Seien wir „selbstlose Egoisten!“ Was versteht man unter Schicksal – warum passiert das ausgerechnet mir ? Von der Gestaltung seiner eigenen Biographie

Versuch einer Perspektive, deren Ausgangspunkt die Freiheit des einzelnen ist mit dem Fazit: Jeder ist eigenverantwortlicher Gestalter seines Schicksals, admin.

Arbeitsmaterial zur Gestaltung der eigenen Biographie

1.) Bin ich Selbstgestalter meines
Charakters – und sogar meines Schicksals?
2.) Rudolf Steiner: WIE KARMA WIRKT

erfahrungen, aus denen eindeutig hervor geht, dass man stets an seinem inneren wesen (charakter, konstitution) und äußeren schicksal arbeitet:

a) durch die äußeren eindrücke, denen man sich öffnet.
b) durch die inneren seelenstimmungen, denen man sich hingibt sowie durch die gesinnung des handelns.
c) durch die äußeren ergebnisse seines handelns und deren rückwirkung auf einen selber.
4) durch die geprägte eigenart seines wesens, demgemäß man bestimmte ereignisse an sich zieht, andere ausschliesst.

beispiel: ein mensch gibt sich heute diesen oder jenen eindrücken hin, in dem er dieses oder jenes betrachtet, liest, oder sich teilnehmend mit irgend etwas verbindet. dann wendet er sich anderen dingen zu, die gehabten eindrücke aber sinken herab ins halb- bzw. unbewusste. sie werden vergessen und endlich in die tiefen des nächtlichen schlafes genommen…

schon während des schlafes kann man nun mehr oder weniger das gefühl haben, dass die gesammelten eindrücke des tages nach- und weiter wirken… besonders beim aufwachen kann man erfrischt oder niedergeschlagen sein…

eigentlich müsste man sich sagen: was ich gestern von außen her hörte und mit interesse aufnahm, das ist heute zu meinem inneren gedächtnis geworden, ja, es hat sich sogar tiefer bis in meine seelenstimmung hinein verwandelt. das läßt mich jetzt nicht mehr los und man kann es nicht mehr ungeschehen machen. gestern stand es mir noch frei, mein waches bewusstsein diesem oder jenem eindruck zuzuwenden. gestern kamen diese eindrücke noch von aussen und ich hätte ihnen die tore meines interesses verschliessen können. heute aber gehören sie zu mir und sind ein unveränderlicher bestandteil meines wesens geworden – ja, sie haben bereits begonnen, mein wesen selbst stimmungshaft zu prägen. wenn sich dies aber tag für tag wiederholt, d.h., wenn man sein interesse dauernd bestimmten, von außen kommenden eindrücken und erlebnissen zuwendet, so wird es nicht bei blossen seelenstimmungen bleiben. die wirkungen werden vielmehr noch tiefer ins unbewusste herabsinken und werden schließlich meine physiologisch-anatomische organisation langsam umgestalten. d.h., zu lebens- leibesstimmungen werden.

aus außenwelt wird also innenwelt. aus klaren bewusstseinseindrücken werden halbbewusste seelenstimmungen und endlich unbewusste lebens- und leibesstimmungen. der gewöhnliche mensch weiß von diesen zusammenhängen nichts, denn sie vollziehen sich durch das vergessen hindurch. man glaubt, ungestraft alles beliebige sehen, hören, denken und empfinden zu können, weil man sein bewusstsein nur als eine art indifferentes gefäß betrachtet, in welches man alles mögliche hinein- bzw. auch wieder ausgießen könne. es sind ja nur gedanken oder nur wahrnehmungen… so die landläufige meinung. man weiss aber nicht, dass die erlebnisse gerade in diesem augenblick ihre, je nach dem verhängnisvolle oder segensreiche wirksamkeit erst zu entfalten beginnen… so wenig es gleichgültig ist, was man isst, trinkt und atmet, so wenig ist es gleichgültig, was man hört, sieht und denkt.

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der versuch, deutlich zu machen, wie alleine unser tägliches wahrnehmen, denken und handeln uns formt und verändert…
seien wir „selbstlose Egoisten!“ , um an einer positive seelen- und leibesentwicklung zu arbeiten… was gut ist für uns, ist auch gut für die welt… admin
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fortsetzung:

„…weshalb nun die menschen gott oder den zufall anklagen… warum muss ausgerechnet mir dies passieren…“

wer kennt nicht krisensituationen, in denen man verzweifelt nach sinn und zweck derselben fragt?

nun, die ersten hier beschriebenen beispiele bezogen sich auf das, was man durch die sinne von außen wahrnimmt und wie man dadurch seinem charakter gestalt gibt. jetzt ein paar gedanken zu den seelenhaltungen, die wir in uns selber entwickeln und der außenwelt entgegen bringen. nehmen wir ein krasses beispiel (es könnte genau so gut ein anderes temperament wie sanguinik, phlegmatik oder melancholik genommen werden):

der choleriker. er neigt zu jähzorn, zu gewalt und gibt seiner neigung auch in jeder hinsicht nach. er fühlt sich als „ganzer kerl“, wenn er die anderen zur schnecke macht. tagsüber fühlt er sich gut, aber nachts vermengen sich ganz andere stimmungen in ihm. da erklingt die stimme des gewissens und zeigt ihm sein verhalten in einem ganz anderen licht. er schaut sich und sein verhalten nun gleichsam „von außen“ an. und erlebt gleichzeitig auch die seelenstimmungen seiner mitmenschen, die tagsüber seinem verhalten ausgesetzt waren. irgendwann kommt es zum zusammenbruch, zur krise. das unterbewusste vergisst eben nicht:

denn das entscheidende ist nicht, was wir unseren mitmenschen, sondern was wir uns selber antun! ein solcher mensch ahnt nicht, das diese „zornesaktionen“ nicht nur in zentrifugaler richtung aus ihm herausgehen, dass jeder haßerfüllter gedanke, jede brutalität auf ihn selber zurück schlägt und dann seine seele und leib schwächen und kränken wird. ja, etwas in seiner geistig-moralischen substanz wird zerstört. man mache sich klar: jedes ausleben einer einseitigkeit (hier die wut) ist ein zeichen von innerer schwäche. verstehende weisheit und liebe hingegen – sie mögen zunächst als schwäche und nachgiebigkeit erscheinen – sind aber zeichen wahrhaftiger überlegenheit.

wie gedankenlos reden wir oft daher, wie hemmungslos und unkontrolliert lassen wir oft unseren affekten freien lauf! wir sollten uns immer klarer werden, dass unser eigenes verhalten – nicht unbedingt zeitgleich , meistens zeitversetzt – auf uns zurück kommt. hier spricht man von der reflexion oder dem echo im geistig-moralischen. nun, unsere ungesteuerte emotion verweht eben nicht spurlos in der luft. in der physischen außenwelt mag dies vielleicht stimmen, aber geistig west es weiter und kehrt wie ein bummerang zu uns zurück.

unsere äußerungen, die wir vom ich-mittelpunkt aus in zentrifugaler richtung in die welt hinaus und dem anderen an den kopf geworfen haben, die verdünnen sich mit zunehmender räumlicher und zeitlicher entfernung und entschwinden endlich ganz aus unserem gesichtskreis. alsbald aber verändern sie ihre richtung, sie werden nun zu uns zurück-reflektiert und strahlen nun zentripetal und sich zunehmend verdichtend, auf uns ein.

nun, man kennt das sprichwort: wie man in den wald hinein ruft, schallt es zurück. und dieser schall ist dann alles andere als eine positive stimulation unseres seins…

der aufmerksame beobachter kann bemerken, wie unsere ausstrahlenden gedanken, gefühle und handlungen rückwirkend an unserem seelisch-geistigen antlitz arbeiten. man spricht sogar von einer geistgestalt, die sich zu einem zweiten feinstofflichen menschen verdichtet und aufbaut, welcher ganz und gar aus dem moralischen gehalt und gesinnung unseres verhaltens gebildet ist.

von diesem selbstgeschaffenen doppelgänger weiss unser gewöhnliches ich-bewusstsein nichts. trotzdem müssen wir uns fragen: was passiert mit diesem meist unschönen doppelgänger nach dem tode?

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seien wir egoisten… und lernen, unser verhalten zu kontrollieren…
tolerant gegen den anderen – hart sich selber gegenüber!
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folge 3:

nun, halten wir fest: was im tagesbewusstsein aufgenommen wird, das findet seine auswirkungen in den tiefen der physiologisch-anatomischen organisation.
ein beispiel: man geht zum schnellimbiss um den hunger durch einen kaffee to go oder den döner – incl. der hektik des alltags in sich rein zu ziehen. oder ich nehme mir eine auszeit, setze mich und lasse die unruhe und sorge des alltages von mir abfallen, bevor ich zu essen anfange. vielleicht gelingt es mir sogar noch, ein paar segnende und dankende gedanken den nahrungsstoffen zukommen zu lassen (früher nannte man dies beten). so kann selbst die physische nahrungsaufnahme zur kommunion werden und gesundend wirken. hingegen das mit hektik und unrast verschlungene essen – bei regelmäßigem wiederholen – wird zu schwierigkeiten im verdauungstrakt etc. führen. wenn nicht heute, dann morgen. merke: nicht nur, was man isst, sondern auch die seelenstimmung dabei wirkt auf unsere physis – gesundend oder krank machend.

hier wird deutlich sichtbar, wie der mensch durch sein verhalten an seinem selbstbereiteten schicksal formend tätig ist.
während das tier z.b. hinsichtlich der nahrungsaufnahme, schlafen, wachen, geschlechtsbetätigung ganz den weisheitsvollen instinktordnungen der natur hingegeben ist, besitzt der mensch, je mehr er sein ich-bewusstsein entwickelt, das vermögen der willkür. er kann – im gegensatz zum tier – in seinem geistig-sellischen begehrungen und gewohnheiten entwickeln, die nicht mehr mit den physichen notwendigkeiten übereinstimmen, ja, ihnen sogar entgegen wirken (…noch ein bierchen mehr, kann ja nicht schaden). erstaunlicher weise sind nämlich die meisten krankheiten des mkenschen nicht wirkungen äußerer umstände und schädigungen, sondern gehen letztlich auf innere, im menschen selbst gelegene spannungen zurück. der kampf um gesundheit und krankheit ist für den menschen daher letztlich eine frage des bewusstseins. alle medizinischen bestrebungen müssen letztendlich fruchtlos bleiben, weil sie nur symptome bekämpfen.

unvoreingenommene betrachtung ergibt: was von einem menschen an positiver, liebevoller gesinnung ausstrahlt, das kehrt verwandelt als auftrieb und freudigkeit zu ihm zurück. wirken diese lange genug, so werden sie sich nach und nach als klarer, offener sinn und schliesslich als keim von gesundheit und schönheit bemerkbar machen, ganz gleichgültig, ob sich dieser keim schon in diesem erdenleben physisch voll entfalten kann oder zunächst nur geistig-seelisch bleibt (siehe im letzten text: wir arbeiten an unserem doppelgänger oder auch unserer geistgestalt). umgekehrt verwandeln sich negative, bedrückende, haßerfüllte gesinnungen und auch die heute weit verbreitete selbstsucht in bedrücktheit, schwäche, anfällige organe und unharmonische physiognomien etc.

dieses bedenkend könnte man sagen: die klarheit unserer augen, die feinheit unserer ohren, die kraft und schönheit unserer glieder sowie vitalität und gesundheit seien ursache und ausdruck der inneren kraft und helligkeit unseres innersten geistigen wesenkernes, welcher plastisch bildend tätig ist…

und ist man in diesem leben und in seinem jetzigen körper von krankheit befallen, wären auch folgende perspektiven zu berücksichtigen: die kraft unserer seele wächst oft mehr durch leiden als durch glück und äußere taten, oft mehr durch krankheit als durch strotzende gesundheit. durch ein ins bett gefesselten menschen können die größten inneren seelentaten geschehen, welche das geistwesen dieses menschen so stärken und verdichten, dass sich dadurch für die mitmenschen die bedeutsamste und heilendste wirksamkeit ergeben kann… wenn nicht jetzt, dann in der nächsten inkarnation (man baut an seiner geistgestalt!).

und widerum andere, die jetzt „erfolgreich und mächtig“ dastehen, recht klein und unbedeutend sein werden…

weisheit und liebe sind überall verwandelter schmerz, und wir dürfen für das schwere oft mehr als für die annehmlichkeiten des lebens dem schicksal danken.

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fortsetzung

halten wir fest:
was wir in einem erdenleben nach aussen (und nach innen) hin wirklich vollbringen, hängt von unserem (selbergestalteten) schicksal ab, was wir uns an qualitäten in dieses erdenleben mitbringen. wesentlich und ganz in unsere freiheit gestellt ist die art, wie wir uns moralisch mit diesen gegebenheiten arrangieren und was wir selber aus dem allerschwersten – z.b. lebenslange gelähmtheit – machen. da können seelentaten geschehen und herzenskräfte erworben werden, die sich im nächsten erdenleben in kraft und gesundheit, ja weisheit und erfolgen nach außen kundtun.

man bedenke. jede sieghafte stunde der selbstüberwindung und liebe verwandelt sich in kraft und freudigkeit und läßt uns anders in den schlaf gehen und morgens erwachen, als wenn wir unseren schwächen, mißmutigkeiten, haß und frust raum geben.

jedes „sich-gehen-lassen“ zieht neue schwächen, jede selbstüberwindung aber neue siege nach sich…

wer sich irgend wann einmal für den einen oder anderen seelenweg entschieden hat, wird bald bemerken, dass er dadurch in eine gesetzmäßigkeit gerät, die ihn immer weiter nach auf – oder abwärts tragen will.

wendet man nun ein, der eine habe eben (sei es durch geburt, erziehung) mehr kräfte zur freien selbstgestaltung mitbekommen als der andere, so ist dies allerdings richtig und hängt mit der später zu behandelnden frage des angeborenen schicksals und charakters zusammen. eines aber ist sicher. den keim der freiheit hat jeder normale, d.h. zum ichbewußtsein erwachte mensch. aber eben nur den – verschieden großen – keim! der mensch ist nämlich weder schlechthin frei noch schlechthin unfrei. sondern er besitzt die möglichkeit, den keim der freiheit in sich zu erwecken und wachsen zu lassen. das kann aber nur durch ständiges und eisernes üben geschehen. jede satte selbst gefälligkeit und aufgeblasenheit den höchsten idealen gegenüber schwächt unsere wachheit und macht uns zum spielball innerer dämonen.

werfen wir einen blick darauf, wie jede entscheidung von gestern eine notwendige bindung an das heute bedeutet. und schauen vielleicht dabei auf uns selber. was für impulse mich auch immer dazu brachten, diese oder jene ausbildung zu machen, in dieses oder jenes land zu reisen, mich dann nieder zu lassen, zu heiraten etc… gestern war ich vergleichsweise noch frei, heute aber bin ich durch meine entscheidungen und taten gebunden. die gestrigen entscheidungen sind heute mein schicksal. wollten wir solche schicksalsnotwendigkeiten gänzlich vermeiden, um „dauernd frei“ zu sein, so müsste auf alles tun und handeln verzichtet werden (aber auch das unterlassen bedeutet schicksalsbildend tätig zu sein).

unterschrieben wir gestern einen schuldschein, wird er mir morgen unter die nase gehalten. weil er meine handschrift als unterzeichner trägt. man sollte sich klar werden, dass nicht nur schuldscheine, sondern alle unsere taten unsere handzeichen an sich tragen. dadurch bleiben sie mit uns verbunden und zeigen die tendenz, in ihren folgen auf uns zurück zu kommen – auch, wenn wir sie schon längst vergassen.

wie nämlich unsere erlebnisse aus unserem tagesbewusstsein nach innen, in die tiefen unseres eigenen wesens absinken (siehe folge 1, 2 und 3), um dort als gedächtnisbestand aufbewahrt zu werden bzw. ihre innere seelische schicksalswirksamkeit zu entfalten, so entschwinden unsere taten und deren folgen aus unserem tagesbewusstsein nach außen, in dem sie sich immer weiter in die welt zerstreuen und schliesslich zu vergehen scheinen. letzteres ist aber nur eine täuschung unseres gewöhnlichen bewusstseins:

wie uns nämlich unsere erinnerungen mit einstmals gehabten erlebnissen nach innen verbinden und diese uns, trotz allen vergessens, als innerer seelenbestand unverloren bleiben, so verbinden uns unsere schicksalsereignisse nach aussen zu uns mit den folgen unserer taten und bleiben mit uns verbunden – wir mögen uns in raum und zeit noch so weit vom ort unserer einstigen handlungen entfernen!

unsere ehemaligen werke und taten gehören also ebenso wie unsere ehemaligen sinneseindrücke und seelenstimmungen zu uns und werden als „erinnerung“ oder besser gesagt als „schicksalsfolgen“ den weg zu uns wieder finden. was einem menschen also zunächst von außen und als ein fremdes zuzustoßen scheint, kommt in wahrheit aus seinem eigenen wesen und ist ein stück selbstbegegnung – so sehr dies auch dem gewöhnlichen bewusstsein verborgen bleibt. deswegen die unverständlichen reaktionen: „warum gerade mir das?“

