte seiner Erklärungen machte und daran dann seine Erklärungen knüpfte, den Leuten von den geistigen Welten etwas zu erzählen.

Allerdings, im späteren Mittelalter, in der Zeit, als schon herannahte der fünfte nachatlantische Zeitraum, den wir ja charakterisiert haben, da kamen auch unter die jüdischen Erklärer der Haggada solche Menschen, über die unsere «fortgeschrittene Zeit» helle Freude haben könnte. Da gibt es zum Beispiel einen jüdischen Erklärer, der als sehr gelehrt galt in dieser vorgeschrittenen Zeit — nicht in der zurückgebliebenen Zeit, wo man noch an das Geisterreich geglaubt hat — und der sagte:
Hinter der ganzen Erzählung müssen wir nicht diese abergläubische Erklärung suchen, die die Alten gegeben haben, sondern wir müssen ausgehen von der Stadt Lus. Es ist ja bekannt von Salomo, daß er schon zu seiner Zeit bemüht war, Orte ausfindig zu machen und zu besiedeln, die gute Luft, gutes Klima haben, welche für Sommeraufenthalte taugen. — Wahrhaftig, mit diesem jüdischen Erklärer könnten eigentlich die modernen liberalen Gelehrten ganz außerordentlich zufrieden sein! – Und wenn man das weiß, daß die Stadt Lus eben solch eine Sommerfrische, von dem König Salomo eingerichtet, war, dann kommt man, von diesem Punkte ausgehend, im Grunde genommen sehr leicht auf die Sache.
Denn dann braucht man sich ja nur vorzustellen, daß die beiden Schreiber – dazumal wird man noch nicht gesagt haben, daß sie «nervös» waren, aber irgend etwas dergleichen, nicht wahr – sich nicht mehr ganz gesund zeigten, und da hatte denn Salomo in seiner Weisheit, die ja selbstverständlich für einen modernen Menschen eine viel größere Weisheit ist als das Hineinschauen in die geistige Welt, erkannt: Nun, man schickt natürlich die beiden Schreiber in die Sommerfrische! Und da traf es sich just so, daß sie in der Sommerfrische gestorben sind, wie das nun schon geschieht. Und da hat sich nun der Glaube daran geknüpft, daß das eine Art Strafe war. Nun, im Mittelalter konnte man wenigstens noch an das glauben, nicht wahr? Aber jedenfalls gab es also auch schon diese Erklärungen in verhältnismäßig früher Zeit, beim Herannahen des fünften nachatlantischen Zeitraums.

Warum aber ist denn die Stadt Lus angeführt ? Und warum überhaupt der ganze Vorgang mit Salomo? Nun, zunächst müssen wir eben immer wieder bedenken, daß Salomo eben ein Mensch ist, der mit der geistigen Welt in Verbindung steht. Ich sagte: Bedeutsam ist, daß seine beiden Schreiber die Söhne waren des Schescha, der schon Schreiber war bei dem König David; sie sind also gewissermaßen wertvolle Persönlichkeiten. Und Schreiber in der damaligen Zeit bedeutet etwas anderes als heute. Schreiber in Ägypten zum Beispiel — ich habe das schon einmal erwähnt — wurden Leute, welche die Buchstaben wirklich im Sinne der alten ägyptischen Schrift mit aller Inbrunst nachzumalen hatten. Wenn jemand einen falschen Buchstaben schrieb, so stand darauf die Todesstrafe, weil das etwas Heiliges war.