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halten wir fest:
unsere ehemaligen werke und taten gehören also ebenso wie unsere ehemaligen sinneseindrücke und seelenstimmungen zu uns und werden als „erinnerung“ oder besser gesagt als „schicksalsfolgen“ den weg zu uns wieder finden. was einem menschen also zunächst von außen und als ein fremdes zuzustoßen scheint, kommt in wahrheit aus seinem eigenen wesen und ist ein stück selbstbegegnung – so sehr dies auch dem gewöhnlichen bewusstsein verborgen bleibt. deswegen die unverständlichen reaktionen: „warum gerade mir das?“

zur obigen erkenntnis möchte ich auf folgende tatsache hinweisen: es gibt einen merkwürdigen drang im menschen, die früchte seines vergangenen tuns wieder aufzusuchen. geschieht dies z.b. von verbrechern, die es nicht unterlassen können, trotz der damit verbundenen gefahren die mordstelle wieder zu sehen, so wird klar, dass wir den eigentlichen grund nicht in oberflächlichen motiven werden suchen dürfen.
offenbar wird in solchen fällen der täter der geheimnisvollen anziehung nach, die zwischen ihm und seiner tat besteht. ja, man könnte sogar sagen: der täter gehe den schicksalsfolgen seiner tat entgegen und suche sie zu beschleunigen… und oft stellt er sich selber dem gericht, oder er benimmt sich so, getrieben von unsichtbarem drange, dass er schliesslich ohne mühe entdeckt oder ergriffen werden kann…

am deutlichsten wird nun die rückkehr der tatfolgen zum täter bei beziehungen zwischen mensch und mitmensch. schlage ich jemanden und ich schlage zurück, so ist diese rückkehr ganz offensichtlich, freilich auch so einfach, dass sie kaum als schicksalsfolge genannt werden darf. ein anderes beispiel: zwei menschen haben sich zum ersten male gesehen und einander starken eindruck gemacht. ganz erfüllt von dem anderen trennen sie sich. im halb- und unterbewussten lebt das bild des anderen fort. räumlich sind sie nun weit voneinander getrennt, ja schliesslich haben sie sich sogar in ihrem oberbewusstsein vergessen. in der region des geistig-seelischen jedoch sind sie nach wie vor einander unmittelbar nahe. da wirkt und lebt jeder im anderen und bestimmt dessen verborgendste triebe und willensentscheidungen. es wird uns daher nicht wunder nehmen, wenn schliesslich beide auf langen, verschlungenen lebenswegen einander scheinbar ganz zufällig wieder begegnen. hinter diesem zufall stand aber die unbewusste schicksalsverbundenheit ihrer seelen, die mit nachtwandlerischer sicherheit ihre körper und ihre tagesbewusstseine so lenkte, dass beide, zu ihrem eigenen verwundern, sich endlich wieder begegneten und jetzt vielleicht erst ganz klar wissen: wir gehören zusammen.

fassen wir zusammen. bei jeder begegnung zweier menschen hinterlassen beide wechselseitig einen eindruck ineinander zurück. jeder bestimmt durch sein verhalten gegen seine mitmenschen auch wieder deren verhalten gegen ihn und bereitet sich also selber sein soziales schicksal unter ihnen: im tun sind wir also dann zwar frei, aber im erleiden gebunden, da wir selber die früchte geniessen (oder ertragen müssen), deren keime wir durch unser eigenes verhalten in die mitmenschen legten.

so arbeiten wir zeitlebens nicht nur an dem, was wir leiblich-seelisch und geistig nach innen selbst sein werden, sondern auch an der gestaltung dessen, was uns von AUßEN und durch andere menschen als schicksal entgegen kommt und kommen wird.

jedenfalls aber wird jedem nur widerfahren, was er in sich und in den mitmenschen selbst säte, wenn auch zwischen der saat und der ernte lange, lange zeiträume vergehen können. so dass unser bewusstsein in den seltensten fällen die zusammenhänge durschaut, die hier zwischen ursache und wirkung bestehen.

täglich, ja stündlich begegne ich neuen menschen. an mir aber selber liegt es, ob ich durch kalte gleichgültigkeit ihnen gegenüber den schicksalskeim zu meiner späteren vereinsamung lege, oder, sei es durch hass oder liebe, mein schicksal eng an das ihrige knüpfe, in dem ich dadurch im mitmenschen zerstörungs- oder aufbaukräfte mir gegenüber entflamme. jede menschliche begegnung aber wird so oder so mein kommendes dasein mitgestalten.

nur durch unwissenheit scheint der heutige mensch ein abgeschlossenes einzelwesen für sich zu sein. in wahrheit aber ist jeder von uns in einem unermesslichen gewebe eingewoben, welches die menschen zu kleineren oder größeren schicksalsgruppen verbindet. denn der mensch gehört nur durch seinen materiellen körper der räumlich-materiellen seinsebene an. in seinem wesen jedoch ragt er hingegen in die geistig-seelische dimension hinein. dort durchdringt er sich unmittelbar mit seinen freunden und feinden, mögen die körper auch noch so weit entfernt sein – oder: mag gar der eine oder mögen endlich beide bereits verstorben sein – die wesensverbundenheit bleibt bestehen!

seien wir „selbstlose egoisten“. denn, verinnerlichen wir uns: durch haß und feindschaft verflechten wir uns genau so wie durch liebe und wohltun mit den anderen menschen. und kommt als „von uns selber-gestaltetes schicksal“ auf uns zurück.

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die frage: „warum passiert ausgerechnet mir das“ klingt dann eben nur noch naiv. und sollte uns aus erkenntnis der zusammenhänge zu einer bewussteren, verantwortungsvollen biographiegestaltung anregen. denn: wer nicht an sich selber arbeitet, an dem wird gearbeitet
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folge 6:

halten wir fest: das räumlich-materielle und leiblich-körperliche ist umspannt und durchgriffen vom geistig-seelischen (zum verständnis bitte vorhergehende folgen lesen!)

jetzt zu beispielen, wieso ein mensch aufgrund seiner inneren und auch äußeren eigenart gleichsam wie ein „blitzableiter“ bestimmte ereignisse anzieht.

wir alle kennen menschen – evtl. betrifft es ja auch den einen oder anderen selber – die ohne besondere veranlassung, rein durch ihre art, wie sie sich geben und aussehen, zu- oder abneigung, spott oder wohlwollen ihrer mitmenschen auf sich ziehen. menschen, die trotz äußerer bemühungen den von den anderen mitmenschen um sie gezogenen bannkreis der vereinsamung nicht sprengen können und wieder andere, denen ohne viel mühe alle herzen in liebe und freundschaft zufliegen. oder, wer kennt ihn nicht: den „pech- oder unglücksvogel“ bzw. die „sonntagskinder“ oder „glückspilze“?

solche schicksalseigentümlichkeiten sind nun wohl in den seltensten fällen von einem menschen innerhalb seines gegenwärtigen erdenlebens bewirkt und verschuldet. er hat sie sich vielmehr mit der geburt ins dasein gebracht. wollte er daher ein solches schicksal durch seine freiheit umgestalten, so könnte dies weder durch eine bloße veränderung seines äußeren verhaltens noch durch eine änderung seiner inneren seelenstimmungen und temperamentsanlagen geschehen. er müsste vielmehr seinen innersten wesenskern umgestalten, d.h. ein völlig „anderer“ werden. so tief wirken aber weder die gewöhnliche sog. „schule des lebens“ noch die gewöhnliche moralische „selbsterziehung“. der widerstand des angeborenen – sprich auch des „mitgebrachten“ – ist zu groß. um es dennoch zu erreichen, müsste eine totale, geistig-seelische umkehr und erleuchtung geschehen…

was aber in diesem erdenleben nicht oder nur schwer gelingt, geschieht – wie wir noch sehen werden – im nachtodlichen dasein und im übergang zu einem neuen erdenleben :zz: yea! lasst mich zu den nachfolgenden „schicksalsgesetzen“ kommen.
diese bestimmen zunächst freilich die schicksalsgestaltung innerhalb eines erdenlebens, erhalten jedoch ihre volle bedeutung erst, wenn man auf die tatsache der wieder-verkörperungen hinblickt.

das erste gesetz lautet: täglich, ja stündlich sind wir selbstgestalter unseres äußeren und inneren schicksals. durch dasjenige, was wir heute fühlen, denken, sprechen, tun, bereiten wir uns sowohl unser leiblich-seelisch-geistige beschaffenheit von morgen wie dasjenige vor, was uns von außen her begegnet. charakter und schicksal sind also nicht nur als zufällige „gegebenheiten“ zu betrachten!

hierbei wird in der ersten lebenshälfte mehr sichtbar, was wir an charakter und schicksalen ins erdendasein mitbrachten, in der zweiten lebenshälfte und besonders im alter hingegen, was wir aus dem mitgebrachten zu machen verstanden. in wie weit wir also neu- und umgestalter unseres charakters und schicksals waren. im allgemeinen wird die zweite lebenshälfte die früchte ernten, welches die erste lebenshälfte säte.

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was ich also jeweils am beginn eines „heute“ – sei dies nun am anfang des tages, einer woche oder eines ganzen lebensabschnittes als meinen inneren charakter und als meine äußeren schicksalshaften lebensumstände vorfinde, das sind schlechthin gegebenheiten, für die ich in diesem augenblicke nichts kann, die ich vielmehr als absolute notwendigkeiten hinnehmen und akzeptieren muss (ihr erinnert euch: warum gerade passiert mir das?)
ich weiss aber, dass diese notwendigen gegebenheiten meines „heute“ die schicksalsfolgen meiner taten oder versäumnisse von „gestern“ sind, dass ich mich also NICHT in den fesseln göttlicher willkür oder des zufalls oder blinder naturgesetze befinde, sondern durch meine eigene freiheit gefangen bin. ich weiss aber auch, dass die art wie ich mich heute inmitten dieser dieser selbstgestalteten schicksals- und charaktergegebenheiten verhalten werde, auch wieder meinen morgigen zustand bestimmen wird.

so bekundet sich meine freiheit in der bereitschaft, ein selbstverschuldetes schicksal hin zu nehmen, es umzugestalten und ein neues schicksal sich zu schaffen.

die freiheit (wie ich agiere) von gestern ist also geronnen zum schicksal von heute – und wird zum schicksal von morgen. demnach ist für das, was heute notwendigkeit ist, die verantwortliche freiheit im gestern zu suchen.
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„warum passiert gerade mir das?“ und schon deutet der zeigefinger auf den gegenüber: der ist schuld… oder machen wir auf die schnelle keinen übeltäter aus, findet sich noch schneller das wörtchen „zufall“ oder gar der „liebe gott“, den wir für das schlamassel den schwarzen peter zuschieben.
eine ziemlich kindlich-naive haltung, wie ich finde.
könnte es sein, dass wir „selbstverursacher“ unseres schicksals sind?

hinweis: dieser text baut auf die vorangegangenen folgen auf!

folge 7

erinnern wir uns:

die freiheit (wie ich agiere) von gestern ist also geronnen zum schicksal von heute – und wird zum schicksal von morgen. demnach ist für das, was heute notwendigkeit ist, die verantwortliche freiheit im gestern zu suchen.

schicksalsursachen und schicksalswirkungen folgen in der zeit keineswegs unmittelbar aufeinander, noch sind sie miteinander nach art mechanischer kausalität verbunden. es können daher taten der jugend ihre früchte oft erst im späteren alter zeigen. besonders gilt dies den eindrücken und erlebnisse, denen ganz kleine kinder ausgesetzt wurden. und die dann beim älteren menschen – sehr oft auch erst beim greise – in gestalt scheinbar unerklärlicher krankheitsneigungen, träume, gewohnheiten, sympathien und antipathien herauskommen.

was z.b. an idealismus und großen vorbildern ins kind gelegt wurde, das entsteht im greise als liebe und lebensschwungkraft, während ein trübsinniges, herzkrankes alter oft mit einem seelenarmen, negativistischen elternhaus zusammen hängt.

menschenschicksale kann daher nur verstehen, wer lange zeiträume überblickt und es kann sie nur gestalten, wer sich bewusst ist, durch sein tun und lassen (an sich – besonders auch an kindern) bis in fernste zeiten hinaus schicksalswirkungen zu säen.

es verschwinden nämlich die schicksalsursachen zunächst scheinbar gänzlich aus der sichtbaren welt und aus dem eigenen bewusstsein. sie tauchen gleichsam in eine ganz andere, übermaterielle und übersinnliche weltdimension ein, um sich dann erst später im irdisch-materiellen und sinnlich-wahrnembaren zu verkörpern und uns damit bewusst werden.

zugleich damit aber tritt eine vollständige innere umwandlung ein.

die früchte sehen nähmlich ganz anders aus, als derjenige vermeint, der einst den samen streute. weshalb die menschen gott oder den zufall anklagen…

dies hängt damit zusammen: die wurzeln und ursachen der schicksalsgestaltung liegen in den höhen des geistig-seelischen, die früchte und wirkungen in den tiefen des physisch-leiblichen.
es verwandelt sich – wie schon in den vorigen folgen beschrieben – demnach bewusstes (erlebnisse, gesinnungen, handlungen) in ein unbewusstes und schliesslich wieder in physisch-leibliche zustände bzw. in ereignisse, die uns von außen treffen. diese physisch-leiblichen endergebnisse unseres verhaltens wirken aber wieder auf unser geistig-seelisches zurück und bedingen die art unserer stimmungen, ob wir uns freudig oder bedrückt, kraftvoll oder schwächlich fühlen. womit der kreis wieder geschlossen ist.

profanes beispiel: wer im zorn und frust sein essen herunter schlingt, schädigt seine verdauung und die gestörte verdauung wird ihm nun wieder weitere unlustgefühle und ärgernisse bereiten, bis er von diesem kreisprozess belehrt, sein verhalten ändert.

die brücke aber zwischen dem bewussten geistig-seelischen und dem unbewussten, tiefschlafhaften physisch-leiblichen ist das fühlen. bewusstseinserlebnisse entfalten nämlich um so tiefere leibliche wirkungen, je mehr sie gefühls- und affektgeladen sind (siehe künstlerisches arbeiten – kunst als therapie! demnächst hier im blog :yes:)

deshalb wirken die erlebnisse der ersten kindheit so stark und bedingen, ohne dass wir es wissen, im späteren leben oft unerklärliche gewohnheiten – je weniger wir unsere erlebnisse vom klaren denken her kontrollieren, um so verheerender können sie sich auswirken (deswegen die warnung von immer mehr pädagogen btr. tv- und pc-konsum – s.dazu auch das vid von gerald hüther: http://mikeondoor.blog.de/2013/10/29/gerald-huether-freiheit-kind-liebe-16709478/ )

neid, angst und hass z.b. als starke emotionen fressen sich daher tief in unseren leibesorganismus hinein und machen ihn krankheiten gegeüber anfälliger. hingegen wirken mut, vertrauen, verehrung und liebe – gerade im kindesalter – harmonisierend und das selbstbewusstsein stärkend (r.steiner: die welt ist gut, die welt ist wahr, die welt ist schön… gerade im kindes- und jugendalter sollten dies die perspektiven sein… nicht die tagesschau der verdummungsmedien)…

Man bedenke, dass die Seele es ist, welche erkennt und für die Seele sind Gefühle das,
was für den Leib die Stoffe sind, welche seine Nahrung ausmachen. Wenn man dem Leibe Steine statt Brot gibt, so erstirbt seine Tätigkeit. Ähnlich ist es mit der Seele. Für sie sind Verehrung, Achtung, Devotion nährende Stoffe, die sie gesund, kräftig machen; vor allem kräftig zur Tätigkeit des Erkennens.

seien wir „selbstlose egoisten“ und vermeiden schon aus diesen perspektiven jegliche negative gefühle in uns und destruktiv-wirkende taten außerhalb von uns. :yes:

in folge 8 vom „gesetz des vergessens“:

ich beendete den letzten bericht damit:

neid, angst und hass z.b. als starke emotionen fressen sich daher tief in unseren leibesorganismus hinein und machen ihn krankheiten gegenüber anfälliger. hingegen wirken mut, vertrauen, verehrung und liebe – gerade im kindesalter – harmonisierend und das selbstbewusstsein stärkend (r.steiner: die welt ist gut, die welt ist wahr, die welt ist schön… gerade im kindes- und jugendalter sollten dies die perspektiven sein… nicht die tagesschau der verdummungsmedien)…

„Man bedenke, dass die Seele es ist, welche erkennt und für die Seele sind Gefühle das,
was für den Leib die Stoffe sind, welche seine Nahrung ausmachen. Wenn man dem Leibe Steine statt Brot gibt, so erstirbt seine Tätigkeit. Ähnlich ist es mit der Seele. Für sie sind Verehrung, Achtung, Devotion nährende Stoffe, die sie gesund, kräftig machen; vor allem kräftig zur Tätigkeit des Erkennens.“

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rudolf steiner spricht vom „gesetz des vergessens“.

die voraussetung dafür, dass unsere äußeren, geistig-seelischen erlebnisse und handlungen in unsere physisch-leibliche organisation hinabwirken, ist, dass sie vergessen werden:

„in dem wir nämlich eine handlung oder ein sonstiges erlebnis mit einer bewussten vorstellung begleiten, schaffen wir eine schutzwehr dagegen, dass das resultat unserer handlungen hinunterrückt in unseren organismus selber.“

erst wenn daher unsere erlebnisse aus unserem oberbewusstsein ebenso nach innen verschwunden sind ins unterbewusste, wie anderer seits die folgen unsere taten sich unserem bewusstsein entziehen, in dem sie sich in den weiten der welt verlieren und damit unserem gesichtskreis entschwinden, haben sie die möglichkeit, sich in äußere oder innere schicksalsfolgen umzusetzen…

noch tiefer und nachhaltiger wirken aber eindrücke, die mir niemals ganz klar zum bewusstsein kamen (sublime beeinflussung, werbetechniken etc.).