In den Buchstaben lag etwas Heiliges. Und so waren denn auch die Schreiber des Königs Salomo durchaus eben Menschen, die mit der geistigen Welt in Berührung standen, in Verbindung standen sie, gehörten gewissermaßen zu der Gemeinschaft derjenigen, mit denen Salomo sein Wissen von der geistigen Welt teilte. Und die Stadt Lus, die soll uns nur hinweisen darauf, daß in diesen Schreibern etwas war, wodurch sie gewissermaßen ein Gefühl ihrer Unsterblichkeit schon während des Lebens voll hatten durch ihren Zusammenhang mit der geistigen Welt. Wir sollen aufmerksam darauf gemacht werden, daß sie nicht dahinlebten, diese Schreiber, ebensowenig wie der König Salomo, ohne zu wissen von ihrem geistig-seelischen Wesenskern, der durch die Pforte des Todes geht.
Nicht nur theoretisch wußten sie das, sondern sie gehörten eben zu denjenigen, die gewissermaßen bis zu einem gewissen Grade in diese Geheimnisse eingeweiht waren. Daher hatte es der Todesengel schwierig und hatte es notwendig, sich mit dem König Salomo in einer gewissen Weise in Verbindung zu setzen. Das heißt, da die beiden Schreiber für ihr eigenes und namentlich für das Bewußtsein des Königs Salomo in ihrer Unsterblichkeit lebten, so war es für den Todesengel notwendig, daß er so herantrat an den ganzen Vorgang, den er jetzt zu verrichten hatte, daß auch Bewußtsein vorhanden war von dem Tode, daß teilgenommen wurde daran.

Nicht sollte ausgedrückt werden, daß der König Salomo seine Schreiber vor dem Tode schützen wollte und sie daher in die Stadt Lus geschickt hat, sondern es sollte angedeutet werden, daß hier das Sterben ganz bewußt geschah, daß man es hereinnahm in sein Wissen, daß man damit rechnete. Und darauf liegt der Hauptton, daß eben für Salomo das bewußt wurde, daß seine Schreiber starben. Und wenn gesagt wird, er schickte sie nach der Stadt Lus, so soll uns das nur andeuten, daß er sah, wie die ahrimanische Gewalt, die durch den Todesengel ja repräsentiert wird, durch ihre Agenten, durch die Bock-Dämonen, herandringt.

Also der ganze Vorgang, wie er sich bewußt abspielt, der soll uns gewissermaßen durch die Erzählung veranschaulicht werden: Da ist einmal ein Sterben geschehen vor einem Weisen so, daß zugesehen wurde durch das Bewußtsein des Weisen. Das wollte der Rabbi Jochanam andeuten. Und der ganze Vorgang setzte sich so um in das Wissen des Salomo, daß er jetzt wußte, wie der Mensch mit der Erde zusammenhängt und wie er mit der geistigen Welt zusammenhängt.

Die Entstehung des Wissens vom Übersinnlichen in dem König Salomo, die wird uns durch diese Erzählung dargestellt. Nur wenn wir das nehmen als eine Nacherzählung gewissermaßen eines hellsichtig von dem König Salomo erfahrenen Vorganges, dann nehmen wir die Erzählung so, wie sie genommen werden soll, nur wenn wir sie so verstehen, daß sie gleichsam besagen will: der Rabbi Jochanam sagte, die Menschen sind gebunden an die Erde durch die Gestalt ihres physischen Leibes. So, wie die Gestalt der Füße und ihre Stellung zur Erde mit der Erde zusammenhängen,
so drückt das aus, daß der Mensch nur einseitig mit der Erde zusammenhängt, daß nur die Füße Bürge sind dafür, daß der Mensch zur Erde gehört. Die aufrechte Stellung des Menschen ist aber Bürge dafür, daß er der geistigen Welt übergeben wird mit seinem Wesenskern. Damit Salomo das glauben könne, wurde ihm bewußt das Sterben vorgeführt an ihm teuren Genossen.

Also nur mit Begriffen und Ideen, die der geistigen Welt selbst entnommen sind, kommen wir diesen Dingen bei. Und mancher alten Legende — man nennt sie so — kommt man nur bei, wenn man an sie herantritt mit den geisteswissenschaftlichen Begriffen. Aber daß gerade diese Tatsache von dem König Salomo erzählt wird, das ist recht bedeutsam. Denn es wird uns angedeutet dadurch, daß Salomos Weisheit gerade darinnen bestand, hineinzuschauen in die geistige Welt, in der sich zunächst enthüllt das Geheimnis des Todes. Und wenn wir von den alten Mysterien hören, daß der Mensch als erstes, was er zu erfahren hat, das zu erfahren hat, daß er an die Pforte des Todes herantritt, so ist im Grunde genommen dasjenige, was uns in dieser Legende dargestellt wird, nichts anderes, als daß uns gesagt wird: Salomo war einer von denjenigen, die bis an die Pforte des Todes herangekommen waren.
In der Linie der Generationen, welche abstammten von dem König Salomo, da liegt gewissermaßen die physische Zubereitung für dieses Hellsehen, das an die Pforte des Todes kommt. Der Körper Jesu ist also aus der salomonischen Linie des Hauses David, die Seele ist die des Zarathustra. Und machen wir uns recht klar, was das Wesen der Zarathustra-Seele ausmacht, warum die Zarathustra-Seele in einem Leibe darinnen ist, der von einem Menschen herstammt, der Hellsehertum hatte.