beispiel: ich sitze in einem kreise von menschen, die alles mögliche, mich sehr stark angehende besprechen, bin aber durch äußere umstände verhindert, mir das gehörte klar zu vergegenwärtigen. morgen ist es dann alles vergessen, aber im unterbewusstsein rumort es weiter als „stimmung“, die mich unerklärlich niederdrücken oder gereizt machen – oder gar zu unkontrollierten handlungen gegen mitmenschen veranlassen, deren wahre ursachen und ziele ich keineswegs durchschaue… es gibt viele beispiel, wo nicht mit hellem tagesbewusstsein aufgenommene fragmente eine innere unruhe in einem entstehen lassen können…

noch mal zurück zum „gesetz des vergessens“.
ganz besonders deutlich wird dies z.b. bei der umwandlung des gelernten in fähigkeiten. wer etwa klavier studiert, hat sich bewusstseinsmäßig eine unzahl einzelner handlungen, fingerübungen, regeln und ausnahmen einzuprägen, bis das chaos in seinem kopf vollständig ist :lalala:

irgendwann ist der eimer voll, es geht nicht weiter. es muss vielmehr diese ganze, äußerliche fülle tiefer in den organismus herabwirken, damit aus diesen unzähligen einzelheiten die geballte einheitliche kraft des „vermögens“ wird. dieses dann „organisch“ gewordene vermögen vollbringt nun die leistung nicht mechanisch von aussen, in dem es mühsam die einzelnen regeln und fingerstellungen aneinander reiht, sondern organisch von innen und in einem zuge.

wenn sich fähigkeiten bilden, schiessen gewisser massen plötzlich die erlernten einzelheiten zu einem kristallisatiionskern zusammen und erzeugen ein schöpferisches zentrum, welches nun die weiteren leistungen als entfaltung seines inneren wesens hervor bringt. dazu ist das vergessen notwendig. unsere bewussten vorstellungen und absichtlichen bewegungen sind nämlich nach außen gerichtet und dadurch von unserer inneren organisation abgetrennt. im vergessen allerdings ändern unsere erlebnisse gleichsam die richtung. sie richten sich nach innen auf uns selbst zu und werden nun zu organischen fähigkeiten, die wir beherrschen, ohne zu wissen wie.

solches vergessen geschieht nun zunächst hauptsächlich im schlafe. man könnte sagen, hier „aktualisieren wir unsere software“. hier vollzieht sich daher auch z.b. die umwandlung bewusster erlebnisse in fertigkeiten. wer etwa tagsüber für prüfungen studiert und sich mühte, eine unzahl von mehr oder weniger sinnigen einzelheiten im gedächtnis zu behalten, merkt doch bald, dass es hier in folge des übertrainings eine grenze gibt. resigniert legt er sich schließlich zu bett, in der meinung, gar nichts zu wissen und zu können. so mag es eine zeitlang weiter gehen. plötzlich aber bemerkt er eines morgens, dass alles, was ihm zunächst aus seinem bewussten gedächtnisschatze zu entschwinden schien, nun von innen her als sein sicherer besitz wieder auftaucht.

während des schlafens hatte sich also wichtiges ereignetund das nächtliche vergessen war nicht weniger zum erfolge des studiums nötig als das tägliche lernen. man kennt die sprüche: lasse das „gelernte erst mal setzen“ oder „überschlafen“.

sprich auch: unsere gedanken und erlebnisse müssen tief genug herabsinken und die möglichkeit finden, sich mit unserem, im physich-leiblich wirkenden ewigen wesenskerne, zu verbinden und dadurch zu unserem charakter und schicksal werden!

ein noch tieferes vergessen als im schlafe, geschieht im sterben. da werden nicht nur die erlebnisse eines tages, sondern des ganzen erdenlebens aus der auswärtswendung des bewusstseins nach innen gewandt und verbinden sich gänzlich mit unserem ewigen wesenskern… 88|:yes::??:

dazu mehr in folge 9:

…unsere gedanken und erlebnisse müssen tief genug herabsinken und die möglichkeit finden, sich mit unserem, im physich-leiblich wirkenden ewigen wesenskerne, zu verbinden und dadurch zu unserem charakter und schicksal werden!

ein noch tieferes vergessen als im schlafe, geschieht im sterben. da werden nicht nur die erlebnisse eines tages, sondern des ganzen erdenlebens aus der auswärtswendung des bewusstseins nach innen gewandt und verbinden sich gänzlich mit unserem ewigen wesenskern…

soweit zur letzten folge.

ein noch tieferes vergessen als im schlaf geschieht im nachtodlichen bereich. da verwandeln sich ALLE ERLEBNISSE in ihren qualitäten in solche kräfte, welche jetzt organisierend wirken und sich am neuen aufbau des leibes beteiligen, wenn der mensch zu einem neuen leben ins dasein tritt (s.auch r.steiner in: offenbarungen des karma).
hier ist es wichtig zu bedenken, dass nach dem abfallen des leibes und dem verlöschen des gewöhnlichen tages-ich-bewusstseins im tode die erlebnisse und taten jedes menschen sich ganz mit seinem ewigen wesen (oder höherem ich) vereinigen, ja zum charakter und schicksal dieses wesens selbst werden.

„wir sind nach dem tode als geistig-seelische wesenheiten so, wie wir im erdenleben dachten, fühlten und handelten“ (r.steiner).
das sieht dann ziemlich übel aus, wenn man sich im leben nur mit materiell-stofflichen dingen beschäftigt hat – ähnlich, wie wenn ich unbedarft in ein fremdes land mit gänzlich anderen gesetzmäßigkeiten reise, ohne mich darüber vorher zu informieren… der „navi“ der meisten menschen ist eben voll und ganz auf die signale des stofflichen seins fixiert… eine error-meldung ist somit systemimmanent vorprogrammiert.

hieran schliesst sich das gesetz der häufung. im allgemeinen werden nämlich nicht einmalige schockartige erlebnisse, sondern oft wiederholte eindrücke und handlungsweisen die tieferen, leiblich-seelischen schichten (temperament, konstitution, gesundheit etc.) prägen. wenn daher z.b. in einer beziehung nach lebenslangen zwistigkeiten den anderen partner schwer misshandel toder gar tötet, so werden wir nicht im augenblicke der tat vollbewussten, freien entschluss und folglich ungeteilte verantwortung anzunehmen haben. in wahrheit geschehen solche taten meist im zustand von besinnungsloser erregtheit, die weder selbstbeherrschung noch klares urteil möglich macht.
ziehen wir aber nun dennoch – und das zu recht – den täter vor gericht, so müsste sowohl der richter wie dem angeklagten bewusst sein: die tat selber ist nur das letzte, physisch gewordene endergebnis einer langen geistig-moralischen entwicklung, die in einer unermesslichen kette täglicher kleiner moralischer versager bestand.
und sieht man es objektiv – nicht für den letzten akt also, sondern für ein ganzes leben sich häufender innerer, seelischer zuchtlosigkeit, egoismen und rohheiten klagen wir den täter an…

„wie bist du im verlaufe langer zeiträume und durch unzählige kleine taten und unterlassungen, z.b. durch mangelnde wahrhaftigkeit oder durch zu wenig selbstbeherrschung endlich zu dem geworden, was du heute bist?“ zum wachwerden dieser frage dienen die sozialen beziehungen – ich sage mal als spiegel… nichts ist so schwer, aber auch so lehrreich, in einer gemeinscht, sei es die ehe, einer sozialen gruppierung etc. einen teil seiner biographie zu verbringen.

das schicksalsgesetz der häufung findet dann seine ergänzung durch das schicksalsgesetz der „übung und mühe“ :lalala:

hat einer erst einmal den widerstand von aussen – den menschen, den lebensumständen, seinem charakter und seiner konstitution erfahren – dann ist es zunächst durchaus richtig, wenn er erklärt, dieses oder jenes einfach „nicht zu können“, obgleich er es sehr gerne wollte. tiefer betrachtet steckt aber doch hinter jedem „ich kann nicht“ ein „ich will nicht“, oder besser ein „ich bin zu träge, um mir diese oder jenen kräfte, die ich nicht besitze, anzueignen“.
denn jeder sollte wissen, dass eben auch das, was heute nicht in meiner macht steht, in letzter hinsicht, und wenn ich nur lange genug in die zeit zurück gehe, auf ein verschulden meiner eigenen freiheit zurück geht – s. in den folgen 1 – 8.

was aber in der vergangenheit verfehlt oder versäumt wurde, kann jederzeit zu verbessern begonnen werden! denn selbst die kraft zum freien entschlusse, meine trägheit oder gleichgültigkeit zu überwinden, kann wie jede andere, mir zunächst noch fehlende oder durch mein versäumnis noch unentwickelt gebliebene kraft eben geübt werden…

sorry, aber der blosse entschluss“ „ich will“, genügt freilich ebenso wenig als die frustrierte feststellung: „ich kann nicht“ oder „es ist zu spät“. denn der blosse willen erzeugt noch keine kräfte und beseitigt noch keine schwächen. hierin haben alle recht, welche von der ohnmacht jedes äußeren, verkrampften wollens gegenüber allen tieferen biologischen charakter- und schicksalsgegebenheiten sprechen. nicht auf den willen kommt es aber an, sondern auf das zähe, langatmige und eisern-brutale üben! das erweicht selbst die härteste schicksalswand und zieht aus kleinsten keimen mächtige kräfte groß (beobachtet ein kind, wenn es laufen lernt… eines der besten beispiele von zähigkeit, mut und entschlossenheit).
geduldiges warten bei nie erlahmendem weiterüben sind allerdings notwendig, weil trotz allem übens die äußeren resultate oft kaum bemerkbar sind.

infolge der verfestigung des erdendaseins und der prägung unseres mitgebrachten – selber erschaffenen charakters und schicksals können die ergebnisse unserer bemühungen meist erst im nachtodlichen dasein bzw. in einem folgenden erdenleben voll in die erscheinung treten…

folge 10

ich beendete die letzte folge mit der fragestellung:
welchen tieferen sinn hat es, dass die folgen meines verhaltens im hier und jetzt schließlich innerlich und äußerlich auf mich zurück fallen?

nur der schadenfrohe könnte sich doch wohl an der reinen, ausgleichenden gerechtigkeit als solcher erfreuen, welche z.b. bewirkt, dass der ausschweifende schliesslich erkrankt, der egoist in traurige vereinsamung gerät, der hasser auf feindlichen widerstand stößt oder der verbrecher in der strafe den beabsichtigten schicksalsausgleich seitens der staats- und volksgemeinschaft erleidet. denn durch alles dieses werden die menschen in schwierigkeiten und schmerzen gebracht, was an und für sich niemals erfreulich und wünschenswert sein kann…

der tiefere sinn liegt vielmehr in folgendem:
an den folgen unserer inneren und äußeren lebensführung werden wir meistens erst der in uns wirkenden geistig-seelischen kräfte bewusst und lernen uns erst wie im spiegel selbst kennen. leider muss es oft bis zum äußersten kommen und riesen große tatenfolgen auf uns zurückfallen, ehe wir begreifen, auf welchen wegen wir so daher wankten… durch die folgen unseres verhaltens werden wir oft gezwungen, kräfte zu entwickeln, die wir bisher nicht besaßen… jede krise bedeutet eben ein aufwachprozess, unser leben zu verändern.

das hier in frage stehende schicksalsgesetz lautet also: würden die folgen geistig-seelischen bzw. moralischen verhaltens nicht schliesslich bis auf die materielle ebene (physischer körper) herab sinken und auf diese weise in gestalt von schmerzen und krankheiten – oder von äusseren schicksalsschlägen – erscheinen, so gelangten wir nie zur selbsterkenntnis und sähen uns kaum veranlasst, uns selber und unser verhalten zu ändern.
es ist traurig aber wahr: der mensch muss vielfach zum tun gezwungen werden, weil seine freiheit zu schläfrig ist, um ohne äußeren zwang zu tun, was nach geistig-moralischen wesensgesetzen doch getan werden muss…

die schicksalsgerechtigkeit ist also keine moralisierende strafanstalt, sondern dient der heilung, erziehung und fortentwicklung des menschen.

aber müssen wir immer erst durch die materialisierten und tls. haushoch aufgetürmten schicksalsfolgen unseres verhaltens in die enge getrieben werden? muss der leichtsinnige chaot erst den widerstand der welt erfahren und durch fehlschläge von außen nach innen gedrängt und dadurch verinnerlicht werden? muss der materialismus, der egoismus bis zum totalen crash ausgelebt werden, ehe die umkehr kommt? die betonwand auf der autobahn kommt rasend näher… aber anstatt zu bremsen, drücken wir aufs gaspedal.

sehen wir die betonwand rechtzeitig, ist in der tat ein bremsvorgang möglich…
voraussetzung dafür ist, dass wir uns klares wissen um folgendes aneignen:

jedem erlebnis, jedem affekt, jeder tat (unsere gedanken und worte sind auch taten!) entspricht ein geistiges gegenbild. ein gegenbild, welches die schließlichen folgen unseres handelns für unser eigenes inneres sein und äußeren ergehens zum inhalt hat, und uns zugleich durch „gewissensstimme“ über den nötigen ausgleich belehrt, der dann letztendlich von uns gefordert wird.

unverbildete kinder sind für diese ausgleichsnotwendigkeiten noch erstaunlich hellfühlig und geben ihnen auch meistens sogleich nach. bei uns erwachsenen ist diese sensibilität meist verdeckt. dies bedeutet ein wachrufen der inneren stimme. hat man jemanden verletzt – seelisch oder körperlich – kann man ein gegenbild seiner tat erleben. ich meine hier die echohaften folgen des negativen tuns, die einen selber einmal schmerzvoll treffen werden.
und so könnte man den entschluss fassen, diesen späteren schicksalsfolgen zuvor zu kommen. wie dies nun im einzelnen auszusehen hat, ist immer von der tat und der person abhängig. eines jedoch ist sicher: meist geht es um ich-süchtige affekte, die es umzuwandeln gilt.

meistens kommen aber solche zusammenhänge dem gewöhnlichen tagesbewusstsein nicht zur kenntnis. denn tagsüber geniessen wir selbstbewusst und bejahend unser verhalten, und nur in den tiefen der nacht schauen wir uns und unser tun gleichsam von außen an und sehen es in seiner wahren bedeutung für die welt und die mitmenschen. jetzt lasten egoismus, teilnahmslosigkeit, rohheit oder lüge schmerzvoll auf uns – und dieser eindruck ist oft auch noch nach dem erwachen als dumpfes, bedrückendes „gewissen“ vorhanden. nachts „wissen“ wir überklar, dass wir getanes unrecht ausgleichen, schweres auf uns nehmen und uns wandeln sollten.
morgens dann erscheinen uns diese nächtlichen stimmen bald als kindische, erwachsener menschenn unwürdige träumereien und so schieben wir den vom „weltgewissen“ geforderten ausgleich unserer taten immer weiter hinaus, bis er später (oft erst in einem folgenden erdenleben) als schicksalsfolge über uns herein bricht:

denn die schicksalsverpflichtungen, die wir nicht jetzt und in innerer freiheit einlösen, bleiben für später bewahrt und erscheinen dann als äußere nötigungen.

weiter geht es mit der fragestellung: es könnte nun leicht menschen geben, die sich über die notwendigkeit solcher schicksalsfolgen empören und darin eine vergewaltigung erblicken… man spricht dann schnell von willkür eines gottes oder der natur…

weiter zu folge 11

wir beendeten die folge 10 mit diesem satz:
es könnte nun leicht menschen geben, die sich über die notwendigkeit solcher schicksalsfolgen empören und darin eine vergewaltigung erblicken… man spricht dann schnell von willkür eines gottes oder der natur…

solche aussagen kommen aber nur aus dem gewöhnlichen tagesbewusstsein mit einem nichtwissen von „gewissensstimme“ und „schicksalsgesetzen“, die ausdruck unseres eigenen tiefsten geisteswesens sind.

rein äußerlich leiden wir daher wohl unter den schicksalsschlägen.

im tiefsten innern sind wir jedoch befriedigt und sagen durchaus „ja“ dazu!

denn es ist falsch, zu behaupten, der mensch strebe nur nach glück und gesundheit.

tatsächlich strebt aber nur das tier danach, denn nur für dieses sind leiden und krankheiten ein sinnloses und rein negatives. nicht aber für den menschen.

es besteht vielmehr in uns allen unter gewissen umständen eine tiefe sehnsucht nach unglück und krankheiten, und zwar immer dann, wenn durch den druck äußerer schwierigkeiten die seelenschwäche und geistentfremdung in uns geheilt werden möchte. nur als ausdruck geistig-moralischer gesundheit sind glück und leibesgesundheit für uns hohe güter. unser tiefstes wesen ist aber sogleich bereit, diese güter preis zu geben, wenn sie mit innerer seelenschwäche verbunden ist.

unser wahrstes wesen weiß nämlich: Ausschweifung, lügenhaftigkeit, selbstsucht und haß sind unvollkommenheiten und schwächen, durch die ich mich von meinem eigensten geistwesen und dem ihm wesensverwandten göttlich-geistigen entferne.

ich unterwerfe mich daher keineswegs einer fremden gewalt oder willkür, sondern vollziehe in freiheit das wesensgesetz meines eigenen seins, wenn ich mir die schicksalsschläge, schmerzen und krankheiten selber zubereite, die mich treffen (s. dazu die vorigen folgen).

etwas in uns ist aber doch von diesen „formen“ des ausgleichs und der „unbewussten selbsterziehung“ noch unbefriedigt und möchte fragen: zeigen wir menschen nicht doch ein hohes maß seelenschwäche und geistschläfrigkeit, wenn wir uns erst durch äußere schmerzen, unglücksfälle und krankheiten seelisch verdichten und läutern müssen?

könnte nicht durch einen rein inneren, geistig-moralischen prozess der selbsterziehung dasselbe geleistet und so schließlich krankheiten und unglücksfälle, wenigstens teilweise – vermieden werden?

in der tat, dies ist möglich. aber verdammt schwer… denn im eisernen ringen mit unseren neigungen zur selbsttäuschung, egozentrik, gier, lügenhaftigkeit etc. müssten wir im geistig-seelischen alle jene schmerzen erleiden und tode sterben, die sonst ein äußeres schicksal im laufe der erdenleben über uns verhängt. ja, man könnte sagen: wo gehobelt wird, fallen späne… rudolf steiner zeigt möglichkeiten, wie wir mit hilfe von übungen unser kleines ego-ich modifizieren, verändern und unserem wahren seelenkern näher kommen können…
in manchen fällen aber kann schon die echte hingabe an spirituelle weltwahrheiten, wie z.B. an die tatsache der wiederholten erdenleben, unser inneres erfahrungsmäßig umzugestalten beginnen und dadurch auch unser äußeres schicksal, z.b. die beziehungen zu anderen menschen und die weltperspektive günstig verändern.

hiermit kommen wir zu einem der schwierigsten schicksalsgesetze, nämlich dem gesetz von der berechtigung der heilung und hilfe in schicksalsnöten. die frage muss gestellt werden: darf ich unter allen umständen helfen und heilen, wenn doch die menschen nöte, schmerzen und krankheiten, ja, sogar das sterben benötigen, um zum geisterwachen und seelenerstarken zu kommen?

dazu mehr in folge 12

wir stellten am schluss der folge 11 die frage:

darf ich unter allen umständen helfen und heilen, wenn doch die menschen nöte, schmerzen und krankheiten, ja, sogar das sterben benötigen, um zum geisterwachen und seelenerstarken zu kommen?