Nun habe ich ja öfter gesprochen über dasjenige, was aus der Seele des Zarathustra gekommen ist. Heute wollen wir nur, ich möchte sagen, dasjenige, was dann später vorzugsweise sich abgesetzt hat von der Zarathustra-Lehre, ins Auge fassen, was dann von der Zarathustra-Lehre hauptsächlich übergegangen ist in die Mani-Lehre und so weiter, in die Manichäer-Lehre.

Zu den tiefsten Fragen, die das Menschenrätsel uns bringt, gehört ja ohne Zweifel die nach dem Guten, Sonnigen des Lebens und seinem Zusammenhang mit dem Bösen, Schattenhaften des Lebens.

Nun wissen wir, wieviel wir davon verstehen können, wenn wir Einsicht haben in das Wirken von Luzifer und Ahriman. Aber diese Lehre von Luzifer und Ahriman, sie führt ja in einer gewissen Weise auf den Zarathustra zurück, auf seine zwei außer den guten, fortschreitenden Gottheiten wirkenden geistigen Mächte. Luzifer und Ahriman leben schon in der Zarathustra-Lehre als eine Tatsache der geistigen Welt, als Erkenntnis einer Tatsache der geistigen Welt. Was hat es in dieser Zarathustra-Lehre dadurch nicht geben können, meine lieben Freunde, daß man eine gewisse Einsicht hatte in das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman ?

Sehen Sie, etwas hat es nicht geben können, womit die späteren Menschen nimmermehr fertig geworden sind. Wenn man nicht mehr in der richtigen Weise das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman in der Welt versteht, dann durchschaut man die Welt nicht, dann bleibt das Gute ein Rätsel, das Böse ein Rätsel. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einmal eine spätere Lehre, welche geradezu so charakterisiert werden kann, daß man sich innerhalb dieser Lehre, dieses Bekenntnisses, nicht mehr zu besinnen wußte auf die alte Zarathustra-Lehre. Es ist das die Lehre von der Prädestination und was bei den Mohammedanern damit zusammenhängt.

Bedenken Sie, diese Prädestinations-Lehre sagt auf der einen Seite ganz klar: Alles, was geschieht, ist vorausbestimmt, wie durch eine in der allerersten Urzeit vorhandene älteste Schrift ist alles im voraus beschrieben. Ich kann nicht einen Schritt vor meine Türe machen, ohne daß es im voraus bestimmt wäre. Wenn ich sterbe — vorausbestimmt! Alles streng vorausbestimmt! Das heißt, für das Bewußtsein des Mohammedaners ist es so, daß sich nichts für ihn vollzieht, was nicht streng vorgeschrieben ist im Buch des Gottes. Aber alle Augenblicke wird der Mohammedaner, wenn er von etwas spricht, was demnächst geschehen soll, und was er gerne hätte, daß es geschieht, so etwas sagen, das heißen würde im Deutschen: Nun, wenn Gott es will! — Er ist zwar vollständig überzeugt davon, daß alles aufgeschrieben ist in dem Buch des Gottes, sagt aber von allem: Nun, wenn Gott es will! — und wird nicht vergessen, bei den Dingen, die ihm nur irgendwie bedeutsam erscheinen, diese Redensart zu gebrauchen: Wenn Gott es will. Was sagt der abendländische Mensch dazu, was sagt der Mohammedaner selbst, wenn er gefragt wird, wenn ihm zum Beispiel gesagt würde: Ja, sieh einmal, du sagst, alles sei aufgeschrieben.
Dann kann das doch keinen Sinn haben, wenn du sagst: So Gott es will. Denn dann wird es ja nicht mehr gewollt, dann ist es ja von allem Anfang an bestimmt. — Der Mohammedaner sagt, und der abendländische Mensch sagt: Das ist eben ein unlösbarer Widerspruch, über das kommt man nicht hinweg.