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gebe ich verschwendern geld, rette ich leichtsinnige, gebe ich selbstsüchtigen nach und bewahre sie vor den folgen ihrer gesinnung, oder verziehe ich kinder zur unsachlichkeit, wehleidigkeit und anmaßung, in dem ich ihnen harte begegnungen mit der wirklichkeit erspare und sie in einem illusionären scheinleben festhalte, so züchte ich direkt seelenschwächen, weil ich diesen menschen der mittel zur erlangung nüchterner selbsterkenntnis und moralischer seelenstärke beraube. meine scheinbare nächstenliebe ist in solchen fällen nicht echte liebe, sondern sentimentalität und ich gebe im grunde genommen nur meiner eigenen ich-sucht und wehleidigkeit nach, in dem ich die der anderen menschen fördere… wahre liebe aber ist hart, sie bringt und fordert jedes opfer um des ewigen menschlichen wesenkernes und seiner entwicklung wille.

am deutlichsten werden diese zusammenhänge wohl bei den formen von leibeskrankheiten, die als frühere oder spätere folgen der verbreitetsten formen von seelenkrankheiten (haß, egoismus, lieblosigkeit, gier, grausamkeit, heuchelei und lüge – s. vorige folgen) zu betrachten sind.

nehmen wir an, eine ganze anzahl von menschen hätte sich wegen lieblosigkeit gegen die mitmenschen hingezogen gefühlt, gewisse infektionsstoffe aufzunehmen, um einer epidemie zu verfallen. nehmen wir weiter an, wir könnten gegen diese epidemie etwas tun. wir würden dann in einem solchen falle das äußere leben angenehmer und länger machen … die frage ist aber, ob dadurch nicht die seelen leidender gemacht und einer gewissen inneren „verödung“ zugeführt würden, weil wir – gemäß den materialistischen überzeugungen unseres zeitalters – es versäumten, gleichzeitig die seelen der menschen zu erwecken und moralisch umzugestalten. urplötzlich könnte dann aber ein rückschlag geschehen, der unsere ganze selbstische erdenklugheit überrennt, in dem der technische materialismus des äußeren lebens und die verödung der seelen schwerste krisen wie z.B. kriege herbeiführt, die nun wieder leiden und sterben im gesteigerten masse an die menschen heran bringt. könnte es sein, dass die namenlosen kriege und gewaltdelikte in unserer zeit das letzte mittel der schicksalsmächte sind, die menschen aus ihrer satten, reduzierten materialistisch orientierten diesseitigkeit und geistverlassenheit heraus zu reißen? brutal gesagt: wer in seinem bürgerlichen halbschlaf nicht zu seinem EWIGEM erwachen will, der erwacht dann notgedrungen durch harte äußere einwirkungen wie z.b. in kriegerischen handlungen zum „geisterwachen“, welches man sterben nennt. um dann „ja“ in seinem innersten wesen dazu zu sagen, weil er ahnt, dass er dadurch neue, positive kräfte für das nachtodliche dasein und für das nachfolgende erdenleben gewinnt.

wohl müssen wir überall und immer mit unseren eigenen kräften helfend und heilend ins schicksal unserer mitmenschen eingreifen. „ersparen“ können wir aber niemandem sein selbstverschuldetes schicksal, weshalb ihm unsere äußere hilfe nur wirklich hilft, wenn er zugleich den notwendigen schicksalsausgleich auf anderer ebene, d.h. geistig- moralisch vollzieht. das aber bedeutet: er muss in seinem gewöhnlichem ich sterben, d.h. z.b. aus einem selbstsüchtig hassenden ein selbstlos-liebender werden.

fortsetzung folge 13

wir stellten in der folge 12 die frage:

darf ich unter allen umständen helfen und heilen, wenn doch die menschen nöte, schmerzen und krankheiten, ja, sogar das sterben benötigen, um zum geisterwachen und seelenerstarken zu kommen?

kurze zusammenfassung:
gebe ich verschwendern geld, rette ich leichtsinnige, gebe ich selbstsüchtigen nach und bewahre sie vor den folgen ihrer gesinnung, oder verziehe ich kinder zur unsachlichkeit, wehleidigkeit und anmaßung, in dem ich ihnen harte begegnungen mit der wirklichkeit erspare und sie in einem illusionären scheinleben festhalte, so züchte ich direkt seelenschwächen, weil ich diesen menschen der mittel zur erlangung nüchterner selbsterkenntnis und moralischer seelenstärke beraube. meine scheinbare nächstenliebe ist in solchen fällen nicht echte liebe, sondern sentimentalität und ich gebe im grunde genommen nur meiner eigenen ich-sucht und wehleidigkeit nach, in dem ich die der anderen menschen fördere… wahre liebe aber ist hart, sie bringt und fordert jedes opfer um des ewigen menschlichen wesenkernes und seiner entwicklung wille…

wohl müssen wir überall und immer mit unseren eigenen kräften helfend und heilend ins schicksal unserer mitmenschen eingreifen. „ersparen“ können wir aber niemandem sein selbstverschuldetes schicksal, weshalb ihm unsere äußere hilfe nur wirklich hilft, wenn er zugleich den notwendigen schicksalsausgleich auf anderer ebene, d.h. geistig- moralisch vollzieht. das aber bedeutet: er muss in seinem gewöhnlichem ich sterben, d.h. z.b. aus einem selbstsüchtig hassenden ein selbstlos-liebender werden.

fahren wir fort:

aus allem vorangegangenen wird nun klar, das eine oberflächliche wertung von „gutem“, mittelgutem“ und „schechten“ schicksalen zu sprechen mehr als oberflächlich ist und nicht den tatsachen enstspricht. denn gesetzt den fall, ein mensch erleide einen unfall, der ihn krank und unglücklich macht, so ist zweierlei möglich. entweder der unfall war die folge seines vergangenen verhaltens – ist dies nicht der fall, ist das missgeschick eine aufgabe für die zukunft. so oder so besthet für ihn die aufforderung, seinen gegenwärtigen zustand als frei-schöpferischer mensch zu ergreifen und selbst wenn er ihn physisch nicht ändern kann, doch ergebnisse im geistig-moralischen zu erzielen. denn wer wäre so vermessen, entscheiden zu wollen, ob für einen bestimmten menschen unter umständen nicht glück und gesundheit „schecht“, das gegenteil aber „gut“ ist?
hiermit hängt nun auch die sonst unverständliche befriedigung zusammen, die unser tiefstes wesen ergreift, wenn sich unser schicksal erfüllt. vor dem eintritt schwieriger ereignisse oder in der jugend sind wir oft von unerklärlichen vorahnungen durchdrungen, die uns beunruhigen und – obwohl ohne ersichtlichen grund – sorgenvoll in die zukunft blicken lassen. ist dann aber ein äußerer unglücksfall eingetreten oder erfolgte eine innere katastrophe, dann leiden wir freilich heftig, sind aber zugleich merkwürdig beruhigt. denn unser innerstes wesen weiß: „jetzt ist eine notwendige schicksalsfolge, die früher gleichsam wie eine gewitterwolke in der luft hing, niedergegangen. nun ist die luft rein, die vergangenheit erledigt und ich kann, befruchtet von diesem gewitter, mit neuerworbenen kräften in die zukunft blicken.“

zum schluss mache man sich klar, dass es offenbar drei möglichkeiten des verhaltens zum schicksal gibt:
1. zunächst denkt man nicht weiter darüber nach, sondern schwimmt in ihm wie ein fisch im wasser, nur dumpf fühlend: mein schicksal ist mir nichts fremdes – es gehört zu mir!
2.dann aber kommt der vergleich mit anderen menschen: ich bin krank, jener gesund, ich bin einsam, jener hat freunde… etc. kann man dann die ursachen z.b. in seiner faulheit finden, ist man beruhigt. nicht aber, wenn man strampelt und nix passiert. wenn jene scheinbaren paradoxien vorliegen, die gerade in die tiefsten schicksalsgeheimnisse hineinleuchten und wo man sich dann z.b. sagen muss: ich bin fleißig und begabt und auch hansom, dennoch komme ich nicht vorwärts… jenem anderen fällt förmlich alles in den schoß. obwohl er kalthezig und ein stinkstiefel ist…
ein solcher mensch kann dann scheinbar zu recht gegen das schicksal revoltieren und rufen: warum das mir! er steht nun seinem schicksal wie ein fremder gegenüber – und je mehr er es hasst, desto undurchdringlicher und härter wird es für ihn.

3. der zweite zustand kann daher nur durchgang zu einem dritten sein – auf dem der mensch – nun aber frei und wissend – mit seinem schicksal sichn wieder vereint: kommt er dazu, sein schicksal anzunehmen und zu lieben, wird es nach und nach durchsichtig und er schaut durch die schicksalsfolgen, die ihn heute treffen, hindurch auf schicksalsursachen seiner früheren taten und versäumnisse. und er spürt plötzlich: mein tiefstes wesen selbst durchkreuzte z.b. alle sich mir etwa darbietenden erfolgs- und glücksmöglichkeiten, um dadurch einen ausgleich früherer taten und versäumnisse bzw. entwicklungsmöglichkeiten neuer, positiver seelenkräfte zu schaffen. mein schicksal – ich bin es selber!

diese schicksalsgesetze entfalten – wie schon früher bemerkt – innerhalb eines erdenlebens nur beschränkte gültigkeit, weil zwischen geburt und tod unser erleben, tun und leiden nicht tief genug wirken und somit nicht unsere gesamte leiblich-seelisch-geistige wesenheit prägen kann.

erst im hinschauen auf die tatsache der widerholten erdenleben entfalten diese gesetze und damit die menschliche feiheit und verantwortlichkeit ihre volle mächtigkeit.

das ist nun im folgenden zu beweisen.

weiter zu folge 14

die im vorstehenden herausgearbeiteten tatsachen und gesetze der freien selbstgestaltung unseres schicksals scheinen nun aber doch zwei wesentliche einschränkungen zu erleiden. sie gelten nämlich zunächst durchaus nicht für zwei große bereiche unseres schicksales:

1. der eine bereich ist das schicksal, welches uns, vor allem erwachen zur freiheit, angeboren bzw. durch erziehung und milieu anerzogen wurde. man denke nur an die angeborene körpergröße, die gestalt, die neigung oder widerstandskraft zu gewissen erkrankungen oder an die begabungen. schließlich an die gesamte soziale, wirtschaftliche und kulturelle lage unseres elternhauses, unseres volkes und unserer zeit.
woher kommen diese, zunächst gar nicht in meiner macht gelegenen schicksalsnotwendigkeiten, die sogar die grundlage alles dessen bilden, was ich im laufe des lebens aus eigener freiheit heraus vollbringe? denn meine freiheit kann nie im voraussetzungslosen nichts beginnen. sondern sie ist gebunden an die kräfte und umstände, die ich durch geburt und erziehung mitbekam. der start der einzelnen menschen ist aber hier sehr ungleich, so dass mit demselben einsatz sittlicher mühe der eine viel, der andere wenig erreicht. mancher muss z.b. sein leben lang mit den charakterlichen folgen seiner fehlerziehung (z.b.minderwertigkeitskomplexe, anmaßungen, ängstlichkeit etc.) kämpfen, ein anderer hat diese energien frei…
schaut ein mensch nun auf seinen lebenslauf zurück, so kann er vielleicht feststellen: ich habe mein egoistisches, jähzorniges oder ängstliches temperament etwas umgewandelt. es gelang mir an meinen misserfolgen, enttäuschungen und krankheiten zu lernen und neue kräfte zu entwickeln. ich konnte z.b. die mangelhafte erziehung meiner jugend, so gut es ging, später ausgleichen (abendschule, fortbildungen etc.)… so errang ich mir eine – menschen meiner
sozialen herkunft sonst meist verschlossene – gehobene stellung. aber es war mir trotz aller mühe nicht möglich, alle fragmente meiner herkunft umzuwandeln, zu verändern: „ich werde also mein herkommen nicht los und kann meine geburt nicht ungeschehen machen“.
weil ich aber teile eines neuen menschen in mir und eines neuen schicksals um mich im laufe meines lebens selbstschöpferisch aufbaute, wird der kontrast des angeborenen zum erworbenen immer größer und es will mein „neuer mensch“ immer weniger zum alten passen. überspitzt kann man auch sagen: selbst mein gesicht drückt mich nun wie eine fremde maske, denn es war wohl ausdruck der geistig-moralischen wesenheit meiner jugend, ist aber jetzt nicht mehr der klare spiegel meines jetzigen wesens. und das ist gut so! denn wäre es wert,alt zu werden, wenn wir am ende eines langen lebens und trotz aller leiden und freuden innerlich dieselben wie anfangs blieben?
nun ist aber folgendes zu bedenken: für die ganze natur gilt das gesetz von der restlosen übereinstimmung des inneren wesens mit dem äußeren ausdruck. ein frosch z.b. sieht genau so aus, wie er innerlich ist, denn sein „froschwesen“ hat sich ja während der embryonalentwicklung im materielen verleiblicht…
wenn es nun wirklich bei einem menschen zu einem widerspruch zwischen dem geistig-moralischen wesen (der gesinnung)und der physisch-leiblichen erscheinung (schicksal und konstitution) kommen kann, so muss dies die naturhaft -biologischen grundlagen seines daseins vernichten, d.h., der mensch muss sterben.
der natürliche tod eines menschen tritt in der tat nicht zufällig, sondern (selbst im falle jugendlich-sterbender) dann ein, wenn das angeborene schicksal ganz zu ende gelebt und alles an früchten daraus entwickelt wurde , was zu entwickeln war. in seltenen fällen (krieg) wird jemand wohl auch vorzeitig aus dem leben gerufen, rettet sich aber dadurch unverbrauchte besondere kräfte ins nachtodliche dasein und ins folgende erdenleben hinüber.
es gibt also ein gesetz von der „notwendigkeit des todes“.

bedenken wir nun folgendes. zeitlebens stößt unser leib alte stoffe aus – atmung, harn, schweiss, kot – und ersetzt sie durch neue. in jeder minute zerfallen und bilden sich zahllose rote blutkörperchen und es werden auch andere körperzellen abgestoßen und erneuert, so dass nach wenigen jahren kein atom mehr dasselbe ist wie früher. aber auch unsere äußeren schicksalsverhältnisse ändern sich. wir wechseln kleider, wohnstätten und freundschaften. man kann sagen: es erfolgt – wenigstens in gewisser hinsicht – schon innerhalb unseres erdenlebens ein stetes sterben (abbau und ausscheiden) und geboren-werden ( Aufnehmen, aufbauen). und das, was wir den tod nennen, ist nur die letzte, tiefgreifendste „ausscheidung“ des unverwandelbaren und unserem wesen nicht mehr entsprechenden.

2. erst im tode werden wir also ganz los die schicksale von geburt, herkunft und erziehung, in die wir uns vor dem erwachen zur freiheit gestellt fanden – und die sich auch vielfach allen bemühungen, sie umzugestalten, hart genug widersetzten. hier entdecken wir die eine grenze unserer freiheit. die andere grenze aber liegt in folgendem: ein mensch kann sich während seines erdenlebens im zusammentreffen von krankheiten, enttäuschungen und fehlschlägen sowie im ringen um seine charakterschwächen eine noch so lautere moralische gesinnung errungen haben, so bleibt doch erfahrungsgemäß dieser gesinnungswandel als solcher für das jetzige schicksal dieses menschen meist gänzlich belanglos:

denn wir müssen erkennen, dass jeder seinen mitmenschen belügt, der sagt, dass gesundheit, glück und erfolg des lebens allein von der geistig-moralischen bzw. religiösen gesinnung abhängen. das ist unwahr. unsere gesinnungen sind zwar, geistig gesehen, das eigentlich wertvolle. sie haben aber in keiner weise die kraft, unmittelbar und tiefgreifend unser äußeres und leibliches wohlergehen zu beeinflussen. jeder von uns kennt z.b. charakterlose und sogar böse menschen, die deshalb nicht aufhören, gesund, glücklich und erfolgreich zu sein. sondern gerade durch ihr egoistisches, gewalttätiges oder betrügerisches verhalten zu ihren erfolgen gelangen.

zwischen moral und äußerem schicksal bestehen also keinerlei unmittelbaren kausalbeziehungen. denn das äußere wohl- oder mißergehen richtet sich nach physisch-materiellen gesetzen, die oft ein gewissenloser besser, weil skrupelloser, beherrscht als der gewissenhafte. auch wird der böse keinesfalls etwa gleich krank…

„also sind die früher herausgearbeiteten schicksalsgesetze falsch“, wird man jetzt sagen können. dennoch aber fühlt jeder, dass sie trotzdem richtig sind. es muss uns also noch irgend ein verbindungsglied fehlen, das uns zeigt, wie trotz der tatsache vom „bösen glücklichen“ und vom „guten unglücklichen“ moral doch eine bis ins naturhaft-materielle eingreifende ursache sein kann.

weiter zu folge 15

wir beendeten den letzten eintrag folgendermaßen:

zwischen moral und äußerem schicksal bestehen also keinerlei unmittelbaren kausalbeziehungen. denn das äußere wohl- oder mißergehen richtet sich nach physisch-materiellen gesetzen, die oft ein gewissenloser besser, weil skrupelloser, beherrscht als der gewissenhafte. auch wird der böse keinesfalls etwa gleich krank…

„also sind die früher herausgearbeiteten schicksalsgesetze falsch“, wird man jetzt sagen können. dennoch aber fühlt jeder, dass sie trotzdem richtig sind. es muss uns also noch irgend ein verbindungsglied fehlen, das uns zeigt, wie trotz der tatsache vom „bösen glücklichen“ und vom „guten unglücklichen“ moral doch eine bis ins naturhaft-materielle eingreifende ursache sein kann.

weiter:

hat der mensch nämlich wärend seines erdenlebens positive gesinnung entwickelt und weiss er unwiederleglich „diese gesinnung und nicht die äußeren erfolge oder mißerfolge – sind mein innserster wesenskern“ – so muss er fragen:
wann werden sich leibesbeschaffenheit und antlitzphysiognomie, temperaments- und charakteranlagen, aber auch äußere glücksfälle und erfolge erlangen, welche meinem moralischen wesenskerne entsprechen? denn das gesetz vom zusammenhang des äußeren und inneren, des ausdrucks und wesens, muss schliesslich doch gelten! wann wird also strengste übereinstimmung zwischen moralgesetz und naturgesetz bestehen? ja, wann wird das reine und scheinbar in der sinnlich-materiellen welt gänzlich ohnmächtige moralgesetz eine unmittelbare physisch-materielle ursache sein?
antwort: in meiner nächsten inkarnation.
damit ist geboren das gesetz von der notwendigkeit der geburt. in früheren zeiten konnten die menschen noch befriedigt sein beim gedanken „gott wird entweder schon hier auf erden – spätestens aber im jenseits gutes mit gutem und schlechtes mit schlechtem vergelten“ heute können wir so nicht mehr sprechen, und zwar aus folgenden gründen:
wir sind zum bewußtsein der freiheit gelangt und wissen, dass wir selbstgestalter unseres charakters und schicksales sind.
wir haben wissenschaftlich denken gelernt, weshalb uns der gedanken von einer von außen eingreifenden „göttlichen gerechtigkeit“, die, entgegen den naturgesetzlichkeiten, schon in diesem leben den bösen bestraft und den guten belohnt, nicht befriedigt, zumal wir sehen, dass eben spitzbuben und egomanen bis zuletzt erfolgreich, gute bis zuletzt vom schicksal verfolgt sein können.
wir wollen vielmehr klar erkennen, auf welchen wegen sich z.b. die moralische gesinnungen eines lebenslaufes in schönheit oder häßlichkeit, wohlgeformtheit oder krüppelhaftigkeit, kraft oder schwäche eines menschenleibes wandeln.
dies kann aber, trotz aller göttlichen allmacht, nicht schon in diesem leben geschehen, weil sich dem der durch die geburt mitgebrachte leib widersetzt. es kann aber wohl während der konzeption und embryonalzeit eines nächsten erdenlebens geschehen und stellt dann kein größeres wunder dar, als eben jede schwangerschaft, die nichts anderes ist als die hereinbildung eines geistigen wesenskernes in den materiellen keim.
weil nämlich dieser keim noch ungestaltet und zart ist, kann geistig-moralisches noch unmittelbar zum physisch-leiblichen werden. und es entsprechen dann charakter und schicksal im neuen lebenslauf ganz unseren verborgensten moralischen gesinnungen im früheren erdenleben.

nichts bleibt jetzt verborgen und nichts bleibt ohne seine schicksalsgerechte folgen!

wir lieben die erde und es wäre mehr als frustrierend, dass die moralisch-geistigen früchte unseres erdenlebens nur einem jenseitigen geisterreiches zugute kommen sollten. denn nur auf erden konnten nämlich kämpfe, schmerzen, krankheiten und tode erfahren und so wahre weisheit, güte und liebe entwickelt werden. nur innerhalb eines erdenlebens und ausgestattet mit physischen organen wie augen, ohren, armen und beinen konnten z.b. naturwissenschaftliche erkenntnisse gewonnen und z.b. technische großtaten vollbracht werden. wichtiger noch wie das, was die menschen nach aussen taten und als werke hinstellten, ist, was sie geistig-moralisch in sich selbst entwickelten. diese auf erden gewonnenen kräfte dürfen sich also nicht im sterben ein für allemal der erde entziehen, sondern sie müssen, durch nachtotliche, leibfreie und reingeistige daseinsformen hindurch, endlich wieder der erde und den auf ihr lebenden menschen zugute kommen…
schliessen wir heute mit der erkenntnis:

nichts ist jetzt in besserer übereinstimmung mit unserem biologischen wissen als folgende schlussfolgerung: das physisch-leibliche des menschen entwickelt sich nicht aus den kräften des physikalisch-chemischen, sondern aus den kräften des geistig-seelischen.stärke oder schwäche des physisch-leiblichen sind also ausdruck von stärke oder schwäche des geistig-seelischen. die jeweilige stärke des geistig-seelischen aber bemisst sich am masse der wahrhaftigkeit, liebeskraft und selbstlosigkeit. also sind stärke oder schwäche des physisch-leiblichen in letzter hinsicht folgen geistig-moralischer gesinnungen.

wer also rasch und äußerlich wirken will, der kann versuchen, seinen leib hygienisch und gymnastisch zu pflegen, wird aber auf diesem wege nicht sehr tief wirken und z.b. die angeborene konstitution kaum verändern können. wer hingegen in die tiefsten fundamente wirken will, der muss sich geistig-moralisch erziehen, denn er gestaltet dadurch an seiner physis des nächsten erdenlebens.
…das soll nicht heißen, dass regelmäßiges training, sei es joggen, hantelstemmen, gymnastik oder gar eurythmie zu vernachlässigende aspekte sind… nur, man muss es eben klar erkennen: „tiefenwirkungen“ erzielen wir damit nicht!

weiter geht es in der nächsten folge: …wir können daher sagen – hinblickend auf unsere geburt : „wir sind nicht unschuldig, sondern im vollen maße verantwortlich für unser angeborenes schicksal…“

weiter zu folge 16

wir beendeten den letzten eintrag folgendermaßen:

„wer also rasch und äußerlich wirken will, der kann versuchen, seinen leib hygienisch und gymnastisch zu pflegen, wird aber auf diesem wege nicht sehr tief wirken und z.b. die angeborene konstitution kaum verändern können. wer hingegen in die tiefsten fundamente wirken will, der muss sich geistig-moralisch erziehen, denn er gestaltet dadurch an seiner physis des nächsten erdenlebens.
…das soll nicht heißen, dass regelmäßiges training, sei es joggen, hantelstemmen, gymnastik oder gar eurythmie zu vernachlässigende aspekte sind… nur, man muss es eben klar erkennen: „tiefenwirkungen“ erzielen wir damit nicht!

weiter:

hinblickend auf unsere geburt können wir daher sagen: „wir sind nicht unschuldig, sondern im vollen maße verantwortlich für unser angeborenes schicksal“, und hinblickend auf unser lebensende: „den gerechten schicksalsfolgen unseres lebenslaufes und unserer noch so verborgenen gesinnungen und taten entgehen wir nicht, da sie sich in unser angeborenes schicksal im nächsten erdenleben wandeln.“

die besprochenen 12 schicksalsgesetze wurden also wohl aus beobachtungen innerhalb eines erdenlebens entwickelt – ihre volle bedeutung gewinnen sie jedoch erst in der anwendung auf mehrere, aufeinanderfolgende erdenleben. denn ganz offensichtlich sind die tieferencharakterlichen und körperlichen eigenschaften eines menschen und auch z.b. tiefer sitzende krankheiten nicht die folgen unseres verhaltens innerhalb desselben erdenlebens, noch können sie innerhalb eines erdenlebens ganz beseitigt werden.

was aber während des erdenlebens nicht ganz geschehen kann, geschieht beim durchgang durch den tod in ein neues erdendasein. die vorhin besprochenen schicksalsgesetze sind also zugleich gesetze der wiederverkörperung und mögen jetzt daraufhin nochmals nachgelesen werden…

wir stehen hier am ende eines besonders wichtigen beweisganges:

wie nämlich ein mathematiker durch die denkende beobachtung eines kleinen teiles einer kurve mit absoluter gewissheit deren weiteren verlauf erkennt – auch, wenn er ihn niemals mit physischen augen sieht, so geht es auch dem schicksalsforscher, wenn er, nach eingehender, unvoreingenommener beobachtung des verlaufes eines menschenlebens und der darin waltenden schicksalsgesetze, zum ergebnis gelangt:
das menschliche erdenleben weist durch die innere gesetzlichkeit seines verlaufes in zweifache richtung über sich hinaus: in erdenleben vor der geburt und erdenleben nach dem tode.

nicht aus gründen des wünschens oder glaubens nehmen wir nacheinanderfolgende erdenleben an, sondern weil wir wissenschaftlich durch die beobachtbaren tatsachen eines erdenlebens dazu gezwungen werden. ein einzelnes menschliches erdenleben ist nämlich in sich zu enge, es drängt durch seine eigene beobachtbare gesetzlichkeit über sich hinaus in vergangenheit und zukunft. es ist – wie ein kleines kurvenstück – in sich selbst nur verständlich als teil eines größeren ganzen, also als wirkung früherer und als ursache späterer erdenleben.

dies ist absolut sicheres, wissenschaftliches ergebnis für jeden, der sachgemäß zu beobachten, scharf zu urteilen und leidenschaftslos zu schließen vermag.

freilich, jedes gelöste problem erschliesst neue fragen: wie oft wird ein mensch wiedergeboren, etwa gar – wie manche asiatische lehren behaupten – millionenmal? wieviel zeit vergeht zwischen tod und wiedergeburt? was ist das endziel aller dieser lebensläufe? warum erinnern wir uns nicht an sie?

weiter folge 17

wir beendeten den letzten eintrag folgendermaßen:

nicht aus gründen des wünschens oder glaubens nehmen wir nacheinanderfolgende erdenleben an, sondern weil wir wissenschaftlich durch die beobachtbaren tatsachen eines erdenlebens dazu gezwungen werden. ein einzelnes menschliches erdenleben ist nämlich in sich zu enge, es drängt durch seine eigene beobachtbare gesetzlichkeit über sich hinaus in vergangenheit und zukunft. es ist – wie ein kleines kurvenstück – in sich selbst nur verständlich als teil eines größeren ganzen, also als wirkung früherer und als ursache späterer erdenleben.

dies ist absolut sicheres, wissenschaftliches ergebnis für jeden, der sachgemäß zu beobachten, scharf zu urteilen und leidenschaftslos zu schließen vermag.

freilich, jedes gelöste problem erschliesst neue fragen: wie oft wird ein mensch wiedergeboren, etwa gar – wie manche asiatische lehren behaupten – millionenmal? wieviel zeit vergeht zwischen tod und wiedergeburt? was ist das endziel aller dieser lebensläufe? warum erinnern wir uns nicht an sie?

fahren wir fort:

GEGENGRÜNDE und GRÜNDE für die Wiederverkörperung

es gibt einen gedanken, der an wichtigkeit und revolutionärer, alles verwandelnder kraft heut wohl einzig dasteht und zum ungeheuerstengehört, was menschen heute denken können: es ist der gedanke der wiederverkörperung!
wer einmal die bedeutung dieses gednakens auch nur teilweise erfaßte, wundert sich, dass er nicht allerortens auf das eifrigste besprochen wird und die menschen nicht jede erdenkliche mühe aufwenden, um zu ergründen, ob dieser gedanke zutrifft oder nur eine schwachsinnige zumutung bedeutet. aber anz im gegenteil – niemand kümmert sich weiter darum – nicht etwa, weil man durch eingehende, wissenschaftliche studien sich vom gegenteil überzeugt hätte, sondern weil überhaupt heute eine stumpfe gleichgültigkeit letzten geistigen fragen gegenüber herrscht… ablenkung, tv, internetgeballere statt dessen… brot und spiele!

demgegenüber soll nun keineswegs an dieser stelle etwa für den glauben an die wiederverkörperung eingetreten werden, weil „glauben“ für den heutigen menschen exakter wissenschaft nicht mehr in frage kommt. sehr wichtig aber wäre es, wenn sich heute immer mehr menschen mit diesem gedanken – und zwar zunächst rein hypothetisch -, vertraut machten. bald würden sie nämlich erfahren, dass dieser gedanke ein schlüssel zum verständnis vieler dinge ist, die sonst unverständlich oder unbeobachtet bleiben…
und dass er letztendlich das menschliche innere mächtig umgestaltet und bereichert.

niemand wagt heute mitzureden, z.b. über mathematik, der sie nicht studiert hat. sonst verrät er ja nur seine sach-unkenntnis und denk-ungeübtheit. das selbe gilt nun auch für die vorliegende frage. noch weniger aber sollte hier jemand aus reinen affekten agieren und argumentieren. denn die leidenschaftliche ablehnung der tatsache der wiederverkörperung, ja schon der bloßen frage danach, ist verräterisch. sie beweist nämlich nur, dass ein mensch sich hierdurch im innersten getroffen fühlt und dass er keineswegs aus nüchterner erkenntnis spricht. in diesem falle gibt es keine wiederverkörperung, weil es keine geben soll. hinter diesem „nicht sollen“ steckt ein wille, hinter diesem willen aber eine angst – und diese angst verteidigt sich, wenn es nicht anders geht, durch spott oder zorn. spott und zorn sind aber immerhin besser als gleichgültigkeit, denn sie zeigen wenigstens, dass ein mensch durch eine sache im innersten getroffen wurde…

es gibt nämlich gedanken, die man nicht einfach bloß so denken kann, sondern die etwas in uns aufrühren und von uns ein wachwerden fordern. aus der modernen psychotherapie wissen wir, wie heftige widerstände unser schlafendes wesen allem „bewusstwerden“ entgegenbringt, und zwar gerade dann, wenn es unbewusst und doch klar weiss: „es ist so, wie man mir sagt“.

bewusstwerden ist also grundsätzlich unbequem, denn es fordert freie verantwortung dort, wo wir bisher – durch illusionen gesichert – unseren selbstischen trieben nachgeben konnten. daher hat nun auch eine bestimmte kraft in uns interesse daran, dass es eben keine wiederverkörperung gibt und jede diskussion darüber durch gleichgültigkeit,spott oder offenem hass unterbunden wird… denn wer glaubt, der mensch suche von natur – und unter allen umständen – die wahrheit, ist eben verdammt blauäugig. der drache unseres kleinen egos – auch ichsucht genannt – widersetzt sich vielmehr allen erkenntnissen, die ihn an den hammelbeinen ans licht ziehen wollen. er wünscht vielmehr die lüge und illusion!

wer daher eine, mit dem innersten des menschen zusammenhängende wahrheit – wie es die wiederverkörperung ist – , anderen beweisen will, muss sich vorweg klarmachen: er kämpft nicht mit den reinen wissenschaftlichen erkenntniskräften seiner mitmenschen, sondern mit ihrem tiefunbewussten wider-willen, der sich hinter mehr oder weniger klugen „gegengründen“ verschanzt. wie zb:
meistgehört – und rein gefühlsmäßig: „ich habe an diesem erdenleben schon mehr als genug – bleib mir mit weiteren erdenleben vom leibe, alta“ dieser stoßseufzer ist allerdings mehr als verständlich. jeder von uns wünscht sich auch mal nach einem stressigen tag „ewig“ schlafen zu können und nie mehr zu erwachen – und doch kümmert sich unser tiefstes wesen nicht darum und strebt nach ausgiebigem schlaf erneut nach dem morgentlichem erwachen zu. schlaf und wachen gehören nun zusammen wie das licht und die finsternis…
unser wesen mag daher am ende eines aufreibenden lebens noch so lebensmüde sein, nach dem tode und dem reinen „geisterleben“ wird es doch ebenso nach „erdenschwere“ – sprich auch einer erneuten inkarnation – verlangen, wie es bei seinem tode die erdbefreiung verlangte… der genannte einwand warnt uns also nur davor, unsere vorübergehenden seelenstimmungen mit den tieferen daseinsgesetzen zu verwechseln.