Und so ist es auch. Es ist ein unlösbarer Widerspruch. Gehen Sie alle abendländische Philosophie durch, nehmen Sie alle Namen: Spinoza, Descartes, Kant, Fichte, Schelling, Hegel und so weiter, überall werden Sie nachwirkend empfinden diesen Widerspruch, der nicht lösbar scheint, der nur besonders kraß hervortritt in der Lehre von dem Kismet, von der Vorherbestimmung im Mohammedanismus. Da haben wir also eine Lehre, die in dieser Beziehung anders ist als die Zarathustra-Lehre.

Die Zarathustra-Lehre würde weder das eine noch das andere so empfinden, daß daraus ein Widerspruch wird, weil sie Luzifer und Ahriman kennt. Und erinnern Sie sich an die Betrachtung, die wir hier angestellt haben, wo wir die Vereinigung dieser Dinge ins Auge gefaßt haben! Wir müssen daraus erkennen, daß in der Menschheitsentwickelung etwas war, was eine ursprüngliche Lehre, die gar nicht diesen Widerspruch hervorgerufen hat, verwandelt hat in eine andere, die an diesem Widerspruch krankt, die höchstens durch Gedankenlosigkeit sich über diesen Widerspruch hinweghelfen kann. Dieser Widersprach, meine lieben Freunde, ist nur ähnlich vielen anderen Widersprüchen; er ist nur derjenige Widerspruch, der am meisten ins Leben eingreift. Er ist aber ähnlich vielen, vielen anderen Widersprüchen, die wir immer wieder und wiederum im Leben finden können. Und derjenige, der nicht anerkennen will, daß das Leben voller Widersprüche ist, der kennt eine Seite der Wirklichkeit überhaupt nicht.

Das Leben ist voller Widersprüche, wenn es nämlich angeschaut wird mit dem menschlichen Verstände! Aber es sollte mit dem menschlichen Verstände angeschaut werden, das heißt, es sollte eine Zeit kommen, wo der Mensch sich in Widersprüchen befindet; es sollte die Zarathustra-Zeit abgelöst werden durch eine Zeit, in der der Mensch durch Widersprüche lernt, durch Widersprüche geradezu aufgestachelt wird zu seinem wahren inneren Leben. Zu den mancherlei Dingen, die die Erde dem Menschen bringen soll zu seinen Prüfungen, gehört auch dieses Leben in den Widersprüchen.

Nun bedenken Sie, was für eine Art Mitte die vierte nachatlantische Zeit war, die Mitte des fünften Erden-Zeitraums.

Im vierten, im atlantischen Zeitraum, da kam noch nicht dasjenige heraus, was die Erde bringen sollte, erst im fünften und in der Mitte dieses fünften, da kam dasjenige heraus, was vorzugsweise diese Erde bringen sollte, und dazu gehörte auch dieses Widerspruchsvolle. Das Widerspruchsvolle, das ist geradezu Erden-Element. Warum hatte es denn der Zarathustra noch nicht? Weil er noch Erbschaften hatte von den alten Zeiten! In der vierten nachatlantischen Periode waren die Menschen schon ganz eingelebt in das Irdische. Würde der Mensch nichts für sein inneres Verstandes- und Vernunftsleben bekommen als das, was ihm die Erde geben kann, dann würde er auch nicht über die Widersprüche hinauskommen; dann würde der ganze Rest der Erdenentwickelung so ablaufen, daß der Mensch sich in seinen Widersprüchen verzehren würde seelisch, daß er seelisch zugrunde gehen würde in den Widersprüchen. Denn das Geistige, das sich nur durch die Erde entwickeln kann, muß Widersprüche bringen.

Soll der Mensch wieder hinausgeführt werden über die Widersprüche, was mußte denn da geschehen ? Da mußte etwas, was zwar zur Erde gehört, aber nicht die Erdenentwickelung der Menschheit mitgemacht hat, in die Erdenentwickelung hereinkommen. Da mußte etwas hereinkommen, was zurückgeblieben war in der alten lemurischen Zeit, als der Mensch herunterstieg. Und dies ist ja doch gerade die Wesenheit des nathanischen Jesus. Der nathanische Jesus ist gerade der, der den Menschen nahe steht, weil er sozusagen zurückgeblieben ist und nicht mitgemacht hat die Erdenentwickelung, aber der eben wiederum von den menschlichen Widersprüchen frei ist aus dem Grunde, weil er zurückgeblieben ist und erst hereingetreten ist, als die Menschen ihre Widerspruchs-Entwickelung bis zum Gipfel gebracht hatten, bis zum vierten nachatlantischen Zeitraum.

Da tritt er auf als ein Heilmittel gegen den Widerspruch, der sich in der menschlichen Natur entwickeln muß, wenn die Menschheit durch die Erde durchgeht. Wahrhaftig, die Menschen müssen für ihre geistige Entwickelung dasjenige haben, was also in der Zarathustra-Kultur noch ein altes Erbstück ist; aber sie müssen zu dem etwas hinzubekommen, was sie nun auf der Erde als die Widerspruchsnatur erfahren.
Daher mußte zu dem Zarathustra-Jesus, zu dem salomonischen Jesus, der nathanische Jesus hinzukommen. Und diejenigen, welche in ihrem übrigen Religionsbekenntnis diesen furchtbaren Widerspruch haben der Prädestination und des «Gott will es», wie die Mohammedaner, denen ist zugleich zugeflossen die Offenbarung von dem nathanischen Jesus. Haben sie so viel Entwicklungsfähigkeit, daß sie das einmal verstehen können, dann werden sie sich sagen: Wenn wir wiedererkennen die Natur desjenigen, der uns da geoffenbart ist im Koran, dann werden wir finden, wie sich Prädestination und «Gott will es» zusammenschließen.

In der gegenwärtigen Entwickelung ist der Mohammedaner noch nicht so weit; aber er hat die Entwickelungskeime doch in gewisser Beziehung in sich, das heißt, sie liegen da. Es ist nur im Keime. Aber die Christen sollten weiter sein. Die Christen sollten verstehen, was sie haben in dem Wesen, das durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, indem wirklich die Kräfte der Erdenentwickelung sich in ihm zusammengefunden haben. Sie sollten verstehen, daß das uralte Menschheitserbgut durch die Zarathustra-Natur gekommen ist, und daß eine unmittelbare Gabe des Menschlichen hereingekommen ist durch den nathanischen Jesus.

Bis hierher wollen wir zunächst diese Betrachtung führen. Sie sehen aber aus diesem wiederum, wie sich alles zusammenschließt. Sie sehen, wie die Dinge, die im Leben nebeneinander stehen, gut begründet nebeneinander stehen. Im Koran steht die Prädestination neben dem «Gott will es»; aber dazu steht auch das Heilmittel da, der nathanische Jesus. Sie sehen, meine lieben Freunde, wie wir an dasjenige herankommen, was wirkliches Menschenleben ist. Wir
versuchen es ja bis in seine höchsten Formen dadurch, daß wir die geisteswissenschaftlichen Begriffe verwenden. Denn wir leben durchaus in einer Zeit, in welcher die Sache schon so liegt, daß die alte Art des Wissens im Verschwinden begriffen ist.

Wenige Menschen sind noch da, die etwas haben von der alten Art des Wissens, von jenem instinktiven Wissen, das ein Erbstück ist aus dem Hellseherischen, wenige Menschen sind noch da, und die werden verlacht. Und das andere Wissen, das begonnen hat, das Wissen des Verstandes, das Wissen der Vernunft — nun, nach der Ansicht derjenigen Menschen, die es so herrlich weit gebracht haben, ist es ja natürlich schon in seiner Blüte. Für den, der die Dinge durchschaut, ist es nicht in seiner Blüte, sondern wirklich erst im Anfange, und es erweist sich überall als noch nicht ausreichend. Die Tatsachen gehen schneller als dieses Wissen. Das war in älteren Zeiten anders, als das Wissen von den Göttern gegeben wurde; da wurde es immer angepaßt den Tatsachen.