tiefer sitzen schon folgende ablehnungen: 1. nach rückwärts blickend sagt man sich: wie – ich soll schon einmal auf erden gelebt haben? würde dies nicht bedeuten, dass nicht die umwelt, die vererbung und die schwierigen äußeren verhältnisse an meinen jetzigen problemen schuld wären, sondern ich selber daran beteiligt wäre – das wäre ja furchtbar! 2. nach vorwärts schauend: „was – ich nochmals geboren werden?ich will meine ruhe und nichts weiter! das wäre ja ne schöne bescherung, wenn dann meine in diesem leben so gut verborgenen begierden, intrigen etc. sich dann äußerlich z.b. in meinem gesichtsausdruck oder in krankheiten und fehlschlägen offen zutage träten – und ich erscheinen müsste, ganz wie ich jetzt war! wenn es
schon eine ausgleichende gerechtigkei geben sollte – dann doch lieber nur eine im jenseits, aber doch nicht bitte hier auf erden!“

die eigentlichen gründe für die ablehnung des gedankens der wiederverkörperung sind also in allen fällen immer diese beiden:

flucht und furcht. flucht vor der verantwortung für seine angeborenen eigenschaftenund schicksale, in dem man sie auf vererbung und milieu abschiebt; furcht vor dem offenbarwerden seines verborgenen moralischen gesinnungskernes, in dem man ein bloßes jenseits oder gar die absolute vernichtung der wiedergeburt vorzieht.

in diesen psychologischen flucht- und furchteffekten werden nun die menschen durch zwei große geistesströmungen bestärkt:
durch die aktuelle „biolgische vererbungslehre“ und durch die gegenwärtigen „christlichen konfessionen“

die vererbungslehre gibt die möglichkeit zu sagen: ich bin ein nichts – bloßein glied eines endlosen vererbungsstromes – ich gebe ja nur weiter, was ich selber empfing. was ich aber innerhalb meines erdenlebens an moralischen gesinnungen und handlungen vollbringe – ist mehr als egal, denn der tod ist meine absolute vernichtung (hallo – schauen wir uns die welt heute an: aus diesem denken entsteht die haltung: nach mir die sintflut).

kommen wir zu den konfessionen und ihren naiven sprüchen:
die menschliche seele wird im augenblick der konzeption von gott aus dem nichts erschaffen und nach göttlichem entschluss in diesen kranken, oder gesunde, glücklichen oder unglücklichen erdenschicksale geworfen. nicht sie, sondern gott trägt dafür die verantwortung. verantwortlich aber ist sie nur dafür, was sie aus ihrem gottgewollten schicksal macht und wie sie leiden und krankheiten moralisch trägt. danach bestimmt sich auch ihr nachtodliches und ewiges leben im jenseits…

die vererbungstheorie ist nun wenigstens insofern befriedigend, als sie eine antwort zu geben sucht auf die lebensfrage jedes menschen: warum bin ich so, wie ich bin und habe dieses schicksal.
die üblichen konfessionen aber haben gegenüber dieser frage nur den hinweis auf die „weisheit und allmacht gottes“.
dagegen muss sich aber eine moderne, zur freiheit erwachte seele mit recht auflehnen und empört ausrufen: hallooo, was kümmert mich der göttliche ratschluss! ich will verdammt noch mal die gründe wissen, warum gerade meine seele DIESES schicksal erhielt!

hier stehen wir nun vor der zentralen frage: was ist zufall bzw. was empfinden wir letztendlich als zufall? und die logik der wiedergeburt

folge 18:

wir beendeten den letzten eintrag folgendermaßen:

die vererbungstheorie ist nun wenigstens insofern befriedigend, als sie eine antwort zu geben sucht auf die lebensfrage jedes menschen: warum bin ich so, wie ich bin und habe dieses schicksal.
die üblichen konfessionen aber haben gegenüber dieser frage nur den hinweis auf die „weisheit und allmacht gottes“.
dagegen muss sich aber eine moderne, zur freiheit erwachte seele mit recht auflehnen und empört ausrufen: hallooo, was kümmert mich der göttliche ratschluss! ich will verdammt noch mal die gründe wissen, warum gerade ich DIESES schicksal erhielt!

hier stehen wir nun vor der zentralen frage: was ist zufall bzw. was empfinden wir letztendlich als zufall? und die logik der wiedergeburt

fahren wir fort:

hier stehen wir nun vor einer zentralen frage: was ist zufall – bzw. was empfinden wir letztlich als zufall? offenbar alles, was irgendwie von außen an uns herantritt und wofür wir die gründe nicht in unserer eigenen freiheit finden.
zufällig ist letztendlich alles, wofür wir uns nicht selber verantwortlich fühlen können.
für unser innerstes freies ich ist mithin der göttliche ratschluß ebenso zufall (oder fremde willkür) wie die vererbungsgesetze. denn eines sollte man sich klarmachen: die erklärung unseres wesens und schicksals durch die vererbung kann wohl unseren intellekt, niemals aber unser herz befriedigen. fragt unser innerstes wesen nach dem warum so liegt diese frage auf einer ebene, wo weder der ratschluss gottes noch die naturgesetze eine echte begründung abgeben können und daher beide gleicherweise als empörende vergewaltigung bzw. als zufall erscheinen müssen. unser innerstes wesen mag dann mit recht ausrufen: was kümmern mich die naturgesetze – was der ratschlag gottes! ich werde als mein eigentliches wesen und schicksal einzig nur anerkennen, was ich mir selber schuf!
denn was in uns fragt denn hier nach dem „warum“? offenbar weder der abstrakte intellekt noch religiöse gefühlsgläubigkeit, sondern etwas ganz anderes und viel tieferes: der wille zur freiheit und die bereitschaft zur vollen verantwortung! dieser wille aber anerkennt keine schranken und keine gründe, die er sich nicht selber gibt. und diese verantwortung ist zur hinnahme von allem, auch dem allerschwersten bereit, wenn es die selbstverschuldete folge eigenes tuns ist – diese freiheit will ganz unmittelbar der verantwortliche selbstschöpfer menschlichen wesens und schicksals sein und diese verantwortung will selbst den moralischen ausgleich für ihre taten herbeiziehen, selbst wenn dadurch die härteste schicksalsschule nötig wäre. denn als leistung unserer freiheit hat zu gelten keinsewegs allein nur unser aktiv-bewusstes tun, sondern ebenso sehr auch unser passiv-bewusstes erleiden der selber-bereiteten folgen!

in seinem wahren ich trägt jeder mensch den keim eines gottgleichen geistes. wer dieses menschenwesen kennt, weiß daher auch. alles kann ein mensch vollbringen und alles kann er erdulden, wofern es nur gelingt, diesen freien geistkeim zu erwecken.
das aber, was wir hier freiheit nennen, schläft leider auch heute noch in den meisten menschen – und deshalb schlafen sie auch ganz und gar in der region des schicksals – der schicksalsgestaltung – und werden ohne ihr wissen zum erleiden ihrer eigenen tatenfolgen gezwungen…

um diesen unwürdigen zustand zu überwinden, gibt es nun zwei wege:
1. der eine weg zur erkenntnis von „schicksal und wiederverkörperung“ ist die erweckung der freien tat- und verantwortungskraft. denn diese erkenntnis ist tatsächlich nichts anderes als eine moralische intuition der freiheit. keine anderen und mehr äußerlichen erkenntnisorgane (wie intellekt oder sinne) sind dazu fähig.
um diese freie tat- und verantwortungskraft versuchen sich die menschen – so lange es irgend geht – herumzudrücken… denn verantwortung für sein tun zu übernehmen – auch mit hinblick auf die folgen – ist arbeit und würde wohl für viele von uns bedeuten, sein bisheriges leben zu verändern…
die zweite stufe ist, sich auch verantwortlich zu wissen für seine inneren temperaments- und charakter stimmungen. wer dies nicht vermag, der sagt etwa: „aber ich konnte doch nicht anders – ihr wisst doch, ich bin so reizbar…“ würde er sich freilich tiefer beobachten, so sähe er hinter diesen seinen seeleneigenschaften den gefräßigen drachen seiner anmaßung, der gar nichts anderes will und im unbewussten reizbarkeit und cholerik geradezu bejahend geniesst…
die dritte stufe ist, sogar für dasjenige einzustehen, was man als körperliche beschaffenheit, als gesundheit oder krankheit an sich trägt…
die vierte und schwierigste stufe führt endlich den menschen ganz über sein inneres wesen hinaus und zu dem hin, was ihm von außen zustößt. hier erhebt sich die heftigste ablehnung, wenn negative ereignisse seinen weg kreuzen. ein unfall, der blitzschlag oder ähnliches lassen sich schnell als den bekannten zufall erklären – aber warum gerade mir?
warum sich aber das tiefste menschenwesen in solchen fällen in freiheit dafür entschied, werden nur durch eine rückschau auf frühere jahre oder jahrzehnte oder auf ein früheres erdenleben erkenn- und somit erklärbar.

2. der zweite weg zur erkenntnis von schicksal und wiederverkörperung bestünde daher in einer verstärkung der gedächtnis- und erinnerungskraft…

weiter zu folge 19

wir beendeten den letzten eintrag folgendermaßen:

der zweite weg zur erkenntnis von schicksal und wiederverkörperung bestünde daher in einer verstärkung der gedächtnis- und erinnerungskraft…

fahren wir fort:

ein oftmals gehörter einwand gegen die wieder-verkörperung ist folgender: „wie, ich soll schon mal gelebt haben – dann sollte ich aber etwas davon wissen. und wenn ich keine ahnung davon habe, dann sollte es mir gleichgültig sein, dann ist es nicht relevant für mich!“
dieser einwand ist mehr als berechtigt, sagt aber viel mehr über die möglichkeit oder fähigkeit aus, sich zu erinnern. denn – ob ein mensch sich an etwas erinnert oder nicht, das gehabte erlebnis oder die getane tat wirken doch nach. und ob er sein tagesbewusstsein bis in jene tiefen vortragen kann, um die ursachen der jetzigen ereignisse zu eruieren, besagt nichts gegen die zeitlose existenz seines wesenkernes, wohl aber etwas gegen die kraft seines bewusstseins.
bewusstseinsschulung, in diesem falle verstärkung der erinnerungskraft, ist also der zweite weg zur erlangung von einsicht in die wiederholten erdenleben.
übt man die erinnerungskraft zunächst in der rückschau, zB. vor dem einschlafen in der tagesrückschau oder auf einzelheiten unserer jugend und frühen kindheit, oder in dem man sich spätere, schwere enttäuschungen so recht deutlich wieder vergegenwärtigt, so können bald leise erinnerungs-ahnungen wie die folgenden aufsteigen: „ich war doch schon mal auf erden – nach dieser gegend zieht es mich so eigentümlich hin. dieser mensch ist mir so vertraut… etc.“
an stelle bewusster erkenntnisschulung können aber auch (besonders leidvolle) schicksalsereignisse die rolle eines erweckers spielen (die sog. schule des lebens). jedenfall steigen heute in immer mehr menschen ahnungen der wiederverkörperung auf.
das w i s s e n um diese steht auf der dritten stufe eines erweckungsweges, dessen 3 stufen die folgenden sind:

die erste stufe ist gekennzeichnet durch das erlebnis: es gibt nicht nur die körperliche, materielle wirklichkeit. sondern auch ein all-eines, weltdurchdringendes göttlich-geistiges.

die zweite stufe. das menschliche bewusstsein verdichtet sich so weit, dass es die unvernichtbarkleit des menschlichen wesenkernes erfährt.

ein noch kräftigeres bewusstsein erfordert die dritte stufe, weshalb sie heute nur sehr selten aus eigener kraft erreicht wird, so dass man sich sagen könnte: mein erdenleben ist zwar nach vergangenheit (konzeptional) und nach zukunft (tod) von einer rein geistig-seelischen daseinsform in der geisterwelt begrenzt. dringe ich aber tief genug in mein vorgeburtliches und nachtodliches geistdasein ein, so führt mich der weg wieder in ein leibliches erdendasein herab.

die höchste stufe des menschlichen geisterwachens führt also nicht – wie einseitige idealisten und jenseitsschwärmer meinen – immer weiter ins überirdisch-geistige hinweg, sondern gerade ins irdisch-materielle hinab, freilich in das eines vergangenen oder zukünftigen lebenslaufes. sie zeigt daher, wie sich stets physisch-leibliches (d.h. unser erdenschicksal) aus geistig-seelisch-moralischem (d.h. aus dem vorgeburtlichen) heraus gestaltet und wie auch wiederum das geistig-seelisch-moralische (d.h. unser nachtodliches dasein) durch das physisch-leibliche (d.h. durch unser erdenleben) geprägt wird.

aber gerade diese metamorphose von diesseits und jenseits, moral und natur ineinander widerstrebt dem heutigen denken, wobei folgendes beachtenswert ist:

die naturforscher nennen den gedanken an ein ineinanderwirken des geistig-seelischen und des materiell-naturhaften „schwärmerei“, die theologen hingegen vermuten darin „unchristliche“ oder gar „atheistische glaubenslosigkeit.

dilettantisch wäre es freilich, zu meinen, mit der lösung dieser einen frage (der wiederverkörperung) seien sogleich auch die letzten fragen nach dem warum und wozu der welt beantwortet…

+++

Reinkarnation und Karma
Die seit der Neuzeit wachsende Verantwortung des Menschen für sich selbst und seine Lebenswelt hat auch Konsequenzen für das eigene geistige Sein: einerseits wird der Mensch zunehmend das, was er selbst aus sich gemacht hat. Andererseits ist er konfrontiert mit den Folgen der eigenen Taten in der Welt:
http://www.anthromedia.net/de/themen/anthroposophie/reinkarnation-karma/

http://www.anthromedia.net/de/themen/anthroposophie/reinkarnation-karma/das-wesen-des-menschen/

http://www.anthromedia.net/de/themen/anthroposophie/reinkarnation-karma/wiederverkoerperung-des-geistes-und-schicksal/

http://www.anthromedia.net/de/themen/anthroposophie/reinkarnation-karma/einsicht-in-wiederverkoerperung-und-schicksal/

http://www.anthromedia.net/de/themen/anthroposophie/reinkarnation-karma/wo-befindet-sich-die-lehre-von-reinkarnation-und-karma/

Rudolf Steiner
WIE KARMA WIRKT
Erstveröffentlichung: „Lucifer“, Nr. 7, Dezember 1903 (GA Bd. 34, S.
93-107)

Der Schlaf ist oft der jüngere Bruder des Todes genannt worden.
Mehr, als man bei oberflächlicher Betrachtung vielleicht anzunehmen geneigt ist, versinnlicht dieses Gleichnis die Wege des Menschengeistes. Denn es gibt eine Idee davon, in welchem Sinne die mannigfaltigen Verkörperungen, welche dieser Menschengeist durchmacht, zusammenhängen.
In dem Aufsatz «Reinkarnation und Karma, vom Standpunkte der modernen Naturwissenschaft notwendige Vorstellungen» ist dargelegt worden, dass die gegenwärtige naturwissenschaftliche Vorstellungsart, wenn sie sich nur wirklich selbst versteht, zu der uralten Lehre von der Entwickelung des ewigen Menschengeistes durch
viele Leben hindurch führt. Notwendig schließt sich an diese
Erkenntnis die Frage: wie hängen diese mannigfaltigen Leben
miteinander zusammen? In welchem Sinne ist das Leben eines
Menschen die Wirkung seiner früheren Verkörperungen, und wie wird es zur Ursache der späteren? Ein Bild des Zusammenhanges von Ursache und Wirkung auf diesem Felde gibt das Gleichnis vom Schlafe.
Ich stehe des Morgens auf. Meine fortlaufende Tätigkeit war des Nachts unterbrochen. Ich kann diese Tätigkeit des Morgens nicht in beliebiger Weise wieder aufnehmen, wenn Regel und Zusammenhang in meinem Leben sein soll. Mit dem, was ich gestern getan habe, sind die Vorbedingungen geschaffen für das, was ich heute zu tun habe. Ich muss an das Ergebnis meines Wirkens von gestern anknüpfen.
In vollem Sinne des Wortes gilt es:
meine Taten von gestern sind mein Schicksal von heute. Ich habe mir selbst die Ursachen geformt, zu denen ich die Wirkungen hinzufügen muss. Und ich finde diese Ursachen vor, nachdem ich mich eine Weile von ihnen zurückgezogen habe. Sie gehören zu mir, auch wenn ich
einige Zeit von ihnen getrennt war.

Noch in einem anderen Sinne gehören die Wirkungen meiner Erlebnisse von gestern zu mir. Ich bin selbst wohl durch sie verändert worden. Man nehme an, ich habe etwas unternommen, das mir nur halb gelungen ist. Ich habe nachgedacht, warum dies teilweise Misslingen mich getroffen hat. Wenn ich etwas Ähnliches wieder zu verrichten habe, so vermeide ich die erkannten Fehler. Also ich habe mir eine neue Fähigkeit angeeignet. Dadurch sind meine Erlebnisse von gestern die Ursachen meiner Fähigkeiten von heute. Meine Vergangenheit bleibt mit mir verbunden; sie lebt in meiner Gegenwart weiter; und sie
wird mir in meine Zukunft hinein weiter folgen. Ich habe mir
durch meine Vergangenheit die Lage geschaffen, in der ich gegenwärtig mich befinde. Und der Sinn des Lebens verlangt, dass
ich mit dieser Lage verknüpft bleibe. Sinnlos wäre es doch,
wenn ich unter regelmäßigen Verhältnissen ein Haus, das ich mir habe bauen lassen, nicht beziehen würde.
Nicht erwachen müsste ich heute morgen, sondern neu, aus dem Nichts heraus geschaffen werden, wenn die Wirkungen meiner Taten von gestern nicht mein Schicksal von heute sein sollen. Und neu geschaffen, aus dem Nichts heraus entstanden, müsste der Menschengeist sein, wenn nicht die Ergebnisse seiner früheren Leben verknüpft blieben mit seinen späteren. Ja, der Mensch kann in gar keiner anderen Lage leben als in derjenigen, die durch sein Vorleben geschaffen worden ist.