Jetzt ahnen die Leute gar nicht, wie die Tatsachen fortschreiten, und das Wissen wirklich so sitzt wie ein Rock, der an allen Seiten zu klein, richtig zu klein ist. Und wenn einmal Tatsachen auftreten, dann werden diese Tatsachen nicht in genügender Weise zur Belehrung für die Menschen benützt. Ein sehr gelehrter Herr hat in den letzten Jahren einen streng wissenschaftlichen, mit allen wirklich vorgerückten nationalökonomischen Begriffen der Gegenwart strikten Beweis geführt, daß kein Krieg in der Gegenwart länger dauern kann als höchstens drei bis vier Monate. Das ist «streng wissenschaftlich» bewiesen. Was bedeutet es denn für den vernünftigen Menschen? Für den vernünftigen Menschen bedeutet es ja nichts anderes als daß, nachdem unser Krieg bald zwei Jahre dauert, wir es hier zu tun haben mit einer Theorie, die eben zu klein ist gegen die Tatsachen.

Aber man läßt sich nicht so leicht belehren. Man wird nicht hingehen — wozu man verpflichtet wäre —, um nachzusehen: Woran liegt denn das, daß da einer einmal mit dem gesamten nationalökonomischen kritischen Apparat der Gegenwart kommt und beweist, daß ein Krieg nicht länger dauern kann als drei bis vier Monate, denn dann muß er aufhören nach den gegenwärtigen Verhältnissen; man wird nicht hingehen und wird untersuchen, woran das liegt, denn dann würde man darauf kommen, daß diese Wissenschaft nichts taugt, daß sie die Tatsachen nicht umspannen kann. Unangenehme Perspektive! Der Mann hat seine Wissenschaft gut in der Gegenwart gelernt. Würde man also ganz konsequent sein: Fatale Perspektive! Nationalökonomische Lehrkanzeln, da lernt man ja das, wovon der Mann seine Wissenschaft hat.
Letzte Konsequenz: Sie alle abschaffen! Weg mit all diesen nationalökonomischen Lehrkanzeln! Das geht nicht, das geht wirklich nicht! — Also muß man anerkennen, daß die Nationalökonomie doch weiter in der Gegenwart leben muß so, wie sie jetzt ist, nicht wahr! Sie wird, wenn sie weiter lebt so, wie sie in der Gegenwart ist, noch viel dergleichen «streng wissenschaftlich» beweisen. Konsequenz: Fatal! — Aber wenn man weitere Konsequenzen ziehen und nachschauen würde, ob unter Umständen auch andere Theorien ebenso zu klein sein könnten für die Tatsachenreihe, so ist ja nicht auszudenken, was alles dabei herauskäme.
Also das geht nicht, daher sind alle diese Sachen weiter richtig, selbstverständlich.

Sie sehen, meine lieben Freunde, ein Mut gehört schon dazu, die Dinge zu Ende zu denken, der in der Gegenwart nicht immer vorhanden ist. Und dennoch, man sollte diesen Mut in einer gewissen Weise haben. Dann wird vielleicht nicht von heute auf morgen alles geändert werden, denn denken Sie an alle die großen Pensionen, die bezahlt werden müßten, wenn alle, die auf diese Weise nicht mehr weiter lehren könnten, pensioniert werden müßten! Aber wenn auch schon aus Steuergründen die Sache von heute auf morgen nicht geändert werden kann, so würde sie doch in richtigere Bahnen kommen, wenn wenigstens ein gewisser Kern von Menschen da wäre, die den Mut haben, richtig zu denken und überall da, wo wo sie nur irgend können, dieses Richtige durchsickern zu lassen.
Darauf kommt schon etwas an. Mit solchen Dingen fängt man immer bei sich selbst an und versucht, soviel als möglich ist, nach dem Richtigen hin zu denken. Denn das Leben schreitet vor, nicht so, daß alles von selber geht, sondern das Leben schreitet schon vor so, daß durch die Menschen die Fortschritte bewirkt werden.
Und wenn manche zum Trost sich sagen: Na, morgen braucht ja auch nicht gleich alles anders zu sein, denn die Natur macht keine Sprünge, die Welt macht keine Sprünge: Sie macht eben doch lauter Sprünge! Würde das grüne Laubblatt sich immerfort sagen:

Ich darf keine Sprünge machen! — so würde ein grünes Blatt dann ein ein wenig anderes grünes Blatt werden, aber eine Rose würde niemals zustande kommen; denn die kommt durch einen Sprung zustande! Die Natur macht überall Sprünge! Und so ist es auch im menschlichen Leben. Die Dinge kommen nicht auf die bequeme Weise der Sprunglosigkeit zustande, sondern die Dinge kommen schon so zustande, daß tatsächlich überall Neubildungen auftreten. Überall kommen Sprünge zustande, und das müssen wir auch bedenken. Schon wenn wir ein richtiges Urteil gewinnen über die Dinge, ohne Leidenschaften nach der einen oder nach der anderen Seite einfließen zu lassen in unser Urteilen, so ist viel getan. Denn Gedanken sind durchaus lebendige Kräfte.

Aber in unserer Zeit rafft man sich nicht auf zu einem gesunden, geraden, positiven Urteilen über die Dinge. Daher nimmt man, ich möchte sagen, ohne inneren Anteil, ohne inneres Miterleben die Dinge hin. Man nehme zum Beispiel an: Was wäre das Natürliche, wenn ein Mensch sprechen würde über literarische Fragen, über die Fragen der Literatur eines Volkes? Das Natürliche wäre, daß er etwas versteht von diesen Dingen, und daß er nicht spricht über solche Dinge, wenn er nichts versteht davon. Heute sprechen nicht bloß diejenigen Menschen, die von diesen Dingen etwas verstehen! Neulich sind wir unterrichtet worden über die Bedeutung der deutschen Literatur, sehr gründlich, von einem Mann, der gar nichts davon versteht, denn er ist ja nicht einmal Literaturgeschichts-Profes-sor, sondern er ist Präsident einer Republik und hat durchaus nicht Gelegenheit gehabt, das zu lernen, worüber er ein ganzes Land zu unterrichten sich vermessen hat. Ein politischer Advokat spricht über Literatur! Ein Dichter spricht über Politik! Diese zwei Dinge, wir haben sie in der letzten Zeit unmittelbar, ich möchte sagen, nebeneinander erlebt. Diese Erscheinungen muß man schon hinnehmen so, wie sie sich ihrer wahren Gestalt nach verhalten, und muß die riehtigen Gedanken zu ihnen gewinnen können. Viel zu sehr sind wir in unserer Gegenwart, ich möchte sagen, gleichgültig. Und Theosophie soll uns nicht dazu verleiten, nun erst recht gleichgültig zu werden, wenn man diese Gleichgültigkeit auch oftmals Ruhe nennt, oder, indem man das Wort ganz falsch anwendet:
Gelassenheit. Die Gelassenheit muß man ja anstreben. Die Gelassenheit soll aber nicht darin bestehen, daß uns alles ganz gleichgültig wird; sondern die Gegenwart fordert schon von uns, daß wir in einer gewissen Weise Feuer haben können in der Anerkennung des Guten und in der Verabscheuung desjenigen, was nicht sein soll und nicht sein darf, wenn die Entwickelung wirklich in der entsprechenden Weise so fortschreiten soll, wie es die guten Geister der Menschheit wollen. Davon wollen wir dann das nächstemal weiter reden.

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BUDDHA UND DIE ZWEI JESUSKNABEN – DIE VIER EVANGELIEN – MISSION DES ALTHEBRÄISCHEN VOLKES / R.Steiner
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Die Sonne, der Mensch und das Mysterium von Golgatha / Rudolf Steiner
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Die Widersacher – Luzifer, Ahriman, Sorat, Asuras. Kurztexte von Rudolf Steiner
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„…auf dem ökumenischen Konzil in Konstantinopel ist eben der Geist durch die Kirche abgeschafft worden.“ Und was bedeutet Gewissen? R.Steiner
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