Er kann es ebenso wenig wie die Tiere, die nach ihrer Einwanderung in die Höhlen von Kentucky das Sehvermögen verloren haben, anderswo als in diesen Höhlen leben können. Sie haben sich durch ihre Tat, durch die Einwanderung, die Bedingungen ihres späteren Lebens geschaffen. Eine Wesenheit, die einmal tätig war, steht in der Folge eben nicht mehr isoliert da; sie hat ihr Selbst in ihre Taten gelegt. Und alles, was sie wird, ist fortan verknüpft mit dem, was aus den Taten wird.

Diese Verknüpfung einer Wesenheit mit den Ergebnissen ihrer Taten ist das die ganze Welt beherrschende Gesetz vom Karma. Die Schicksal gewordeneTätigkeitistKarma.

Und deswegen ist der Schlaf ein gutes Bild für den Tod, weil der Mensch während des Schlafes in der Tat dem Schauplatz entzogen ist, auf dem sein Schicksal ihn erwartet. Während wir schlafen, laufen die Ereignisse auf diesem Schauplatz weiter. Wir haben eine Zeitlang auf diesen Lauf keinen Einfluss. Dennoch finden wir die Wirkungen unserer Taten wieder, und müssen an sie anknüpfen. Wirklich verkörpert sich unsere Persönlichkeit jeden Morgen aufs neue in unserer Tatenwelt. Was über die Nacht von uns getrennt war, ist tagsüber gleichsam um uns gelegt.

So ist es mit den Taten unserer früheren Verkörperungen. Ihre Ergebnisse sind der Welt, in der wir verkörpert waren, einverleibt. Sie ehören aber zu uns, wie das Leben in den Höhlen zu den Tieren gehört, die durch dieses Leben das Sehvermögen verloren haben. Wie diese Tiere nur leben können, wenn sie die Umgebung wiederfinden, an die sie sich angepasst haben, so kann der Menschengeist nur leben in der Umgebung, die er durch seine Taten, als die ihm entsprechende, sich geschaffen hat.
An jedem neuen Morgen wird der menschliche Körper gleichsam von neuem durchseelt. Die Naturforschung gibt zu, dass damit etwas vorgeht, was sie nicht begreifen kann, wenn sie sich bloß der Gesetze bedient, die sie in der physischen Welt gewonnen hat. Man halte sich vor, was der Naturforscher Du Bois-Reymond darüber in seiner Rede «Die Grenzen des Naturerkennens» gesagt hat: «Ein aus irgendeinem Grunde bewusstloses, zum Beispiel ohne Traum schlafendes Gehirn enthielte, naturwissenschaftlich (Du Bois-Reymond sagt «astronomisch») durchschaut, kein Geheimnis mehr, und bei naturwissenschaftlicher Kenntnis auch des übrigen Körpers wäre so die ganze menschliche Maschine, mit ihrem Atmen, ihrem Herzschlag,
ihrem Stoffwechsel, ihrer Wärme, und so fort, bis auf das Wesen von Materie und Kraft, völlig entziffert. Der traumlos Schlafende ist begreiflich, wie die Welt, ehe es Bewusstsein gab.

Wie aber mit der ersten Regung von Bewusstsein die Welt doppelt unbegreiflich ward, so wird es auch der Schläfer wieder mit dem ersten ihm dämmernden Traumbild.»

Das kann nicht anders sein. Denn, was der Naturforscher hier als den traumlos Schlafenden beschreibt, das ist dasjenige vom Menschen, was allein den physischen Gesetzen unterworfen ist. Es folgt aber in dem Augenblicke, in dem es wieder durchseelt erscheint, den Gesetzen des seelischen Lebens. Schlafend folgt der menschliche
Körper den physischen Gesetzen: der Mensch erwacht, und das Licht des vernünftigen Handelns schlägt wie ein Funke in das rein physische Dasein ein. Man drückt sich ganz im Sinne des Naturforschers Du Bois-Reymond aus, wenn man sagt: man kann den schlafenden Körper nach allen Seiten durchsuchen; das Seelische wird man nicht in ihm finden können.
Aber dieses Seelische setzt den Lauf seiner vernünftigen Taten da fort, wo es ihn vor dem Einschlafen unterbrochen hat.

So gehört der Mensch – auch für diese Betrachtung – zwei Welten an. In der einen lebt er körperlich, und dieses körperliche Leben kann
man am Faden physischer Gesetze verfolgen; in der anderen lebt er geistig-vernünftig, und über dieses Leben können wir durch physische Gesetze nichts erfahren. Wollen wir das eine Leben studieren, so müssen wir uns an die physischen Gesetze der Naturwissenschaft halten; wollen wir aber das andere Leben begreifen, so müssen wir die Gesetze des vernünftigen Handelns
kennenlernen, zum Beispiel Logik, Rechtslehre, Wirtschaftslehre, Ästhetik usw.
Der schlafende Menschenkörper, der nur den physischen Gesetzen unterliegt, kann niemals etwas vollbringen, was im Sinne der Vernunftgesetze liegt. Aber der Menschengeist trägt diese Vernunftgesetze in die physische Welt. Und soviel er in sie hineingetragen hat, soviel wird er von ihnen wiederfinden, wenn
er, nach einer Unterbrechung, den Faden seiner Tätigkeit wieder aufnimmt.

Bleiben wir noch eine Weile bei dem Bilde vom Schlaf. Die Persönlichkeit muss heute an ihre Taten von gestern anknüpfen, wenn das Leben nicht sinnlos sein soll. Sie könnte es nicht,
wenn sie sich nicht mit diesen Taten verknüpft fühlte. Das Ergebnis meiner Wirksamkeit von gestern könnte ich heute nicht aufnehmen, wenn nicht in mir selbst etwas von dieser Wirksamkeit geblieben wäre. Hätte ich heute alles vergessen, was ich gestern erfahren habe, so wäre ich ein neuer Mensch und könnte an nichts anknüpfen. Es ist mein Gedächtnis, das mir die Anknüpfung an meine gestrigen Taten ermöglicht. – Dieses Gedächtnis bindet mich an die Wirkungen meines Tuns. Dasjenige, was im eigentlichen Sinne meinem vernünftigen Leben angehört, zum Beispiel die Logik, ist heute dasselbe wie gestern.
Dies ist anwendbar auch auf dasjenige, was gestern durchaus nicht, was überhaupt niemals noch in meinen Gesichtskreis getreten ist. Mein Gedächtnis verbindet mein logisches Handeln von heute mit meinem logischen Handeln von gestern. Wenn es bloß auf die Logik ankäme, dann könnten wir in der Tat jeden Morgen ein neues Leben beginnen. Aber im Gedächtnisse bleibt aufbewahrt, was uns an unser Schicksal bindet.

So finde ich mich wirklich am Morgen als eine dreifache Wesenheit. Ich finde meinen Körper wieder, der während meines Schlafes seinen bloß physischen Gesetzen gehorcht hat. Ich finde mich selbst, meinen Menschengeist, wieder, der heute derselbeist wie gestern, und der heute die Gabe vernünftigen Handelns hat, wie gestern. Und ich finde alles dasjenige bewahrt im Gedächtnisse, was der gestrige Tag – was meine ganze Vergangenheit – aus mir gemacht hat.
Und damit haben wir zugleich ein Bild der dreifachen Wesenheit des Menschen.

In jeder neuen Verkörperung findet sich der Mensch in einem physischen Organismus, der den Gesetzen der äußeren Natur unterworfen ist. Und in jeder Verkörperung ist er derselbe Menschengeist. Als solcher ist er das Ewige in den mannigfaltigen Verkörperungen. Körper und Geist stehen einander gegenüber.
Zwischen beiden muss etwas sein wie das Gedächtnis zwischen meinen Taten von gestern und denen von heute ist. Und dies ist die Seele.

Sie bewahrt die Wirkungen meiner Taten aus den früheren Leben. Sie bewirkt, dass der Geist in einer neuen Verkörperung als dasjenige erscheint, was vorhergehende Leben aus ihm gemacht haben. So hängen Leib, Seele und Geist zusammen. Ewig ist der Geist; Geburt und Tod walten nach den Gesetzen der physischen Welt in der Körperlichkeit; beide führt die Seele immer wieder zusammen, indem sie aus den Taten das Schicksal webt.

Auch für den Vergleich der Seele mit dem Gedächtnis ist eine Berufung auf die gegenwärtige Naturwissenschaft möglich. Im Jahre 1870 hat der Naturforscher Ewald Hering eine Abhandlung veröffentlicht, die den Titel trägt: «Über das Gedächtnis als eine allgemeine Funktion der organisierten Materie». Und Ernst Haeckel stimmt mit den Ansichten Herings überein. Er sagt in
seiner Arbeit «Über die Wellenzeugung der Lebensteilchen» das Folgende: «In der Tat überzeugt uns jedes tiefere Nachdenken, dass ohne die Annahme eines unbewussten Gedächtnisses der
lebenden Materie die wichtigsten Lebensfunktionen überhaupt unerklärbar sind. Das Vermögen der Vorstellung und Begriffsbildung, des Denkens und Bewusstseins, der Übung und Gewöhnung, der Ernährung und Fortpflanzung beruht auf der Funktion des unbewussten Gedächtnisses, dessen Tätigkeit unendlich viel bedeutungsvoller ist, als dasjenige des bewussten Gedächtnisses. Mit Recht sagt Hering: Und nun versucht Haeckel die Vorgänge der Vererbung innerhalb der Lebewesen auf dieses unbewusste Gedächtnis zurückzuführen.

Dass das Tochterwesen dem Mutterwesen ähnlich ist, dass von dem letzteren die Eigenschaften auf das erstere vererbt werden, soll danach auf dem unbewussten Gedächtnis des Lebendigen beruhen, das im Laufe der Fortpflanzung die Erinnerung an vorhergehende Formen bewahrt. Es ist hier nicht zu untersuchen, was an den Darstellungen Herings und Haeckels naturwissenschaftlich
haltbar ist; für die Ziele, die hier verfolgt werden, ist lediglich wichtig, dass der Naturforscher sich gezwungen sieht, da, wo er
über Geburt und Tod hinausgeht, wo er etwas voraussetzen muss, was den Tod überdauert, dass er da eine Wesenheit annimmt, die er sich dem Gedächtnis ähnlich denkt. Er greift naturgemäß zu einer übersinnlichen Kraft, da, wo die Gesetze der physischen Natur nicht hinreichen.
Man muss übrigens beachten, dass es sich hier zunächst nur um einen Vergleich, um ein Bild handelt, wenn von Gedächtnis gesprochen wird. Man darf nicht glauben, dass wir unter Seele etwas verstehen, was ohne weiteres dem bewussten Gedächtnis gleichkommt. Auch im gewöhnlichen Leben ist ja nicht immer bewusstes Gedächtnis im Spiele, wenn man sich die Erlebnisse der Vergangenheit zunutze macht. Die Früchte dieser Erlebnisse tragen wir in uns, auch wenn wir uns nicht bewusst an das Erlebte immer erinnern. Wer erinnert sich an alle Einzelheiten, durch die er lesen und schreiben gelernt hat? Ja, wem sind diese Einzelheiten überhaupt alle zum Bewusstsein gekommen? Die Gewohnheit zum Beispiel ist eine Art unbewussten Gedächtnisses. Nur hingedeutet werden soll eben durch den Vergleich mit dem Gedächtnis auf das Seelische, das sich zwischen Körper und Geist einschiebt und den Vermittler bildet zwischen dem Ewigen und dem, was als Physisches in den Lauf von Geburt und Tod eingesponnen ist.

Der Geist, der sich wiederverkörpert, findet also innerhalb der physischen Welt die Ergebnisse seiner Taten als sein Schicksal
vor; und die Seele, die an ihn gebunden ist, vermittelt seine Anknüpfung an dieses Schicksal. Man kann nun fragen: wie kann
der Geist die Ergebnisse seiner Taten vorfinden, da er doch wohl bei seiner Wiederverkörperung in eine völlig andere Welt versetzt wird gegenüber derjenigen, in der er vorher war?

Dieser Frage liegt eine sehr äußerliche Vorstellung von Schicksalsverkettung zugrunde. Wenn ich meinen Wohnplatz von Europa
nach Amerika verlege, so befinde ich mich auch in einer völlig neuen Umgebung. Und dennoch hängt mein Leben in Amerika von meinem vorhergehenden in Europa ganz ab. Bin ich in Europa Mechaniker geworden, so gestaltet sich mein Leben in Amerika ganz anders, als wenn ich Bankbeamter geworden bin.
In dem einen Falle werde ich wahrscheinlich in Amerika von Maschinen,in dem andern von Bankpapieren umgeben sein. In jedem Falle bestimmt mein Vorleben meine Umgebung, es zieht gleichsam aus der ganzen Umwelt diejenigen Dinge an sich, die ihm verwandt sind.

So ist es mit meiner Geist-Seele. Sie umgibt sich notwendig mit demjenigen, mit dem sie aus dem Vorleben verwandt ist. Für niemand kann das dem Gleichnis von Schlaf und Tod widersprechen, der sich bewusst ist, dass er es eben nur mit einem Gleichnis – wenn auch mit einem der treffendsten -zu tun hat. Dass ich am Morgen die Lage vorfinde, die ich am vorhergehenden Tage selbst geschaffen, dafür sorgt der unmittelbare Gang der Ereignisse. Dass ich, wenn ich mich wieder verkörpere, eine Umwelt vorfinde, die dem Ergebnis meiner Taten in dem vorhergehenden Leben entspricht: dafür sorgt die Verwandtschaft meiner wieder geborenen Geistseele mit den
Dingen dieser Umwelt.
Was führt mich in diese Umwelt hinein? Unmittelbar die Eigenschaften meiner Geistseele bei der neuen Verkörperung. Aber diese Eigenschaften habe ich doch nur, weil die Taten meiner früheren Leben sie der Geistseele eingeprägt haben. Diese Taten sind also die wirkliche Ursache, warum ich in bestimmte Verhältnisse hineingeboren werde. Und was ich heute tue, wird mit eine Ursache sein, warum ich in einem späteren Leben diese oder jene Verhältnisse antreffen werde.

– So schafft sich der Mensch in der Tat sein Schicksal. Dieses erscheint nur so lange unbegreiflich, als man das einzelne Leben
für sich betrachtet und es nicht als ein Glied der aufeinander folgenden Leben ansieht.
So kann man sagen, dass den Menschen im Leben nichts treffen kann, wozu er nicht selbst die Bedingungen geschaffen hat.
Durch die Einsicht in das Schicksalsgesetz – in Karma -wird erst begreiflich, warum „der Gute“ oft leiden muss, und „der Böse“ glücklich sein kann. Diese scheinbare Disharmonie des einen
Lebens verschwindet, wenn der Blick erweitert wird auf die vielen Leben.

So einfach wie einen gewöhnlichen Richter, oder wie die staatliche Justizpflege darf man sich allerdings das Karmagesetz nicht vorstellen. Das wäre so, wie wenn man sich Gott als alten Mann mit weißem Bart vorstellte. Viele verfallen in diesen Fehler.

Namentlich die Gegner der Karmaidee gehen von solch irrtümlichen Voraussetzungen aus. Sie kämpfen gegen die Vorstellung, die sie den Bekennern von Karma unterschieben, nicht gegen diejenige, welche die wahren Kenntnisse haben.

In welchem Verhältnisse befindet sich der Mensch zur physischen Umwelt, wenn er in eine neue Verkörperung eintritt?

Dieses Verhältnis ergibt sich einerseits daraus, dass er in der Zwischenzeit zwischen den beiden Verkörperungen keinen Anteil gehabt hat an der physischen Welt; andererseits daraus, welches seine Entwickelung in dieser Zwischenzeit war. Klar ist von vornherein, dass in diese Entwickelung nichts aus der physischen Welt einfließen kann, denn die Geistseele befindet sich ja eben außerhalb dieser physischen Welt. Sie kann daher alles, was in ihr vorgeht, nunmehr bloß aus sich selbst, beziehungsweise aus der überphysischen Welt schöpfen. War sie innerhalb der Verkörperung in die physische Tatsachenwelt verstrickt, so ist nach der Entkörperung der unmittelbare Einfluss dieser Tatsachenwelt von ihr genommen. Und geblieben ist ihr lediglich aus derselben das, was wir mit dem Gedächtnisse verglichen haben.

Aus zwei Teilen besteht dieser «Gedächtnisrest». Seine Teile ergeben sich, wenn man in Erwägung zieht, was zu seiner Bildung beigetragen hat. Der Geist hat in dem Körper gelebt und ist daher durch den Körper in Beziehung zur körperlichen Umwelt gekommen. Diese Beziehung hat ihren Ausdruck darin gefunden, dass sich vermittelst des Körpers Triebe, Begierden, Leidenschaften entwickelt haben, und dass sich, durch diese, äußere Handlungen vollzogen haben.

Weil er körperlich ist, handelt der Mensch unter dem Einflusse der Triebe, Begierden und Leidenschaften. Und diese haben nach zwei Seiten hin ihre Bedeutung. Sie drücken auf der einen Seite den äußeren Handlungen, die der Mensch begeht, den Stempel au£.

Und sie formen auf der anderen Seite seinen persönlichen Charakter. Die Handlung, die ich begehe, ist die Folge meiner Begierde; und ich selbst bin als Persönlichkeit das, was diese Begierde zum Ausdruck bringt. Die Handlung geht in die Außenwelt über; die Begierde bleibt in meiner Seele wie die Vorstellung in meinem
Gedächtnisse. Und wie zunächst das Vorstellungsbild in meinem Gedächtnisse durch jeden neuen gleichartigen Eindruck
verstärkt wird, so die Begierde durch jede neue Handlung, die ich unter ihrem Einflusse vollziehe. So lebt in meiner Seele wegen des körperlichen Daseins eine Summe von Trieben, Begierden und Leidenschaften. Man bezeichnet diese Summe als den «Körper des Verlangens» (Kama rupa).
Dieser «Körper des Verlangens» hängt innig mit dem physischen Dasein zusammen. Denn er entsteht ja unter dem Einfluss der physischen Körperlichkeit. Von dem Augenblicke an, in dem der Geist nicht mehr verkörpert ist, kann er daher seine Bildung nicht mehr fortsetzen. Der Geist muss sich von ihm befreien, insofern er durch ihn mit dem einzelnen physischen Leben zusammengehangen hat. Auf das physische Leben folgt ein anderes, in dem diese Befreiung vor sich geht. Man kann fragen:
Ist denn mit dem Tode nicht auch dieser «Körper des Verlangens» zerstört? Die Antwort darauf ist: Nein,in dem Maße,in dem in jedem Augenblicke des physischen Lebens das Verlangen die Befriedigung überwiegt, in dem Maße bleibt das Verlangen bestehen, wenn die Möglichkeit der Befriedigung aufgehört hat. Nur ein Mensch, der gar nichts wünscht von der sinnlichen Welt, hat keinen Überschuss des Verlangens über die Befriedigung. Nur der wunschlose Mensch stirbt, ohne in seinem Geiste eine Summe von Verlangen zurückzubehalten. Und diese Summe muss nach dem Tode gleichsam abklingen. Der Zustand dieses Abklingens wird «Aufenthalt im Orte des Verlangens» (in Kamaloka) genannt. Man sieht leicht ein, dass dieser Zustand um so länger dauern muss, je mehr der Mensch sich mit dem
sinnlichen Leben verbunden gefühlt hat.

Der zweite Teil des «Gedächtnisrestes» wird auf andere Art gebildet Wie das Verlangen den Geist nach dem vergangenen Leben zieht, so weist ihn dieser andere Teil nach der Zukunft. Der
Geist hat sich durch seine Tätigkeit im Körper mit der Welt bekannt gemacht, der dieser Körper angehört. Jede neue Anstrengung, jedes neue Erlebnis erhöht diese seine Bekanntschaft. In
der Regel macht der Mensch zum zweitenmal ein jedes Ding besser als beim ersten Versuch. Die Erfahrung, das Erlebnis prägt sich dem Geiste als eine Erhöhung seiner Fähigkeiten ein.

So wirkt unsere Erfahrung auf unsere Zukunft, und wenn wir nicht mehr Gelegenheit haben, Erfahrungen zu machen, dann bleibt das Ergebnis dieser Erfahrungen als «Gedächtnisrest».
Aber keine Erfahrung könnte auf uns wirken, wenn wir nicht die Fähigkeiten hätten, den Nutzen aus ihr zu ziehen. Wie wir die Erfahrung aufnehmen können, was wir aus ihr zu machen vermögen, davon hängt es ab, was sie für unsere Zukunft bedeutet. Für Goethe war ein Erlebnis etwas anderes als für seinen Kammerdiener; und es hatte durch den ersteren ganz andere Folgen als durch den letzteren. Welche Fähigkeiten wir uns durch ein Erlebnis erwerben, hängt somit von der geistigen Arbeit ab, die wir in Verbindung mit dem Erlebnisse vollbringen.
Ich habe in einem gewissen Augenblicke meines Lebens immer eine Summe von Ergebnissen meiner Erfahrung in mir. Und diese Summe bildet die Anwartschaft auf Fähigkeiten, die in der
Folge zutage treten können. Eine solche Summe von Erfahrungen besitzt der Menschengeist bei seiner Entkörperung. Sie nimmt er ins übersinnliche Leben hinüber. Verknüpft ihn nun kein körperliches Band mehr mit dem physischen Dasein, und hat er auch die Wünsche abgestreift, die ihn an dieses physische Dasein ketten, dann ist ihm die Frucht seiner Erfahrung geblieben. Und diese Frucht ist ganz von der unmittelbaren Einwirkung des vergangenen Lebens befreit. Der Geist kann nun lediglich darauf sehen, was sich für die Zukunft daraus formen lässt.

So ist der Geist, nachdem er den «Ort des Verlangens» verlassen hat, in einem Zustande, in dem sich seine Erlebnisse der früheren Leben in Keime – Anlagen, Fähigkeiten usw. – für die Zukunft umsetzen. Man bezeichnet das Leben des Geistes in diesem Zustande als den Aufenthalt in dem «Orte der Wonne» (Devachan). («Wonne» kann ja einen Zustand bezeichnen, der alle Sorge um das Vergangene vergessen macht, und das Herz
lediglich für die Zukunft schlagen lässt.) Es erhellt von selbst, dass dieser Zustand im allgemeinen umso länger dauern wird, eine je größere Anwartschaft beim Tode auf die Aneignung
neuer Fähigkeiten vorhanden ist. Hier kann es sich natürlich nicht darum handeln, alle Erkenntnisse zu entwickeln, die sich auf den Menschengeist beziehen. Es soll nur gezeigt werden, wie das Karmagesetz im physischen Leben wirkt. Dazu ist zunächst hinreichend zu wissen, was der Geist aus diesem physischen Leben in übersinnliche Zustände mit hin-übernimmt, und
was er davon zu einer neuen Verkörperung wieder mit zurückbringt. Er bringt die zu Eigenschaften seines Wesens gewordenen Ergebnisse der in früheren Leben gemachten Erlebnisse mit.

Um die Tragweite davon einzusehen, braucht man sich den Vorgang nur an einem einzelnen Beispiele klar zu machen.
Kant sagt: «Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer zunehmender Bewunderung: der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.» Jeder Denkende gibt nun zu, dass der
gestirnte Himmel nicht aus dem Nichts heraus entsprungen ist, sondern sich allmählich gebildet hat. Und Kant selbst ist es, der 1755 in einer grundlegenden Schrift die allmähliche Bildung
eines Kosmos zu erklären suchte. Aber ebenso wenig darf man die Tatsache des moralischen Gesetzes ohne eine Erklärung hinnehmen. Auch dieses moralische Gesetz ist nicht aus dem
Nichts heraus entsprungen. In den anfänglichen Verkörperungen, die der Mensch durchgemacht hat, sprach in ihm das moralische Gesetz nicht so, wie es in Kant gesprochen hat. Der primitive Mensch handelt ganz so, wie es einen Begierden entspricht. Und er nimmt die Erlebnisse, die er mit solchem Handeln gemacht hat, hinüber in die übersinnlichen Zustände. Hier werden sie zu höherer Fähigkeit. Und in einer weiteren Verkörperung wirkt in ihm nicht mehr die bloße Begierde, sondern sie wird bereits mitgelenkt durch die Wirkungen der vorher gemachten Erfahrungen. Und viele Verkörperungen sind notwendig, bis der ursprünglich ganz den Begierden hingegebene Mensch seiner Umwelt das geläuterte moralische Gesetz gegenüberstellt, das Kant als etwas bezeichnet, zu dem man mit ebensolcher Bewunderung wie zu dem Sternenhimmel aufblickt.

Die Umwelt, in die der Mensch durch eine neue Verkörperung hineingeboren wird, bringt ihm die Ergebnisse seiner Taten, als sein Schicksal, entgegen. Er selbst tritt in diese Umwelt mit den
Fähigkeiten, die er in den übersinnlichen Zuständen sich aus seinen früheren Erlebnissen heraus gebildet hat. Deshalb werden auch seine Erlebnisse in der physischen Welt im allgemeinen auf einer um so höheren Stufe stehen, je öfter er sich verkörpert hat, oder je größer seine Anstrengungen innerhalb seiner früheren Verkörperungen gewesen sind. Dadurch wird die
Pilgerfahrt durch die Verkörperungen hindurch eine Aufwärtsentwicklung sein. Immer reicher wird der Schatz, den seine Erfahrungen in seinem Geiste ansammeln. Und damit tritt er immer reifer seiner Umwelt, seinem Schicksal entgegen. Das macht ihn immer mehr zum Herrn des Schicksals. Denn das ist es ja gerade, was er aus seinen Erlebnissen gewinnt, dass er die
Gesetze der Welt durchschauen lernt, in welcher sich diese Erlebnisse abspielen. Erst findet sich der Geist in der Umwelt nicht zurecht. Er tappt im dunkeln. Aber mit jeder neuen erkörperung wird es heller um ihn. Er erwirbt sich das Wissen, die Kenntnis der Gesetze seiner Umwelt; mit anderen Worten:
er vollbringt immer mehr mit Bewusstsein, was er vorher in Dumpfheit vollbracht hat. Immer geringer wird der Zwang der Umwelt; immer mehr vermag der Geist sich selbst zu bestimmen. Der Geist aber, der sich aus sich selbst bestimmt, das ist der freie Geist.

Ein Handeln im vollen hellen Lichte des Bewusstseins ist ein freies Handeln (s. dazu: http://mikeondoor.blog.de/2014/01/17/zwang-freiheit-menschliche-handeln-hochaktuelle-thematik-losen-folgen-17603279/ ).

Die volle Freiheit des Menschengeistes ist das Ideal seiner Entwickelung. Man kann nicht
fragen: ist der Mensch frei oder unfrei? Die Philosophen, welche die Frage nach der Freiheit so stellen, können niemals zu einem klaren Gedanken darüber kommen. Denn der Mensch ist im gegenwärtigen Zustande weder frei noch unfrei; sondern er befindet sich auf dem Wege zur Freiheit. Er ist teilweise frei, teilweise unfrei. Er ist in dem Maße frei, als er sich Erkenntnis, Bewusstsein des Weltzusammenhanges, erworben hat.
Dass unser Schicksal, unser Karma in Form einer unbedingten Notwendigkeit an uns herantritt, ist kein Hindernis unserer Freiheit.
Denn wenn wir handeln, treten wir ja mit dem Maße unserer Selbständigkeit, die wir uns erworben haben, an dieses Schicksal heran.

Nicht das Schicksal handelt, sondern wir handeln in Gemäßheit der Gesetze dieses Schicksals.

Wenn ich ein Streichholz anzünde, so entsteht das Feuer nach notwendigen Gesetzen; aber ich habe erst diese notwendigen Gesetze in Wirksamkeit versetzt. Ebenso kann ich eine Handlung nur vollziehen im Sinne der notwendigen Gesetze eines
Karma; aber ich bin es, der diese notwendigen Gesetze in Wirksamkeit versetzt. Und durch die von mir ausgehende Tat wird neues Karma geschaffen, wie das Feuer nach notwendigen Naturgesetzen weiter wirkt, nachdem ich es angezündet habe.
Damit ist zugleich Licht geworfen auf einen andern Zweifel, der in bezug auf die Wirksamkeit des Karmagesetzes jemand befallen kann. Man könnte nämlich vielleicht sagen: wenn Karma ein unabänderliches Gesetz ist, dann sei es ein Unding, jemand zu helfen. Denn was ihn trifft, sei die Folge seines Karma, und es sei schlechterdings notwendig, dass ihn dies oder jenes treffe.
Gewiss, die Wirkungen des Schicksals, das sich ein Menschengeist in früheren Verkörperungen geschaffen hat, kann ich nicht aufheben. Aber es handelt sich darum, wie er sich mit diesem Schicksal zurechtfindet, und welches neue Schicksal er sich unter dem Einflusse des alten schafft. Helfe ich ihm, so kann ich bewirken, dass er durch seine Taten seinem Schicksal eine günstige Wendung gibt; unterlasse ich die Hilfe, so tritt vielleicht das Gegenteil ein. Allerdings wird es darauf ankommen, ob meine
Hilfe eine weise oder unweise ist.

Eine Höherentwicklung des Menschengeistes bedeutet sein Fortschreiten durch immer neue Verkörperungen. Diese Höherentwicklung kommt dadurch zum Ausdrucke, dass die Welt, in
der des Geistes Verkörperungen stattfinden, von diesem immer mehr durchschaut wird. Zu dieser Welt gehören aber die Verkörperungen selbst. Auch in bezug auf sie tritt der Geist aus dem Zustande der Unbewusstheit in den der Bewusstheit.

Auf dem Wege der Entwickelung liegt der Punkt, in dem der Mensch mit voller Bewusstheit auf seine Verkörperungen zurückzuschauen vermag. – Dies ist eine Vorstellung, über die man leicht spotten kann; und es ist natürlich kinderleicht, sie abfällig zu kritisieren. Wer das aber tut, hat von der Art solcher Wahrheiten keinen Begriff. Und Spott sowohl wie Kritik legen sich
wie in Drache vor das Tor des Heiligtums, innerhalb dessen man sie erkennen kann. Denn von Wahrheiten, deren Verwirklichung für den Menschen erst in der Zukunft liegt, ist es wohl selbstverständlich, dass er sie in der Gegenwart nicht als Tatsache auffinden kann. Es gibt nur einen Weg, um sich von ihrer Wirklichkeit zu überzeugen; und der ist, sich anzustrengen, um
diese Wirklichkeit zu erreichen.

Anmerkungen
Ich kann mir denken, dass es viele gibt, die auf dem Gipfel der Wissenschaftlichkeit zu stehen glauben, und welche die folgenden Auseinandersetzungen «ganz unwissenschaftlich» finden. Ich kann diese verstehen, denn ich
weiß, dass zu diesem Einwand notwendig derjenige gedrängt wird, der keine Erfahrung auf übersinnlichem Gebiete hat und der zugleich nicht die nötige Zurückhaltung und Selbstbescheidenheit hat, um zuzugeben, dass er noch etwas lernen könne. Nur wenigstens das eine sollten solche Menschen nicht sagen, dass die hier vorgebrachten Vorgänge dem «Verstande widersprechen»,und dass man sie «mit dem Verstande nicht beweisen kann». Der Verstand kann gar nichts tun, als Tatsachen kombinieren und systematisieren.
Tatsachen kann man erfahren, aber nicht «mit dem Verstande beweisen».
Mit dem Verstande kann man auch einen Walfisch nicht beweisen. Den muss man entweder selbst sehen, oder sich von denen beschreiben lassen, die einen gesehen haben. So ist es auch mit übersinnlichen Tatsachen. Ist man noch nicht so weit, sie selbst zu sehen, so muss man sie sich beschreiben lassen. Ich kann jedermann die Versicherung geben, dass die übersinnlichen
Tatsachen, die ich im folgenden beschreibe, für den, dessen höhere Sinne geöffnet sind, ebenso «tatsächlich» sind wie der Walfisch.

Für diejenigen, welche an die gangbaren theosophischen Ausdrücke gewöhnt sind, bemerke ich folgendes. (Ich entlehne meine Ausdrücke aus gewissen Gründen einer okkulten Sprache, die in den Bezeichnungen von der in den verbreiteten theosophischen Schriften üblichen etwas abweicht, in der Sache aber natürlich mit ihnen völlig übereinstimmt. Daher eben will ich hier die eine Ausdrucksweise mit der anderen zusammenstellen.) Jede der oben angegebenen Wesenheiten: Leib, Seele, Geist besteht wieder aus drei Gliedern. Dadurch der Mensch aus neun Gliedern gebildet. Der Leib besteht aus: 1. dem eigentlichen Leib, 2. dem Lebensleib, 3. dem Empfindungsleib. Die Seele besteht aus 4. der Empfindungsseele 5. der Verstandesseele und 6. der Bewusstseinsseele. Der Geist besteht aus 7. Geistselbst, 8. Lebensgeist 9. Geistesmensch. Im verkörperten Menschen verbinden sich (fließen ineinander) 3 und 4 und 6 und 7 Dadurch erscheinen für ihn die neun auf sieben Glieder zusammengezogen und man erhält die übliche theosophische Einteilung des Menschen. 1. der eigentliche Leib (Sthula sharira) 2.der Lebensleih (Prana), 3. der von der Empfindungsseele durchsetzte Empfindungsleib (Astralkörper, Kama rupa), 4. die Verstandesseele (Kama manas) 5 die vom Geist selbst durchsetzte Bewusstseinsseele (Buddhi manas), 6. der
Lebensgeist (Buddhi), 7. der Geistesmensch (Atma).
RUDOLF STEINER ONLINE ARCHIV
http://anthroposophie.byu.edu
4. Auflage 2010

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Nebenübungen für die Charakterschulung / Rudolf Steiner

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„Die Pathologie wird zur Normalität“. Aktuelles Kurzvideo mit Hans Joachim Maaz
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Kurt Tepperwein: „…machen Sie sich bewusst, Sie sind als ein Gott verkleideter Mensch, der freiwillig in die Begrenzung der menschlichen Existenz gegangen ist.“
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